Sonntag, 16. Oktober 2016

Im Test: LED-Panele – Modell S4W

 

Im Test: LED-Panele – Modell S4W – der Firma Sanlight

 

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Text: Ricco, Bilder Sebastian

 

 

Wenn Grower von ihren Cannabispflanzen und ihrer Vorgehensweise beim Anbau im Hanf Journal berichten, muss die Redaktion in der Regel die Namen ändern und auch über den genauen Anbauort Stillschweigen bewahren, um zum die Identität der Gärtner geheim zu halten. In Spanien ist man in den Cannabis Social Clubs schon weiter. Hier können ambitionierte Hanfgärtner nach Herzenslust ihre Lieblingspflanze züchten und die Ernte mit gleichgesinnten Clubmitgliedern teilen und genießen. Ohne Angst und ohne Versteckspiel. So auch im ColCanCan Club auf Fuerteventura, in dem Sebastian Gramms seit 2014 tätig ist.

 

Der ColCanCan Cannabis Social Club wurde von einigen enthusiastischen Hanffreunden gegründet und öffnete im Jahr 2014 seine Türen. Mit dem Anbau von Cannabis hat man allerdings schon neun Monate zuvor begonnen, damit man bereits zur Eröffnung die ersten Mitglieder mit ausreichend Cannabis versorgen konnte, verrät Sebastian. Jeder über 21 Jahren kann Mitglied im Club werden. Voraussetzung ist, dass man im Königreich Spanien wohnt oder die spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Außerdem sollte man jemanden kennen, der oder die einen in den Club einführt bzw. auf dessen Empfehlung man Mitglied werden kann. Wenn einem die nötigen Beziehungen fehlen, kann man als Einwohner trotzdem mal vorbeischauen. Als Nicht-Mitglied erhält man auch dann Einlass, wenn es darum geht sich von den Mitgliedern beschnuppern zu lassen, die dann über die Aufnahme der Person entscheiden. Sebastian beton, dass Touristen, die einfach mal kiffen wollen, in der Regel nicht in den Club gelassen werden, da dies den Richtlinien eines Cannabis Social Clubs widersprechen würde.

 

Derzeit besitzt der Club rund 200 Mitglieder. Um deren Cannabis-Bedarf zu decken wird in einem 40-50 qm großem Gewächshaus unter Sonnenlicht angebaut. Des Weiteren betreiben sechs eigenständige Grower Indooranlagen in separat angemieteten Räumen. Diese besitzen jeweils zwei bis vier Lampen und bringen ihre Ernte nach dem Trocknen in den Club, wo das Gras dann an die übrigen Clubmitglieder verteilt wird. Die Menge, welche pro Monat ergärtnert wird, kann dabei schwanken. Das Grünhaus ist nicht immer komplett mit Pflanzen vollgestellt und unter Sonnenlicht, lässt man die Hanfdamen auch schon mal etwas größer werden, als es unter Kunstlicht der Fall ist. Meistens stehen um die hundert Pflanzen im Glashaus, schätzt Sebastian. Diese werden von fest eingeteilten Growern betreut, die der Club für die Cannabisaufzucht beschäftigt.

 

Über das Exzessiv Team entstand der Kontakt zum Hersteller von LED-Pflanzenbeleuchtungssystemen Sanlight. Dieser bat vor einer Weile den Club die Beleuchtungssysteme zu testen und den Hanf Journal-Lesern und Leserinnen die Ergebnisse zu präsentieren.

 

 

Grow unter LED-Licht

 

Um die drei LED-Panele – Modell S4W – der Firma Sanligh zu testen, hat Sebastian die Pflanzen logischer Weise nicht ins Gewächshaus gestellt, sondern sie in einer Home Box Ambient R120 mit dem Maßen 120x90x180cm großgezogen. Als Strain wurde Critcal + gewählt. Die Sorte wird im Club regelmäßig verwendet und man hat mit ihr auf der Insel schon viele gute Erfahrungen gemacht. Es handele sich hierbei um einen sehr starken Strain, so des Gärtners Einschätzung.

