Donnerstag, 23. Oktober 2014

Wo die Liebe hinfällt,…

 …wächst kein Gras mehr

Autor: Sadhu van Hemp

 

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Die Liebe ist das stärkste Gefühl, das der Mensch zu empfinden in der Lage ist. Doch wo der Sturm der Liebe Marmor, Stein und Eisen bricht, bleibt oftmals auch ein Scherbenhaufen zurück. Und zwar genau dann, wenn die Liebenden merken, dass der Deckel nicht auf den Topf passt. Das Hanf Journal sprach mit so einem verpeilten Paar, dessen Liebe verbotener nicht sein könnte.

 

 

Hallo Robert und Julia! Seit dreieinhalb Monaten seid Ihr ein Liebespaar, und bei Facebook twittern die Spatzen von den Dächern, dass schon bald die Hochzeitsglocken läuten werden. Und das gegen den Willen der Brauteltern, die der Verbindung keine Zukunft geben. Was ist da los, Julia? Warum darfst Du nicht mit den Schmuddelkindern kiffen?

 

Manno, hört bloß auf! Meine spießigen Eltern wollen mich unbedingt standesgemäß verheiraten. Und Robert ist nun mal aus der Unterschicht – sein Vater sitzt wegen Sozialbetruges im Knast und die Mutter halbtags bei Rudis Resterampe an der Kasse. Meine Familie hingegen gehört zur Elite: Mein Vater ist Eigentümer einer staatlich geförderten Investment-Bank und meine Mutter Abgeordnete für die AfD im EU-Parlament. Alle aus unserer Familie tragen Doktorhüte und haben sich mit Ihresgleichen vermählt und vermehrt. Robert wäre der erste Schulabbrecher in unserer Familie… und ich die Erste unseres Geschlechts, die gewöhnliche Gene in die Linie einschleppt. Aber das ist mir egal! Ich liebe meinen Schatzi – und dazu braucht er weder Abitur, noch blaues Blut.

 

Edel, edel, Julia, Respekt! Und Du, Robert, wie kommst Du damit klar, dass Deine Verlobte adlig, vermögend und Abiturientin ist? Zudem heiratest Du in eine Familie ein, deren Vorfahren sich aller nur erdenklichen Verbrechen schuldig gemacht haben. Und das nur des Geldes wegen. Das Bankhaus Deines zukünftigen Schwiegervaters ist dafür verantwortlich, dass Deine Oma ihr Häuschen verloren und sich aus dem Fenster gestürzt hat. Kannst Du es wirklich mit Deinem Gewissen vereinbaren, von einer Frau alimentiert zu werden, deren Familie Dich am liebsten auf ihren Baumwollfeldern malochen lassen würde?

 

Ach, Robert juckt das nicht. Darüber macht er sich keinen Kopf. Er ist ein unpolitischer Mensch. Nicht wahr, Schatz! (Robert schaut kurz auf, nickt und widmet sich dann wieder seiner Bong.) Wisst Ihr, ich habe nicht den Dünkel meiner Eltern geerbt; folglich kann ich den Standesunterschied Robert auch nicht spüren lassen. Was die Historie meiner Familie betrifft, interessiert uns das nicht. Wir leben hier und jetzt. Ich will Spaß – und den habe ich mit ihm! Nicht wahr, Schnucki?“ (Robert grinst und reicht seiner Julia die Bong.)

 

Ihr scheint ja wirklich schwer verliebt zu sein. Das ist wirklich selten und seltsam, dass sich eine Tochter aus gutem Hause mit einem Hochleistungskiffer und Vollversager einlässt. Aber nun sag Du mal, Robert: Julia ist zehn Jahre jünger als Du, und mit Deinen 29 Lenzen bist Du auch nicht mehr der Jüngste. Du wohnst noch bei Deiner Mutter und bist treuer Kunde beim Job Center. Das Einzige, was Du den lieben langen Tag machst, ist Kiffen, Tiefkühlpizza essen und Spiele spielen. Hast Du gar keine Ziele, die Du in Deinem Leben erreichen willst?

 

Robert hat sehr wohl Ziele. Und die kann man auch bekifft verfolgen. Guckt mich an! Auch ich kiffe! Dass er so ist, wie er ist, hat nichts mit Kiffen zu tun. Wartet nur ab: Wenn ich mein Abi fertig habe, werde ich mit Robert richtig durchstarten. Dann wird erst einmal der Weg das Ziel sein. Ich plane nämlich eine Weltreise. Auf der werde ich alle berühmten Hippiedörfer besuchen. Ich stehe total auf Hippiekultur. Freie Liebe, freie Drogen, Leben ohne Arbeit – was will ich mehr? Weihnachten jette ich erst mal nach Ibiza, wo unsere Familie eine Finca hat. Das wird mal geil: Den lieben langen Tag unter Palmen abhängen, sich vom Hauspersonal bedienen lassen, und abends mit den Hippies und Psychonauten am Strand trommeln und tanzen. Im Frühjahr klappere ich Amsterdam, Prag und Kopenhagen ab, bevor ich den Hippietrail bis runter nach Bali abfliege. Und mein Schnucki wird mich begleiten und beschützen.

 

Willst Du das, Robert?

 

Na klar, will er das. (Julia tauscht einen verliebten Blick und ergreift seine Hand.) Mein Schatz folgt mir überall hin, wo man kiffen, chillen und feiern kann. Deswegen habe ich mich ja in ihn so unsterblich verliebt. Ich brauche jemanden, der nicht so ein angepasster Langweiler ist, den ganzen Tag nur Bücher liest und seine Jugend in der Uni verschläft. Reicht doch, wenn ein Kopf im Störfall das I-Phone ersetzen kann. Und was soll ich mit so einem kranken Spießertypen, der Sport treibt, sich gesund ernährt und auf eigenen Füßen steht? Wie unentspannt und langweilig ist das denn? Nee, Robert ist der ideale Ehemann: treu, schlicht und psychoaktiv. Guckt ihn Euch nur an! (Sie streicht ihm über den Wuschelkopf.) Ist er nicht ein ganz Lieber? Und seine vielen Tattoos und Piercings!

