Freitag, 20. März 2015

Bei Asthma Hanf … – oder was?      

Überlegungen einer allergischen Liebhaberin

 

Von Mari Jo

 

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Voll uncool, dachte ich mir, als ich die ersten Paranoia-Schübe bekam, nachdem ich mir ein (wirklich nur winziges) Purpfeifchen genehmigt hatte. Das gibt es einfach nicht, das kann doch nicht von meinem viel gepriesenen Wunderkraut kommen, redete ich mir alldieweil gut zu… Aber es war März und der Frühling lupfte seine Blütenlider, um seine Fruchtbarkeit ins Land zu streuen und wie jedes Jahr Millionen von Allergikern zu quälen. Dabei hatte sich das mit meinem Heuschnupfen bis dato sehr in Grenzen gehalten und selbst eine seit zwanzig Jahren latent vorhandene Bronchitis war trotz regelmäßigen „Rauchgenusses“ nicht aufdringlich geworden. Das war mit Sicherheit die Wirkung von meinem Naturheilmittel Cannabis, welches ja, wie jeder weiß, als historischer Bronchodilatator gegen Asthma wirkt. Glaubte ich seinerzeit wenigstens.

 

 

Als ich in jenem Frühjahr an einem multiplen Allergiekomplex erkrankte, der neben einem mittelschweren Bronchialasthma zusätzlich mit Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislaufstörungen, Hautausschlägen und entsprechendem Psychostress einherging, begann ich mich zwangsläufig intensiv mit dem Thema Allergie und allergischem Asthma auseinanderzusetzen. Dabei fand ich heraus, dass es u.a. ziemlich ernstzunehmende Wechselwirkungen zwischen Chemikalien (spez. Inhalaten und Duftstoffen), Asthmamedikamenten (spez. Betamimetika / Salbutamol) und Cannabis gibt. Es schien sogar, als sei ich plötzlich unverträglich gegen meinen „Holy-Canna-Spirit“. So wurde mir meine “Lieblingsgewohnheit” geradezu gruselig, als sich die sonst so trostspendenden Eigenschaften meines Heilkrauts plötzlich derart ins Gegenteil verkehrten. Die Sehnsucht nach einem entspannenden Pfeifchen entwickelte sich zu einer handfesten Entzugsdepression. Ade… ihr wunderschönen 25 Jahre voll des heiligen Rauchs, ade… schönes „dicke-Augen“-Entspanntheitsgefühl,  ade… Lebensfreude!?

 

 

Es tröstete mich nur wenig, in der Folge zu erfahren, dass es außer mir noch andere Leutz mit allergischem Asthma gab, die kein Weed vertrugen. Was jene aber nicht davon abhielt, trotz ihres „Pfeifers“ weiter zu rauchen, bzw. statt Marihuana kam eben Brösel in die Bong (nur kein Pollen!), wenn dessen Qualität auch mehr als zweifelhaft war. Probierte ich indes, es ihnen nachzutun, wurde ich mittels „umwerfender“ Reaktionen umgehend belehrt, dass ich das besser lassen sollte. Ich wünschte nur, jemand hätte mir erklären können, was an diesem hübschen, lustigen Pflänzchen so aus buchstäblich heiterem Himmel allergieauslösend, bzw. unverträglich war (die Tatsache, dass Cannabis eine umfangreiche und noch nicht komplett erforschte Anzahl an Inhaltsstoffen und Terpenen enthält, ist dabei natürlich zu berücksichtigen). Es war auch nicht das Rauchen an sich, das nicht mehr ging; ob Vaporizer oder selbst hergestellte Tinktur – der Respekt, der sich in der Folge einstellte, bewirkte reichlich Unlust, es überhaupt noch mal zu probieren. Die Symptome reichten von schwerer Atemnot über Herzrasen, Bauchkrämpfen, Schüttelfrost und Panikattacken bis hin zu Hyperventilation und Kollaps…(!), selbst bei „homöopathischen“ Dosierungen… also kein Denken an weiteres “Medizinieren”. Das blieb künftig Cortison & Co. vorbehalten – auch wenn ich damit im tiefen Unfrieden lebte, immerhin lebte ich.

 

Jede Lebensprüfung birgt immerhin Chancen zu Wachstum und neuer Einsicht – hier wurde mir die Erkenntnis abgenötigt, betreff meines Hanfkonsums in ziemlichen Illusionen geschwelgt zu haben. Wie wichtig mir diese wertvolle Medizin geworden war! In der Folge strukturierte sich mein Alltag zunehmend über Selbstdisziplin und aus Lebens-Qualität wurde eher „-Quälität“. Es machte mich nun nachdenklich, dass ich es weder ertrug, jemandem beim Schokolade-Essen zuzusehen, noch beim Rauchen eines Hanfpfeifchens. Zeitweise fühlte ich mich „stoned“, ohne „high“ zu sein, und die Unabsehbarkeit dieser Entzugsphase sowie die unüberspielbare Gereiztheit brachten mich in eine bittere Endzeitstimmung, in der ich mich des Öfteren fragte – warum ich? Warum gerade der Hanf?

