Mittwoch, 16. Dezember 2015

Soll der Staat Cannabisgeschäfte betreiben?

 

Ontario, Kanada: Soll der Staat Cannabisgeschäfte betreiben?

 

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von Florian Rister

Die Premierministerin der kanadischen Provinz, Kathleen Wynne, hält das Liquor Control Board Ontario (LCBO) für gut geeignet, den Vertrieb von Cannabis zu übernehmen. Dieses betreibt in Ontario bereits exklusiv mehr als 600 Alkoholgeschäfte.

 

Bereits im letzten Monat forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft für Angestellte im öffentlichen Dienst Warren Thomas, Cannabis in LCBO-Geschäften zu verkaufen, falls die Regierung ihre Pläne zur Legalisierung umsetzt. Dort sei man erfahren im Umgang mit Drogen, es gäbe Alterskontrollen, berauschte Kunden würden abgewiesen und die Geschäfte und Warenhäuser seien sowieso schon sehr sicher.

 

In jüngster Zeit hat sich auch in Toronto eine kleine Zahl von privatwirtschaftlichen Läden etabliert, die zu medizinischen Zwecken Cannabis abgeben. Diese haben sicher kein Interesse, ihr junges Geschäft zu Gunsten eines staatlichen Monopols aufzugeben.

 

Seitdem der neue Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, seine Pläne zur Legalisierung von Cannabis verkündet hat, beginnen an vielen Stellen im Land die Diskussionen, wie genau dieser Prozess ablaufen soll. Trudeau hat sich bisher nicht festgelegt, sagte aber bereits das er sich Cannabis nicht im Laden an der Ecke vorstellt. Bei seiner Entscheidung muss er auf jeden Fall verschiedene Interessen betrachten.

 

Im Westen Kanadas, in der Provinz British Columbia gibt es bereits eine ganze Reihe von florierenden medizinischen Abgabestellen – in Vancouver wohl wirklich teilweise an jeder Ecke. Ein kurzer Arztbesuch genügt um eine Genehmigung zu erhalten, dort Cannabis zu kaufen. Und die Betreiber werden von Stadt und Provinz offiziell geduldet – obwohl ihr Handeln formal illegal ist. Die Stadt hat kein Interesse, ihre Polizei damit zu beschäftigen. Viele Betreiber solcher Läden in ganz Kanada hoffen natürlich eher auf ein privatwirtschaftliches Vertriebssytem für Cannabis, in dem auch Privatleute Geld verdienen können.

 

Aber nicht nur die kanadischen Hanfenthusiasten warten jetzt mit Spannung darauf zu erfahren, wie das Produktions- und Vertriebssystem für Cannabis in Zukunft genau aussehen wird und wer am Ende damit reich wird. Auch in Europa blickt man mit Spannung auf das erste westliche Industrieland, welches komplett legalisiert. Vermutlich wird es aber noch einige Zeit dauern, bevor sich konkrete Entwicklungen abzeichnen. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden.

3 Antworten auf „Soll der Staat Cannabisgeschäfte betreiben?

  1. X-KIFFER

    Es braucht in Europa schon triftige Gründe um die Niederlassungsfreiheit, Gewerbefreiheit und das Recht auf Gründung eines eigenen Gewerbebetriebs auszuhebeln.

    Grundsätzlich darf in Europa jeder (Recht auf Gewerbebetrieb), an jedem Ort (Niederlassungsfreiheit) alles produzieren und damit handeln (Gewerbefreiheit) was legal ist.

    Staatliche Monopole sollen in Europa abgebaut und nicht aufgebaut werden. Das sind stets die Argumente wenn sich die Politik an Volkseigentum vergreift und dieses dem Volk raubt. „Privatisierung“ nennt man das heutzutage. Das Wort „privat“ stammt aus dem lateinischen und bedeutet „(der Öffentlichkeit) geraubt“.

    Eins ist klar:
    Mit der Legalisierung endet das Problem der Prohibition und es entstehen viele neue Probleme. Korruption, Vetternwirtschaft und Lobbyismus werden aufblühen wenn der Kampf dann nicht weitergeführt wird. Jeder muß das Recht haben nicht nur legal zu konsumieren (ohne den Umweg über fingierte medizinische Atteste), sondern ebenfalls legal selber zu produzieren. Denn sonst kommen wir von der Abhängigkeit vom örtlichen Schwarzmarktdealer zur Abhängigkeit von der Pharma-Mafia. Die Tendenz unserer korrupten Politiker wird natürlich dahin gehen der Pharma-Mafia den Zuschlag zu geben um im Gegenzug dann mit fetten Posten in den Vorständen und Aufsichtsräten versorgt zu werden.

    Deshalb geht meiner Meinung nach der Kampf nach der Legalisierung erst richtig los!

  2. Carlo Baer

    Herzlichen Glückwunsch, all‘ ihr Kanadier. Ihr habt also einen Regierungschef, der die Zeichen der Zeit nicht nur erkennt, sondern auch danach handelt.
    Meine Meinung zur Umsetzung ist einfach: es sollte mehrere Optionen geben. Standartisiertes, besonders geeignete Sorten sowie daraus gewonnene Zubereitungen sollten in der Apotheke erhältlich sein.
    Für den privaten Konsum könnten Coffeshops lizensiert werden. Wer beides nicht für „seins“ hält, sollte zuhause oder in einem der zu gründenden Social Clubs anbauen und konsumieren dürfen.
    Im Hinblick auf den notwendigen Jugendschutz sollte Konsum in der Öffentlichkeit tabu sein.
    Die Erzeugung für den Verkauf in Apotheken und Coffeshops sollte reguliert, aber jedem zugänglich sein, entsprechende Qualifikation vorausgesetzt. Ein ordentlicher, marktgerechter Wettbewerb ist wichtig und gut für die Verbraucher, das gilt ja für so ziemlich jedes Produkt und jede Dienstleistung, also auch für Hanf und Hanfzubereitungen. Gegen eine Besteuerung in vernünftigem Rahmen ist nichts einzuwenden. Diese staatlichen Einnahmen sollten aber zu einem bestimmten Teil zweckgebunden in den Jugend – und Verbraucherschutz, Beratungsstellen und Hilfsangebote für User „harter“ Drogen fliessen.
    Ich sehe durchaus die Chance einer Umsetzung, bei der es (fast) nur Gewinner gibt. Fast nur Gewinner, denn die organisierte Kriminalität, deren Drogen-gegen-Waffen Geschäften wird in Ländern mit legaler Hanfkultur einiges an Boden entzogen, und das nicht nur finanziel, sondern auch, weil die Strafverfolgungsbehörden zusätzliche Resourcen dagegen einsetzen können, die durch die Legalisierung frei werden.

  3. Ralf

    Den Konsum in der Öffentlichkeit zu verbieten ist ein zweischneidiges Schwert. Darf ich dann nicht mehr in den Wald gehen um zu rauchen (jeder Cannabiskonsument weiß eigentlich das die Natur der beste Platz daür ist), denn das ist öffentlicher Raum. Es sollte doch genügen eine Regelung zu haben bei der innerhalb eines Umkreises von sagen wir 300 Metern keine Kinder anwesend sein dürfen. Das gilt dann auch für den nicht öffentlichen Raum (und natürlich auch für Alkohol) bei dem Kinder nicht im selben Raum anwesend sein dürfen.

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