 

Ja, fehlt nur noch das eingebrannte Wappen Deiner Familie auf der Stirn. Aber mal Hand aufs Herz, Julia! Kann es sein, dass Du nur ein Opfer gefunden hast, das Dir die Bong stopft und wie ein Hündchen nachläuft? Der spricht ja noch nicht mal. Könnten Deine Eltern mit der Vermutung gar Recht haben, dass die Beziehung nicht fruchten wird? Vielleicht solltest Du Robert besser in der Obhut seiner Mutter belassen, bevor Du den armen Kerl noch völlig kirre machst.

 

Blödsinn! Ihr redet ja schon wie meinen Alten! Ich und Robbi gehören zusammen. Wir ergänzen uns optimal. Ich kann mich ausleben, und mit ihm will ich alt werden. Diesmal lasse ich es nicht zu, dass sich meine Eltern in meine Beziehung einmischen und meine große Liebe mit schmutzigen Tricks zerstören. Nein, Robbi drehen die nicht um, diese Intriganten und Kuppler. Ehrlich und unbestechlich ist mein Bärchen – eine einfache Seele eben. Und der reicht eine Playstation, ein Netzzugang und immer eine handvoll Gras in der Tasche. Ich werde ihn heiraten! Da habe ich Lust drauf – und basta! Auch wenn mich meine Familie verstößt und enterbt… was sie ja sowieso nicht tut.

 

Haben wir richtig verstanden? Du hattest schon mal einen „Robbi“. War das auch ein früh vergreister Stubenhocker ohne Stammbaum? Und wenn ja, was ist aus dem armen Teufel geworden, nachdem Du ihn fallen gelassen hast?

 

Wie sich das anhört? So vorwurfsvoll. Ich habe den nicht fallen lassen! Mein erster Verlobter ist heute fürstlich ausgestatteter Frühstücksdirektor in einer Auslandsniederlassung der Bank meines Vaters. Auf der Verlobungsfeier hat mein Alter den Trottel bekehrt, und ehe ich mich versah, war der Idiot der größte Spießer unter der Sonne. Lief plötzlich nur noch mit Maßanzügen, italienischen Schuhen und manikürten Pfoten rum. Und die schönen Dreadlocks? Einfach abgeschnitten hat er sie… und weg war er… ausgerechnet zu den Spaßbremsen nach Saudi-Arabien! Nach Jamaika wäre ich ja noch mitgegangen. Also, kein Grund zur Sorge, Leute! Der Parvenü ist raus aus dem Milieu. Der ist bis an sein Lebensende versorgt, der Schmarotzer! Der hockt wie die Made im Speck im Schlaraffenland der Ölscheichs und badet in Milch und Honig, dieser Kretin. Und das von meinem Erbe.

 

Und dieses Schlaraffenland willst Du Deinem Süßen ersparen? Und was sagst Du dazu, Robert? Willst Du wirklich mit Julia unter Hippies in Armut leben, bis dass der Tod Euch scheidet?

 

Ja, das will er! Außerdem: Wahre Helden werden keine dreißig! Und bis dahin lassen wir es ordentlich krachen. Nicht wahr, Schnucki! Nix mit Luxusleben im Schlaraffenland! Das wollen wir nicht! Ich will Love and Peace, und nicht Champagner und Austern schlürfen. Für mich ist Schluss mit Kaviar, Trüffeleberpastete und der Tierfresserei. Ich lebe vegan! (Robert nimmt einen tiefen Zug aus der Bong, reicht sie an Julia weiter und man sieht ihm an, dass er nachzudenken versucht.)

 

Willst Du noch was sagen, Robert? Nur zu, raus damit!

 

Äh, Leutz, sagt mal: Ist das weit weg, dieses Land der Schlaffen?

 

 

3 Antworten auf „Wo die Liebe hinfällt,…

  1. ripopgodazippa

    Was soll das? Ist dies ein fiktives Interview?

    Ich kann mir nicht vorstellen das eine 19-Jährige so schwulstig daherredet – und sollte das doch der Fall sein, kann einem dieser „Robert“ leid tun.

    Ich hoffe für Robert, diesem „Hochleistungskiffer und Vollversager“ (sic) – dass er sich nicht in sie verliebt. Denn wenn er sich davor bewahrt, kann er den größten Spaß seines lebens mit einer 19-Jährigen Göre haben, für die nur Sex and Drugs and Rock ’n‘ Roll zählt.

    Aber kommen wir mal zu was anderem. was soll die bescheurte Bemerkung mit dem „Hochleistungskiffer und Vollversager“?

    Nur weil jemand jegliche Form der Tätigkeit und Beschäftigung, in einer sinnentleerten, gewinnorientierten, Ressourcen vernichtenden und Klima schädigenden Wegwerfüberflusswirtschaft ablehnt, ist er längst kein Versager.

    Das ist das schlechteste (fiktive?) Interview, welches ich jemals gelesen habe.

  2. yunus

    ich muss mich ripopgodazippa voll und ganz anschließen, die Geschichte ist weder in einem ästetischem noch realistischem Stil geschrieben, mir kommen Zweifel hoch ob Sadhu das Interview nicht vielleicht selbst geschrieben hat, selbst wenn die Geschichte im Kern wahr sein sollte

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