Dienstag, 2. August 2016

Das kleine DMT-Lexikon Teil I

 

Eine Kurzübersicht der relevanten Begrifflichkeiten

 

dmt

 

Autor: Hannes Schinder

 

Dimethyltryptamin, kurz DMT, ist bei weitem mehr als nur eine einfach strukturierte Substanz mit geistbewegender Wirkung: DMT ist ein psychedelisches Faszinosum, voller Magie und Potenzial, welches in Anbetracht seiner besonderen Wirkqualitäten sehr zutreffend auch als „Direkte Mystische Transmission“ (PINCHBECK) bezeichnet wird. Doch nicht nur das spektakuläre Wirkprofil macht diese bewusstseinserweiternde Verbindung so interessant, sondern auch die Tatsache, dass N,N-DMT und 5-MeO-DMT nicht nur in Pflanzen gefunden werden können, sondern als sogenannte Neurotransmitter auch in Tieren und sogar im Menschen vorkommen. Welche konkreten Funktionen diese beiden Stoffe als endogene Botenmoleküle im Körper des Menschen letztlich übernehmen, ist von Seiten der Wissenschaft bisweilen zwar noch nicht vollständig aufgeklärt worden. Es existiert aber eine Vielzahl argumentativer Spekulationen dahingehend, dass körpereigenem DMT unter anderem eine herausragende Rolle bei der Geburt, beim Sterben, beim Träumen sowie beim Erleben außerkörperlicher, spiritueller und mystischer Erfahrungen zukommt – daher auch die Trivialbezeichnung „Molekül des Bewusstseins“.

 

5-MeO-DMT:

5-Methoxy-N,N-Dimethyltryptamin (kurz: 5-MeO-DMT) ist ein natürlich vorkommendes psychedelisches Tryptamin-Derivat und ein naher Verwandter von N,N-DMT. Die Verbindung kann geraucht, gesnieft oder injiziert werden. Peroral zeigt 5-MeO-DMT ohne die gleichzeitige Einnahme eines MAOI keine Wirkung. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die orale Einnahme von 5-MeO-DMT und einem MAOI sehr häufig als extrem unangenehm beschrieben wird, was sich bei N,N-DMT deutlich anders verhält. Wird 5-MeO-DMT geraucht beginnt die Wirkung binnen weniger Sekunden und hält bis zu 20 Minuten an. Das Erfahrungsspektrum reicht von Astralerfahrungen, Begegnungen mit fremden Entitäten, spektakulären Visionen, Einsichten in universelle Prinzipien bis hin zu kosmischen Einheitserlebnissen.  Erfahrene Psychonauten beschreiben die Wirkung im Vergleich mit jener von N,N-DMT sehr häufig als „mentaler“.  Beim Rauchen liegt die übliche Dosis zwischen 6 und 20 mg.

 

Acacia-Arten:

Arten der Gattung Acacia kommen hauptsächlich in Australien vor. Einige Spezies – etwa A. confusa, A. maidenii, A. nuibica und A. simplicifolia – enthalten in ihren Blättern oder der Rinde hohe Konzentrationen N,N-DMT sowie 5-MeO-DMT, daneben auch NMT (N-Methyltryptamin) sowie eine Vielzahl sonstiger Verbindungen.

 

Anadenanthera colubrina:

Die Samen dieser Spezies aus der botanischen Familie der Leguminosen (Fabaceae) enthalten Bufotenin sowie geringspurig N,N-DMT. Traditionell werden die Samen entweder oral eingenommen oder – nachdem sie geröstet, pulverisiert und mit gelöschtem Kalk oder Pflanzenasche vermischt wurden – gesnieft. Bekannte Trivialnamen von Anadenanthera colubrina sind Cebil und Vilca u.a.

 

Anadenanthera peregrina:

Diese,  auch als Yopo bekannte Leguminose (Fabaceae) hat ihre natürlichen Verbreitungsgebiete in Brasilien und Kolumbien u.a. und enthält in ihrem sehr flachen Samenmaterial 5-MeO-DMT und N,N-DMT sowie in geringen Spuren Bufotenin. Yopo wird in Südamerika seit langen Zeiten als schamanisches Entheogen verwendet. Eingenommen wird es üblicherweise in der Darreichung eines Schnupfpulvers (Cohoba) und mit Hilfe einer speziellen Schnupfröhre.

 

Arundo donax:

Auch Pfahlrohr, Riesenschilf oder Spanisches Rohr genannt, ist eine Spezies aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die Wurzeln sowie in geringeren Konzentrationen auch die Blätter und Blüten enthalten N,N-DMT und Bufotenin, ferner auch 5-MeO-DMT und andere Verbindungen (z.B. Gramin). Arundo donax stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum und kann in Europa häufig vorgefunden werden, besonders an Fluss- und Seeufern. Hinweis: Für psychonautische Experimente ist dieser DMT-Lieferant ungeeignet.

