Dienstag, 10. Mai 2016

Wenig Positives zu berichten

 

 

Das Jahrbuch Sucht 2016 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.

 

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Anfang vergangener Woche wurde in Berlin das Jahrbuch Sucht 2016 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) vorgestellt. Das Jahrbuch Sucht ist die größte und aktuellste Zusammenstellung aller Zahlen zu Drogen- und Suchtfragen in Deutschland und wird jährlich von der DHS präsentiert. Dabei gab es dieses Jahr nur wenig Positives zu verkünden. Der Bericht zeigt ein „nicht sehr erfreuliches Bild der Drogen- und Rauschmittelsituation“ der letzten 2 bis 3 Jahre in Deutschland, fasste Dr. Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der DHS, die Lage zusammen. Wie bereits im Vorfeld berichtet wurde, ist die Zahl der Menschen, die durch den Konsum illegaler Drogen gestorben sind, weiterhin gestiegen, auf 1.226 im Jahr 2015. Zudem seien etwa 74.000 Todesfälle durch Alkoholkonsum zu beklagen. Weitere 121.000 Menschen starben durch den Konsum von Tabak.

 

 

Der Alkoholkonsum sei nur in sehr geringem Maße gesunken von 9,7 auf 9,6 Liter reinem Alkohol im Jahr und liegt dabei immer noch auf hohem Niveau im europäischen Vergleich.  Auch beim Rauschtrinken (Komasaufen) von Jugendlichen sei keine positive Entwicklung zu verzeichnen. Hier ist der Stand deutlich höher als noch vor zehn Jahren und der Konsum bei männlichen Jugendlichen stieg im letzten Jahr an. „Die Einstiegsdroge bei Jugendlichen ist Alkohol […] die auch schon in jungen Jahren konsumiert wird, während es bei den illegalen Drogen meist erst mit 17 oder 18 beginnt.“ sagte Gabriele Bartsch von der DHS, die die Zahlen während der Pressekonferenz vorstellte.

 

 

Nach Ansicht der DHS blieben die Zahlen unverändert hoch, da die wirksamsten Präventionsmaßnahmen wie Steuererhöhungen, die Angebotsreduzierung oder Werbeeinschränkungen für Tabak und Alkohol nur sehr zögerlich umgesetzt werden. In ganz Europa – ausgenommen in Bulgarien und in Deutschland – wurde ein Plakatwerbeverbot für Zigaretten durchgesetzt. Hierzulande versuchen die Hersteller weiterhin die derzeit diskutierte Einführung zu verhindern. „Gesundheit scheint gegenüber wirtschaftlichen Interessen nicht an erster Stelle zu stehen“ so Bartschs Fazit. Probleme in der Bevölkerung gäbe es auch hinsichtlich der sozialen Normen. So werden illegale Drogen als „extrem gefährlich“ wahrgenommen, wohingegen Alkohol und Tabak  gesellschaftlich vollkommen akzeptiert werden, auch wenn sie genauso schädlich sind.

 

 

Der Konsum von Cannabis blieb ebenfalls unverändert. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge. 4,5% der Bevölkerung würde einmal oder mehr im Jahr Cannabis konsumieren, so die Einschätzung im Jahrbuch Sucht. In Bezug auf die Illegalisierung von Cannabis fordert die DHS die Einsetzung einer Enquetekommission, die sich mit allen Fragen hinsichtlich des Konsums und den gesellschaftlichen Folgen des Verbots auseinandersetzt, um nötige Änderungen der derzeitigen Regulierung auszuarbeiten.

 

 

 

 

9 Antworten auf „Wenig Positives zu berichten

  1. Lars Rogg

    Das hört sich wie eine Lobpreisung unserer Mortlerin an. Wenn ich die Kanzlerette, am Tag als sich das Reinheitsgebot (hahaha) jährte, richtig verstanden habe, ist der Konsum von Alkohol kein Problem. Die Frau wird einfach nicht informiert. Der Unterschied, allein in der letalität, müßte jedem auffallen, dessen/deren Mutter nicht in der Schwangerschaft gesoffen hat wie ein Bierkutscher. Unsere Politiker sind auch ohne dieser Art von Vorschädigung völlig blind für die Realität. Aber das zeigt sich seit Jahrzehnten in Form
    ihrer Politik. Dumm gelaufen…

