Montag, 4. Juli 2016

Anzahl der Patienten mit Sondergenehmigung auf Rekordhoch

 

Immer mehr Menschen stellen Antrag auf medizinisches Cannabis

Bild: Susanne Winter/Archiv
Bild: Archiv

 

In den Medien liest und hört man immer wieder unterschiedliche Zahlen, wie viele Menschen derzeit über eine Sondergenehmigung verfügen, Cannabis als Medizin verwenden zu dürfen. Klar ist, dass die Anzahl der offiziellen Cannabis-Patienten steigt. Mitte Juni 2016 sollen insgesamt 779 Menschen über eine Ausnahmegenehmigung des Bundesamtes für Arzneimittelsicherheit und Medizinprodukte (BfArM) verfügt haben. Damit wurde ein neuer Rekord erreicht. Es wurden dabei 744 Ausnahmegenehmigungen für Cannabisblüten und 45 für den Erwerb von Cannabisextrakt erteilt. 10 Personen erhielten sowohl eine Sondergenehmigung für Cannabisblüten, als auch für das Extrakt. Diese Angaben gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage hervor, die die Bundestagsfraktion der Grünen zuvor gestellt hatte.

 

Demnach wurden 62 Prozent der Sondergenehmigungen an Schmerzpatienten mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder an Menschen, die unter Spastiken leiden vergeben. 12 Prozent der Ausnahmegenehmigungs-Besitzer litten hingegen unter ADHS. Weitere Erkrankungen für die eine Erlaubnis erteilt wurde sind unter anderem das Tourette-Syndrom (4%), Epilepsie (3,5%), Depressionen (6 %) und Darmerkrankungen (4%). Die Anzahl der Anträge ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wurden 2011 gerade mal 60 Anträge gestellt, waren es 2015 schon 434. Die Zahl der Menschen, die Cannabis ohne Genehmigung zur Behandlung ihrer Beschwerden verwenden ist hingegen nicht bekannt, dürfte allerdings deutlich über den derzeit 779 Personen liegen.

 

Diesen Donnerstag findet im Bundestag die erste Lesung zum Gesetzesentwurf „Cannabis als Medizin“ statt. Mit diesem Entwurf soll es laut der Regierung „schwerwiegend erkrankten Patientinnen und Patienten, die keine Therapiealternative haben, nach entsprechender Indikationsstellung durch die Ärztin oder den Arzt ermöglicht werden, getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte in kontrollierter Qualität auf ärztliche Verschreibung in Apotheken zu erhalten, ohne dass dabei die Sicherheit und Kontrolle des Betäubungsmittelverkehrs gefährdet wird“.

 

Die Fraktion Die Linke fordert in dem Zug in einem Antrag die Bundesregierung auf den „Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend“ zu gewährleisten. Laut Auffassung der Partei seien die Restriktionen bei der Verschreibung von Cannabis ideologisch begründet und sollten zügig Abgebaut werden, damit Patienten schnell und unkompliziert ihre Medizin erhalten. Auch das Vorhaben Patienten die Kosten für ihre Medizin nur zu erstatten, wenn sie an einer Begleitstudie Teil nehmen, ist für die Partei nicht akzeptabel.

 

11 Antworten auf „Anzahl der Patienten mit Sondergenehmigung auf Rekordhoch

  1. Führen wir eine Debatte zu "dieser besonderen" Ethik, "Austherapiert sein müssen!"

    Danke für diese präzisen Informationen.

    „Rekordhoch“ hört sich sehr dramatisch an.

    Unserer Meinung nach müssen diese „Rekorde“ noch 1000 mal eingestellt werden, bis wir wenigstens eine Minimalversorgung erreicht haben.

    Überhaupt ist dieses ganze Verfahren mit der „Ausnahmegenehmigung“ und dem „autherapiert sein müssen“ ein – aus unserer Sicht – menschenrechtswidriges Verfahren.

    Wir haben versucht diese Debatte aus dieser Perspektive zu führen und unsere Argumente darzustellen.

    Dieser „Zeitgeist“ der Prohibitionspolitik ist – aus unserer Sicht – ein „Ungeist“. Wir wünschen uns Lösungen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Lösungen, die die Menschenrechte auch tat-sächlich und wirk-lich einhalten.

    Für die Debatte haben wir viele Fragen aufgeworfen. Wir wünschen uns ehrliche Antworten auf diese Fragen. Es sind Fragen, die die ganze Gesellschaft angehen. Unser Dank gilt allen Menschen, die sich aufrichtig an dieser Debatte beteiligen.

    Können wir uns denn auf die Politik verlassen oder müsen WIR das selbst in die Hand nehmen? Bisher konnten „Erfolge“ nur über die juristische Schiene erzielt werden. Gerichte mussten eingreifen, in langjährigen Prozessen, um das Leid von schwer kranken „einzelnen Patienten“ zu lindern. Einzelfälle allesamt. Das finden wir beschämend für die westlichen Demokratien und ganz besonders für das reiche Deutschland.

