Samstag, 13. August 2016

2 Gramm pro Watt?

 

Ein Versuch

 

Text & Bilder  Jonas

 

2-gramm-pro-watt-grow-hanf-cannabis

 

Durch immer weiter steigende Strompreise stellt sich wohl jeder Indoor-Grower die Frage, wie er die Effektivität seines Anbausystems steigern kann. Meine ersten Indoor-Growerfahrungen begannen mit einem Mix verschiedener Strains, einer Homebox mit 1,44 m², einer 600W Lampe und einem Adjust A Wings Reflektor auf Erde mit Hesi Dünger. Von der Qualität meiner Ernten war ich begeistert. Der Ertrag war aber nicht wie erhofft, unter anderem da die Pflanzen aufgrund der verschiedenen Genetiken nicht gleichmäßig ausgeleuchtet waren. Nach ausführlicher Recherche fand ich weitere limitierende Faktoren also entschied ich mich mein System komplett umzubauen. Die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe und meinen Versuch 2 Gramm pro Watt zu erreichen, möchte ich hier dokumentieren.

 

Durch Umstellung von Erde auf Hydroponik kann man das Wachstum beschleunigen, indem die Nährstoffzufuhr besser gesteuert und kontrolliert werden kann. Hierbei ist wichtig pH- und EC-Wert im Auge zu behalten, zu kontrollieren ob Zu- und Abfluss verstopft sind und ob die Pumpe noch funktioniert um vertrockneten Pflanzen und Wasserschäden vorzubeugen. Ich entschied mich für den  hochkonzentrierten Metrop Dünger. Damit konnte ich das Schleppen und Entsorgen großer und auffälliger Kanister vermeiden. Außerdem hat dieser ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings führte diese Entscheidung durch sehr starke pH-Wertschwankungen, zu einem hohen Arbeitsaufwand, da der pH-Wert fast täglich nachjustiert werden musste. In rezirkulierenden Systemen tritt dieses Problem oft auf, soll aber laut Aussage des Headshops meines Vertrauens mit Canna Aqua Dünger minimiert werden.

 

Ich habe mich für Hydroton als Medium entschieden, um im Falle eines Ausfalls der Pumpe noch etwas Feuchtigkeit an den Wurzeln zu haben, damit mir noch genügend Zeit zum Reagieren bleibt. Mit zwei Pumpen, am besten gespeist aus zwei verschiedenen Stromkreisen, kann man dieses Risiko minimieren. Für den Fall, das Wasser aus dem System austritt, muss eine Möglichkeit bestehen dieses aufzufangen. Außerdem darf kein Strom in potentiell gefluteten Bereichen verlegt werden. Eine Mehrfachsteckdose, die am Boden lag, um einen eigentlich nur kurzfristig umgestellten Ventilator zu versorgen, sorgte bei einem Wasseraustritt aus dem System für einen Kurzschluss, der zum Glück ohne Folgen blieb. Insbesondere beim Selbstbau von Hydrosystemen darf man hier die Sicherheit auf keinen Fall vernachlässigen.

 

Die Erhöhung der Pflanzdichte (Sea of Green) spart Zeit in der Wachstumsphase und erhöht bei kompakter Genetik den Ertrag stark. Ich habe mich für Top44 von Nirvana entschieden. Eine einfache, schnell blühende und kompakte Sorte. Die ersten zwei Versuche mit Top 44 verliefen vielversprechend. Die Ernte war enorm. Ich war aber mit Geschmack und Wirkung unzufrieden. Wenn man für den Eigenbedarf anbaut, sollten bei der Wahl der Genetik aber diese Qualitäten eine wichtigere Rolle spielen als der Ertrag.  Daher bin ich bald wieder auf meine langsam blühende Super Lemon Haze zurück gewechselt. Diese ist leider nicht wirklich gut für einen „Sea of Green“ geeignet. Jedoch hat sie mich durch ihre kreativitätsfördernde Wirkung und den fruchtigen Geschmack schon seit meinem ersten Grow überzeugt. Mehrere Mutterpflanzen waren zum Glück noch vorhanden.

 

Bild: Jonas
Die Pflänzchen stecken in Abflussrohren mit Netztöpfen / Bild: Jonas

 

Um auch die Anbaufläche zu vergrößern, entschloss ich mich auf einen Reflektor zu verzichten, die Lampe um 90° zu drehen und die Pflanzen vertikal um die Lampe anzuordnen. Hierfür habe ich zwölf Abflussrohre mit Netztöpfen bestückt und sie in einen oktagonförmigen Holzschrank mit 1,4 Metern Durchmesser gehängt. Der Holzschrank wurde mit Rollen versehen und mittig zweigeteilt um alle Pflanzen gut erreichen zu können. Dies hatte jedoch zwei verschiede Wasserkreisläufe zur Folge, was den Aufwand, die Nährlösung konstant zu halten, weiter erhöht hat. Die Lampe wurde mit einem modifizierten Grillmotor 60 Zentimeter auf und ab bewegt, sodass ich die Anbaufläche von 1,44m² in meiner Homebox auf über 4m² erhöhen konnte und somit Platz für bis zu 100 Stecklinge hatte.