  2. Jemand

    Und was soll diese Kommission rausfinden ? Das Streckmittel und übermässiger Verfolgungsdruck jede Substanz schädlicher machen als sie an sich ist ? Dazu muss man nur mal in Geschichtsbücher kucken (Alkoholprohibition) oder n bisschen googeln welche Erfahrungen in anderen Ländern gemacht wurden und werden!
    Nur würde das ein Mindestmass an Menschenverstand vorraussetzen und das scheint ja besonders in der Politik ein Ausschlusskriterium zu sein um Karriere zu machen
    Falls diese Kommission überhaupt je zustande kommt wird es eher darum gehen wie man möglichst wenig ändert und doch möglichst viele zufriedenstellt! Und wir Deppen von Legalisierungsbefürwortern geben ihnen sogar noch jede Menge Minimalkonsens-Lösungen vor!

    Das BtMG muss weg! Ersatzlos! Jugend- und Verbraucherschutzgesetze sowie Instanzen zur Kontrolle dieser (Ordnungsamt) gibt es bereits!
    Regulierung aller Drogen nach tatsächlicher Gefährlichkeit angefangen bei Cannabis das ausser dem Verbot der Abgabe an Minderjährige keiner weiteren Reglementierung bedarf (was allerdings auch zu kippen wäre sollte sich irgendwann herrausstellen das Cannabiskonsum bei Jugendlichen nicht so schädlich ist wie bisher angenommen!!!) bis hin zu Heroin bei dem eine Kaufmengenbegrenzung pro Zeitraum schon sinnvoller erscheint wäre im bestehenden Gesetzwerk zu verankern und regelmässig mit Augenmerk auf Liberalisierung der Konsumenten auf Richtigkeit zu überprüfen!

    Das das so schnell nicht passieren wird iwt mir klar…wir Deutschen scheinen einfach zu dämlich zu sein um zu verstehen das „Wir sind das Volk!“ keine leere Phrase ist und schon garnicht alleine Nazipack wie der AFD vorbehalten ist! Aber das ist ja nix neues (nicht nur beim Thema Cannabis)

  3. Fremdschämer

    Wie Frau Mortler „vor allem die Gesundheit im Blick“ hat, wird in diesem Zusammenhang immer deutlicher.

  4. Marci

    Es ist so typisch, es wird viel gesagt, viel geraten, immer dieselben Empfehlungen gegeben.
    Am Ende bleibt es so wie es ist. Lobbyismus sei dank gibt es den 70% Schnaps, die teerpflasternden Zigaretten und die hoch krebserregenden Medikamente für MS etc.
    Allein die Dreistigkeit zu besitzen, Menschen die eine Würde und eigentlich Handlungsfreiheit (außgenommen Schädigung 3.) besitzen sollten, wie kleine dumme Kinder hinzustellen und zu bevormunden ist nicht mein Deutschland!

  5. https://diehanfinitiative.de/index.php/aktionen/41-menschenrechte-menschenrechte

    Wir schließen uns den Vorrednern an. 🙂 Im Moment beobachten wir mit großer Freude, wie die Debatte endlich in der „breiten Bevölkerung“ ankommt, so wie das aus Sicht der Hanfpatientinnen und der Hanffreunde und Hanffreundinnen wünschenswert ist.

    TTIP, Panama-Papers, Pestizid-Vergiftung, Pharma-Skandale, ermordete Studenten in Mexiko, UNGASS2016-Desaster, Banken-Affären, Offshore-Paradiese, Lux-Leaks, Snowden-Affäre, Cum-Ex-Affäre, BND-Affäre, Abgass-Affäre… all das tangiert das Thema „System Prohibition“ und das Hanfverbot, in seiner ganzen Bandbreite.

    Sowohl im Lande, als auch global. Die Zusammenhänge muss die Politik erklären. Für oberflächliche Ausreden, a la „Anslinger und GeselleInnen“, „Ehrlichmann und Nixon“-Fans – wird die argumentative und faktische Luft immer dünner.