    Menschen sterben. Kranke haben keine Zeit zu warten.

    Liebe PolitkerInnen, aller Parteien, wie lange sollen uns diese Menschenrechte auf Gesundheit, Freiheit und die Selbstbestimmung (über unseren eigenen Körper) noch vorenthalten, mit dem Strafrecht verboten, werden?

    Unser Beitrag zur Debatte: https://diehanfinitiative.de/index.php/medizin/18-system-paradoxon ist gleichzeitig ein Apell und eine Bitte an die Politik und die Medien ernsthaft mit diesem Thema und ernsthaft mit uns betroffenen Menschen umzugehen.

    Liebe Grüße von der HANFINITIATIVE

    „Lasst uns „SCHMERZFREI“ sein, ohne uns zu jagen, ohne uns zu zwingen unser Immunsystem kaputt zu machen, und ohne uns wegzusperren wie Affen im Zoo.“

  2. Surak

    Anzunehmen ist, daß äquivalent dazu zeitleich mindestens 779 Lizenzen zum Töten an Geheimdienstmitarbeiter erteilt wurden, oder? Übrigens habe ich selbst eine solche, seit der Secret Service mich damals 1997 im Rahmen eines Auslandsstudiums in GB aus einer Arrestzelle heraus für spezielle Aufgaben auf dem Festland rekrutiert hat. Bisher dachte ich auch immer die bliebe – wie damals ausführlich besprochen – weltweit unbefristet gültig… aber das Brexit-Referendum verunsichert mich jetzt doch ein wenig: Muß ich demnächst für jede Tötung ein neues, womöglich schriftliches Dokument beantragen – oder bleibt das ungeschriebene Wort der Queen weiterhin gültig wie allzeit zuvor? Man weiß ja teilweise nicht mehr, wo hinten und vorne ist in dieser unsäglichen Debatte! 🙁 Furchtbar! Und dabei könnte es so einfach sein…

  3. Wenn krebskranke Kinder Cannabis bekommen

    Ich empfehle allen Bundestagsabgeordneten und sonstigen Interessierten, die sich kommenden Donnerstag mit dem Gesetzentwurf befassen, doch einmal 10 Minuten ihrer kostbaren Zeit zu opfern und sich diesem Video-Bericht anzusehen:

    https://www.youtube.com/watch?v=7G7zqC9K9ik

    Ein Kommentar dazu:

    „Wenn krebskranke Kinder Cannabis bekommen, verbessern sich ihre Blutwerte und ihr Immunsystem wird stärker. […] es gab sogar einige Fälle wo wir die Kinder nur mit Cannabis behandelt haben und die Chemotherapie wurde nicht mehr benötigt. […] Es kommt offensichtlich auf den Zeitpunkt an, wann Cannabis gegeben wird.“

    In Deutschland muss man austherapiert sein, um Cannabis als Medizin zu bekommen. Das bedeutet erst die Medikamente der Pharmaindustrie nehmen, bevor man Cannabis als Medizin bekommen kann.

    In Deutschland ist Cannabis die allerletzte Behandlungsmöglichkeit, da vorher alles andere genommen werden muss.

    „Denn es kommt offensichtlich auf den Zeitpunkt an, wann Cannabis gegeben wird!“ Damit wird krebskranken Kindern eine Behandlungsmöglichkeit verwehrt. Dabei wird, wenn es um Cannabis geht, immer der Kinderschutz vorgeschoben, um das Hanfverbot zu begründen.

    Vielleicht regt das zum Nachdenken und zur Nachahmung an?

  4. underground-grower

    Zukünftige Visionäre, Mädchen, Jungen die um ihr Leben kämpfen, die Angehörigen müssen die Qualen ihrer Liebsten ertragen, obwohl Cannabis helfen ggbf. heilen kann. Ein mutiger Arzt hat sich getraut und auch eine Strafe in Kauf genommen und er wusster was er tat!!!
    Ein kleines Wesen gerettet und die Ergebnisse verbesserten sich.
    Einer der wenigen mit offenen Augen und Ohren sich leiten zu lassen.
    Null-high beim Jungen feststellbar, aber die Werte die ausschlaggebend waren, positiver Natur.
    Von Natur zu Natur.
    Politik/er/innen bei euch oder in meiner Heimat sind steif, stur, mösengeil oder wer hat den Größten denkend und was springt raus… sind die Größten.
    Eu-arm im Kopf und im Schwitzkasten der Imperialisten und
    blind-vorpreschend Richtung Moskau???
    Kein Grund den Kiddies dies zu verwehren, wenn es doch hilft!!!!
    Tja Pharma-und-Chemieköppe verwirrte, keine synthetische thc-cbd-verbindung aus dem Handgelenk gezaubert?
    Lohnt nicht, die Natur kann es halt besser…

  5. Kriminalisierter Kranker

    Hi, kennt hier jemand der Leser des Hajo vielleicht einen Arzt in NRW der einer Verschreibung von Medizinalblüten offen gegenüber steht?

