Mittwoch, 14. Dezember 2016

Berlin – die Hauptstadt der Kiffer?

 

Landesdrogenbeauftragte des Senats sagt Ja

 

Foto: schmiddie

 

Sadhu van Hemp

 

Sechs Tage benötigte der Schöpfer zur Schöpfung von Himmel und Erde. Am siebten Tag ruhte er aus. Vor einer ähnlichen Aufgabe stand vor sechs Tagen der neue Berliner Senat. Doch der hat nicht erst bis zum siebten Tag gewartet, sondern gleich am ersten Werktag die Hände in den Schoß gelegt.

Zur Erinnerung: Am 18. September wurden die Christdemokraten von den Berlinern zum Teufel gejagt – in dem Aberglauben, ein rot-rot-grüner Senat würde die Ärmel hochkrempeln und im Sodom und Gomorrha an der Spree paradiesische Zustände schaffen. Knapp drei Monate mussten sich die Bürger gedulden, bis am 8. Dezember nach schier endlosen Koalitionsverhandlungen die neuen Senatoren vereidigt wurden und ihre Büros bezogen. Eine neue Chefin gibt’s auch in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Dilek Kolat ist fortan zuständig für die Hege und Pflege des Bürokratiemonsters mit seinen unzähligen parasitären „gemeinnützigen“ GmbHs. Die 49-jährige gelernte Bankerin mit SPD-Parteibuch ist bereits seit 2011 Senatsmitglied und bestens darin geübt, sich den verfilzten Beamtenapparat samt seiner Verflechtungen in die Wirtschaft nicht zum Feind zu machen.

 

Und so wundert es nicht, dass die Neue alles hübsch beim Alten lässt und der Berliner Amtsschimmel wie gewohnt wiehern kann, wie er will. So geschehen gestern, als der RBB ein Interview mit der Landesdrogenbeauftragten veröffentlichte. Als wenn nichts gewesen wäre, ist sie in alter Frische zurück, die willige Helferin des alten Senats. Seit 2007 ist Christine Köhler-Azara die amtlich bestellte Spaßbremse, die denen zum Munde redet, die sie füttern. 2014 war es diese Person, die die Berliner Regelung zum straffreien Cannabis-Besitz für falsch hielt und die Absenkung der geringen Menge von 15 auf sechs Gramm forderte. Damit blies die Landesdrogenbeauftragte ins gleiche Horn wie der Law & Order-Mann Frank Henkel (CDU), der seinerzeit mit dem eisernen Besen durch Kreuzberg ging, um (vergeblich) den Straßenhandel mit Kleinstmengen auszurotten.

Auch die Diplomsoziologin Köhler-Azara hat kein Herz für „ungeniert“ im Park kiffende Kiffer: Das vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bei der Bundesopiumstelle beantragte Coffeeshopmodell lehnte sie lautstark ab. Unvergessen auch ihr Engagement für die Steuerverschwendung der großzügig ausgestatten Aufklärungskampagne „Zu breit?“. Und wie war das noch mit dem „Drogen-Rucksack“, der von der dubiosen „Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin gGmbH“ an Berliner Schulen verteilt wird, um Siebt- bis Zehntklässler u.a. mit Rauschbrillen zu traumatisieren?

 

Die 59-jährige Köhler-Azara wäre jedoch keine im Berliner Filz erfolgreiche graue Maus, wenn sie nicht einen Wendehals hätte. Dankbar darüber, dass ihre Person nicht in Frage gestellt wird, tanzt sie nun nach der Pfeife der neuen Chefin von der SPD und gibt sich untertänig. Ja, Rückgratlosigkeit ist Köhler-Azaras Lebensstrategie. Auf dem bequemen Weg von der Schulbank über den Hörsaal in den Berliner Verwaltungssumpf hat es die Staatsdienerin von der Pieke auf gelernt, mit dem Strom zu schwimmen und sich bis zur Pensionierung vom Steuerzahler aushalten zu lassen.

Logisch also, dass die gerade noch so geduldete Landesdrogenbeauftragte in den sechs Tagen der neuen Regierung schlauer geworden ist: „Vom Zeitgeist her würde ich sagen, läuft alles darauf hinaus, dass Cannabis Alltagsdroge wird.“

Auch bislang unerwünschte Zahlen sind plötzlich verfügbar: 41,5 Prozent der Berliner zwischen 15 und 64 Jahren haben in Berlin schon Cannabis probiert. Ja, richtig gelesen – vier von zehn Spreeathenern wissen, wie tödlich Haschgift ist. Die 30-Tage-Prävalenz bei 15- bis 17-Jährigen liegt bei 11,7 Prozent, die bei 18- bis 24-Jährigen bei 10,5 Prozent. Der Anteil der kiffenden Berliner ist in der Zwölf-Monats-Prävalenz sogar noch höher: bei 15 bis 17-Jährigen 16,7 Prozent und bei 18 bis 24-Jährigen 25 Prozent.

 

In Anbetracht dieser Horrorzahlen müsste der Regierende Bürgermeister der Vollversagerin höchstselbst die Kostümjacke über beide Ohren ziehen. Doch halt! Die Zehnjahresbilanz der Landesdrogenbeauftragten mag zwar auf den ersten Blick schlecht aussehen, aber wer genauer hinsieht, muss zugeben: Die Frau ist unser V-Mann – und das ist auch gut so.

5 Antworten auf „Berlin – die Hauptstadt der Kiffer?

  1. Fridel

    Sadhu – Meister des Wortes – und mein persönlicher Held 🙂
    Schön, das es Deine Artikel gibt. Deshalb möchte ich mich schon mal für deine Arbeit in diesem Jahr bedanken. Mir ist keine 2. Person bekannt, die so präzise, humorvoll und kritisch über Missstände in der Hanfpolitik berichtet.
    Erhalte Dir auch fürs nächste Jahr deine besten Eigenschaften und Rutsch gut durch !
    MfG,
    Fridel

  2. Sternsch I. Gard

    Na is doch gut wenn die Alte jetzt den neuen Herren nach dem Mund redet und darduch Einsicht gewinnt. Is mir lieber, als wenn sie weiter ihren dämlichen Mist erzählt. Hoffen wir, dass die Bundestagswahl 2017 uns auch ne Rot-Rot-Grüne Regierung ins Parlament spült, dann haben wir noch mehr Wendehälse, die unsere Position auf einmal unterstützen!

  3. Mörnest

    Da schließe ich mich Sternsch I. Gard zu und ergänze mitbeiner bitte. Nächstes Jahr ist Bundestagswahl, bitte wählt Grün oder Links, egal welche ihr sonst wählt, nur dieses einmal das Kreuz an die richtige stelle, in vier Jahren ist mir das dann wieder egal, dann haben wir Weed legal, das verbietet dann niemand mehr. Und ich möchte keine noch schlimmeren Prohibitionisten an der Macht haben, in Form von AfD.

  4. Sadhu van Hemp

    Ahoi Fridel,

    merci für die Blumen. Bringt ein bisschen Farbe in den grauen und oftmals humorlosen Arbeitsalltag.

    Auch Dir und allen anderen Hanffreunden einen reibungslosen Rutsch und alles nur erdenklich Gute fürs Neue Jahr !

    Beste Grüße
    Sadhu van Hemp

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