Sonntag, 7. September 2014

Psychonautik & Substanzkunde

Verdampftes N,N-DMT – Einmal Jenseits und zurück in zehn Minuten

von Hannes Schinder

 

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„Ich vermute, dass dieser Botenstoff für die ultimative schamanische Ekstase, für die Erleuchtung und für das Aufgehen in das «klare Licht des Todes» verantwortlich ist.“ (RÄTSCH 1998: 832)

 

„Die von N,N-DMT ausgelösten Visionen sind spektakulär. Ich sehe mehr wirbelnde, kaleidoskopartige Universen pro Quadratmillimeter Sichtfeld als mit jeder anderen Substanz“ (TURNER 1997: 58)

 

 

Ein staunendes „WOW“  ist oftmals das erste, was eine Person von sich gibt, wenn sie sich nach einer intensiven DMT-Erfahrung wieder ihrem Alltagsbewusstsein nähert. Kein Wunder, denn N,N-Dimethyltryptamin ist ein hochpotentes Alkaloid, welches in zahlreichen lebendigen Organsimen vorkommt und interessanterweise als endogener Neurotransmitter selbst im Menschen nachgewiesen wurde, bei dem es in der Zirbeldrüse produziert und anzunehmender Weise präferiert bei der Geburt, in Zuständen tiefer Trance, im Schlaf, sowie beim Erleben einer Nahtoderfahrung respektive beim Prozess des Sterbens, freigesetzt wird. In ausreichend hoch dosierter Applikation sprechen Wissenschaftler von dem stärksten Psychedelikum, das bislang bekannt ist, indes es sich mit anderen Psychedelika nur am Rande vergleichen lässt, am besten vielleicht mit sehr stark dosiertem Psilocybin, dessen psychoaktives Hydrolyseprodukt Psilocin übrigens auch eine DMT-Form ist, nämlich 4-OH-DMT.

 

DMT führt  zu einem sehr intensiven, aber nicht unbedingt euphorischen Rauscherlebnis und scheint daher als Partydroge, genau wie andere Psychedelika in höherer Dosierung, völlig ungeeignet zu sein. Aber dennoch, diese Beobachtung konnte ich diesen Sommer schon auf einigen Partys machen, was mich auch dazu veranlasst hat diesen Artikel zu schreiben, scheint sich rauchbares DMT (oder das sogenannte Changa*), das bislang nur in psychonautischen Insiderkreisen erhältlich und vergleichsweise sehr schwierig zu beschaffen war (es sei denn man hat es selbst extrahiert), neben Lachgas etc., als starkes, aber nur kurzwirksames Psychedelikum, auch in der Partyszene sukzessive zu etablieren. Auf einigen Partys sogar derart, dass einem der charakteristische DMT-Geruch selbst auf dem Dancefloor in die Nase zieht. Ob man das nun gut oder schlecht finden soll, darf jede/r Leser/in  für sich selbst entscheiden, aber Fakt ist, dass es auf diesem Sektor unbedingt akzeptierende Aufklärung braucht, damit am Ende aus einer solchen Erfahrung niemand mit einer psychische Krise herausgeht und sagt, er/sie hätte es nicht besser gewusst.

 

Bezeichnungen / Synonyme

N,N-Dimethyltryptamin, N,N-DMT, DMT, Nigerin, Nigerina, Desoxybufotenin, 3-2[-(Dimethylamino)ethyl]-Indol

 

Chemische Summenformel

C12H16N2

 

Chemische Substanzklasse

Tryptamine (Indole)

 

Wirkklasse

Psychedelika, Entheogene (= Substanzen, die meist im Rahmen spiritueller Riten Verwendung finden und das „Göttliche im menschlichen Bewusstsein enthüllen können“ [OTT].)

 

Dosierung

Geraucht bzw. verdampft (effektiver): 20-100 mg

 

Wirkdauer

Geraucht bzw. Verdampft: 5-20 Minuten. Danach verbleibt man noch für ca. zwanzig weitere Minuten in einem entspannten Metazustand, der von einigen DMT-Rauchern auch als „High“ bezeichnet wird.