 

 

Insgesamt erlebte ich drei Monate problematischen Suchens nach neuen Methoden, dieses Leben ohne meinen Freund Hanf irgendwie noch “geil” zu finden. Ich hatte kaum noch Zugang zu meiner Emotionalität, Kreativität, Sexualität oder Spiritualität und irgendwie ein Gefühl, als sei ich von meinem Körper verraten worden. Es wurde mir aber auch bewusst, wie sehr ich mich über die Grenzen der Verträglichkeiten hatte tragen lassen, welche Risiken ich nicht mehr zu überblicken vermochte und… wie wenig ich überhaupt wusste! Mein Körper zwang mich also, neue Maßstäbe zu setzen, sei es bzgl. Ernährung, Aktivitäten oder schlichtweg hinsichtlich meiner Selbstidentifikation, denn – wer war ich eigentlich – ohne meinen Freund Hanf…?

 

Schließlich merkte ich, dass genau das der Punkt war, wo die Situation begann Sinn zu machen. Indem ich aufmerksam, wenn auch häufig mit einiger Frustration und Verärgerung die Bedürfnisse meines Körpers berücksichtigte, veränderte sich meine Situation. Ganz allmählich erlebte ich zunächst zögerlich, dann immer rapider, wie meine Stimmung von depressivem Sarkasmus zu einer wachen Dankbarkeit wechselte. Zum Beispiel die Entdeckung, dass ich eine Wahl hatte: entweder, oder – entweder Weizen oder Hanf. Auch andere Maßnahmen zeitigten neues hedonistisches Erleben: Die Reduktion von (meist zu-)viel auf fast nichts machte jede bescheidene Mahlzeit zum feudalen Schmaus, jeden seltenen Spaziergang nach Regengüssen zum Abenteuertrip und jeden Tag ohne Asthma- oder Panikattacke zu reiner Lebensfreude. Es blieb immer eine Frage meines eigenen Blickwinkels.

 

Innerhalb dieser Zeit zweifellosen Verzichts kam ich indes auch einem weiteren Geheimnis auf die Spur – die „Phantomwirkungen“ nämlich, die mir den Cannabisentzug so sehr vergällten, ließen sich neuerdings rekonstruieren. Das heißt, ich merkte, dass ich nur mit Hilfe meiner Vorstellungskraft den Zustand des „High“-Seins aus meinem Gedächtnis abrufen konnte. Natürlich war das ein bisschen anders als nach stofflicher THC-Aufnahme, auf jeden Fall aber ohne irgendeine unerwünschte Nebenwirkung. Zusätzlich richtete ich meine Aufmerksamkeit auf alternative Wahrnehmungen, die interessante Bewusstseinsveränderungen zuließen, wie z.B. entsprechend verknüpfte Musik, Trancetanz oder das Betrachten psychedelischer Bilder – nicht zu vergessen den Übertragungseffekt im Umgang mit „Kontaminierten“.

 

Trotzdem es mich schmerzte, meinem Shiva-Geist nicht mehr huldigen zu können, war die Befreiung von meinen Illusionen bezüglich des Hanfs sehr heilsam, auch dahingehend habe ich mich um einiges belehren lassen. So schreibt Dr. med. Franjo Grotenhermen (IACM) in einem Fachartikel über „Hanf und Hanfprodukte in der Medizin“ bzgl. Asthma: „Marihuana ist…wegen der schleimhautschädigenden Wirkung kein geeigneter Bronchodilatator“, und betr. Anwendungsbeschränkungen: „THC und Cannabis sind absolut kontraindiziert bei einer Hypersensitivität gegen THC (selten)“. Insgesamt sind die möglichen aufgeführten unerwünschten Nebenwirkungen beim Hanfgebrauch gerade für allergische Asthmatiker nicht zu unterschätzen, besonders wenn zusätzlich Asthma-Medikamente (Beta-Mimetika, Beta-Blocker oder Theophyllin) mit ins Rennen kommen, welche zusammen mit THC verstärkt Tachykardien (Herzrasen) sowie auch andere Herz-Kreislaufstörungen provozieren können. Diese Wechselwirkungen erlebte ich nicht nur mit Medikamenten, sondern auch mit bestimmten Lebensmitteln im Zusammenhang mit Hanfkonsum. Ist ja auch irgendwie logisch – wir sind eben eine große Chemiefabrik, die bisher kaum jemand wirklich durchschaut hat.

 

Dennoch gibt es Hoffnung für LiebhaberInnen wie mich. Nachdem nämlich die Pollensaison vorbei war und ich mich mit meinem aufgedrungenen Paradigma gerade arrangiert hatte, da habe ich es doch noch mal versucht. Das Pfeifchen, meine ich, mit einer ultrakleinen Dosis – und es ging!