 

Zur Vorbereitung hat Sebastian 20 Stecklinge geschnitten. Diese wurden in Jiffy Pots angewurzelt. Anschließend hat man die besten 15 ausgewählt und in die Growkammer gestellt. Danach kamen die Pflanzen in eine Mischung aus einem Drittel Kokossubstrat Full Mix und zwei Dritteln Plagron Light Mix. Alle 15 Pflanzen haben sich bis zur Ernte prächtig entwickelt. „Wir haben inzwischen genügend Erfahrungen hier vor Ort gesammelt, dass in der Regel alle Pflanzen durchkommen und am Ende ertragreich sind“ erzählt Sebastian nicht ohne Stolz. Gefreut hat er sich besonders über die prächtige Entwicklung der Wurzeln.

 

wurzeln-cannabis-hanf-wachstum

 

Während des Grows standen die Pflanzen in 11 Liter Töpfen. Mit Nährstoffen wurden die Hanfdamen mit Düngern von General Hydroponics versorgt. Dabei hielt man sich an die Angaben des Herstellers. Gedüngt wurde bei jedem Gießen. Zudem wurde dem Gießwasser etwas Algenextrakt und Aminosäuren hinzugefügt.

In den ersten zwei Wachstumswochen der Blühphase wurde den Pflanzen noch 2 Löffel Fledermaus Guano verabreicht. In Guano ist viel Stickstoff, der für das Wachstum wichtig ist. Daher ist es hilfreich diesen in den ersten 2 Wochen der Blühphase hinzuzugeben, da die Pflanzen in der Zeit noch weiter wachsen.

 

Nachdem die Hanfdamen in die Blüte geschickt wurden, besprühte man ihre Blüten einmal wöchentlich mit freien Aminosäuren. Dies sollte für einen zusätzlichen Wachstumsboost der Buds sorgen. Alle zwei bis drei Tage wurden die Pflanzen mit neuer Flüssigkeit versorgt. „Am Anfang haben wir weniger gegossen. Als die Pflanzen in die Blüte gingen und an Masse zulegten, merkte man, dass der Wasserbedarf deutlich anstieg“ so Sebastian. Allgemein sei der Wasserbedarf jedoch geringer gewesen als bei einem Grow unter Natriumdampflampen (NDL), da durch die geringere Hitze weniger Wasser aus der Erde verdunstete.

 

Da die Wasserqualität auf Fuertevendura nicht die beste ist, haben die Critical + nur Osmosewasser zu trinken bekommen, dessen PH-Wert angepasst wurde. Das Wasser, wie es aus der Leitung kommt ist voller Mineralien und Chlor und hat einen EC-Wert von 0,9. Zum Vergleich: In Deutschland bewegt sich der Wert in den meisten Regionen zwischen 0,3 und 0,4. Bei der Verwendung von Osmosewasser sollte man einen darauf abgestimmten Dünger verwenden, um eine bestmögliche Nährstoffversorgung der Pflanzen zu erzielen.

 

In die Homebox wurden ein Lüfter mit einem Durchmesser von 125 mm und ein Aktivkohlefilter mit ebenfalls 125 mm Durchmesser gehängt. Für die Belüftung würde jeweils ein Ventilator von Honeywel und einer der Marke Highpro verwendet. Um die Temperatur an der Lampe sowie in der Box und die Luftfeuchtigkeit im Auge zu behalten wurden regelmäßige Messungen durchgeführt.