Intravenös (ca. 45 Minuten) oder in Kombination mit einem MAO-Hemmer, etwa in Form des oral konsumierten Ayahuasca (ca. 6 Stunden), hält die Rauschwirkung deutlich länger an.

Wichtig: Oral eingenommen wirkt DMT nur in Verbindung mit einem MAO-Hemmer, beispielsweise Harmin, da es ansonsten noch vor Wirkeintritt wieder abgebaut wird.

 

Rechtsstatus:

DMT-haltige Pflanzen sind in Deutschland legal. Die Substanz N,N-DMT fällt jedoch unter die Bestimmungen von Anlage I zu § 1 Abs. 1 des BtMG und ist daher ein nicht verkehrsfähiges „Betäubungsmittel“.

 

Vorkommen:

„DMT is everywhere“ (Alexander „Sasha“ Shulgin)

Wenn Dr. Shulgin Recht hatte, und das hatte er wohl möglich, dann ist N,N-DMT in allen Lebewesen enthalten. In allen Wesen also, die einen Geist haben, die geboren werden und eines Tages wieder sterben müssen. Ob N,N-DMT wirklich in allen Lebewesen enthalten ist, wenn auch nur in Spuren, wie es erst neulich im Falle der Zitrusfrüchte herausgefunden wurde, ist wissenschaftlich bislang zwar noch nicht belegt, dafür aber konnte die Substanz bis dato schon in einer Vielzahl diverser Pflanzenspezies, Pilzen, Säugetieren und sogar im Körper des Menschen identifiziert werden.

 

Pflanzliche DMT-Lieferanten:

Acacia spp.

(z. B. Acacia confusa, Acacia maidenii, Acacia nubica, Acacia simplicifolia)

Anadenanthera spp.

(Anadenanthera colubrina [Cebil] und Anadenanthera peregrina [Yopo])

Arundo donax

Codariocalyx motorius

Delosperma cooperi

Dictyoloma incanescens

Diplopterys cabrerana syn. Banisteriopsis rusbyana

Mimosa spp.

(Mimosa tenuiflora syn. Mimosa hostilis, Mimosa scabrella, Mimosa verrucosa)

Mucuna spp.

(z. B. Mucuna pruriens)

Phalaris spp.

(Phalaris arundinacea und Phalaris tuberosa syn. Phalaris aquatica)

Phragmites australis

Psychotria spp.

(Psychotria carthaginensis, Psychotria poeppigiana, Psychotria viridis)

Testulea gabonensis

Virola spp.

(z.B. Virola divergens, Virola elongata,Virola peruviana)

und viele weitere mehr!!!

 

Geschichte

Erstmalig synthetisiert wurde N,N-DMT von dem kanadischen Chemiker Richard Manske im Jahre 1931. Da die psychedelische Wirkung, die von diesem Stoff ausgeht, zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch unbekannt war, geriet DMT zunächst in Vergessenheit und tauchte erst Jahre später, mit dem aufkommenden Interesse an Ethnopharmakologie und den Untersuchungen schamanischer Schnupf- und Trinkzubereitungen, wieder auf. Als Naturstoff wurde DMT erstmalig im Jahre 1946 von O. Goncalves aus der Wurzelrinde von Mimosa hostilis-, und neun Jahre später, im Jahre 1955, aus den Samen von Anadenanthera peregrina isoliert. Das Wissen um die psychoaktive Wirkung des N,N-DMT ist jedoch dem ungarischen Pharmakologen Stephen Szára zu verdanken. Dieser hatte einstmals zu Forschungszwecken bei Sandoz LSD geordert, was ihm als Angehörigem eines damaligen Sowjetstaates jedoch verwehrt wurde, sodass er sich in der Hoffnung auf adäquaten Ersatz, DMT synthetisierte. Zunächst oral verabreicht, verspürte er keine Wirkung, sodass er auf die Idee kam, es sich zu injizieren, woraufhin der typische DMT- Rausch einsetzte. 1956 wurde von Szára dann erstmalig über die psychoaktive Wirkung von DMT berichtet.

 

Traditioneller Gebrauch

In Südamerika wird DMT schon seit Jahrtausenden und vermutlich schon seit prähistorischer Zeit in Form von Ayahuasca sowie diverser Schnupfpulverzubereitungen schamanisch-rituell genutzt.

