Samstag, 26. Dezember 2015

Das Experiment, das Schule macht

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

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Wir lieben unsere Kinder und tun alles, damit es den beiden an nichts fehlt. Von Geburt an haben wir richtig viel Geld und Liebe in die Brut investiert: Klavierunterricht, Ballett, Tennisclub und Privatschule – doch alles umsonst. Zu stark war der gesellschaftliche Einfluss. Statt gesitteter Menschen haben wir zwei degenerierte Windelträger herangezüchtet, die auf dem Entwicklungsstand von Säuglingen stehen.

 

Neulich platzte mir jedoch der Kragen. Ich fragte mich, was mein Vater mit mir gemacht hätte, wenn ich den lieben langen Tag im Kinderzimmer an der Bong genuckelt und Nazischlager gehört hätte. Ja, mein Alter hätte mich eigenhändig beim Barras abgeliefert, um mich neu formatieren zu lassen.

„Also gut“, sagte ich zu meiner Frau. „Wer nicht hören will, der muss fühlen. Entweder die Kinder sind friedliche Kiffer oder tumbe Aggro-Nazis! Beides zusammen geht nicht! Ich melde Marie und Max in einer „Nationalpolitischen Lehranstalt“ an, dann werden die Nichtsnutze wenigstens gebildete Nazis.“

„Wie?“ fragte meine Frau und reichte mir den Vaporizer. “Gebildete Nazis? Wie das? Und wo gibt es eine „Napola“ in Deutschland? Die sind verboten.“

„Ach was! Dann gründen wir eben eine. Und ich weiß auch schon wo.“

 

Keine Woche später hatte sich das Objekt gefunden, oben in Vorpommern bei Freunden aus vergangener Studienzeit, die auf einem Gutshof in einer Hippiekommune leben und hartnäckig dem Nazi-Mainstream widerstehen. Der Plan, auf dem angrenzenden ehemaligen Schweinemastbetrieb ein Napola-Internat zu gründen, um missratene Wohlstandskinder zu anständigen Nazis umzuerziehen, stieß natürlich erst einmal auf Ablehnung, da meine Freunde überzeugte Antifaschisten sind.

„Genossen, hört zu“, weihte ich die Gutmenschen ein. „Das ist ein Experiment, mit dem wir gutes Geld verdienen können. Vertraut mir! Pro Kopf verlangen wir ein Schulgeld von tausend Euro; das macht bei dreißig Schülern dreißig Riesen im Monat. Wenn alle anpacken und alles in Eigeninitiative läuft, seid ihr in einem Jahr saniert. Alles, was wir den Schülern bieten müssen, ist ein bisschen Nazi-Feeling.“

 

Nachdem ich meinen Freunden versprochen hatte, das Projekt mit reichlich Dope zu unterstützen, ging es auch schon ans Werk. In die Hände spucken musste niemand, da der Schweinestall, so wie er war, bereits optimal fürs Nazijungvolk ausgestattet war. Und so annoncierte ich in der „Lügenpresse“: Freie Nationalsozialistische Erziehungsanstalt sucht Schüler.

Die Rückmeldung übertraf alle Erwartungen. Rund eine Million Anfragen besorgter Eltern aus dem großbürgerlichen Milieu trudelten ein, die sich wie wir dem Elend kiffender Nazikinder ausgesetzt sahen. Wir haben dann jenen Eltern den Zuschlag gegeben, die bereit waren, neben dem Schulgeld auch eine kleine sechsstellige Spende springen zu lassen. Mit einem Schlag waren wir Multimillionäre, und es wäre ein Leichtes gewesen, einfach mit der Kohle nach Jamaika zu verduften. Doch als überzeugte Gutmenschen sind wir gute Menschen – und der Tag X kam, als wir unsere Kinder morgens um fünf aus dem Bett holten und zu den anderen dreißig Schülern in den Bus setzten.

