Mittwoch, 9. März 2016

Amerika sucht den Superstar

 

von Sadhu van Hemp

 

Grafik: Lukas Tkotz
Grafik: Lukas Tkotz

 

Im US-Vorwahlkampf haben gestern die „Demokratin“ Hillary Clinton und der „Republikaner“ Donald Trump in den Bundesstaaten Mississippi und Michigan eine nicht mehr zu überriechende Duftmarke gesetzt. Vor allem der Sieg der ehemaligen „First Lady“ über den parteiinternen Rivalen Bernie Sanders in Mississippi wiegt schwer, zumal kaum noch Hoffnung besteht, dass das FBI bis zum Ende der Nominierung die Ermittlungen gegen Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre mit einer Anklageschrift wegen Geheimnisverrats abschließen wird. Ohne ein Wunder wird Sanders den Rückstand kaum mehr aufholen: Laut „Washington Post“ führt Clinton aktuell mit 1214 zu 556 Stimmen.

 

Schade, denn aus hanfpolitischer Sicht wäre Bernie Sanders fraglos der bessere Präsidentschaftskandidat, da er sich offen für eine Reform der Bundesgesetze in Sachen Marihuana einsetzt und wie kein anderer Bewerber Tacheles redet.

 

 

Diese für einen Politiker mehr als seltene Offenheit kommt zwar bei den jungen Wählern an, wird aber trotz des Sieges in Michigan nicht reichen, die Delegierten und das auf Clinton eingeschworene Establishment der „Demokraten“ davon zu überzeugen, den Senator des Zwergstaates Vermont gegen den populistischen Milliardär Donald Trump antreten zu lassen. Letztlich scheint es auch egal, wie weit sich Sanders für eine Marihuana-Legalisierung auf Bundesebene einsetzt, da auch die anderen Kandidaten inklusive Trump mit Blick auf die jungen und kiffenden Wähler den Ball flach halten und versprechen, die eigenverantwortliche Regulierung der Bundesstaaten auch künftig dulden zu wollen. Somit sticht die Trumpfkarte des Wunschkandidaten der Hanf-Community Sanders nicht, da alle Trumpf spielen. Zudem wird Sanders in den US-Medien nach wie vor als böser „Kommunist“ verteufelt, der gegen US-amerikanische Grundwerte verstoße, wenn er z.B. den Bürgerrechte einschränkenden „Patriot Act“ kritisiert.

 

Die USA scheinen einfach noch nicht reif für die Visionen des 74-jährigen Alt-Hippies. Wie auch? Wer damit droht, als Präsident die Geldspeicher der Supereichen zum Wohle der bis aufs Blut ausgesaugten Unterschicht zu plündern, der raubt den Amerikanern den ewig unerfüllten amerikanischen Traum.

7 Antworten auf „Amerika sucht den Superstar

  1. Lars Rogg

    Die Amis sind so blöd !!!
    Hätten mit Sanders den perfekten, menschenfreundlichen Kanditaten.
    Ich wäre froh so jemanden „wählen“ zu können, auch wenn das Wahlsystem komplett anders ist als das unsere. Ich weiss…dennoch ein Lichtblick. Nur, dass so ein „netter“ Typ von den Republikanern auseinander genommen werden würde. Die Amis brauchen bescheuerte Hardliner um sich sicher zu fühlen- Großmacht und so !!
    Wie blöd die sind, sieht man daran, dass die Kandidaten der Republikanern auch nur eine Stimme bekommen haben. Jeder einzelne von denen ist ein weltfremder Depp, gottesfürchtiger Schwachkopf oder eben Donald Trump- die Apokalypse für den Weltfrieden !!!
    Ob die Scientologyhörige Clinton, die bis zu den Füßen im Arsch der Wirtschaft steckt, eine gute Alternative zu der Republikanischen Teapartypissern wäre, weiss ich auch nicht…eher das kleinere Übel… sehr Übel !!!

  2. Mr Wiseguy

    Naja, Mindestlohn (Superreiche) & Marihuana ist halt nicht alles um nen Wahlkampf zu gewinnen. 19 Trillionen Dollar Schulden sind halt was anderes.

    Deutsche Medien mögen den Trump ja nicht. Dabei ist der un-populistischer als die AFD. (Original Quellen. Er mag versteckten Terror & illegale Einwanderer nicht. Räups.)