 

Mit viel Probiererei bezüglich der Dosis und Sorte erreichte ich danach mit der Zeit einen neuen Umgang mit dem Hanf – eher mäßig und dafür hochwertig, ist heute die Devise. Ab und an gab es doch nochmal einen „zwischen die Hörner“, das lag dann vermutlich aber allenfalls an üblen Streckstoffen, Pestizid- oder Düngerückständen oder an einem unverträglichen Pflanzenterpen, was durchaus vorkommen soll.

Mit der Zeit wurde ich supersensibel und lernte Weedsorten mit dem Wissen über Kreuzallergien zu kombinieren, merkte mir, dass z.B. “Big Bud” nicht ging, während die Kätzchen fliegen und vermied es, in der Grasblütezeit Pollen-Hash zu rauchen. Dennoch: Immer aufpassen, immer wieder eine Wahl zu treffen zu haben ist schwer, viele Substanzen vertragen sich einfach nicht untereinander und zuweilen erstaunt es mich, warum manche Sorten einfach nicht gehen, Dosis hin und Pollenflug her.

 

Da es in Deutschland immer noch weder Forschungsprojekte für medizinischen Einsatz, geschweige eine Prüfung auf mögliche Allergenität von Cannabis-Inhaltsstoffen oder der Toxizität von chemischen Rückständen gibt, noch einen kontrolliert biologischen Anbau für Medizinalhanf, sind speziell wir Allergiker und Patienten im allgemeinen auf sowohl unsere eigenen Beobachtungen, als auch auf “zivilen Ungehorsam” hinsichtlich der Beschaffung sauberer Qualitäten angewiesen. Und selbst diese sind nichts wert, wenn wir nicht auch entsprechend reagieren und uns unserem “besseren Wissen” gemäß verhalten. Heute bin ich davon überzeugt, dass meine Allergien gute Führer zu meinem eigenen Maßstab sind und mir den Blick für Sachverhalte geöffnet haben, die ich früher allzu gern ignorieren wollte.

 

Asthmatiker und COPD-Patienten allerdings sollten mit dem Rauchen ganz vorsichtig sein (am besten nur per Verdampfer), und es vielleicht zunächst mit Dronabinol auf oralem Weg oder mit Sativex® Aerosol probieren (falls man sich das leisten kann). Auf jeden Fall hoffe ich sehr, dass die globalen Saatgutriesen sich nicht als neues Mafia-Kartell erweisen, dass künftige genetische Veränderungen in der Cannabiszucht nicht auch wieder neue Allergene schaffen, und dass THC, ob nun aus Eigenanbau oder in standardisierten Präparaten, eines Tages tatsächlich für Asthmatiker eine brauchbare Alternative zu Cortisonaerosolen und Betamimetika darstellt.

 

In diesem Sinne lieber Hanf als Asthma (!) – lasst euch das Bröseln nicht vermiesen; (aber für mich: bitte keinen Pollen)!

 

Eure Mari Jo

 

6 Antworten auf „Bei Asthma Hanf … – oder was?      

  1. Horst

    Allergien insgesamt haben ihre Ursache in der Aufnahme zuviel tierischen Eiweißes in Kombination mit unzureichender Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren. Das Weglassen von Allergenen oder die Hyperrsensibilisierung ist nur ein Behandlung der Symptome.

    Vollwerternährung mit ordentlich Hanföl, Leinöl und Verzicht auf Zucker löst das Problem.
    Dann kann man auch wieder Nüsse essen, über blühende Wiesen laufen und Gras rauchen.

  2. Werner Fischer

    Eins steht fest Pädophilie ist von konservativer Seite nicht so schlimm wie Cannabis konsumieren Und bei der Debatte im Bundestag wurde der Cannabis Konsum hingestellt als wollen die Grünen nur Spaß . Und was ist der Alkoholkonsum bitte`?Spaß an der Freud?

  3. Tom

    Super Beitrag!

    Ich leide seit ca. 1,5 Jahren an dem gleichen Leiden.
    Würde mich freuen, wenn wir uns mal austauschen könnten.

    Lg
    Tom

  4. patrick

    Zitat :“ statt Marihuana kam eben Brösel in die Bong (nur kein Pollen!), “
    Zitat :“ (aber für mich: bitte keinen Pollen)!“

    Dachte Ihr seid ein Fachjournal 😉 ! Vllt. klärt Ihr das noch mal in einem seperaten Artikel 😉 !

    Hoffe Ihr wisst worauf ich hinaus will Stichwort: „Urban Dictionary“ …..

    Gruß
    Patrick

  5. Alex

    Sehr interessantes Thema, da mir diese Beschwerden noch nie zu hören gekommen sind. Das wahrscheinlich, weil allergene Reaktionen auf Cannabis nur sehr selten sind. Wenn man sowieso dann noch Probleme mit der Lunge hat, sollte man für die schnelle und unkomplizierte Aufnahme auf alle Fälle auf einen Vaporizer
    Eine Wasserfilterung auf dem Vaporizer kann zusätzlich letzte Pollen binden.

    Mehr Information zu der Gesundheit und den Vaporisieren habe ich hier gefunden:
    https://highsociety420.de/cannapedia/konsum/vaporizer/
    Vielleich hilft es ja jemanden

    Grüße

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