    Habe seit meiner Kindheit chronische Migräne, außerdem eine Unverträglichkeit gegen NSAR-Analgetika und nach meinen Wissenstand nach bleiben mir jetzt nur noch die Triptane gegen die Schmerzen, einmal probierte ich aber Naratriptan aus (soll sehr gut verträglich), was aber nicht geholfen hat und dieses Medikament gehört zur gleichen Wirkstoffklasse.. Cannabis geraucht hilft mir jedoch äußerst gut gegen eine akute Migränattacke, nur würde ich es endlich gerne legal als Medizin benutzen dürfen, ohne kriminalisiert zu werden und auf den Schwarzmarkt angewiesen sein zu müssen, weswegen ich gerne den Status „austherapiert“ erreichen möchte, um letztendlich eine Ausnahmegenehmigung für Cannabisblüten zu kriegen.

    LG, Kriminalisierter Kranker

  6. underground-grower

    hey @Marci, hab einen Kommentar von dir gelesen ende Mai, bist bei einer >Behörde von welcher auch immer….durch die blume der Weiblichen….Blumenliebhaberin….
    schaue dir diese Hilferufe an…
    liest du noch mit?

  7. Jemand

    @Kriminalisierter Kranker Von wo aus NRW kommst du denn ? Bzw wie wäre es für dich möglich dafür nach FFM zu fahren ? Hatte per email beim ACM nachgefragt und einen Namen einer Ärztin dort erhalten (war allerdings selbst noch nicht da)
    Keine Ahnung ob es ok ist den Namen hier zu veröffentlichen deshalb lass ichs erstmal (wüsste allerdings keine Alternative wie ich dir den Namen zukommen lassen könnte)

  8. Gasterl

    @Kriminalisierter Kranker
    Um da eine Chance haben, musst du austherapiert sein. D.h. Mindestens 2 Triptane längerfristig unter ärztlicher Aufsicht nehmen. Dazu evtl. noch 1-2 weitere Präperate. Und wenn das nicht helfen sollte, kannst Du einen Versuch machen, den Antrag zu stellen.
    Ohne wirklich mit Triptanen „gearbeitet“ zu haben, wirst Du wohl keine Genehmigung bekommen, leider.

  9. Kriminalisierter Kranker

    @Jemand – Ich wohne knapp eine Stunde Zugfahrt vom Düsseldorfer Bahnhof entfernt, von dort aus oder auch von Duisburg gibt es auf jeden Fall viele Bahnverbindungen nach Frankfurt am Main, nur reist man halt mit der Deutsche Bahn und bezahlt letztendlich nicht gerade wenig, vor allem wenn man ICE fährt – zum Glück gibt es noch die Fernbusse, welche erheblich billiger sind.

    Habe mir mal extra einen Mailaccount herstellt, wenn du magst kannst du mich über meine EMail-Adresse kontaktieren: kranker.kriminalisierter@mail.ru

    Bevor ich mich an den Arzt wenden kann muss ich aber den Triptanen noch eine Chance geben bzw. sie länger ausprobiert haben usw., im Vorfeld einen korrekten Arzt zu haben, der das medizinische Potential von Cannabis kennt wäre natürlich spitze, denn ich kenn leider keine kompetenten Ärzte in meiner Gegend..

    @Gasterl – Mein Plan ist es den verschreibungspflichtigen Triptanen noch eine Chance zu geben oder sie zumindest auszuprobieren, weshalb ich mich nun ans Westdeutsche Kopfschmerzzentrum an der Universitätsklinik essen wenden wollte. (Schonmal jemand dort gewesen?)

    Wusstet ihr das auch Botoxspritzen Anwendung in der Migränetherapie finden? o.O

    LG

  10. Gasterl

    @Kriminalisierter Kranker
    Ja, das habe ich schon gehört – aber das blieb mir zum Glück erspart. Dafür habe ich sehr viele Triptane, Analgetika und viele weitere Präperate genommen (leider ohne die gewünschten positiven Effekte – dafür mit sehr vielen, starken Nebenwirkungen.) – Schlussendlich habe ich dann Gott sei Dank meine Ausnahmeerlaubnis erhalten. Seither bin ich nahezu Beschwerdefrei (dauerhaft) – ganz beschwerdefrei wäre ich, wenn ich mir die verschriebene Dosierung leisten könnte. Da bin ich aber aus finanziellen Gründen gehandicapt.
    Ich wünsche Dir, dass eines der Präperate Dir hilft – und wenn nicht, dann hoffe ich für Dich auf eine Genehmigung, um dieses Leiden endlich abzustellen.

  11. Jemand

    Ich selber warte ja jetzt erstmal was nun bei dem Gesetzesentwurf rauskommt bevor ich mich überhaupt wg Cannabis an einen Arzt wenden werde
    Dann ist zumindest der Hickhack wer ja und wer nein geklärt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.