Samstag, 11. Juni 2016

Cannabis-Deal im großen Stil

 

Captain Kush im Interview

 

Text & Bilder: Ricco

 

Bud-Bluete-Hanf-Cannabis-Dealer

 

Will man sich in Deutschland mit Cannabis versorgen, bleibt einem in der Regel nur der illegale  Eigenanbau oder der ebenso illegale Gang zum Dealer des Vertrauens, wenn man sein Gras nicht aus irgendwelchen völlig unbekannten Quellen beziehen will. Selbst Patienten, die über eine Ausnahmegenehmigung für medizinische Cannabisblüten verfügen, greifen ab und an auf die Dienste eines illegalen Cannabis-Händlers zurück. Sei es, weil die Apothekenpreise für die Betroffenen unerschwinglich sind oder weil diese schlicht weg gerade kein Gras mehr auf Lager haben. Die in der Illegalität operierenden Händler sind – entgegen fest gefahrener Vorstellungen – keine zwielichtigen Gestalten mit direkten Kontakten in die Unterwelt, sondern häufig sonst gesetzestreue Bürger, die sich und ihre Umwelt mit gutem Cannabis versorgen wollen und sich über einen kleinen Nebenverdienst freuen. Um mehr über den Alltag eines Cannabis-Dealers zu erfahren haben wir uns mit Captain Kush zu einem Interview verabredet. Der professionelle Cannabis-Händler versorgt bereits seit Mitte der 1990er seine Kunden mit Gras bzw. Haschisch und hat die rechtlichen Folgen der Illegalisierung seines Geschäfts am eigenen Leib zu spüren bekommen.

 

 

Wie hast du deine Karriere als Dealer begonnen?

 

Ursprünglich habe ich angefangen, um mir meinen Eigenkonsum zu finanzieren. Ich habe damals angefangen zu kiffen und hatte immer ganz gutes Zeug am Start, was meine Freunde auch alle geraucht haben. Es hat damit angefangen, dass ich einigen Leuten dann immer was mitgebracht habe und mir vorher eine kleine Ecke für mich selbst angemacht habe. Mit der Zeit wurde das Ganze immer größer und größer, denn immer mehr Leute fanden die Qualität gut. So kam es, dass Freunde angefangen haben etwas für Freunde bei mir mit zu holen oder für ihre Väter oder wen auch immer. Anfänglich habe ich nur mit Hasch gedealt. Gutes Gras war damals schwer zu bekommen. Das kam dann erst Ende der 90er. So hat sich die ganz Sache entwickelt.

 

Wie alt warst du damals?

 

Da war ich noch ziemlich jung, so um die 14 oder 15. Der frühe Vogel fängt den Wurm (lacht). Das war damals Mitte der 1990er.

 

Hast du eine oder mehrere feste Quellen oder woher bekommst du dein Gras?

 

Ich habe da meine festen Quellen. Im Wesentlichen arbeite ich mit einer Quelle zusammen. Wenn es da mal Probleme geben sollte, habe ich aber auch noch einige Ausweichmöglichkeiten. Was die Menge angeht, habe ich mich auch immer weiter gesteigert. Angefangen habe ich mit 20-Gramm-Käufen in der Woche oder so. Das wurde später immer mehr. Irgendwann habe ich kiloweise Marihuana gekauft und verkauft, in Hochzeiten waren es an die 50 Kilo im Monat. Dafür braucht man dann natürlich auch die entsprechenden Quellen.

 

Weißt du wo das Gras herkommt, dass du verkaufst?

 

Damals als ich angefangen habe, kam das Gras hauptsächlich aus den Niederlanden. Mittlerweile schätzte ich, dass es hier irgendwo aus dem Umland kommt. Das weiß ich nicht genau und im Prinzip ist es mir auch egal solange die Qualität stimmt und der Preis natürlich auch.

 

Hast du eine Möglichkeit die Qualität zu prüfen, wenn du deine Ware bekommst?

 

Nein, nicht wirklich. Das läuft alles auf Vertrauensbasis. Man kann von außen ja ungefähr sehen, was man bekommt und bei geöffneter Verpackung riecht man es dann natürlich auch. Ich denke, dass ich durch meine langjährige Erfahrung die Qualität ganz gut einschätzen kann.