    Die Menschenrechtsdebatte nimmt gerade weltweit Fahrt auf und wir werden alles tun, um das zu unterstützen.

    WIR lassen sie uns nicht nehmen – wir holen sie zurück! ->>> https://diehanfinitiative.de/index.php/aktionen/41-menschenrechte-menschenrechte

    Denn gemeinsam sind wir stark! Wir sind VIELE und wir werden immer mehr. Danke an alle, die sich dazu äußern und ihren „Senf“ dazu geben. Ihr seid einfach toll. Mögen VIELE EUREM Beispiel folgen. Auf allen Ebenen. In allen Medien.

    Am nächsten Samstag geht es mit den GMMs weiter und in Hamburg ist die „Weed-Week“.

    Liebe Grüße und bleibt kämpferisch unf freundlich und stellt die ernsthaften Fragen 🙂

  6. Lars Rogg

    @Jemand

    „Nur würde das ein Mindestmass an Menschenverstand vorraussetzen und das scheint ja besonders in der Politik ein Ausschlusskriterium zu sein um Karriere zu machen“

    einfach nur schön…was haben wir gelacht :)…wenns nicht so traurig wäre…:(

  7. hochklassiges reefer madness - schade

    Eine Sendung zum gleichen Thema. Ist es Zufall, diese temporäre Übereinstimmung zu dem DHS-Papier? Manche Wissen-schaft-ler und Zahlen-zähler, die ich ansonsten sehr wertschätze, ja geradezu verehre, lassen mich auch gelegentlich ratlos und ambivalent zurück. Eine solche „wissen-schaft-liche“ Sendung habe ich mir eben angesehen und ich frage mich, was ihn nur dazu getrieben hat, so ein modernes „reefer madness“ abzuliefern? Dabei war der Prof. bisher einer meiner liebsten Lehrer: http://www.zdf.de/leschs-kosmos/leschs-kosmos-5988324.html Ich würde ja gerne die Quellen und zugrundeliegenden Studien analysieren und kritisch zerpflücken und hinterfragen. Die ganzen w-Fragen stellen…, hinter die systemischen Kulissen blicken, aber ich habe keine Lust dazu. Ebensowenig, wie ich mich auf heute noch auf Debatten um die längst widerlegten negativen Auswirkungen, mit den negativen Assoziationsketten einlasse. Schade liebster Professor, ich habe sie einmal geliebt für ihre Wissensvermittlung. Das da war „nett“, aber subtiles „reefer madness“ – echt schade. Das (also diese als manipulativ erlebte assoziative Einflussnahme und Fehlinformationen) empfinde ich als großen Verlust, für mich persönlich. Achso, es geht um den Vergleich Alkohol-Cannabis. Ist in weiten sehr interessant und sicher weitgehend ziemlich korrekt… aber eben „nur“ 🙂 Schade lieber Professor! „Nichts Goldenes bleibt…“

  8. Ralf

    @Jemand
    „Und wir Deppen von Legalisierungsbefürwortern geben ihnen sogar noch jede Menge Minimalkonsens-Lösungen vor“! Was noch schlimmer ist, ist die Tatsache daß die Prohiibuition ein Menschenrechtsverbrechen ist und die Opfer noch dadurch verunglimpft werden daß unsere angeblichen Vertreter unserer Rechte mit diesen verbrecherischen Heuchlern auch noch Diskutieren, auf ihre Argumente eingehen um „serös zu wirken“ teilweise ihre Argumente widerkäuen wie die dämlichsten Rindviecher und ihnen dadurch eine Plattform für weiteres Unrecht bieten.
    Du bist einer der wenigen die wirklich durchblicken, deine Kommentare sind immer gut und gehen an den Kern des Problems nämlich daß dieser komplette Paragraf den Rasseschandegesetzen von Hitler in ihrer Unwissenschaftlichkeit und Irrationalität in nichts nachstehen und D deshalb ein Unrechtsstaat ist. Deine Forderung nach ersatzloser Streichung ist das einzig richtige. Alles andere ist so braun wie die Scheiße die die Prohibitionisten (SS-Mann Helmut Schmidt hat das ja alles in den 70ern für den Mitnazi Anslinger in D geregelt) im Kopf haben.

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