 

Doch nun soll die Geschichte unsere Tochter weitererzählen, denn nichts ist authentischer, als die Betroffenen selbst zu Wort kommen zu lassen:

„Absolut geil hier“, simste Marie am Abend des Ankunftstages. „Voll urwüchsig und deutsch hier. Tolle Kameraden, und die Lehrer sind echte Nazis, so wie man sie aus Filmen kennt. Die Unterkunft ist zwar etwas sehr deutsch, aber der Schulführer sagt, dass wir schon morgen richtige Feldbetten bekommen. Nachher machen wir noch einen Grillabend mit anschließender Nachtwanderung. Max ist auch ganz happy, denn jeder darf so viel Bier trinken, wie er will. Danke! Ich liebe euch J!“

 

Doch bereits zwölf Stunden später sah die schöne heile Naziwelt nicht mehr so schön aus: „Mama, das ist voll kacke hier L! Wir mussten noch vor Sonnenaufgang zum Appell antreten. Äh, wir haben Sommer, das geht gar nicht! Doch das Schlimmste war, als uns der Rottenführer zum Rudelscheißen auf den Donnerbalken setzte. Danach wurden wir entlaust, und waschen mussten wir uns mit Kernseife am Brunnen. Dann kam der Barbier, der den Jungs eine Glatze verpasste und uns Mädels die Haare weißblond bleichte. Zum Schluss wurden wir noch in Schuluniformen gesteckt: Für die Jungs kurze schwarze Turnhose und braunes Hemd, für uns einen langen schwarzen Rock und ein weißes Hemd. So mussten wir dann zum Frühsport antreten. Als sich Max weigerte, auf leeren Magen einen Halbmarathon zu laufen, ist der Oberrottenführer total ausgeflippt. Er hat Max am Kragen gepackt und ihm ins Gesicht gebrüllt, dass ein deutscher Pimpf flink wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl zu sein hat. Max hat sich vor Angst eingepullert und musste zur Strafe hundert Kniebeugen und Liegestützen extra machen. Zu frühstücken gab es auch nichts. Statt Nutella und Cornflakes speiste man uns mit einer Scheibe Kommisbrot, Margarine und einem Klecks Ahornsirup ab. Wir essen hier deutsch, sagte der Rottenführer. Die Smartphones haben sie uns auch abgenommen, weil das undeutsch sei. Zum Glück habe ich noch mein Prepaidhandy in Reserve, mit dem ich Euch auf dem Laufenden halten kann.“

 

„Mama, Papa, holt uns hier raus! Den ganzen Tag über mussten wir Zaunpfähle eingraben, weil das Internat vor den unehelichen Kindern der benachbarten Gutmenschen geschützt werden soll. Meine Hände sehen aus! Max ist auch völlig fertig, weil ihm der Oberscharführer den Bobel abgeknöpft hat. Das Rauchen von Islamhasch sei undeutsch, und wer dabei erwischt wird, der bekommt hundert Stockhiebe. Vorhin musste ich mit den anderen Mädels zum Oberinternatsführer, der uns in Kasernenhofton einen Vortrag darüber hielt, dass anständige deutsche Mädels dem deutschen Manne zu dienen haben. Während er das sagte, hat sich das Ferkel die ganze Zeit über am Sack gekrault, der aus seiner kurzen Hose baumelte. Mich hat er voll angemacht, weil ich angeblich zu fett sei und kein gebärfreudiges Becken hätte. Als ich moserte, hat er mich dazu verdonnert, die Latrine zu schrubben. Ich will weg, Mama! L!“

 

„Drei Tage sind wir nun schon in diesem Nazi-Gulag! Gestern haben wir Stacheldraht um das Schulgelände gezogen. Jetzt sind wir komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Zur Belohnung gab es zum Abendbrot eine Extra-Tasse warme Milch mit Haut. Die Jungs sind mittlerweile schon assimiliert und machen alles, was man ihnen sagt. Max ist zum Unterscharführer aufgestiegen und darf die Schäferhunde mit ins Bett nehmen. Uns Mädchen hingegen hat der Schulführer alles verboten, was Spaß macht. Wir müssen sogar beim Schlafen unsere Hände über der Bettdecke halten. Jeden Morgen werden wir gewogen, und wer Übergewicht hat, der muss für jedes Gramm eine Runde mit der Schubkarre um den Stall laufen. Mama, Papa, es ist wirklich nicht zum Aushalten hier. Ich komme mir vor wie im KZ.“

 

