Samstag, 9. April 2016

Wir paffen das

 

Cannabis macht erfolgreich

 

titelstory

 

Autor: Michael Knodt

 

Zugegeben, eigentlich haben wir gerade andere Probleme als den legalen oder illegalen Status des Feierabendjoints: Vor lauter AfD- und Heimatvertriebenen-Krise sind sogar die Schulden- und Eurokrise sowie andere Politik-Baustellen fast aus dem medialen Fokus verschwunden. Umso schöner, dass die Cannabis-Diskussion weiterhin viel Beachtung findet und mit dem jüngsten Vorstoß aus Bremen sich auch immer mehr Sozialdemokraten für einen regulierten Cannabismarkt aussprechen.

 

Langsam verschiebt sich der gesellschaftliche Konsens zugunsten der einst stigmatisierten Pflanze, auch weil sich beim weitaus wichtigeren Thema „Cannabis als Medizin“ endlich etwas bewegt. Sind die Berührungsängste erst einmal überwunden, ist es auch viel einfacher, sachliche Informationen zum Gebrauch von Cannabis als Genussmittel zu vermitteln. Ein Blick über den großen Teich weist die Richtung, in die es auch bei uns zukünftig geht. Das Bild vom schmuddeligen Kiffer weicht dem des erfolgreichen, smarten Jungunternehmers, dem zur Umsetzung einer cleveren Geschäftsidee lediglich ein paar längst überholte Gesetze im Wege stehen. Vielleicht hat ein regulierter Cannabismarkt sogar viel mehr Potential, als man ihm derzeit gemeinhin so zutraut.

 

Trimmigrants welcome

 

Neben den an dieser Stelle schon häufig zitierten ökonomischen und gesellschaftspolitischen Vorteile, die eine Regulierung böte, hat Cannabis auch integratives und Gewalt senkendes Potential, Cannabiskonsum macht zudem empathisch. In Kalifornien gab es 2015 nicht ganz ohne Grund die Initiative „Trimmigrants welcome“, die auf den Arbeitskräftemangel im neuen „Green Sector“ hinweisen wollte. Bei uns sind Heimatvertrieben ja schon einmal als Erntehelfer willkommen gewesen, sofern es nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt etwas zu ernten gab. Könnte ein „Bund der Heimatvertrieben Syriens“ nicht endlich Erntehelfer mit Perspektive auf eine Karriere in der Cannabis-Industrie vermitteln? Mit schickem Logo, einer orientalischen Tracht und der Pflege altsyrischem Brauchtums. Dazu gehört natürlich auch das traditionelle Essen von Haschisch, wie es Ernst Stolle bereits 1854 im illustrierten Familienblatt „Die Gartenlaube“ beschreibt: „Die asiatischen Türken, besonders die Syrier, besitzen in dem Haschisch, eine von ausgetrockneten Blättern der Pflanze Cannabis Indica bereitete Masse, das mächtigste Nerven- und Phantasie-Reizmittel.“ Dann schreibt der Autor, wie er sich mit dem Sechsfachen der empfohlenen Dosis ins Land der Träume begibt und dabei das medizinische Potential von Cannabis entdeckt: „Dieser penetranteste, alle Tiefen des Nervenlebens und der Phantasie-Plastik aufrufende Pflanzensaft, mag in den Händen des Arztes noch einer schöneren Mission fähig sein, als bisher im Oriente. Vorsicht, Erfahrung und Wissenschaft können ihn zu einem Heilande gegen die schwersten, schmerzhaftesten Krankheiten erheben, in welchen oft das viel schwerere und angreifendere Opium gegeben wird.“

 

Diese Erkenntnis, die Stolle Mitte des 19.Jahrhunderts auf einer Reise durch Syrien mitgenommen hatte, setzt sich langsam auch bei uns durch, in Syrien hingegen ist Haschisch jetzt so verboten wie noch nie zuvor in der langen Geschichte des Landes. Nicht aufgrund irgendeiner Scharia, sondern weil die USA ihren Drogenkrieg seit Mitte des 20.Jahrhunderts weltweit führen, wandert man in Syrien wegen Haschisch in den Knast oder gar in die Todeszelle. Sucht man den wahren Schuldigen, sowohl den des aktuellen Konflikts als auch den des Cannabis-Verbots in Syrien, kommt man wieder mal nicht an den üblichen Verdächtigen des Nahen Ostens vorbei. Syrische Heimatvertriebene oder deutsche Politikerinnen gehören übrigens nicht dazu.

