Mittwoch, 29. Juli 2015

Polizei fühlt sich schikaniert

von Florian Rister

 

Bild: CDWaldi/freeimages
Bild: CDWaldi/freeimages

 

Beim Riding Higher Festival bei Dachau haben die Organisatoren sich mit legalen Mitteln gegen einen völlig übertriebenen Einsatz von 45 zivilen Einsatzkräften gewehrt. Die Polizei brach daraufhin ihren Einsatz ab – der Polizeichef tobt. Bereits im Vorfeld des Festivals hatte es öffentliche Konflikte zwischen Organisatoren und örtlicher Polizeiführung gegeben. Letztere plante den Einsatz von 45 Beamten für das kleine, lokal fest verankerte Familienfest mit etwa 2.000 Besuchern. Die Organisatoren hielten das für übertrieben, und vermuteten dass die finanzielle Unterstützung für lokale Flüchtlingsinitiativen ein Grund für das gesteigerte Polizeiinteresse sein könnte.

 

Die Polizei dagegen nannte zunächst keine besonderen Hintergünde für den

– auch für bayrische Verhältnisse – sehr massiven Einsatz. Der stellvertretende Polizeichef Albert Kapitza betonte: „Es handelt sich um einen ganz normalen Einsatz wie bei anderen ähnlich gelagerten Veranstaltungen auch (…)“ Von Drogen war zunächst keine Rede.

 

Zur Frage, ob 45 Beamte an zwei Tagen die übliche Einsatzgröße für solche Veranstaltungen seien, wollte er der Süddeutschen Zeitung damals keine Angaben machen. Auf dem wohl am stärksten von der Polizei überwachten Festival Deutschlands, dem Chiemsee-Summer-Festival (ehemals Chiemsee Reggae Festival) sind für 35 000 Besucher ständig 80 Polizeibeamte im Einsatz. Alleine dieser Vergleich zeigt schon, was für ein massiver und für den Steuerzahler kostspieliger Einsatz beim „Riding Higher“ geplant war.

 

Die Organisatoren wollten sich diesen unverhältnismäßigen und schikanösen Einsatz jedoch nicht gefallen lassen. Sie thematisierten das Ganze öffentlich und waren auch während dem Festival selbst nicht untätig. Zunächst wurde den Zivilbeamten der Zugang verwehrt, erst nach einem Gespräch durch die Einsatzleitung wurden sie auf das Gelände gelassen. Allerdings nur unter Notierung ihrer Personalien, und ohne die Bändchen, die zahlende Gäste erhielten. Der Festival-Sprecher Ludwig Gasteiger betont, man habe die Mitarbeiter und Besucher angewiesen sich den Beamten gegenüber „freundlich und kooperativ zu verhalten – gleichzeitig wollten wir die Unverhältnismäßigkeit aber schon deutlich machen“. Durchsagen und Handzettel sieht er dabei als „ein gewisses Maß an zivilem Ungehorsam“.

 

Durch Infoflyer und Lautsprecher-Durchsagen wurden die Besucher des Festivals konsequent über die Situation aufgeklärt und auf die Anwesenheit der Beamten hingewiesen. So blieb deren Arbeitsschicht bis zum Freitagabend sehr ruhig, und die Polizei zog laut eigenen Angaben ihre Kräfte um 20:15 Uhr ab. Das Festival verlief natürlich auch das restliche Wochenende friedlich und ohne besondere Zwischenfälle, wie die anderen „Riding Higher“ Festivals zuvor auch.

 

Polizeichef Thomas Rauscher ist trotzdem sauer: „Es wurde die polizeiliche Arbeit im Keim erstickt. Der Polizei sollte kein objektiver Blick im Gelände ermöglicht werden“, sagte er der Süddeutschen Zeitung jetzt. Außerdem bestätigte er, was viele Beobachter schon vor dem Festival vermuteten: Die Zivilbeamten sollten gezielt nach „Drogen“ (=Cannabiskonsumenten) suchen. Es habe entsprechende Hinweise gegeben. Nun ganz ohne Beschlagnahmungen dazustehen, muss für einen Polizeichef sehr hart sein. Thomas Rauscher ist völlig von den Socken: „Dass ein Festival-Veranstalter die Polizeiarbeit in dieser Form boykottiert, habe ich noch nicht erlebt.“

 

Repressionsgeplagte Hanfkonsumenten wirds freuen. Bleibt zu hoffen, dass sich viele andere Festivalbetreiber hier ein Scheibchen abschneiden. Natürlich sollten Organisatoren soweit wie nötig mit den Ordnungsbehörden kooperieren, aber wenn es um die heimliche Jagd nach dem Kiffer im Chill-Out Bereich durch Zivilbeamte geht, können auch Festivalbetreiber ihren legalen Spielraum nutzen um dagegen vorzugehen.

Das haben die Betreiber des „Riding Higher“ Festivals auf vorbildliche Weise geschafft, auch wenn sie möglicherweise eine völlig andere Motivation dahinter hatten. Daumen hoch!

