Freitag, 28. Oktober 2016

Musitipps Oktober 2016

 

 

Lee „Scratch“ Perry – Must Be Free

 

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„Lee Perry ist der Salvador Dalí des Dub“ soll mal jemand über den in England geborenen Künstler gesagt haben. Und tatsächlich kann seine Bedeutung für die jamaikanische Musikgeschichte kaum überschätzt werden. Er arbeitete eng mit Interpreten wie Bob Marley & The Wailers zusammen und wurde als Produzent zu einer Legende, die nachfolgende Generationen und Genres bis heute inspiriert. Dabei wurde er auch stets selbst als Musiker kreativ und 2003 mit einem Grammy ausgezeichnet.

Perry feierte in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag und es entsteht nicht der Eindruck, dass er vor hat sich bald zur Ruhe zu setzen. So erschien am 23. September 2016 sein neuestes Werk „Must Be Free“ bei Mega Wave. Lee „Scratch“ Perry ist anders als alle anderen Vertreter amerikanischer Musik und das merkt man sofort. Nicht nur an seinem extravaganten Auftreten sondern auch in eigenen Liedern mit denen er bis heute auf Tournee geht. Von Reggae über Dub, Dubstep bis hin zu Acid Jazz und Elektro. Perrys Songs wirken wie eine Reise in sein ganz persönliches Universum aus Klang und Spiritualität.

 

www.lee-perry.com

Foto: H’Art Promotion

 

 

Kobito – Für Einen Moment Perfekt

 

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Elf Jahre sind seit Kobitos Debütalbum „Kobito Ergo Sum“ vergangen. Das Album war der Startschuss einer Karriere, in der Kobito nicht nur als Einzelkünstler sondern immer wieder auch in Zusammenarbeit mit anderen Rappern von sich hören ließ. Schlagzeiln, das 2013 gegründet Kollektiv Tick Tick Boom oder Rapperin Sookee sind dabei nur einige Namen, mit denen der Berliner Rapper in der Vergangenheit kooperiert hat. „Vom ersten Tag an bei Zeckenrapp dabei“, rappt Kobito über sich selbst und beschreibt dabei mit viel Ironie die häufig brotlose Kunst des linken Rapps mit unter anderem politischen Texten. Dass man damit jedoch durchaus Erfolg haben kann, beweist Kobitos und Sookees Track „Augen Zu“, der auf YouTube über eine Millionen Mal gesehen wurde.

Kobitos neustes Werk „Für Einen Moment Perfekt“ wurde von Riffsn (Großstadtgeflüster) und MisterMo gemeinsam produziert und ist am 16. September 2016 bei Adiolith veröffentlicht worden. Erneut stellt Kobito hier seine Wortgewandtheit und seine scharfe Beobachtungsgabe der deutschen Gesellschaft unter Beweis.

 

www.kobito.to

Foto: Audiolith

 

 

Raphael – Reggae Survival

 

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Raphael wurde als Sohn einer italienischen Mutter und eines nigerianischen Vaters in Savona, Italien, geboren. Erste musikalische Gehversuche unternahm er mit der Band Easy Skankers im Jahr 2002. Die Reggaeband konnte hunderte Liveauftritte und zwei selbst produzierte Alben verzeichnen. 2012 erschien seine erste Solo-EP „My Name Is Raphael“ gefolgt von weiteren Singles. Raphaels geht in seiner Karriere Schritt für Schritt voran und konnte bereits Auftritte mit Manu Choa oder Jimmy Cliff verzeichnen. Sein neustes Album „Reggae Survival“ ist am 24. Juni 2016 bei Sugar Cane Records herausgebracht worden. „Reggae Survival“ ist klar dem Offbeat gewidmet. Eine Hommage an Jamaika und seine Musik, die Raphael jedoch nicht seine afrikanischen Wurzeln vernachlässigen lassen. Mit Zitaten der Afrobeat-Legende Fela Kuti und des ehemaligen Präsidenten Uruguays Josè Mujica setzt Raphael ein deutliches Statement zu aktuellen Entwicklungen. Ganz in der Tradition des Reggae misst der italienische Sänger moralischen Werten und den Rechten der Menschen besondere Bedeutung bei.