 

Moderne Konsumformen

Die häufigste moderne Konsumform ist das Rauchen. Dazu wird es meist mit einem pflanzlichen Trägermaterial vermischt, beispielsweise Damianakraut, oder auf Asche aufgetragen, in einer gewöhnlichen Pfeife oder Bong geraucht. Da bei dieser Konsumform jedoch viel DMT verbrennt, bevor es inhaliert werden kann, gestaltet sich das Verdampfen als die effektivere Konsumform. Hierzu benutzen Konsumenten meist eine Ölpfeife oder einen mechanischen Vaporizer. Seltener wird DMT geschnupft oder injiziert. Wird DMT oral eingenommen, wie es etwa beim Schamanendekokt Ayahuasca der Fall ist, bedarf es zur Wirkentfaltungen der zusätzlichen Einnahme eines MAO-Hemmers, was aber in jeder traditionellen Ayahuasca-Rezeptur berücksichtigt wird.

 

Wirkung

Gerauchtes bzw. verdampftes DMT ist dafür bekannt, dass es blitzartig zu wirken beginnt und in Sachen Intensität mit keiner anderen Substanz zu vergleichen ist. Das Erleben des DMT-Rauschs unterscheidet sich qualitativ deutlich von jenem, der beispielsweise unter LSD- oder Meskalin-Einfluss erlebt wird. Zumindest die Anfangsphase des DMT-Rauschs lässt sich am ehesten noch mit einer hoch dosierten Applikation Psilocybin vergleichen. Beim DMT sind ab einer mittleren Dosierung Bewusstseinsphänomene wie Ich-Auflösung, Visionen, Astralreisen, Kontakt zu fremden Wesen sowie das Eintauchen in bizarre Erlebnisrealitäten die Regel, weshalb mit dieser Substanz niemals leichtfertig umgegangen werden darf. Es kann nämlich passieren, dass DMT-Erfahrungen auch erschrecken können. „Auf gewisse Weise können sie das erschreckendste sein, was einem psychedelische Erfahrungen bieten können. […] Nahezu jeder, von dem ich weiß, dass er N,N-DMT wiederholt geraucht hat, begegnete einer Furcht, die tiefer war als jede davor erlebte.“ (TURNER 1997: 58). Zudem sollte sich jeder potenzielle DMT-User der Tatsache bewusst sein, dass DMT, auch bei nur einmaligem Konsum, genau wie LSD, das Bewusstsein zu 99,99 % nachhaltig prägen wird. Vor allem deshalb, weil das Erlebte meist nicht als halluzinogenes Ergebnis eines Trips, sondern vielmehr als „kosmische“ Wirklichkeit erfahren wird. Meist beeinflusst eine DMT-Erfahrung eine Person jedoch positiv, in Einzelfällen aber auch negativ, vor allem dann, wenn Dosis, Set und Setting nicht stimmen und das ist bei einer derart potenten Substanz, wie es DMT eine ist, schneller passiert als man vielleicht denkt.

Obwohl die DMT-Erfahrung ein sehr individuelles Erlebnis ist und inhaltlich von Person zu Person stark variiert, gibt es bestimmte Charakteristika, die fast immer festgestellt werden können. (vgl. TRACHSEL 2000: 201)

 

Anfangsphase

  • Bewusstseinsverlust über den Körper, sowie gegeben Falls auch über den Herzschlag
  • Akustische Effekte (dosisabhängig)
  • Niedrige Dosis: Geflüster
  • Hohe Dosis: Elfen-Sprache, „high-speed-chatter“
  • Manchmal „Du wirst überleben!“-Gedanken

 

Mittelphase

  • Unvorhersehbare visuelle Effekte
  • Durchbrüche zu höheren Sphären in Bezug auf die Sinne
  • Bei hoher Dosierung vergisst man, wer/was/wo man ist
  • Personen werden in höheren Sphären gesehen, aber nicht gehört
  • Dinge geschehen zu schnell, sind außer Kontrolle
  • Kein irdisches Zeitgefühl
  • Dauer der Trance: Ca. 5 Minuten
  • Visionen verschwinden, weitere 5 Minuten um zurückzukommen
  • Manchmal desorientiert, ohne Friedensgefühl, manchmal faszinierend und Ehrfurcht gebietend, mit Friedensgefühl.

