Donnerstag, 27. Oktober 2016

ReCore

 

Rock’n Robot

 

recore

 

Autor: mze

 

Keiji Inafune ist ein bekannter Charakter- und Gamedesigner. Mit Mega Man schuf er eine der bekanntesten Videospielfiguren Japans. Da er jedoch bereits mehrfach etwas neben der Spur lag, wenn es um das Vollenden eigener Versprechen ging, ist die nun über Microsoft veröffentlichte Zusammenarbeit mit ehemaligen Retro-Teammitgliedern mit einigen Befürchtungen belastet: ReCore.

 

Das exklusiv für Microsoft Systeme erschienene Spiel behandelt schließlich gewisse Aspekte, die typisch für Inafune sind, aber just in seinem 2D-Kickstarter Projekt Mighty No. 9 schon nicht befriedigend erfüllt werden konnten. Inafune steht auf Roboter in allen Farben und Formen, weshalb auch die Protagonistin von ReCore Joule mit verschiedenen mechanischen Freunden durch das neuste Abenteuer zieht. K9 – ein einem Hund ähnelnder Robi – ist von Spielbeginn an, der beste Freund der einsamen Schrottsammlerin, die auf einem verlassenen Planeten nur von den alten Videoaufnahmen ihres Vaters einen Weg gewiesen bekommt. Mit dem vierbeinigen Roboter erkundet Joule in ReCore daher die Wüstenlandschaft und deren versteckte Geheimnisse, um dem versandeten Schicksal von der Schippe zu springen. Mit einem Lasergewehr und einem Enterhaken ausgestattet, rennt Joule ab Start flott durch die Umgebung, die sie sogar sofort mit Doppelsprung- sowie Boost-Fähigkeiten erkunden kann. Auch werden einem Third-Person-Shooter typisch die Feinde via Triggerdruck anvisiert, dann im Ziel fixiert und anschließend angeschossen.

 

K9 und spätere Verbündete werden auf Knopfdruck in den Kampf einbezogen und schlagen auch, ihrer individuellen Methode entsprechend, auf die stärker werdenden Gegner ein. Diese sind wie Joules Verbündete aus Eisenteilen zusammengebaut und durch eine Energiekugel angetrieben. Joule kann beim Kampf daher immer entscheiden, ob der Gegner komplett zerlegt gehört, oder man vorher dessen Herzstück mittels Enterhaken entreißt. In beiden Fällen erhält die junge Frau Items, die zur Entwicklung von Verbesserungen benötigt werden. So werden Blaupausen für die Roboterfreunde dechiffriert, neue Bausätze komplettiert und Stärken der Begleiter ausgebaut. Neben dem Hundebegleiter trifft das Mädel auch auf einen Spinnenroboter und einen massiven mechanischen Menschenaffen. Während erste Konstruktion später dabei hilft, neue Passagen zu erreichen, ist der dritte Robot im Bunde für Brachialgewalt einsetzbar.

 

ReCore spielt sich dabei vom ersten Moment an sehr eingängig und verständlich. Obwohl kein nerviges Tutorial erst die verschiedenen Funktionen erklärt, finden sich Zocker sehr schnell mit der Tastenbelegung und der Steuerung zurecht, während bereits erste kleine Erfolge im Spiel erlebt werden dürfen. Ein Mix aus den verschiedenen Bauteilen der bisherigen Games aller Beteiligten scheint die Kernessenz von ReCore: Plattform-Action, Jump’n Shoot-Momente, taktische Bossfights, lockeres Rätsellösen und das Erkunden einer Science-Fiction-Welt. Vom ersten Moment an fühlen sich Spieler angelockt und werden recht gekonnt durch die verstrickten Areale gelenkt. Vom ersten Moment fallen aber auch die Defizite in grafischer Gestaltung und der technischen Ausreizung auf. Eine recht triste Wüste, wenig erkennbare Details und ein recht grober Grafikstil offenbaren den geringen Aufwand, der in der gesamten Präsentation wiedergefunden wird. So zuckelt das Dargestellt leider auch öfter als nötig und Texturen und Effekte können ebenfalls keinen Preis auf einer Xbox One gewinnen. Beachtet man dazu die minutenlangen Ladezeiten, fehlerhaften Wegweiser und teils wenig weise gewählten Rücksetzpunkte nach verlorenen Leben, gibt es Gründe, sich etwas über den fehlenden Enthusiasmus zu ärgern.

Mit etwas mehr Liebe zum Detail und der entsprechenden Arbeit an den technischen Faktoren hätte die Xbox One mit ReCore ihren ersten exklusiven sowie zeitlosen Klassiker erhalten.

 

Unter den aktuellen Umständen bleibt ReCore etwas unvollendet. Dennoch dürften Videospieler mit dem neusten MS-Release recht viel Freude haben, blenden sie die technischen Ungereimtheiten weitestgehend aus. Im Kern ist ReCore ein waschechtes Videospiel – auch für Windows 10.

 

ReCore

Fotos: Microsoft

USK 12

Circa 40€

(Xbox One – ASIN: B00ZRKAE0O  / Windows 10 (DLC)  – ASIN: B01H2DTQ1G)

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