 

Um eine solche Menge homogener Stecklinge alle 3 Monate zur Verfügung zu haben braucht man leider sehr ergiebige Mutterpflanzen, deren zusätzliche Kosten und Arbeitsaufwand auch bedacht werden muss. Bei Entdeckung besteht die Gefahr, dass man aufgrund der hohen Pflanzenanzahl von Polizei und Presse als Großproduzent angesehen wird. Da es trotz „Lightmover“ schwierig war das Licht gleichmäßig zu verteilen, schwankte der Ertrag einzelner Pflanzen von 5 bis 90 Gramm. Ein Ausfall des günstigen Grillmotors, den ich nutzte, da mir ein Lightmover aus dem Headshop zu teuer erschien, verbrannte mir auch einmal die schönsten Spitzen. Eine automatisierte Bewässerung verleitet leider, nach den ersten Erfolgen, die Pflege der zuvor täglich handbewässerten Pflanzen zu vernachlässigen. Auch die Überwachung der Technik ist ernst zu nehmen, da unvorhersehbare Ausfälle der Pumpen, Motoren, Lampen und Zeitschaltuhren vor allem wenn man auf günstige Technik setzt nicht zu vermeiden sind.

 

Ich konnte, trotz erschwerter klimatischer Bedingungen in einem ungeheizten Keller meinen Ertrag grob verdoppeln. Mein Ziel über 2 Gramm pro Watt zu ernten habe ich aber leider verfehlt. Wie in Onlineforen mit glaubwürdigen Berichten und Fotos dokumentiert wird, sollte mit der richtigen Genetik, der nötigen Erfahrung und wenn Klima und Technik mitspielen sogar weitaus mehr möglich sein. Wenn aber nicht alle dieser vier Faktoren genau passen, wird es schwer.

 

Bei weiteren Versuchen würde ich es wieder mit einer kleinen kompakten Genetik und mit zusätzlicher CO2-Begasung ausprobieren. Ich würde auf den Hydroton verzichten und auf aeroponische Bewässerung umstellen, um möglicherweise das Wachstum weiter zu beschleunigen und vor allem um den Säuberungsaufwand des Hydrotons zu vermeiden. Dies konnte ich aber leider aufgrund äußerer Umstände nicht mehr ausprobieren. Ich musste also wieder meine “Zelte“ abbrechen und habe mich diesmal für eine Region entschieden, in der ich nicht auf Lampen angewiesen bin. Für sich ergebende Fragen oder einen relaxten Urlaub auf Teneriffa stehe ich unter fb.com/goodvibesvilla gerne zur Verfügung.

 

In Deutschland ist der Hanfanbau genehmigungspflichtig, ansonsten aber streng verboten. Deshalb weisen wir unsere Leser darauf hin, dass sie das Beschriebene auf keinen Fall nachahmen dürfen. Dieser Artikel soll informieren, nicht anstiften.

 

5 Antworten auf „2 Gramm pro Watt?

  1. Fred vom Jupiter

    Effektivität hin oder her, einer der größten Fehler, die man in dem Bereich machen kann ist, gierig zu werden.

    Es gäbe auch eine völlig kostenlose, Arbeitszeit-sparende Methode, nur noch mit halb so vielen Grows auszukommen: Einfach den eigenen Konsum um die Hälfte reduzieren. Und das Risiko, erwischt zu werden verringert sich mit der Anzahl der Grows genau so wie die zu erwartende Strafe, wenn es denn doch mal passiert.

    Etwas aufwendiger wäre es, zu versuchen, die Qualität der Ernte zu verbessern, so dass man mit weniger Ernten oder Erntemenge genau so gut oder sogar besser auskommt. Dazu kann es eigentlich auch schon ausreichen, ausschließlich besonders potente Sorten für den Anbau auszuwählen – und eben nicht solche, die bloß auf Ertrag gezüchtet wurden, aber sonst eher bloß ‚Na ja‘ sind.

  2. IchBinKeinRoboter

    lieber Qualität statt Quantität. Aus einer Pflanze kriegt man fast das selbe raus wie 100 und gleich viel W. Wo nicht mehr ist… wird auch nicht mehr. Natur und Physik.

  3. Bundeskanzler

    Vertikal ist ne tolle Sache, wenns sich lohnt.

    Qualität statt Quantität.

    Faserhanf kann auch relativ dick werden oder neuerdings die CBD-Sorten, bringt nur nix.
    Manchmal ist Qualität aber auch Quantität zumindest in der Bong lol auch wenn dann der Dichtheits-Grad steigt.

  4. https://diehanfinitiative.de/index.php/genussmittel/21-hanf-als-genussmittel

    Wir müssen einfach stärker dafür kämpfen, dass Hanfnutzung – jeder Art – ein anerkanntes „Menschenrecht“ wird. Ich hoffe bloß, unsere Enkel wundern sich einmal dereinst über den Zynober und die Absurdität des überwundenen Hanfverbotes. Spätestens wenn die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen und nachwachsende Rohstoffe gebraucht werden – oder vorher das Klima unaufhaltsam gekippt ist – naja, dann dürfte das Verfluchen das wundern und freuen überwiegen.

    Ich empfehle allen einmal diesen Film zu gucken und zu verbreiten: https://www.youtube.com/watch?v=ceymlI6TOr8 lieben Dank 🙂 Es ist eine sehr neue und aktuelle Dokumentation von Arte zum Thema „System Prohibition“.

    EURE Hanfinitiative – allen noch schöne Sommertage 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.