„Die erste Woche ist geschafft. Gestern hat mich der Oberscharführer dabei ertappt, wie ich am Zaun mit einem Jungen von der anderen Seite gequatscht habe. Okay, der Typ hat lange Haare und sieht aus wie eine linke Zecke, aber er war nett zu mir. Der Oberscharführer meinte, ich hätte Rassenschande begangen und müsse deshalb bestraft werden. Morgen will man mich vor den Schulgerichtshof stellen. Wenn das so weiter geht, haue ich ab. Fragt sich nur: Wie? Mittlerweile ist der Zaun so hoch, da kommt keiner mehr rüber. Außerdem gibt es jetzt an jeder Ecke Wachtürme, die Tag und Nacht besetzt sind.“

 

„Die Dreckscheine die! Nur weil ich mit einem Hippie von draußen gequatscht habe, schmore ich nun für eine Woche im Karzer. Nackt, ohne Decke! Max ist nicht mehr mein Bruder, das dumme Nazischwein. Anstatt ein gutes Wort für mich einzulegen, hat er nur dämlich gegrinst und voll gegen mich gestimmt. Langsam habe ich das Gefühl, der ist ein Sadist. Wie alle hier!“

 

„Ich zieh Leine! Ich mache das nicht länger mit. Über vier Wochen sind wir jetzt schon hier eingesperrt. Jeden Morgen Appell, kaum zu fressen, immer nur malochen, kein Fernsehen, kein Internet, kein Warmwasser. Und dann dieses ewige Gehetze gegen die Nachbarn, die böse Gutmenschen seien, die Kinder fressen. Das ist alles eine ganz große Lüge mit dem stolzen Deutschsein. Wie gerne wäre ich drüben auf der anderen Seite bei den undeutschen Hippies. Abends hört man die immer, wenn sie am Feuer sitzen, Reggaemusik spielen und lachen. Manchmal zieht der Duft von Haschisch rüber, und ich denke, dass ich irgendwie auf der falschen Seite sitze. Max scheint mittlerweile auch zu kapieren, dass das Leben als Nazi vollkacke ist.“

 

„Sechs Wochen ertrage ich diese völkische Welt schon. Jeden Tag nur Schweinefleisch, Kartoffeln und Sauerkraut. Wie gern würde ich mal wieder einen Döner essen. Max und ein paar andere Jungs sind inzwischen genauso desillusioniert und wir wollen uns verdünnisieren. Ich weiß auch einen Weg: Von der Latrine führt ein Abflussrohr rüber in die Freiheit zu den Hippies. Wir müssen nur durchkriechen.“

 

„Schluss mit der Nazikacke! Heute Abend nach Einbruch der Dunkelheit machen wir alle rüber. Müssen wir halt ein bisschen durch richtige Scheiße kriechen, um aus der Scheiße herauszukommen.“

 

Und so kam es, wie es kommen sollte. Unsere Kinder wagten den Ausstieg aus der Naziszene. Meine Frau und ich chillten gerade mit den anderen aus der Hippiekommune am Lagerfeuer, als die geläuterte Nazirotte aus der Sickergrube hinter dem Zaun kletterte und sich auf leisen Sohlen in die Freiheit des Gutmenschentums stahl. Unsere Kinder staunten natürlich nicht schlecht, als sie uns im Kreise jener „Nazis“ sahen, die sie über Wochen gequält hatten. Und ja, wir haben die beiden trotz ihres Gestankes in die Arme geschlossen, und alle waren glücklich, über das erfolgreiche Experiment der Entnazifizierung von Nazikindern. Großer Dank sei allen ausgesprochen, die das braune Internat so authentisch geführt haben, dass selbst der Erfinder der Naziseuche durchs Scheißerohr in die Freiheit gekrochen wäre.

3 Antworten auf „Das Experiment, das Schule macht

  1. Liebe

    Jaja die bösen Nazis… Schuster bleib bei deinen Leisten sag ich nur. Politische und vorallem dumpfe Stimmungsmache will hier keiner mehr lesen.

  2. egon

    Dieses märchen ist echt beschissen. was fuer scheiss muss man bitte sich reinziehen, um auf son kack zu kommen?
    da fällt mir gleich wieder dieser verfickte film mit den mondnazis ein, die nen schwarzen in nen nazi verwandeln und dann mit der mondnaziflotte die erde erobern wollen. heil kräuter!!!!!!

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