Freitag, 19. August 2016

Die spinnen, die Kreuzberger

 

Sadhu van Hemp

 

Bild: Archiv / Schmiddie
Bild: Archiv / Schmiddie

 

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg ist der größte Freiluft-Coffeeshop der Welt, und alle Versuche des Senats, die Brutstätte der Drogenkriminalität auszuräuchern, sind gescheitert. Die vor eineinhalb Jahren von Innensenator Frank Henkel (CDU) initiierte Hetzjagd auf Grasdealer und Kiffer ist im märkischen Sand verlaufen, ohne nennenswerten Flurschaden anzurichten. Nach wie vor pilgern die, die keinen Hausdealer kennen, in den nur 14 Hektar großen Park der Bundeshauptstadt, um sich unter den Augen der Polizei mit dem zu versorgen, was auf legalem Wege nicht erhältlich ist. Die Bilanz der von Henkel & Co. großspurig verkündeten Null-Toleranz-Politik ist kläglich, und der betriebene Aufwand steht in keinem Verhältnis zu dem, was nicht erreicht wurde. Zwar hat es die „Taskforce Görlitzer Park“ seit Januar diesen Jahres vollbracht, täglich drei Strafanzeigen wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes zu schreiben, doch wer die Szenerie kennt, der weiß, dass nur eine Steigerung der Fangquote von tausend Prozent nachhaltigen Erfolg erzielen würde.

 

Doch dazu bedarf es schon ein bisschen mehr als eine Taskforce, die es laut B.Z. bei knapp 25.000 Einsatzstunden gerade mal auf 17.800 Euro erbeutetes „Drogengeld“ bringt. Würde der Senat wirklich wollen, was er verspricht, müsste rund um den Görlitzer Park schon die Bundeswehr einreiten, um klar Schiff zu machen.

 

Auf diesen Sankt-Nimmerleinstag wollen die durch den absurden Anti-Hanf-Krieg gebeutelten Anwohner nicht warten. Und so hat sich eine Gruppe aus Nachbarn, Sozialarbeitern und Angestellten des Bezirksamtes im letzten Jahr ein paar Gedanken über das Problem „Görli“ gemacht. Nun wurde ein Masterplan präsentiert, in dem beschrieben wird, wie der Hotspot für alle einigermaßen erträglich werden könnte, ohne mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Und „für alle“ bedeutet, dass auch Dopedealer und deren Kunden ein Existenzrecht haben. „Keine Gruppe im Park sollte ausschließlich als Problemverursacher gesehen werden“, führt der Masterplan aus, den die Bezirksverordnetenversammlung mit den Stimmen der Grünen, Piraten und Linken abgesegnet hat. Die grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann sagt das, was die Mehrheit der Kreuzberger denkt: „Die Anwohner wollen nicht, dass die Menschen einfach vertrieben werden.“

 

Für Frank Henkel und Konsorten ist das Konzept für ein friedvolles Nebeneinander im Szenebezirk blanker Horror. „Der Masterplan zum künftigen Zusammenleben am und im Görlitzer Park ist in Teilen eine Bankrotterklärung“, tönt es aus CDU-Kreisen. „Es kann und darf keinerlei Verharmlosung und Entkriminalisierung der Dealer geben. Der beschriebene Weg, die Dealer als Teil der „Community“ anzusehen, widerspricht allem, was einen Rechtsstaat ausmacht. Es gilt vielmehr: Null-Toleranz bei Drogen und Drogendealern im Görlitzer Park und im Umfeld von Schulen.“

Ins gleiche Horn blasen die im Bezirksparlament am Katzentisch sitzenden Sozialdemokraten. Die SPD-Niete Kohlmeier ist sich dabei nicht zu schade, auf völlig unterirdischem Niveau zu spotten und sich als Autorüpel zu outen, der gleiches Recht für sich als notorischer Falschparker und Zuschnellfahrer einfordert.