 

 

Die Ergebnisse könnt ihr aus folgender Tabelle ablesen:

 

Durchschnittliche Temperatur währen der 18 Tägigen Wachstumsphase:

 

Temperatur der Lampe: Niedrigst: 37,3 °C

Höchst: 58,6 °C

 

Temp. in der Box: Niedrigst: 25,7 °C

Höchst: 31,3 °C

 

Luftfeuchte Box: Niedrigst: 50%

Höchst: 69%

 

Temperaturen während der Blühphase, welche am 13. Juli startete und etwa bis zum 31.08. dauerte:

 

Temp der Lampe: Niedrigst: 27,9 °C

Höchst: 51,7 °C

 

Temp. in der Box: Niedrigst: 27,2 °C

Höchst: 34,9 °C

 

 

Luftfeuchtigkeit Box: Niedrigst: 42%

Höchst: 58%

 

 

 

 

 

Damit liegen die Temperaturen deutlich unter denen, die bei einem Grow mit einer Natriumdampflampe auftreten. Zum Vergleich hat Sebastian bei einem anderen Grow nachgemessen. Trotzdem die NDL in dem Fall von einem Cool Tube gekühlt wurde, lag die Temperatur am Glasfester des Reflektors, in den die Lampe gehängt wurde, immer noch bei 61,4 Grad.

 

Die Wachstumsphase betrug 18 Tage. Am 13. Juli wurde dann die Blütephase eingeleitet und Ende August wurde geerntet. Alles in allem dauerte der Grow 67 Tage, also neuneinhalb Wochen. Komplikationen hat es während der gesamten Zeit nicht gegeben. Auch mit Schädlingen habe man keine Probleme gehabt, so Sebastian. Jedoch habe er bemerkt, dass die Pflanzen nach einiger Zeit ihre unteren Blätter abwarfen. „Dies könnte daran liegen, dass die unteren Blätter nicht mehr genügen Licht bekommen haben, weil die Pflanzen relativ dicht standen. Dadurch erreicht das Licht die unteren Blätter nur noch in sehr geringem Maße, was zum Abfall der Blätter führen kann. Durch Stickstoffmangel oder zu wenig Umluft kann ebenfalls zu Blattverlust führen.“ so seine Erklärung. Dies ist allerdings nicht weiter tragisch. Viele Grower schneiden ohnehin sämtliche Blätter und Triebe, die zwischen 10 und 15 Zentimetern vom Boden wachsen ab. Die Buds, dies sich an diesen Trieben entwickelt sind zu klein, um wirklich bei der Ernte ins Gewicht zu fallen. Mit dem Stutzen kann sich die Pflanze ihre Kraft ganz auf die Ausbildung der oberen Blüten richten. Zudem wird mit größerem Abstand der ersten Blätter zum Boden Schädlingen und Parasiten weniger Raum geboten sich anzusiedeln.

 

Die Ernte

 

Insgesamt konnten mit 15 Pflanzen Critcal + rund 420 Gramm ergärtnert werden. „Das sind fast ein Gramm pro Watt, also ein Ergebnis, dass sich sehen lassen kann. Wir waren auf jeden Fall zufrieden. Das g/W Verhältnis war zudem bei dem Grow mit LEDs besser als bei einem Grow mit einer NDL“.

 

ernte-cannabis-hanf-trocknung

 

Bei der Ernte wurden jeweils vier bis fünf Pflanzen gleichzeitig aus dem Zelt genommen und alle großen Blätter mit der Hand entfernt. Mit Handschuhen wurden dann die kleineren Blätter auf denen schon einige Trichome zu finden waren entfernt und aufgehoben. Im Club macht man daraus später Hasch oder verwendet die Reste zur Herstellung von Cannabis-Butter, wie Sebastian erklärt. Anschließend wurden die Pflanzen in handliche Stücke geschnitten und die Buds „manikürt“, bevor sie dann auf einer Leine an einem extra konstruierten Trocknungsgestell im Growroom zum Trocknen aufgehängt wurden. Da es in dem Raum, wie überall in Spanien im Sommer, ziemlich warm war, dauerte der Trocknungsprozess nur 5 Tage. „Danach haben die Stängel geknackt beim Brechen. Dies ist ein guter Indikator dafür, dass die Buds ausreichend trocken sind und man sie abnehmen kann.“ erklärt Sebastian.

