Mittwoch, 28. Oktober 2015

Devil’s Third

 

Hobo with a Shotgun

 

von: MZE

 

Bild: Nintendo
Bild: Nintendo

 

 

 

 

 

 

 

 

Devil’s Third stand unter keinem guten Stern. Die Entwicklung aus 2009, die vom Ninja Gaiden Meister Tomonobu Itagaki höchstpersönlich in Angriff genommen wurde, erlitt zur Pleite Thqs einen herben Rückschlag. Erst als Nintendo sich dem Titel bei Valhalla Games annahm, konnte die Zukunft für Devil’s Third geschmiedet werden. Nun exklusiv auf WiiU. Der auf Unreal Engine gestartete Titel musste also auf ein neues System portiert werden, um sechs Jahre nach Produktionsbeginn erscheinen zu können.

 

Übernommen wird die Kontrolle von Ivan, einem verurteilten Ex-Terroristen, der von der amerikanischen Regierung in den Ausnahmekampf geschickt wird, als seine alten Teammitglieder die Welt zurück in die Steinzeit befördern. Alle Satelliten fallen vom Himmel, Strom ist global eine Seltenheit – Kessler-Syndrom. Da von dem Terror-Team auch noch Giftgase versprüht werden, macht sich der Russe Ivan auf, den Ex-Verbündeten, Feuer unter dem Hintern zu machen.

 

 

Bild: Nintendo
Bild: Nintendo

 

 

 

 

 

 

 

 

Dazu besitzt der tätowierte Glatzkopf ein Samurai-Schwert und die Kraft zwei Handfeuerwaffen gleichzeitig herumzutragen. Ebenso kann er nach etwas Anlauf einige Meter auf dem Boden rutschen oder vertikale Hindernisse übersteigen. Auch für kleine Kraxeleinlagen reicht die männliche Power des Schlagzeug spielenden Einzelhaft-Insassen, der sich nach einer solchen dann meist ein Stockwerk höher befindet. In allen Fällen geht es darum, eine Schar schießender Gegner in Arealen auszuschalten, weshalb auch genannter Höhenunterschied von Vorteil sein kann. An Ecken und Vorsprüngen geht Ivan in Deckung und kann etwas Planungszeit schinden, bevor die nächste Attacke angegangen wird.

 

Die Besonderheit in Devil’s Third ist, in dem flüssigen Übergang aus Hack’n Slay und First-Person-Shooter, versprochen worden und tatsächlich macht dieser Mix in der Handhabung einiges gut – auch wenn das Zielen per Kimme und Korn nicht unbedingt leicht gemacht wurde. Da Ivan jedoch nicht nur darauf beschränkt ist, auf den richtigen Moment zu warten, einen Feind vor den Gewehrlauf zu bekommen, entwickeln sich im Kampf gegen die wachsenden Gefahren echte Bad-Ass-Momente, die volljährige Spieler jauchzen lassen könnten. Mit einem unerwarteten Sprung aus der Deckung, Feinden die Klinge spüren zu lassen; sich nach einem Schusswechsel, in einem Samurai-Fight wiederzufinden – das sind die Zutaten die in Devil’s Third gut funktionieren.

 

Technisch lässt das Endprodukt dafür viel Platz für Kritik. Während die Hauptpersonen – allen voran Ivan – noch ansehnlich gestaltet wurden, sieht man in vielen anderen Bereichen die verzögerte Entwicklungszeit stecken. Texturen die langsam nachladen, wenig detaillierte Umgebungen und starke Einbrüche der Bildrate – an den merkwürdigsten Stellen – lassen Technik-Fetischisten schreiend davonlaufen. Saubere Animationen, spaßige Gamegags und die griffige Spielbarkeit, lassen Fans japanischer Action-Kost über diese Mängel jedoch wohlwollend hinweg schauen. Da Ivan keine Fähigkeiten erlernen muss, keine unnötigen Items gesammelt werden, noch gewollt Momente gestreckt werden, ist selbst Devil’s Third Einzelspieler-Kampagne eine witzige Unterhaltung, falls man von amüsantem Gameplay eher begeistert wird als von technischer Perfektion.

 

Das eigentliche Hauptaugenmerk des Titels liegt dazu in einem ausgeklügelten Online-Multiplayer-Modus, in dem man als Söldner oder Clan-Mitglied, in verschiedenen Arealen der USA um die Vorherrschaft kämpft. In Übungsmissionen müssen Früchte in Mixer geschmissen, Hühner in Herden gehalten oder abgeworfene Kisten geborgen werden.

In den entscheidenden Siege-Battles werden dagegen Zeitbomben gepflanzt wie entschärft; und die eigene Basis von anrückenden Feinden geschützt. Viele Hieb-, Wurf- und Stichwaffen finden sich neben bekannten Ballermännern zur Auswahl. Einzig das Erwerben dieser – teils durch Echtgeld-Micro-Transaktionen – könnte manch darbenden WiiU-Actionfan weiterhin von dem Versuch abhalten Devil’s Third eine Chance zu geben.

Denn trotz der technischen Macken und imperfekten Spielbarkeit auf WiiU, hat der Russe Ivan einige Qualitäten, die erst auf den zweiten Blick verzaubern.

 

Dank fairer Checkpoints, kurzer Ladezeiten und einem untypisch leichtem Itagaki-Schwierigkeitsgrad, ärgert einen Devil’s Third in den seltensten Fällen. Der funktionierende Mix aus Schnetzeln und Ballern, die coolen Bosse, die trashige Story, der gelungene Soundtrack und der ausgefeilte Multiplayer-Mode sind sogar kleine Highlights.

 

So schmutzig wie unterhaltsam.

 

Devil’s Third

Fotos: Nintendo

USK 18

Circa 59€

WiiU – ASIN: B00ZCL0SIQ

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.