Freitag, 19. Februar 2016

Kaum Therapieplätze für suchtkranke Häftlinge

 

Grüne fordern Ausbau der Suchttherapie in Sachsen

schwerverbrecher_grün

 

 

Suchtkranke werden auf Grund ihres Drogenkonsums kriminalisiert und unter Umständen sogar ins Gefängnis gesteckt. Das ist traurige Realität der deutschen Drogenpolitik. Häufig lautet die richterliche Empfehlung im Gefängnis eine Suchttherapie zu durchlaufen. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass Inhaftierte kaum Chancen haben eine Behandlung zu erhalten, weil es nicht genügend Therapieplätze gibt.

 

Durch eine Anfrage an den sächsischen Landtag haben Bündnis 90/Die Grünen in Erfahrung gebracht, dass es in den zehn sächsischen Gefängnissen lediglich in der JVA Zeithain eine spezielle Suchttherapiestation mit 20 Plätzen gibt. „Dies ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man sich z.B. vor Augen führt, dass allein im Jahr 2015 135 Gefangene aufgrund ihrer Suchtmittelabhängigkeit ins Krankenhaus der Justizvollzugsanstalt Leipzig überstellt werden mussten.“ stellt Katja Meier die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag fest.

 

„Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) muss schmerzlich zugeben, dass therapiewillige Gefangene momentan fast ausschließlich auf eine stationäre Suchtmitteltherapie nach der Haftentlassung vertröstet werden müssen. Damit wird nicht nur deren Gesundheit gefährdet, sondern es werden Anreize für die Gefangenen geschaffen, Drogen ins Hafthaus zu schmuggeln. Der Resozialisierungsaspekt und das Ziel, den Gefangenen auf eine Zeit ohne Straffälligkeit vorzubereiten, geraten ad absurdum.“ heißt es weiter in der Pressemitteilung der Grünen.

 

Hinzukommt, dass derzeit fast ausschließlich die Gefangenen aus der JVA Zeithain von der stationären Therapie profitieren können. Aus den anderen Gefängnissen erhielt bisher nur jeweils ein Gefangener eine Zusage in das Programm aufgenommen zu werden (in einem einzigen Fall waren es drei). 28 Therapiewillige erhielten eine Absage. Die Insassinnen von Sachsens einzigem Frauengefängnis sowie weibliche Jugendstrafgefangene haben derzeit keine Möglichkeit während ihrer Inhaftierung an einer stationären Therapie Teil zu nehmen.

 

Die Grünen fordern deutlich mehr Therapieangebote für suchtkranke Häftlinge zu schaffen. Es soll daher geprüft werden, ob sich für die Haushaltsjahre 2017/18 auch in weiteren Städten Suchttherapiestationen einrichten lassen. Doch wie so oft scheitert eine schnelle Umsetzung am Geld. Wie die Freie Presse berichtet sei Sachsen das einzige Land, das überhaupt eigene Suchttherapieplätze im Gefängnis anbiete. Hier werden die Insassen nicht nur im geschlossenen und später im offenen Vollzug gehandelt, es wird auch nach geeigneten Nachsorgeeinrichtungen gesucht.

 

2 Antworten auf „Kaum Therapieplätze für suchtkranke Häftlinge

  1. World leaders will come together at the United Nations this April to talk about drugs and global drug policy. Last time this happened in 1998, they set a goal to have a drug-free world in 10 years. Now, there are many leaders who are calling for alternati

    „Seelischer Schmerz“ ist m. E. häufig die Ursache für „Sucht“. Dafür sollte kein menschliches Wesen Strafe erhalten, wenn es niemandem sonst schädigt. Da läuft sonst „etwas“ sehr schief, in unserer Gesellschaft. Wir verlieren die Menschlichkeit? [was genau bedeutet dies und wie geschieht so etwas?]

    … deshalb unbedingt hier Unterstützung leisten und sich einbringen. Eine „Allianz der Anständigen“ kann sehr viel bewirken. Bitte frühzeitig Einfluss nehmen und mitmachen.

    Lieben Dank 🙂 🙂 🙂

    PS Hajo (and others) 😉 … well done! 😀 Thanks a lot.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.