 

In Plastikbeuteln verpackt, lagerten die Buds für zwei Wochen, um sie nachreifen zu lassen. Danach wurde das unter den den LEDs von Sanlight gewachsene Gras den Clubmitgliedern zum Testen vorgesetzt. Bei den kritischen Verkostern rief die Ernte umgehend Begeisterung hervor. Der Geschmack wurde als spitzenmäßig bewertet und viele versicherten, dass die das Critical + noch nie so gesehen haben. Bekanntlich fallen die Buds unter LEDs kleiner aus, als bei unter NDL gewachsenen Pflanzen. Dafür sind sie jedoch wesentlich kompakter und härter. „Ich habe noch nie so kompakte Buds gesehen“ beteuert der Gärtner selbst. Sebastian hat außerdem das Gefühl, dass der Geschmack ausgereifter und intensiver ist. Auch der Geruch ist wesentlich stärker. Das merkt man nicht nur bei Rauchen, sondern auch während der Growphase und der Ernte sei eine höhere Intensität spürbar gewesen.

 

Woher das kommt, kann Sebastian nicht genau erklären. Er vermutet lediglich, dass es daran liegt, dass das Lichtspektrum bei LED-Lampen – im Gegensatz zu Natriumdampflampen – genau auf die Cannabis-Pflanze abgestimmt ist. Neben der Anzahl der Pflanzen im Zelt wirkt sich auch das Lichtspektrum darauf aus wie groß die Blüten letztendlich werden und wie dicht. Im Falle des durchgeführten Tests waren sie kleiner, wiesen dafür jedoch eine höhere Dichte auf.

 

Alles in allem fällt sein Fazit zu dem durchgeführten Test positiv aus. Die Clubmitglieder sind glücklich und zufrieden und werden sich noch eine Weile an den unter LEDs gegrowten Critical + erfreuen.

 

3 Antworten auf „Im Test: LED-Panele – Modell S4W

  1. Hedonist

    Das Thema “Growen mit LED” interessiertmich schon sehr, auch den Artikel fand ich interessant.
    Ich persönlich finde jedoch es sollte einen größer angelegten Test mit verschiedenen LED-Beleuchtungen und verschiedenen Sorten (Indika, Sativa, Hybrid- unterschiedliche Blühzyklen), Vergleich zu NDL, im Vergleich zur Kombination von LED und NDL mit den selben Sorten geben, am besten alle mit einem ähnlichen Stromverbrauch. Ein Vergleich der Preise der Leuchtmittel und die zu erwartende Lebenszeit wären auch von größtem Interesse.
    Zur Dichte der Blüten wäre auch interessant ob sich daraus ein größeres Schimmelrisiko ergibt, was ja einige Sorten mit sehr kompakter Blütenstruktur schon unter NDL mit sich bringen.
    Interessantes, wichtiges Thema mit vielen offenen Fragen.

  2. Leo

    Wow! Ein wirklich spannender und sehr gut dokumentierter Test. Vor allem ein vielversprechendes Setting. Ich habe mit dem Modell S4W noch nicht gegrowt. Habe aber mit der P Series von Platinum LED Lights sehr gute Erfahrungen gemacht. Komme dort in einer normalen Homebox auch auf ein Gramm-Watt-Faktor von 1,2. In größeren Settings ist sicher noch mehr möglich. Dass manche Strains in LED Grows tendentiell “dichter” wachsen kann ich bestätigen. In Summe bleibe ich persönlich bei LED. Ich habe meine NDL-Zeiten bereits 2013 beendet und hatte damals mit Mars Hydro Panelen getestet. Die letzten 3-4 Jahre gab es nochmal einen ordentlichen Schub im Bereich Pflanzenlampen und Diodentechnik. Und auch einen ordentlichen Schub in den Strompreisen 🙂 Daher für mich keine Frage mehr ob LED ja/nein.

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