Dienstag, 9. Dezember 2014

Musitipps Dezember 2014

No Exit/The Bermones – Punk sei Dank!

 

Bermones-Cover

 

Zwei Berliner Punkbands auf einem Album, die ihren Ursprung im Osten Berlins haben, beide über 20 Jahre aktiv und deren Label mittlerweile in Friedrichshain angesiedelt ist. Inmitten einer gentrifizierten Umgebung heben sich der Puke Label Laden und die Musik sowohl der Bermones als auch die von No Exit wohltuend vom glattgespülten Standard der Muzak-bespielten Latte-Macchiato-Cafés in der Nachbarschaft ab. Typische Berliner-Schnauze-Texte, ehrlicher Punkrock in mittlerem Tempo ohne zugefügten Chichi, aber auch ohne allzu große Überraschungen, dem ursprünglichen Punk-Stil einfach treu geblieben – das Album hätte auch 1994 erscheinen können. Anspiel-Tipps sind der erste Song The Bermones, Geradeaus (The Bermones) und Merlin (No Exit) sowie Paula (Cover von den Kafkas) mit einem witzigen Text, sehr passend ironisierend die Hipster-Welt beschreibend. No Exit hat dabei die besseren Texte, die auch abwechslungsreicher in der Musik eingebettet sind, dafür kommen die Bermones frischer daher.

www.pukemusic-berlin.de
Foto: Puke Musik

 

 

Arroganz – Tod und Teufel

 

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Ja, es ist ein klassisches Arroganz Album. Mit noch mehr Death Metal  nach alter Schule, einem etwas schwächerem Black Metal als bei den beiden vorherigen Alben. Gerade frisch von den Cottbussern veröffentlicht und gleich in der Heimat live dem geneigten Publikum vorgestellt. Das Intro i.d.t.n ein sanfter Teaser, der auf das Album vorbereitet. Lange Songstrecken auf dem Album sind purer Death Metal in Varianten, mit einer gehörigen Portion Melancholie, getragen durch sehr schwere E-Gitarrensounds, wie bei All light is a Lie. Alle Songs werden durch die düstere Stimme (aus der Hölle) vom Sänger und Bassisten -K- verfeinert. Also alles, was einem Death Metal Fan gefällt.  Der Titelsong Tod und Teufel ist zwar laut und hektisch, aber nicht so inspiriert wie zum Beispiel One Death oder das sphärische Alles, welches tatsächlich aus einer anderen Sound-Welt zu kommen scheint und meiner Meinung nach der beste Song auf dem Album ist. Mäßig bizarr, aber durchaus erwartungsgemäß morbide.

 

VÖ: 11.11.2014
www.fda-rekotz.com
Foto: FDA Rekotz

 

 

Köster/Hocker – Kumm Jangk

 

koester-hocker-kumm-jangk-cover

 

Seit Mai 2014 haben die beiden kölschen Originale und Kumpels Gerd Köster und Frank Hocker ihr siebtes Gesamtkunstwerk Kumm Jangk im Programm, nun gib es dieses als CD. Beide sind, unverändert, immer noch ein Garant für gute Musik eines ganz speziellen Genres, für ein fast nicht zu beschreibendes Gefühl, das des „kölschen Milieus“. Der Opener, Spille Jonn, sehr eingängig, sanfter Rock/Country, gefällig ohne langweilig zu sein. Manche Texte, aus Kitsch und Banalität des Alltags aufgesammelt, gepaart mit Reflexion, ergeben wirklich schöne Texte wie im Song Ha`sch (Wat haschte bloos geraouch?), melancholisch und lässig mit Country- und Blues Klängen unterlegt. Überhaupt ist es eine Kunst, ohne Gefühlsduselei berührende Texte mit passender Musik zu kreieren: Köster und Hocker können das. Joot geooch für mich und Lecker lesbisch Mädche sind weitere Beispiele für Gefühl und gesellschaftliche Themen, die nonchalant und locker opp Kölsch präsentiert werden. Auch für Nicht-Kölner ein Genuss.

