Montag, 7. November 2016

Shore, Stein, Papier

Buchtipp

 

Shore, Blech und Suchtdruck – Aber egal!

 

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Selten fiel mir die Bewertung eines Buchs in letzter Zeit so schwer; wie das im Piper Verlag unter dem Pseudonym $ick erschienene „Shore, Stein, Papier“. Eins ist klar. Das ist perfektes Marketing. Eine sehr erfolgreiche YouTube-Serie des Autors bereitete den Erfolg des Bestsellers vor. Was beweist, dass Verlage heutzutage wenig Risiko eingehen und nur auf eine „sichere“ Bank setzen. Das Pseudonym ist genial. Das Dollarzeichen signalisiert Sucht nach Geld, die erst die anderen Süchte – Heroin, Koks und Gras – ermöglicht. Der Titel „Shore, Stein, Papier“ bezieht sich auf das beliebte Kinderspiel Schere, Stein, Papier, wobei Shore für Heroin, Stein für Koks und Papier für Kohle steht.

 

Die Stärke von „Shore, Stein, Papier“ besteht in der Intensität. Die Leserschaft wird sofort in den Bann von dem einfachen, aber dennoch spannenden Plot gezogen. Die autobiografische Erzählung breitet den Teufelskreislauf von Drogen, Beschaffungskriminalität, Emotions- und Empathielosigkeit in einem atemberaubenden, dichten Erzählduktus aus. Zum Glück wird hier nicht zum x-ten Mal die Mär aufgewärmt, dass Gras der Einstieg für härtere Drogen ist. Das Leben von $ick dreht sich ums High-Werden, Geld beschaffen, geschnappt werden und Zeit im Bau absitzen. Diese Inhalte üben auf die intellektuelle Bürger- und Leserschicht eine ungemeine Faszination aus, immer gepaart mit der bangen Frage: Wird es meinen Kindern auch mal so gehen? Die Scene hingegen, die ohnehin nicht liest, würde das Buch langweilig finden, da es ja lediglich den ihnen bekannten Tagesablauf schildert.

 

Die Schwäche von „Shore, Stein, Papier“ liegt im erzählerischen Bereich. Das fängt bei nervigen Begriffsredundanzen an. Als ob es für Shore und Heroin nicht genügend Synonyme wie Äitsch oder Braunes gäbe. Und statt Nadel gibt es Umschreibungen wie Fixe, Drücke, Ballern etc. pp. Und immer wieder dasselbe Mantra: „Aber egal“, ganz egal ob es um weitere Haftstrafen, Abzocke im 5-stelligen Bereich, Verrat oder kaputte Beziehungen geht. Am meisten stört aber die durchweg narzisstisch-egomanische Einstellung des Erzählers: Erstens sind die anderen (Mutter, Stiefvater, Gesellschaft) schuld dran und zweitens bin ich ganz stolz auf das, was ich getan habe. Außerdem werden die unangenehmen Seiten wie sexuelle Belästigung im Bau, die dem Autor bei der Vita sicherlich widerfahren sind, ausgeblendet. Hier hätte mehr Reflexionstiefe und Ehrlichkeit Not getan, um das Werk stärker und weniger selbstherrlich zu machen.

 

Aber egal: „Shore, Stein, Papier“ besitzt definitiv Authentizität und vermittelt einen schockierenden Einblick in die deutsche Parallelgesellschaft der Drogensüchtigen und Dealer. Und das beinahe ungeschönt, ungeschminkt und ohne jegliche Scarface-Romantik. Dem Autor bleibt weiterhin Erfolg zu wünschen, dass er mit steigendem Erfolg auch weiterhin weitestgehend dem Suchtdruck zu widerstehen in der Lage bleibt.

 

Christian Rausch

2 Antworten auf „Shore, Stein, Papier

  1. mr tom.tola

    du wirst doch nicht pe se vergewaltig ,wenn du in deutdschland einfärhst..ich glaube,bzw weiss das es so nicht ist.als das schlimmste empfand ich den verlust der freiheeit,aussedem die langweil+ natürlich ist meist nicht genug zum paffen da.und warum?ein total verloener drogenkrieg und der verlust von etwas freiheit weil ich lieber cannabis rauche,und auch verkauft hab

  2. Hedonist

    Wer die Serie auf youtube gesehen hat weiß dass der Autor auch Stellung zu sexuellen Übergriffen im Gefägnis bezogen hat und diese nicht leugnet, sondern diese einfach nicht am eigenen Leib erfahren hat. Ich hatte beim hören der Serie auch überhaupt nicht das Gefühl, dass er nur in den Umständen die Schuld sucht. Er beschreibt seine Jugend und die Umstände vor und während der Zeit in der er zu Drogen gegriffen hat und seine allgemeine Haltung zum Leben zu dieser Zeit („ach egal“).
    Der Autor weiß heute auch dass seine Taten nicht gut waren, aber warum soll er rumheulen? Warum soll er so tun als ob er nicht auch Spaß empfunden hat in diesem Leben? Warum soll er leugnen dass er auch stolz war so viel Geld auf diese fragwürdige Weise zu verdienen? Ich finde das nur ehrlich und alles andere wäre geheuchelt.
    Und warum soll er Slangausdrücke verwenden die in seiner Szene nicht verwendet wurden? Würde sich für Insider komisch anhören und gekünstelt wirken. Wie ein Erwachsener der versucht in Jugendsprache zu schreiben.
    Der Hauptgrund für seine Misere war und ist meiner Meinung nach die Drogenpolitik unseres Landes und der mangel an guten Therapieangeboten. Ich dachte ein Autor des Hanfjournals würde vllt diese Meinung teilen.

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