 

Endphase

  • Man wird sich seines Körpers bewusst
  • Es gibt keinen Grund, die Augen zu schließen
  • Keine fremde Energie mehr im Körper
  • Alles in der Umgebung sieht normal aus

 

Die häufigste Nebenwirkung, die mit dem Verdampfen von DMT und im Einzelfall auch mit leichter Panik einhergeht, ist eine drastische und plötzliche Erhöhung der Herzfrequenz (Herzrasen) sowie ggf. Überforderung, Übelkeit, Schwitzen und leichte Kopfschmerzen  (Endphase).

 

 

Erfahrungsberichte

 

Ort: Wohnzimmer; Dosis: ca. 40 mg, verdampft, Beschaffenheit des DMT: gelblich-orangene Kristalle, Ausgangsmaterial der Extraktion: unbekannt

 

Ich befand mich allein zu Hause, saß gemütlich auf der Couch im Wohnzimmer und verdampfte ca. 40 mg N,N-DMT. Der Geschmack erinnerte mich augenblicklich an den Tod und schätzungsweise fünf Sekunden nachdem ich zu Ende inhaliert hatte, spürte ich das Anfluten der Wirkung und wie sich der eigenartige Geschmack im ganzen Körper ausbreitete. Zudem setzte ein absolut intensiver, mir bis dato zur Gänze unbekannter Bodyload (= energetische Körperladung) ein. Mein ganzer Körper, auch meine nicht-physischen Energiekörper so schien mir, wurden mit ungeheurer Energie durchströmt. Es setzten direkt starke visuelle Effekte ein. So sah ich beispielsweise die von Psychedelika bekannten geometrischen Muster und Mandalas, wirbelnd, pulsierend und farbversprühend im ganzen Raum, und das in einer absolut rasanten Geschwindigkeit. Einige Sekunden später konnte ich keine feste Materie mehr erkennen, sondern nur noch die atomare Urstruktur, der im Zimmer befindlichen Gegenstände und Atmosphäre. Die einzelnen Atome bewegten sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit hin und her, verbanden sich, verschwanden und tauchten wieder auf. Quantenphysik pur, dachte ich mir. Dann richtete ich meinen Blick auf meinen Körper und  ich sah, dass auch dieser nicht mehr fest war, sondern ausschließlich aus Licht bzw. Energie bestand. Ich konnte sogar meine Meridianen und Chakras (Energiezentren) erkennen. Weitere Sekunden später merkte ich, dass der Bodyload weiterhin zunimmt und mein Verstand den visuellen Eindrücken nicht mehr folgen kann, sodass ich die Augen schloss und mich widerstandslos hingab. Was dann folgte, wirkt im Nachhinein wie ein Traum auf mich, indes ich das Meiste schon wieder vergessen habe, was jedoch charakteristisch für die ersten DMT-Erfahrungen ist. Obwohl unglaublich viel passierte, ist das Einzige woran ich mich erinnern kann, dass ich geflogen bin, und zwar durch einen dunklen Raum, vorbei an leuchtenden, wunderschönen Sternen und Planeten. Als ich wieder zurück war, befand ich mich noch eine kurze Zeit in einem sehr angenehmen, leicht psychedelischen Zustand, der ungefähr 15 Minuten anhielt. Danach fühlte ich mich wieder weitestgehend normal und alltagstauglich.

 

 

Ort: Wohnzimmer; Dosis: ca. 40 mg + ca. 50 mg, Beschaffenheit des DMT: weißes, kristallines Pulver, Ausgangsmaterial der Extraktion: Mimosa

 

