Mittwoch, 22. Juni 2016

New York stimmt für Versiegelung von Strafakten

 

Zu unrecht verurteilte Cannabis-User nachträglich schützen

 

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99 von 150 Mitgliedern des New Yorker Unterhauses stimmten vergangenen Mittwoch für einen Gesetzesentwurf, der die Bürger der bekannten US-Metropole nachträglich gegen ihre nachwirkenden Verurteilungen schützen würde, wären sie in der Vergangenheit wegen Marihuanabesitzes in der Öffentlichkeit festgenommen worden. Da der Kontakt mit den Gesetzeshütern im Falle von strafbarem Cannabiskonsum oder Besitzes schwerwiegende Folgen für den Schuldigen mit sich brächte, wäre der Schritt ein dringend notwendiger. Straffällige Cannabis-User hätten einen weit schwierigeren Weg vor sich, als es für sie angemessen wäre. New York stimmt für Versiegelung von Strafakten.

 

Die anschließende Jobsuche, Angebote auf dem Wohnungsmarkt, Möglichkeiten für Weiterbildungen und andere Dienste des Staates wären für Verurteilte wesentlich erschwert, was für das Keimen einer prekären Bevölkerungsgruppe verantwortlich sei.
Besonders besorgniserregend sei jedoch das weiterhin auffällige Ungleichgewicht bei den Festnahmen zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung. Von 20.000 New Yorkern, die in 2015 festgenommen wurden, hätten 83 % Prozent afroamerikanische oder lateinamerikanische Wurzeln.

 

Da in den letzten 20 Jahren über 700,000 New Yorker für den bloßen Besitz von Cannabis festgenommen worden wären, auf welche die gerade beschriebenen Probleme zuträfen, drängten die abstimmenden Mitglieder des Unterhauses auf eine schnelle Unterzeichnung ihres Gesetzesvorschlages, um dieser Situation entgegenzuwirken. Mit dem baldigen Versiegeln von Strafakten wolle man allen Cannabis-Verurteilten der vergangenen zwanzig Jahre eine Verbesserung des geschändeten Status ermöglichen und das lange akzeptierte Unrecht ungeschehen machen. Obwohl New York bereits 1977 den Besitz von kleineren Mengen Marihuana dekriminalisierte, nutzte die dortige Polizei offensichtlich lange Zeit ein vorhandenes Gesetzesschlupfloch, um einen inoffiziellen Guinnessbuch-Rekord für die meisten Festnahmen wegen Cannabisbesitzes in einer Hauptstadt einzuheimsen.

 

Da dieses Unrecht in New York nun ein baldiges Ende finden soll, dürfte ein Frank Henkel in Berlin mit seiner strikten Null-Toleranz-Politik heimlich auf eine vergleichbare Verleihung schielen.

Jedoch chancenlos – trotz der an den Tag gelegten rassistischen Tendenzen.

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Mörnest
Mörnest
5 Jahre zuvor

Henkel hat doch den Knall nicht gehört.

Cosmo
Cosmo
5 Jahre zuvor

Er ist doch nur der Griff einer Tasse. Das Porzellan muss zerbrechen…

M
M
5 Jahre zuvor

Gute Neuigkeiten für New Yorker, wurde auch Zeit.
Leider ist der Text nur schwer leserlich, viele Konjunktive hätte man sich sparen können. Folgende Passagen sind besonders kryptisch formuliert/übersetzt:

“was für das Keimen einer prekären Bevölkerungsgruppe verantwortlich sei.”
“eine Verbesserung des geschändeten Status ermöglichen”

Bitte nicht als Korinthenkackerei missverstehen, ihr macht hier gute und wichtige Arbeit und ich lese das HanfJournal immer gerne. Als Übersetzer kann ich einfach nicht anders, wenn mir so etwas auffällt. 😉

mze
mze
5 Jahre zuvor

@M – ist das eine Form einer Bewerbung?

Leider dürfte das Ha-Jo-Team schön genügend Erfahrung mit Personen haben, die ihre großartigen Fähigkeiten anhand der Schwächen anderer präsentieren wollten.

Der Konjunktiv ist auch oft nötig, übernimmt man die in Vergangenheit gemachten Aussagen anderer … ohne diesen lehnte man sich zu weit aus dem Fenster und würde fremde Aussagen als eigene verpacken.
… viele machen das falsch.

X-KIFFER
X-KIFFER
5 Jahre zuvor

Das Schließen der Akten hat noch einen anderen Aspekt. Möglicherweise will man die Akten bald schreddern um für die Zeit der Wiederaufarbeitung dieses großen Unrechts schon mal eine Menge Beweismaterial vernichtet zu haben. Irgendwann wird sich ja auch die Frage nach Schadenersatz für die Opfer der Prohibition stellen und dann ist es für die Schuldigen dieses Verbrechens gegen die Grundrechte immer von Vorteil wenn die Opfer Schwierigkeiten haben ihren Status zu beweisen. 1988 konnte sich kein NVA Soldat an der deutsch-deutschen Grenze jemals vorstellen für seine Tätigkeit einmal im Westen(!) vor einem Strafgericht zu stehen. Nur 2 Jahre später war dies bittere Realität für so manchen ehemaligen DDR-Schützen. Es wird eine Zeit kommen da werden die Schuldigen gejagt werden, so… Weiterlesen »

Ralf
Ralf
5 Jahre zuvor

@X-KIFFER Schön, daß einer erkannt hat um was es hier wirklich geht, nämlich um das vertuschen unzähliger Verbrechen gegen die menschlichkeit. Unsere Staatsorgane hätten schon nach der Nazizeit 1zu1 ersetzt gehört (was natürlich wegen der Aminazis die das Sagen hatten nicht ging). Keiner der bei Hitler eine Funktion gehabt hat, hätte diese weiter haben dürfen.Nur durch die vielen in Amt und Würden gebliebenen Nazis konnte dieses Prohibitionsverbrechen wieder passieren. Der Schaden der durch dieses braune Gesindel von USA und D ausgehend auf der ganzen Welt angerichtet worden ist, ist mit dem Holocaust durchaus vergleichbar. “Da der Kontakt mit den Gesetzeshütern im Falle von strafbarem Cannabiskonsum oder Besitzes schwerwiegende Folgen für den Schuldigen mit sich brächte, wäre der Schritt ein dringend… Weiterlesen »

M
M
5 Jahre zuvor

@mze
Nö, ich finde es einfach schade, wenn solche vermeidbaren Fehler gemacht werden und weise deshalb manchmal auf solche hin. Ich finde, als eine der wichtigsten deutschsprachigen Veröffentlichungen im Hanfsektor dürfte das HanfJournal ruhig etwas mehr auf sprachliche Aspekte achten. Selbstverständlich ist der Konjunktiv sehr nützlich und oft nötig, hier steht aber fast der ganze Text im Konjunktiv, was das Ganze für mein Empfinden schwer lesbar macht und auch einfach nicht notwendig ist.
Wie dem auch sei, das war ausschließlich als konstruktive Kritik/Anregung gemeint.

mze
mze
5 Jahre zuvor

@M – ich schicke es mal meiner Lektorin.
Mal sehen was die zu der “Meinung” eines belehrenden Übersetzers im Internet sagt.
Deine Energie wäre sicherlich woanders sinnvoller eingesetzt … 😉