 

 

 

9 Antworten auf „Polizei fühlt sich schikaniert

  1. Revil O

    DANKE!!
    VIELEN , VIELEN DANK !! An den Beztreiber des Festivals.
    „Endlich“ hatte mal ein Festivalveranstalter den Mumm und auch ein Bewusstsein hier gegen polizeiliche Schikane und Willkür die in den letzten Jahren auf immer mehr Festivals auf deutschen Boden überhand nahm sich dagegen zu wehren!!!
    Es ist jetzt wirklich zu hoffen das sich andere Veranstalter daran ein Beispiel nehmen werden und man sich dagegen wehrt das Gäste und Besucher von diversen Festivals von der Polizei schikaniert werden aufgrund von Cannabisbesitz zum Eigenverbrauch.
    Sollten andere Veranstalter dem Beispiel nicht folgen dann sollte man den ihre Festivals die nächsten Jahre boykottieren.
    Wenn Besucher und somit die Kohle wegbleiben was meint ihr wie schnell sich da jeder Veranstalter bewegen würde.;-)

    Greetz

  2. Lars Rogg

    Tolle Organisatoren. Das nenne ich Zivilcourage in Reinkultur. Warum sollte man harmlose Kiffer den Bütteln feil bieten, wenn man für ein nettes Miteinander sorgen kann, in dem man entsprechend warnt. Super Aktion !!! 🙂 Allein die Zivibullen erst mal gar nicht rein zu lassen hätte ich gerne miterlebt. „Breit“ grinsend 🙂

  3. Surak

    Das Wort „Polizeiarbeit“ allein ist schon ein Unding in diesem Kontext, so wie in den meisten anderen. Daß man sie im Keim ersticken könne durch ein Minimum an Transparenzkultur und Absprachen, wie der Rauscher Thomas ja dem Zitat nach offenbar eingeräumt hat, kann als erfolgsverheißendes Signal für die erstarkenden Anti-Drogenkriegsaktivisten weltweit gedeutet werden: Nicht die planvolle Ausrottung, sondern die weitestgehend unbeschränkte Verfügbarkeit eines pflanzlichen Genussmittels entspricht den naturgegebenen Bedingungen auf dem Planeten Erde in einem respektvollen Miteinander: Man kann das auch genial einfach in religiös-philosophischer Weise begründen, aber irgendwie kriegen die Religionsgemeinschaften in dieser Sache den Arsch nicht so recht hoch. Schade drum, weil sie jetzt wohl leider den Zug in die Zukunft verpassen werden! 😀

  4. Carstón

    Ich war seit Mitte der 90er bis zuletzt 2007 auf Festivals/Goa Partys, seitdem nicht mehr wegen Familie & Kindern. Ist es tatsächlich so, dass heute Zivibullen AUF dem Festivalgelände herum schleichen und harmlose Besucher behelligen?! „Damals“ war es noch so, dass es immer hieß „das Festivalgelände ist privat, da haben die Cops nichts zu suchen“, nur bei den Kontrollen rundum musste man auf die Wegelagerer aufpassen. Da liefen sogar Leute mit Bauchladen herum und boten ihre Köstlichkeiten feil, und der Verkaufsstand auf dem Zeltplatz war mit einer Fahne für jeden erkennbar gekennzeichnet. Ist es heute wirklich soviel anders? Bullen im ChillOut Bereich, da kriege ich das Kotzen…allein die Vorstellung – wie soll man da denn entspannen?

  5. Labbeduddel

    Das sich der Polizeipräsident schikaniert fühlt finde ich gut. Jetzt hat er auch ein Gefühl dafür bekommen wie schikaniert man sich als Festivalbesucher fühlt. Auch wenn ich selbst nicht mehr Konsumiere besuche ich keine Festivals mehr, denn spätestens nach der Ausweiskontrolle ist Schluss mit Lustig. Die Gängelung der Besucher insbesondere die der Cannabiskonsumenten ist unverhältnismäßig und in Bayern ganz besonders. Hier wird gerne mal die Zukunft von Menschen zerstört eigentlich nur friedlich Feiern möchten und für sich erkannt haben das ihnen eine Tüte Grass besser tut als Alkohol. Jeder hat das Grundrecht darauf sich selbst zu Schädigen denn sonst könnte man genauso jede Menge an Extremsportarten verbieten. Es ist an der Zeit diese übertriebe Fürsorge auf ein normales Maß herunter zu fahren
    und Erwachsenen Menschen die Wahl ihres „Rausches“ selbst zu überlassen.

  6. Ralf

    Neiiiin !!!!!! Hilfe !!!!! Die POPLIZEI fühlt sich schikaniert womöglich auch noch diskriminiert ! Die armen Kerle ! Wie kann man diesen armen Sensibelchen nur so etwas antun, auch nur ein einziges mal schlucken zu müssen, was man sonst ja nur permanent anderen antut. Sie tun mir ja sooooo leid. Ich hab mir mal aus grenzenloser Sypathie ein paar Krokodilstränchen rausgequetscht.

  7. Caspar

    „Der Polizei sollte kein objektiver Blick im Gelände ermöglicht werden“
    An einer Objektivität darf im Allgemeinen wie im Besonderen gezweifelt werden.

  8. X-KIFFER

    Endlich fangen die Menschen an Art. 2 Abs. 1 des Grundgesetzes durchzusetzen: Die Unantastbarkeit der Menschenwürde welche auch das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben einschließt.
    Man darf dabei sogar noch viel weiter gehen als hier geschehen, denn im GG steht drin das man zu seinem Schutz „jedes Mittel“ einsetzen darf, womit auch Gewalt eingeschlossen ist soweit keine anderen Mittel mehr möglich sind.
    Die Bullen haben Art. 2 Abs 1 und jeden Bürger dieses Staates zu respektieren! Deren Chef hat wohl nichts vom GG begriffen, ich halte ihn deshalb für eine völlige Fehlbesetzung auf diesem Posten. Soll er ruhig toben, ich wünsche ihm das er noch recht viel kotzt! Verdammte Nazis!

  9. Substi

    Daumen Hoch!!
    Eine Dose Mitleid für den Polizeichef geöffnet……OOHHHHH!!!!…..und jetz ab in den „Kartong der Schande“!

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