 

Hast du schon einmal richtig schlechtes Gras bekommen und was hast du in dieser Situation gemacht?

 

Das ist natürlich schon öfter vorgekommen. In dem Fall habe ich es einfach wieder zurückgegeben. Meine Quelle ist da ziemlich kulant und räumt mir in solchen Fällen ein Rückgaberecht ein. Wenn die Qualität des Grases zu schlecht ist, beschweren sich meine Kunden, daher kann und will ich so etwas nicht verkaufen.

 

Was für Probleme können sonst so mit den Lieferanten auftreten?

 

Manchmal kommt es zu Lieferengpässen, dann kann es schon mal eine Woche länger dauern bis Nachschub kommt. Dann muss man natürlich generell achtsam sein, wenn man solche Übergaben im großen Stil macht. Es ist ja nicht so, dass man da eine Tüte Erdbeeren in der Hand hat. Da muss man auf jeden Fall die nötigen Sicherheitsvorkehrungen treffen.

 

Hattest du schon mal Probleme mit der Polizei?

 

Leider Gottes ja. Irgendwann wurde ich mal von der Polizei hochgenommen. Wann möchte ich hier an dieser Stelle lieber nicht genauer ausführen. Die Konsequenz war dann, dass ich im Knast gelandet bin. Das ist kein Spaß gewesen, aber dieser Gefahr muss man sich natürlich auch bewusst sein, wenn man diesen Weg wählt. Man weiß ja von vornherein welches Risiko es mit sich bringt, wenn man eben nicht mit Erdbeeren handelt, sondern etwas illegales macht. Dafür gibt es dann ganz klare Strafen hier in Deutschland. Damals bin ich für drei Jahre im Gefängnis gelandet.

 

Und danach hast du wieder angefangen.

 

Ja. „Die Katze lässt das Mausen nicht“ sage ich immer so schön. Es ist einfach ein guter Nebenverdienst. Klar besteht immer ein Risiko, doch es ist eben auch leicht verdientes Geld, weswegen man da ungern drauf verzichten will. Ich habe allerdings einen Gang runter geschaltet. Damals als ich um die 50 Kilo verkauft habe, hatte ich hauptsächlich „Großkunden“ und habe kleinere Mengen nur an Freunde und gute Bekannte abgegeben. Inzwischen verkaufe ich nur noch einige Kilos im Monat. Ich habe jetzt ein breiteres Spektrum an Kunden, die mir hauptsächlich kleinere Mengen abnehmen.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen triffst du, um dich zu schützen?

 

Selbstverständlich habe ich aus dieser Erfahrung gelernt. Ich nehme keinen neuen Leute in meinen Kundenstamm auf, sondern mache nur Geschäfte mit Menschen, die ich kenne und denen ich zu 100 Prozent vertrauen kann. Bei denen weiß ich, dass sie dicht halten und nicht gleich bei der Polizei ein umfassendes Geständnis ablegen und mich mit verraten, sollten sie einmal erwischt werden. Ansonsten versuche ich das Ganze klein zu halten. Ich empfange am Tag bei mir keine 50 Leute, sondern begrenze die Anzahl und lege bestimmte Zeiten fest.

 

Hast du auch noch einen offiziellen Beruf?

 

Ja, ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung und gehe einer Beschäftigung nach wie ein ganz normaler Bürger. Das ist im Prinzip auch notwendig, um keinen Verdacht zu erwecken. Man kann nicht Harz IV beziehen und trotzdem tausende Euro im Monat ausgeben, ein dickes Auto fahren und eine schöne Wohnung haben. Das würde mit der Zeit auffallen. Wenn du einen geregelten Job hast sind die Leute in der Regel weniger misstrauisch. Übertreiben sollte mal es so oder so nicht.

 

Wie ist dein Kundenstamm beschaffen und in welchen Mengen gibst du in der Regel ab?