 

Ayahuasca:

Ayahuasca ist ein psychedelisches Dekokt auf der Basis von DMT und Beta-Carbolinen. Rituell verankert ist dieses kaffeebraune Getränk bei zahlreichen indigenen Stämmen entlang des Amazonas, wo es im Kontext schamanischer Rituale für Heilungszwecke, aber auch zur spirituellen und visionären Erkenntnisgewinnung eingesetzt wird. Die wichtigsten Zutaten sind nach traditioneller Rezeptur zum einen die MAO-hemmende Liane Banisteriopsis caapi, zum anderen sind es die DMT-haltigen Blätter der Psychotria viridis. Häufig werden dem Gebräu aber noch weitere pflanzliche Zutaten beigefügt, beispielsweise um die Wirkung zu verstärken oder das Ayahuasca bekömmlicher zu machen. Im Vergleich mit gerauchtem DMT setzt die Wirkung von Ayahuasca langsam und schleichend ein, hält mit 4 bis 6 Stunden Wirkdauer aber deutlich länger an. Zunächst kommt es beim Anwender meist zu Brech- und/oder Durchfallattacken – nach traditionellem Verständnis handelt es sich hierbei um einen wichtigen Reinigungsprozess – und erst danach setzt das visionäre, mitunter stark euphorische und im Idealfall entheogene Rauscherlebnis ein.

 

Banisteriopsis argentea:

(Syn. Banisteriopsis muricata) Aus Indien stammendes Malpighiengewächs (Malpighiaceae) der Gattung Banisteriopsis, das im Vergleich zu B. caapi nicht nur MAO-hemmende Beta-Carboline enthält – beispielsweise Harmin und Harmalin – sondern darüber hinaus außerdem N,N-DMT.

 

Banisteriopsis caapi:

(„Ayahuasca-Liane“) Dschungelliane aus dem tropischen Südamerika, die seit Jahrtausenden zur Herstellung des entheogenen Ritualtrunks  Ayahuasca eingesetzt wird. Banisteriopsis caapi enthält als wirksamkeitsbestimmende Prinzipien diverse Beta-Carboline aus der Stoffgruppe der Harmanalkaloide, unter anderem Harmin, Harmalin und Tetrahydroharman.

 

Bodyload:

Energetische Körperladung, die von DMT-Konsumenten häufig beschrieben und sowohl als angenehm als auch als störend empfunden wird. Symptome können zum Beispiel starkes Kribbeln, Wärmegefühle, Zittern oder eine vorübergehende Erhöhung der Puls- und Herzfrequenz sein.

 

Bufo alvarius:

(„Colorado Flusskröte“) In den USA sowie in Mexiko verbreitete Kröten-Art, die ein Hautdrüsensekret absondert, welches 5-MeO-DMT und Bufotenin enthält.

 

Bufotenin:

Auch 5-Hydroxy-dimethyltryptamin (kurz: 5-HO-DMT), ist ein psychedelisches Tryptaminalkaloid mit einer strukturellen Verwandtschaft zum endogenen Neurotransmitter Serotonin sowie den beiden Psychedelika DMT und Psilocybin/Psilocin. Als Naturstoff ist Bufotenin sowohl in Pflanzen, beispielsweise in Cebil oder Yopo, wie auch in bestimmten Tieren zu finden, etwa in der Colorado Flusskröte (Bufo alvarius) oder der Erdkröte (Bufo bufo).

 

Breakthrough:

Im Psychonautik-Jargon wird unter dem Terminus „Breakthrough“ der psychedelische Durchbruch in andersweltliche Wirklichkeiten verstanden, so, wie es beispielsweise durch eine entsprechend dosierte Applikation DMT herbeigeführt werden kann.

 

Changa:

Auch Xanga, ist eine rauchbare Pflanzenmischung auf der pharmakologischen Grundlage von N,N-DMT, seltener 5-MeO-DMT, sowie Beta-Carbolinen und anderen psychoaktiven Molekülen. Die Rezeptur des originären Changa sieht neben einem DMT-Extrakt beispielsweise folgende Zutaten vor: Banisteriopsis caapi (30 %), Calea ternifolia (30%), Heimia salicifolia (20 %), Justicia pectoralis (10%) und Turnera diffusa (10 %). (BERGER 2015: 24). Das Mengenverhältnis von DMT zu den Kräutern beläuft sich üblicherweise auf 1:1, seltener auf 2:3. Die Wirkung von Changa setzt schnell ein und hält bis zu 15 Minuten an. Im Anschluss folgt ein 30 bis 60 minütiger „Afterglow“ (Nachwirkung), der üblicherweise als sehr angenehm beschrieben wird.  Die von den meisten Psychonauten präferierte Dosis beträgt ungefähr 100 mg.

 

Teil 2 des kleine DMT-Lexikon findet ihr in der Augustausgabe des Hanf Journals.

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