Freitag, 11. März 2016

Tod eines Weltreisenden

 

 

Roger Willemsen wird uns fehlen

 

roger-willemsen

 

Die Zeiten, zu denen ein Bekenntnis zu Cannabis einen medialen Shitstorm entfachte, sind gar nicht so lange her. Während sich seit zwei Jahren Medien und auch immer mehr Prominente mit dem Gedanken einer Re-Legalisierung von Cannabis anfreunden können, hatte selbst so manch kiffender  Hip Hop- oder Reggae-Künstler im Hanf Journal Interview bis vor ein paar Jahren ein Problem, zum eigenen Konsum zu stehen.

 

Doch einer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne mal einen raucht. Egal ob bei Markus Lanz, im „Zeit“-Interview mit Sabine Bätzing oder als Buchautor – Roger Willemsen wusste als einer der wenigen, staatlicher Propaganda über Hanf auch öffentlich seine eigene Überzeugung entgegenzusetzen. Unvergessen: Als er 2009 die damalige Drogenbeauftragte Bätzing für die „Zeit“ interviewte, eröffnete er das Interview mit den Worten „Frau Bätzing, ich kiffe“ und enttarnte die Doppelmoral ihrer Drogenpolitik, ohne dass die SPD-Karrierefrau es damals überhaupt gemerkt hätte. Das war im selben Jahr, als man selbst im „Spiegel“ noch Titel wie  „Rauschgift-Verrückt durch Cannabis“ finden konnte.“

 

Hätten ein paar mehr Künstler, Promis und Autoren während des medialen Cannabis-Tiefs, das fast ein Jahrzehnt gedauert hat genauso viel Rückgrat wie ein Roger Willemsen bewiesen, wäre uns so manch unseriöser TV-Bericht oder Boulevard-Artikel erspart geblieben. Er hat sich von keinem Verleger, Produzenten oder Chefredakteur sagen lassen, dass es „unklug“ sei, sich beim Thema Kiffen so eindeutig zu positionieren, wie Willemsen es stets tat. Nicht, weil er als Dauerkiffer nicht anders wollte oder konnte, sondern weil er ab und an einen gepflegten Haschisch-Rausch sehr schätze. Den kulturellen Hintergrund holte sich der Weltreisende natürlich nicht auf dem Schwarzmarkt im Schanzenpark seiner Heimatstadt, sondern in solchen Ländern, in denen Cannabis seit Jahrtausenden zur Kultur gehört. Genau deshalb konnte er der mütterlichen Fürsorge unseres Staates beim Thema Hanfblüten nie so recht trauen, sondern nur müde über sie lächeln.

 

Leider wird es auch bei Roger Willemsen wie bei so vielen klugen Köpfen sein: Sie sind schon eine Weile tot, wenn sich ihre Haltung als gesellschaftlicher Konsens durchgesetzt hat und alle plötzlich meinen, sie hätten es schon lange gewusst. Das wird aber nichts daran ändern, dass der Philosoph, Publizist und Kunsthistoriker immer ein Vorbild und Vordenker für uns bleiben wird, nicht nur wenn’s um Gras geht.

 

Eure Redaktion

 

3 Antworten auf „Tod eines Weltreisenden

  1. Lars Rogg

    Tolles Gedenken an einen den ich sehr mochte und dessen Tod mich heftig getroffen hat.
    Tatasächlich war seine Philosophie, Ehrlichkeit und Lebensweise ein Vorbild für viele ekelhafte Heissluftgebläse in Politik und Kultur. Schön das Ihr ein so treffendes Nachwort für einen der wenigen Charakterköpfe gefunden habt. Ich werde immer noch schwermütig wenn ich an seinen Tod denke. Ähnlich wie bei Matthias Beltz und Dieter Hildebrand….schade, schade, schade….R.I.P. 🙁

  2. tomtola

    er war ein vorbild für unsere medienschaffenden,ein mann mit Prinzipien und dem dazugehörigen Rückgrat.hoffe er sitzt auf ner wolke und lässt sichs gut gehen.machs gut roger

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