 

Wie gesagt: früher habe ich das nur im große Stil gemacht. Ich habe an wenige vertrauenswürdige Leute verkauft, die ich zum Teil seit meiner Jugendzeit kannte. Heute ist mein Kundenstamm breiter. Neue Leute mag ich jedoch eigentlich nicht, weil diese immer ein Risikofaktor sind, den man nicht berechnen kann.

Ansonsten bildet mein Kundenstamm einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Von der Unterschicht bis zur Oberschicht und vom Studenten bis zum Arzt oder Anwalt ist so ziemlich alles dabei. Darunter sind dann wie gesagt einige langjährige Freunde von mir, aber auch Leute mit denen ich sonst nicht viel zu tun habe. Diese wurden mir dann über Vertrauenspersonen empfohlen. Wirkliche Probleme mit meinen Kunden hatte ich bisher nicht. Die Leute sind natürlich anspruchsvoll und erwarten qualitativ hochwertige Ware. Manchmal haben einige daher etwas zu bemängeln, aber das kann ja immer mal vorkommen, egal was man nun verkauft.

 

Tauscht du dich auch manchmal mit anderen Dealern aus?

 

Ja, man tauscht sich selbstverständlich aus und hilft sich eben auch aus. Wenn der eine mal nichts hat und man kann demjenigen helfen oder umgekehrt, schiebt man sich gegenseitig mal was rüber.

 

Verkaufst du auch andere Substanzen außer Cannabis?

 

Nein, mit anderem Zeug will ich nichts zu tun haben. Ich bin ein Freund leichter Drogen. Mit anderem Scheiß möchte ich mein Geld nicht verdienen. Das könnte ich mit meiner Moral nicht vereinbaren.

 

Was würdest du im Falle einer Cannabis-Legalisierung tun?

 

Das ist eine gute Frage. Ich bin mir nicht sicher, ob ich durch meine Vorstrafe eine Lizenz für einen Coffeeshop oder ähnliches bekommen könnte. Dies wäre aber auf jeden Fall eine Option, die ich in Erwägung ziehen würde. Ich würde also gerne den legalen Weg beschreiten.

 

Bist du für die Legalisierung?

 

Jain, das kommt darauf an ob ich dann meinen Shop bekomme oder nicht (lacht). Nein, mal im Ernst: wenn man sich an den Niederlanden oder an den USA orientiert, sieht man, dass die Preise dort ziemlich gepfeffert sind. Ich gehe deshalb davon aus, dass es sich auf jeden rentieren wurde den Handel weiterhin im Untergrund zu betreiben. Wenn die Qualität stimmt, werden sich einige Leute sich sicher freuen für ihr Gras 2-3 Euro weniger zu bezahlen.

 

Vielen Dank für das Interview.

2 Antworten auf „Cannabis-Deal im großen Stil

  1. Fred vom Jupiter

    Ich verstehe diese komischen Überlegungen (meist von Dealern) nie, dass das Gras, wenn es mal legal ist, so teuer, oder gar noch teurer sein soll, wie heute auf dem Schwarzmarkt.
    Die Niederlande und USA kann man als Beispiele auch vergessen. Dort ist der Anbau nicht wirklich legal – und entsprechend mit großen Risiken verbunden. Denn auch in US-Bundesstaaten, die „legalisiert“ haben, können einem Bundesbehörden ans Leder und für Jahrzehnte in den Knast stecken. In den Niederlanden ist auch praktisch nichts im Zusammenhang mit Cannabis legal. Der Anbau und Großhandel findet da auch zu 100% in der Illegalität statt. Klar, dass das Kilo dann tausende Euros kostet.
    Es gibt doch keinen nachvollziehbaren Grund, warum Cannabis, wenn es denn mal so legal ist, wie Tabak z.B., mehr kosten sollte, als zum Beispiel Tabak. Da bekommt man 30 Gramm für’n 5er oder so – und trotzdem verdienen alle gut dran.

  2. Sebastian

    Ungefähr Jahrgang 1980 und schon mal für 3 Jahre wegen Cannabis im Bau gewesen.
    So viele Details erfreut die Fahnder sicher… Sollte man sowas in Interview nicht lieber weg lassen?

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