 

www.mynameisraphael.com

Foto: Soulfire Artists

 

 

The Wakes – Venceremos

 

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Während hierzulande die Verbindung von Punk und Heimatverbundenheit eher selten zu finden ist, beweisen The Wakes, dass sich diese beiden Elemente musikalisch keinesfalls ausschließen müssen.  Die Schotten mit irischen Wurzeln zeigt sich, verbinden Punk, Rock und Roch’nRoll mit schottischem Folk. Dabei setzen sie sowohl auf harte und treibende Schlagzeug- und Gitarrenarrangements als auch auf zu weil melancholische Folkmelodien, durch die einem warm ums Herz wird. Textlich brechen The Wakes jedoch mit der Tradition des Folks. Ihre Songs zeugen von Kampfgeist und dem Unwillen soziale Missstände und Ungerechtigkeit hinzunehmen.

Am 23. September 2016 präsentierten The Wakes ihre neue Scheibe „Venceremos“, welche bei bei Drakkar/Soulfood erschienen ist. Die Band um Sänger Paul Sheridan tourte in der jüngeren Vergangenheit durch ganz Europa. Dies führte unter anderem dazu, dass sich The Wakes sowohl musikalisch als auch inhaltlich weiter öffneten und sich nun in jedem Song in unterschiedlichen Facetten präsentieren. Im Oktober gehen The Wakes in Deutschland auf Tour.

 

www.thewakes.info

Foto: Anger Management

 

 

MC Rene  – Khazraje

 

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Wie bereits im Interview ausführliche beschreiben, hat sich MC Rene aka Rene El Khazraje für sein aktuelles Album „Khazraje“ auf eine Reise zu seinen Verwandten und seinen Wurzeln begeben. 40 Jahre hatte er seinen Nachnamen falsch ausgesprochen, was ihn veranlasste ihm jetzt ein ganzes Album zu widmen. MC Rene ist seit Anfang der 1990er Jahre im deutschen Hip Hop aktiv, machte er sich Mitte der 2000er eine Veröffentlichungspause und wagte es als Comedian neue Wege zu beschreiten. Nach dem Album „Renaissance“, welches vergangenes Jahr erschien folgt mit „Khazraje“ die nächste Veröffentlichung in Albumlänge, welche am 07. Oktober über Peripherique Records erscheint. Innerhalb kürzester Zeit entstanden die 14 Tracks, in denen orientalische Klänge genauso zur Geltung kommen wie jazzige Beats. Rene ist gereift und schaut positiv und voller Zuversicht auf das was vor ihm liegt. Zusammen mit Features von Retrogott (Huss & Hodn) und Toni L ( Advanced Chemestry), Noritsu,  Spacekonsta und Produzent Figub Brazlevič stellt MC Rene unter Beweis, dass er seinen Flow nie verloren hat.

 

www.mcrene.pq-world.net

Foto: SureShot Promotions

 

David Nesselhauf – Afrokraut

 

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„Afrokraut“ bezeichnet die experimentelle Verbindung von afrikanischer Musik und Krautrock. Die ungewöhnliche Mischung fand in den siebziger Jahren bei Bands wie Can Anklang, verschwand als Genre jedoch bald wieder von der Bildfläche. David Nesselhauf ist Produzent, Komponist und Multi-Instrumentalist. Für sein neues Album „Afrokraut“ lässt Nesselhauf die innovative Fusion wieder auferstehen. Nicht nur musikalisch, auch inhaltlich verbindet der Hamburger Produzent Europa und Afrika. So geht es um Migration, Ausgrenzung und den Wunsch nach stärkerem globalen Zusammenhalt und damit um Themen die damals wie heute aktuell und von Bedeutung sind.

Am 30. September 2016 wurde „Afrokraut bei Légère Recordings veröffentlicht und ist sowohl limitiert auf Vinyl, CD und als Download erhältlich. Als Gäste hat sich David Nesselhauf Sänger Amadou Bah, Lucas Kochbeck (Schlagzeuger bei Diazpora), sowie Kinga Lizz und Nabil Atassi zur weiteren stimmlichen Unterstützung ins Boot geholt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich nationale Grenzen einmal so leicht wie musikalische überwinden lassen.

 

www.de-de.facebook.com/davidnesselhauf

Foto: Passionate PR

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