 

Nun denn, der Wahlkampf in Berlin hat sein Thema gefunden: die innere Sicherheit. Und der Görlitzer Park steht für das, was den Bürgern Angst machen soll. Blöd nur für die bürgerlichen Parteien, dass die linksversifften Kreuzberger längst auf einem anderen Stern leben und sich von dumpfbackigen Populisten und Ewiggestrigen nicht den Schneid abkaufen lassen.

 

 

Blue Dream

10 Antworten auf „Die spinnen, die Kreuzberger

  1. steve

    der größte drogendealer ist die pharmaindustrie-alkindustrie, also soll die heuchlerische lobbyistenpartei cdu/csu nicht einen auf doppelmoral machen! menschen die cannabis konsumieren sind keine verbrecher, doch menschen wegen hanf einzusperren, ist ein verbrechen! nur weil pharma-alklobby zu dumm/gierig sind, müssen nicht die anderen dafür büßen! das verbot von hanf verstößt gegen jedes menschenrecht! der drogendealer arzt/gastwirt kann ohne probleme seine drogen unter das volk bringen…zu dumm in einen markt einzusteigen, eine hinterweltlerdrogenpolitik der gekrönten doppelmoral. deutschland hochentwickelt?! sicher nicht! hier ist es nur anderes verpackt, verdorben bis ins mark!

  2. Sebastian

    Das Kohlmeier und Konsorten einfach nicht den Unterschied zwischen einer Straftat/Ordnungswidrigkeit, die anderen Menschen und ihrer Umgebung schadet, raffen und einer Straftat, wie der Besitzt von Cannabis, dem niemandem außer dir selbst Schaden zufügt.
    Das heutzutage noch Menschen für ihren Lebensstil verfolgt werden ist eine Schweinerei!

  3. Jupp

    Ich sehe das jetzt mal aus Patientensicht, seit 2 Jahren Cannabispatient mit dem Versprechen der Frau Mortler im Hinterkopf dass bereits Anfang 2016 Cannabisblüten für Patienten Kassenleistung werden. Apothekenpreis ab 15Euro/Gramm. Ich wünsche mir auch die Cannabisagentur und Socialclubs die zu selbstkosten die Medizin an Patienten und Freizeitkonsumenten verkaufen, ganz legal in kontrollierter Qualität und nur an Volljährige.
    An der Stelle kann auch der Dealer aus dem Görli einpacken weil er einfach keinen Euro mehr verdienen kann.
    Nehmt euch ein Beispiel an Kopenhagen, dort gibt es seit Jahrzehnten eine Coexistenz mit Christiania.
    Der Jugendschutz wird groß geschrieben, besoffene oder bekiffte Kids und Teenies sucht man dort vergeblich.

  4. Littleganja mit Ausnahmeerlaubnis

    Wer das Zeug aus dem Park raucht ist doch krank, Russisch Roulett, dann lieber nix rauchen!!!

  5. Rainer

    Leider geschieht das was die Stärkeren wollen.Trotzdem ist es gut daß es Gegenwind gibt.Sonst wäre eine Diktatur nicht mehr fern.

  6. Mörnest

    @Littleganja mit Ausnahmeerlaubnis

    DAS kann nur von jemanden kommen der gut versorgt ist. Schon länger keine Ebbe erlebt, nicht wahr? Ein Patient der seine schmerzen bekämpft, reagiert wie ein Junkie auf endzig und wird alles daran setzen das es aufhört, egal ob Dreckszeug oder nicht. DAS ist doch der eigentliche Skandal, die CDU kriminalisiert und spielt mit Ängsten, gleichzeitig wird Alkohol und Tabakkonsum verharmlost.

  7. Ralf

    Dieser Kohlmeier ist ein typisches Beispiel für einen total verblödeten Politiker, der das rasen mit einer gefährlichen Waffe (KFZ), bei dem in der BRD hunderte jedes Jahr in`s Gras beißen, mit dem inhalieren eines harmlosen Krautes gleichsetzt. Sie schnallen einfach die primitivsten logischen Zusammenhänge nicht und werfen Äpfel und Birnen in einen Sack, aber es ist auch mal wieder ein schönes Beispiel wie das zurückgebliebene deutsche Dummvolk immer wieder seines gleichen wählt.

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