  3. Fabi

    „Ohne ein Wunder wird Sanders den Rückstand kaum mehr aufholen: Laut „Washington Post“ führt Clinton aktuell mit 1214 zu 556 Stimmen.“

    Das ist so schlichtweg eine irreführende Darstellung der Washington Post, die sich momentan nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da sie ohne Zweifel für Hillary Propaganda betreibt. Clinton führt nur mit so vielen Stimmen, weil hier die ganzen sogenannten Super-Delegates mit einberechnet sind. Diese zählen quasi nicht. Wenn Bernie am Ende mehr Pledged Delegates hinter sich hat als HRC, dann werden die Super-Delegates einen Teufel tun und für Clinton stimmen, sondern Bernie unterstützen. Das war in etwa das gleiche Szenario wie gegen Obama: Die Super-Delegates haben ihre vorher angekündigte Unterstützung für Clinton zurückgezogen und für Obama gestimmt, da er in den Primaries mehr Delegierte gesammelt hat. Die ganze Sache mit den Super-Delegierten ist totaler Schwachsinn, aber so läuft das halt nun mal bei der DNC.

    Außerdem sind Bernies Chancen seit gestern nicht kleiner geworden, sondern gewachsen: Er hat in Michigan trotz einer vorher prognostizierten Niederlage gewonnen, was sich auch auf die anderen Midwest-Staaten, Ohio, Illinois, etc. auswirken könnte. Hillarys Stärke liegt in Staaten mit einem großen Anteil von Afro-Amerikanern. Diese haben aber bald alle abgestimmt; Bernies stärkere Staaten kommen erst noch. Das Rennen um die Kandidatur bei den Demokraten ist also alles andere als vorbei! Nicht alles glauben, was konservative, von milliardenschweren Unternehmen kontrollierte Medien schreiben. Wer sich über den US-Wahlkampf und US-Politik generell informieren will, der*m empfehle ich die zwei YouTube Kanäle von The Young Turks und Secular Talk. Die sind vertrauenswürdiger als alles, was es sonst so an US-Medien gibt.

    Links zu aktuellen Videos mit den von mir besprochenen Themen:
    https://www.youtube.com/watch?v=WogDRFswQoQ&index=1&list=PLTpcK80irdQidpvh7N7wRE30KmwONTHKd

  4. Sadhu van Hemp

    Ahoi Fabi,

    danke für die ergänzende Info und Einschätzung der Lage. Ich habe lange überlegt, ob ich der Zählweise der deutschen oder amerikanischen Medien folge. Dass die „Super-Delegierten“ am Schluss umkippen und Sanders unterstützen, halte ich jedoch für zu optimistisch. Sofern Trump im Rennen bleibt, kann ich mir kaum vorstellen, dass die Seilschaften der Demokraten das Risiko eingehen und den Seiteneinsteiger Sanders favorisieren. Den extremen Positionen Trumps die „linken Heilsversprechungen“ Sanders entgegenzusetzen, wäre schon ein starkes Stück, das von den Wählern nicht unbedingt mit Zustimmung quittiert wird.

    Inwieweit die Situation mit der Obama-Inthronisierung vergleichbar ist, wage ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Wohl aber hatte Hillary seinerzeit einen ganz anderen Stand in der Partei und es ging darum, die Republikaner abzulösen. Diesmal geht es den Demokraten um Machterhalt – und da ist wie immer jedes pragmatische Mittel recht.

    Gruß
    SvH

  5. Fabi

    Hey Sadhu,
    in dem Punkt mit dem Machterhalt geb ich dir recht. Ich bin aber trotzdem optimistisch, dass sich die Super-Delegierten nicht gegen ihre eigene Basis stellen werden, sollte Bernie die Primaries für sich entscheiden. Sie würden damit eine Mehrheit ihrer eigenen Wählerschaft gegen sich aufbringen und somit den Wahlsieg gegen die Republikaner gefährden.
    Sanders hat gegenüber Clinton übrigens noch zwei weitere Vorteile, die gegen die These sprechen, dass er gegen Trump weniger Zustimmung erfahren würde: Er hat zum einen ein viel größeres Potential, sowohl unabhängige Wähler als auch Republikaner für sich zu gewinnen als Hillary. Die Republikaner HASSEN Hillary und würden lieber noch Trump zum Präsidenten wählen als sie. Bei Sanders ist das nicht der Fall, er schneidet hier viel besser ab. Der andere Vorteil von Bernie ist, dass er in den Umfragen, wo es direkt um die Frage „Sanders VS Trump“ geht, besser abschneidet als „Hillary VS Trump“ (oder „VS Cruz“, „VS Rubio“).
    Natürlich hast du recht insofern, dass diese ganzen Umfragewerte den etablierten Demokraten egal sind und sie trotzdem Clinton zu Obamas Nachfolgerin machen wollen. Sich bei der National Convention aber gegen den Kandidaten zu stellen, der in den Primaries gewonnen hat und so demokratisch mandatiert ist, kommt aber meiner Meinung nach politischem Suizid gleich.
    Eins lässt sich sicher sagen: Es wird auf jeden Fall spannend bleiben.

  6. Lars Rogg

    Mal eine Frage….:
    was ist mit den kleinen „i“ passiert ??? Falls es wieder nicht dargestellt wird, ich meine den Buchstaben zwischen h und j im Alphabet.
    Irgendwie verschwunden…

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