Mittwoch, 3. Februar 2016

Drogen – Die Geschichte eines langen Krieges

Buchtipp

 

Warum hatte der Drogenkrieg angefangen? Was genau verursacht eigentlich Sucht?

 

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Vor gut 100 Jahren wurde ein Krieg begonnen. Zuerst nur von einigen wenigen doch im Laufe der Jahre breitete er sich auf der ganzen Welt aus und schuf für jeden Bürger und jede Bürgerin einen Feind, den es zu bekämpfen galt. Seitdem tobt der Krieg. Jedes Jahr fallen ihm Mensch zum Opfer und für nicht wenige endet er tödlich. Dem von Regierungen, Staatsanwälten, der Polizei sowie Kartellbossen und Dealern geführten Kampf fallen nicht zuletzt auch Zivilisten zum Opfer und Jahr für Jahr werden Millionen investiert, um diesen Krieg weiterzuführen. Der Krieg gegen Drogen ist nicht nur ein Krieg gegen die Menschen, die sie herstellen, beschaffen und verkaufen sondern auch ein Krieg gegen die Konsumenten, die dadurch ebenfalls zu Kriminellen werden.

Drogen sind gefährlich, machen süchtig und sind schlecht. Wer Drogen nimmt, ist ein schlechter Mensch und muss bestraft werden, so wird es einem jeden von klein auf beigebracht. Doch entspricht das wirklich der Wahrheit? Wenn Drogen nur Schlechtes bedeuten, warum werden sie dann von so vielen Menschen genommen?

 

Johann Hari, 1979 in Schottland geboren und in der Nähe von London aufgewachsen, gilt als einer der besten Nachwuchsjournalisten und wurde für seine Artikel, die unter anderem im Guardian, der New York Times oder in der Le Monde erschienen ausgezeichnet. Zweimal wurde er von Amnesty International zum Journalisten des Jahres ernannt. Was viele zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Hair schluckte Händevoll Narkolepsie-Pillen, um tagelang durchschreiben zu können, solange bis er irgendwann zusammen brach. Während dieser Zeit sah er viele geliebte Menschen aus seinem Umfeld durch Drogen in eine Krise stürzen. Er trat für eine schrittweise Legalisierung und für soziale Programme, die Drogenabhängigen aus ihrem Tief helfen, ein. Er spürte jedoch, wie weiterhin in ihm ein Gewissenskonflikt tobte und er seinen eigenen Drogenkonsum verurteilte und als Schande empfand.

 

Schließlich wollte er nicht nur seine eigene Situation beurteilen, sondern das Gesamtbild verstehen. „Warum hatte der Drogenkrieg angefangen? Und wieso dauert er noch an? Warum können manche Menschen ohne Probleme Drogen nehmen, andere nicht? Was genau verursacht eigentlich Sucht? Was würde passieren, wenn man sich für eine radikal andere Politik entschiede?“ Um Antworten auf diese Fragen zu finden, machte Hari sich auf die Suche nach Experten und begann in den Vereinigten Staaten, wo damals der Krieg gegen Drogen begonnen hatte. Aus seiner Suche wurde eine dreijährige Reise, die ihn in die USA, nach Mexiko, Kanada, durch Lateinamerika und Europa führte. Hari sprach mit Experten gleichermaßen wie mit Betroffenen, mit Polizisten, die Autos durchsuchten, in dem Glauben sie würden der Gesellschaft einen wichtigen Dienst erweisen, mit Ärzten, die das Leid ihre Patienten nicht mehr hinnehmen wollten und ihnen eine sichere Bleibe boten. Er traf Angehörige von Drogenabhängigen, die in den Strafanstalten der USA ums Leben kamen und die einer Mutter, die den Kartellen die Stirn bot, um Gerechtigkeit für ihre Tochter zu erwirken.

 

Akribisch rekonstruiert er die Lebensgeschichte von Harry Anslinger, der den Krieg gegen Drogen auslöste und Arnold Rothstein, der die Welt lehrte mit Drogen zu dealen. Bei seiner Recherche ging es ihm nicht nur um die Nacherzählung der Vergangenheit, sondern auch um das Aufzeigen möglicher Alternativen und der faktischen und moralischen Überprüfung, ob diese funktionieren. Dazu begab er sich auch in die Schweiz und nach Portugal, sprach mit dem ehemaligen Präsidenten Uruguays José Mujicas und zeichnete die unterschiedlichen Ansätze der Cannabis-Legalisierung in Colorado und Washington nach.

 

Die Erkenntnisse aus seiner dreijährigen Reise trug er in dem Buch „Drogen – Die Geschichte eines langen Krieges“ zusammen. Ein Buch, das als bahnbrechend bezeichne werden kann. Wie kaum einem anderen ist es ihm gelungen Daten und Fakten zusammenzutragen und dabei durch seine vielen Gespräche eine zutiefst menschliche Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die aufklärt und Denkanstöße liefert. Hari transportiert keine vorgefertigten Meinungen, sondern lässt den Leser an seinem eigenen Denkprozess Teil haben. Ihm ist es gelungen die Dynamiken zwischen Rassismus, wirtschaftlichen Interessen und des Rechtssystems sowie die zwischen Drogen als bewusstseinsverändernde Substanzen, persönliches Leid und gesellschaftliches Stigma aufzuzeigen und dabei die Statistik mit ergreifenden Einzelschicksalen zu verbinden.

„Drogen – Die Geschichte eines langen Krieges“ klärt auf und gibt Hoffnung, zeigt aber gleichzeitig auch, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben bis endlich Frieden herrscht.

 

Das Sachbuch ist seit Ende November 2015 im Fischer Verlag als Hardcover sowie als Ebook erhältlich.

 

Foto: Fischer Verlag

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