 

Legalisieren – integrieren – profitieren

 

Cannabis ist mit Sicherheit nicht das Wundermittel, mit dem sich alle gesellschaftlichen Schwierigkeiten zukünftig meistern lassen, viele der Probleme werden uns auch dann plagen, wenn Gras schon längst legal ist. Aber es ist eine Chance, Neues zu schaffen anstatt im Nachhinein Schuldige für etwas zu suchen, was sich jetzt sowieso nicht mehr ändern lässt. Zudem muss man sich ernsthaft überlegen, ob wir in Zeiten echter gesellschaftlicher Herausforderungen wirklich noch über ausreichend Ressourcen für die Kifferjagd verfügen oder ob uns die Verfolgung nicht jetzt schon teuer zu stehen kommt?

Cannabis kann sogar helfen, menschenverachtende Ideologien zu überwinden. Nachdem sich die ehemaligen Nazi-Barden von „Prussina Blue“  geläutert zeigten, spekulierte das Vice-Magazin, es liege am Cannabis-Konsum der beiden. Legalisieren- integrieren- profitieren klingt nach einem guten Zukunftsplan – schließlich geht es um einen Milliarden schweren Markt.

 

Aber wir paffen das schon, wenn Sie uns nur lassen.

 

Schnelles Login:



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
5 Kommentare
Ältester
Neuster
Inline Feedbacks
Alle Kommentare zeigen
www.diehanfinitiative.de
6 Jahre zuvor

Sehr gut Micha 🙂 Dankbarkeit für Deinen unermüdlichen und legendären Einsatz. So viele Jahre schon. Ich lese und gucke immer gerne Deine Beiträge und Videos und stimme Dir zu. Ein Beitrag beim DHV hat mich heute besonders berührt: [… Katharina Kreiner FÜR das Ende der Cannabis-Prohibition gibt es unzählige Argumente. Wo sind die Gegner? Mit welchem Recht seid ihr dagegen? Ihr habt kein Recht gegen die Entkriminalisierung und Legalisierung zu sein. Mit einem Kaffee und ner Kippe in der Hand , verkatert vom Wochenende oder Firmen Geburtstag habt ihr KEIN Recht zu urteilen. . Cannabis ist keine Gefahr. Cannabis bedeutet Heilung und Linderung für millionen Leidende Menschen. Seid euch darüber mal bewusst wogegen ihr da eigentlich seid!!! Gegen die Heilung… Weiterlesen »

Bleib gesund und viel Glück und Liebe und Freude für die ganze Familie :-)
6 Jahre zuvor

Ich freue mich heute einfach. Das war eine gute Woche für die bundesrepublikanische Hanfbewegung. Es ist ja bekannt, dass man in den USA schon viel, viel weiter ist, was Hanfmedizin – und Behandlungen damit – anbelangt. Der tollen und tapferen Mykayla 🙂 haben wir von Anfang an ganz fest die Daumen gedrückt und freuen uns immer wieder, wenn es ihr gut geht und sie gesund ist. Schade, dass es auch bei uns hier, gerade auch unter den Hanffreundinnen und Hanffreunden immer noch solche Skepsis gibt, was die medizinischen Wirkungen der Cannabinoide und das Wissen, um unser menschliches Cannabinoidsystem, anbelangt. Eigentlich beschämt mich das ein wenig. Aufklärung, Wissen vermitteln und Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung… müssen wir betreiben. Liebe Mainstream-Medien – MACHT MIT!… Weiterlesen »

Schorsch
Schorsch
6 Jahre zuvor

Vielen Dank für diesen Text.

„Experten“ wie Frau Mortler sollten ihn am besten mehrfach genau durchlesen.
Auch wenn sie ihn wahrscheinlich aus ideologischen (intellektuellen?) Gründen nicht verstehen wird…

Nochwas - wenn ich mir etwas wünschen darf. GROW-Reports!
6 Jahre zuvor

Nochwas – wenn ich mir etwas wünschen darf?

Eigenaubau auch für Günter Weiglein. Lieber Günter ich drücke Dir die Daumen! 🙂

Und – Bitte berichtet ausführlich über die Anträge zum Eigenabau – und wenn die ersten genehmigt sind, dann bringt bitte Grow-Reports. Ich kann das kaum erwarten! Mit schönen Bildern oder kleinen Filmen, usw. Das wäre echt klasse. Könnt ihr die PatientInnen aufrufen, sich bei euch zu melden? Damit ihr das evtl. begleiten könnt? Da würde ich mich echt freuen über die ersten +++ legalen +++ Grow-Reports und den Austausch darüber. 😀

Wäre auch ein schönes Projekt für alle „Hanfrebellen“, den PatientInnen mit „knoff-hoff“ zur Seite zu stehen. 😉 Es bleibt spannend!

LG und schönen Sonntag 🙂 🙂 🙂

underground-grower
underground-grower
6 Jahre zuvor

Sehr gut geschriebener Text, der noch mehr Hoffnung macht, im Kampf gegen diese abartige Sturheit dieser Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler und Pharma-Alko-ho(h)l Lobby.
Bravo und danke !
Hanfigste Grüße
aus Banana D. Republik.