 

VÖ: 05.09.2014

www.gerd-koester.de
Foto: GMO

 

 

Eau Rouge – Eau Rouge (EP)

 

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Die Stuttgarter mit dem Namen Eau Rouge (Sänger Jonas Teryuko, als Klangartist Bo Zillmann und Magnus Frey, Drums) veröffentlichen mit der gleichnamigen EP mit fünf Songs eine Compilation, die rund, gut produziert und angenehm für chillige Momente daherkommen. Elemente aus Alternative/Indie Pop (Opener: The Burden of Beauty), ein schöner Song, der gute Laune und entspannte Atmosphäre produziert oder etwas im Retro-Stil der 80/90er Jahre wie in Golden Nights? Kein Problem, Eau Rouge können mit verschieden Sound-Stilen spielen, ohne stillos oder desorientiert zu wirken. Of All, das dritte Stück, kommt sogar etwas rockiger daher, Musik und Gesang von schweren E-Gitarren und schnellerem Schlagzeug getrieben, getrieben, melancholisch, aber rund. Bei Sink Water kommt dann etwas Boy Group Feeling auf, weich gespülte Refrains, dann Wechsel zu sphärischem Rock. Cold Kiss schließlich hat etwas von allem. Von den Junx wird man noch mehr hören. Erwähnenswert ist noch die ziemlich gut gestaltete Web-Seite, sehr kreativ!

 

VÖ: 21.11.2014

www.eaurouge-music.com
Foto: ADP Record

 

 

The Game – Blood Moon

 

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Der aus Compton stammende Rapper Jayceon Terell Taylor alias The Game mit einer klassischen Karriere als Gangster, Drogenhändler und Gewalttäter wurde Rapper und ist seit 2006 auch als Schauspieler tätig. Er hat bisher mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft. Das Album, mit der Single Bigger Than Me, schraubt sich nicht so schnell in den US-Charts hoch wie vorherige Alben von ihm (derzeit Rang 7, Billboard), obwohl es eine durchaus gute Mischung von Songs bietet, während es bei den klassischen Rapper-Charts sofort die Spitzen-Positionen erreichte. Allerdings nehmen ihm einige Kritiker eben diesen Compilation- und Mischstil-Charakter übel. The Game, der auch mit 50 Cent und Dr. Dre arbeitete, engagierte auch Lil Wayne für sein Album. Im Kopfkino amerikanische Familienkarossen, heruntergelassene Fenster, Double-Bass-Action-Boxen und Frauen, die in engen Kostümen im Wagen stehen und aus dem Hard-Top hinaus den Refrain der Songs darbieten. Anspielt-Tipps: Die Single Bigger Than Me, On One (coole Nummer), und sicher auch das abgedrehte Or Nah mit  auf Deutsch eingespielten Einlagen vom Rapper Kollegah.

 

VÖ: 31.10.2014

www.cashmachinerecords.com
Foto: Ca$h Machine Records

 

 

 

 

Backbeat SoundSystem – Together Not Apart

 

Backbear-together-not-apart-cover-front-cd

 

Acht Bandmitglieder, Ein bisschen Summerjam im Herbst – das bringt gute Laune. Fröhliche Melodien, Brit-Pop-Reggae at it`s best, warm, chillend,  hervorragend und vielleicht sogar ein bisschen zu perfekt produziert. Die Spielfreude ist unüberhörbar, die Texte innerhalb der traditionellen Reggae-Songs über gute Laune, Musik, Mädchen, Nabelschau, aber auch mal mit politischem Anspruch, nie platt, immer dem Stil treu. Ja, auch der Einfluss von Steel Pulse ist nicht zu überhören, macht aber nichts, die Eigenständigkeit des Sounds von Backbeat Soundsystem bleibt gewahrt, Elemente von Ska, Dub und Pop sind ja klassische Zutaten einer Brit-Reggae-Band. Anspiel-Tipps: Die ausgekoppelte Single Come Undone, nicht der stärkste Song, eher der, der die meisten Brit-Style Elemente vereint und an UB40 erinnert (die das etwas besser können), Fighting Bull: Gute Vibes pur, I spy: mehr Reggae mit Party-Feeling, schön melancholisch dagegen Share with you. Live sind die Jungs übrigens Klasse und touren auch gerade durch Europa.

 

VÖ: 13.10.2014

www.backbeatsoundsystem.com
Foto: easystar

 

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