Mittwoch, 21. September 2016

Virtuelle Gedanken und reelle Preise

 

 

Kampf um Köpfe nicht besonders intelligent begonnen.

 

Grafik - Lukas Tkotz
Grafik – Lukas Tkotz

 

Autor: mze

 

Seit einiger Zeit munkeln Videospieler und Technikfreunde von einer Revolution der Computertechnik. Virtual Reality soll nach knapp dreißig Jahren in der “Testphase” richtig durchstarten. Auf PC, Smartphone und Konsolen. Virtuelle Gedanken und reelle Preise der Produzenten stehen jedoch in keinem Zusammenhang mit der öffentlichen Wahrnehmung. Da sich der Crowdfunding Erfolg Oculus an Facebook verkaufte, sich andere Mitbewerber wie HTC an deren geschaffenen Preishürden orientieren, Sony mit Playstation VR ein technisch noch nicht einordbares Einstiegsmodell bietet, aber eigentlich jedes im Gebrauch befindliche Smartphone für vergleichbare Applikationen dient, ist VR noch nicht derartig angekommen, wie es sich die verschiedenen Hersteller versprechen.

 

Zweifel, Betrugsvermutungen und Sorgen sind die beherrschenden Themen, der sich damit auseinandersetzenden Spieler, anstatt Euphorie und Freudentaumel. Nun beginnen die unterschiedlichen Hersteller auch noch die Produkte der Konkurrenz schlecht zu reden und kratzen damit am eigenen Ast. In China meldete sich der Präsident der HTC Vive Division zu Wort, um die Qualität von Sonys Playstation VR zu kritisieren. Die 399 € Euro Investition brächte nur ein marginales VR-Erlebnis in die Stube. Samsungs Gear VR würde den gleichen Ansatz bieten. Da mit Playstation Move und Playstation Kamera dazu auf eine Technik gesetzt würde, die einst in Konkurrenz zu Nintendos vergangener Hardware Wii stand, sei die veraltete Peripherie ein Hindernis, statt eine Bereicherung. Auch habe er nach zehn Minuten mit Playstation VR Unwohlsein empfunden.
Electronic Arts scheint dagegen auf die soeben aus Fachkreisen degradierte Sony Hardware setzen zu wollen, da es ein großer Schritt in der Evolution der gesamten Industrie sei. Im Gegensatz zu dem HTC-Boss halte man die Zugänglichkeit durch Playstation VR besonders vielversprechend. Aus diesem Grund überlege man, wie man in dieses Feld am sinnvollsten Zeit und Geld investiert. Neben einer kleinen Star Wars Battlefront VR Experience ist jedoch aus EA-Kreisen wenig über Unterstützung der Sony Peripherie bekannt.
Was dafür auf dem Tisch der Tatsachen landete, dürfte frühe Kunden der ersten Head Mounted Displays verärgern. Eine Liste mit Preisen ist entstanden, die die Herstellungskosten für Oculus Rift HMDs offenbart. Anstatt wie einst angedacht, einen möglichst geringen Einstiegspreis zu verlangen, beriefen sich die Hersteller zum Verkaufsstart auf die Produktion mit exquisiten Bauteilen. Diese trieben den Preis in die Höhe von circa 750 € Euro. Nachgerechnet scheinen jetzt aber knapp 600 € Euro zu viel verlangt worden, denn nur 206 $ Dollar sollen für die Herstellung eines Oculus Rift benötigt werden, glaubt man einer Analyse der Bauteile durch Experten. Zusammenbau und Überprüfung wären im Preis inbegriffen. Design und Entwicklung wurden dagegen schon unter Crowdfunding-Bedingungen abgeschlossen – das Beta-Testen übernahmen zu großen Teilen die doppelt bedienten Kickstarter-Unterstützer.
Zieht man bei all diesem Wissen nun in Betracht, dass Sony eine qualitativ weniger anspruchsvolle Technik in eigenen Fertigungsanlagen verbaut, könnte der chinesische HTC Vive Präsident Alvin Wang Graylin mit seiner Behauptung – dass Playstation VR das verlangte Geld nicht wert wäre – tatsächlich richtig liegen. Leider trifft das dann aber auch auf alle anderen Geräte der höheren Preisklassen zu.

 

Der erneut stattfindende Kampf um die Köpfe von Konsumenten wurde wieder einmal nicht besonders intelligent begonnen.

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