Schon morgens nach dem Aufstehen habe ich versucht mich meditativ auf die bevorstehende DMT-Reise, die ich irgendwann für den Abend angesetzt hatte, vorzubereiten. Vor allem das Gefühl des willenlosen Loslassens habe ich im Vorhinein „eingeübt“, obwohl ich im Nachhinein sagen muss, dass ich mir nicht sicher bin, ob es überhaupt etwas gibt, dass adäquat auf eine DMT-Reise vorbereiten kann, außer vielleicht Erfahrungen mit hoch dosierten Psychedelika sowie Vertrauen in die Schöpfung. Aber dennoch denke ich, dass mir diese meditative Einstimmung geholfen hat. Außerdem bat ich meine Freundin darum, mir während des Rauschs als Tripsitterin zur Verfügung zu stehen. Auf die Couch legte ich vorsorglich für den Fall, dass ich mich hinlegen will, schon mal ein Kopfkissen sowie eine kuschelige Decke. Für den Notfall, dass ich mich übergeben müsse, was aber nicht geschah, stellte ich sogar einen Eimer bereit. Zudem reinigte ich das Zimmer im Vorhinein gründlich. Für ein gutes Setting war also gesorgt. Ok, soviel zur Vorbereitung. Ich setzte mich gemütlich auf die Couch und verdampfte zunächst ca. 40 mg, wobei ich mir dachte, lieber mit einer mittleren Dosis zu beginnen und nochmal im Anschluss zu verdampfen, als gleich mit einer hohen Dosis loszulegen. Die Wirkung setzte nach wenigen Sekunden ein. Wieder erkannte ich die typischen DMT-Muster. Diesmal aber in weniger rasanter Geschwindigkeit. Auch der Bodyload war vergleichsweise weniger massiv ausgeprägt, als in der zuvor beschriebenen Erfahrung. Dann sah ich wie sich die Raumatmosphäre respektive die Raumluft in ganz viele Schichten zerlegte. Dieser Zustand hielt ca. zwei Minuten an und ich entschied, noch ein wenig mehr DMT in den Verdampfer zu geben, und diesmal ein bisschen mehr, ca. 50 mg. BOOM, die Wirkung überwältige mich binnen von Sekunden und ich konnte nicht anders, als mich direkt hinzulegen und die Augen zuschließen. Der Bodyload war heftig und ich spürte im ganzen Körper, aber vor allem im Kopf, einen massiven, jedoch nicht unangenehmen Energieschub, den ich als eine Art Druck bezeichnen würde. Und interessanterweise nicht bloß im Körper, sondern auch noch schätzungsweise einen Meter von diesem entfernt. Die visuellen Effekte und Pseudohalluzinationen waren wunderschön, veränderten sich jedoch in derart schneller Geschwindigkeit, als das ich sie im Einzelnen hätte wahrnehmen können. Die Wirkung flutete weiter an und ich merkte zum wiederholten Male, dass mein Verstand nicht mehr mitkommt und ich keine andere Möglichkeit habe, als mich der Situation einfach hinzugeben und loszulassen. BOOM zum Zweiten: Mein Bewusstsein fand sich in einem rot-schwarzen, spiralförmigen Raum wieder, den es in nicht vorstellbarer Geschwindigkeit, vielleicht war es Lichtgeschwindigkeit, durchflogen hat. Dieser Raum, durch jenen ich geflogen bzw. geschossen bin, war vom Gefühl her ein Tunnel, allerdings konnte ich auf der ganzen „Reise“ kein Ende erkennen. Jedenfalls war dieser Raum im Vergleich zu mir, meinem Bewusstsein, riesig und enthielt eine nicht zu fassende Vielzahl an, in geometrischer Perfektion angeordneter Kästchen, wobei sich in jedem einzelnen Kästchen ein magisches Symbol befand. Und zwar solche Symbole, die man etwa aus dem alten Tibet, aus Indien, von den Germanen, den Kelten oder von diversen Indianervölkern kennt. Intuitiv wusste ich, dass all diese Symbole, egal welcher geografischen Herkunft sie entstammen, auf jenen spirituellen Raum hinweisen, den ich soeben am Durchfliegen war. Dann merkte ich, dass sich am Rande dieses Raumes, dort wo sich die Symbole befanden, noch sehr viele weitere Wesen befanden und ich spürte massiv, dass sie alle telepathischen Kontakt zu mir aufnehmen wollten, was ihnen jedoch nicht gelang, denn mich schoss es weiterhin in absoluter Höchstgeschwindigkeit und jenseits jedweder Zeitvorstellung durch diesen spiralförmigen Raum, wobei ich auf meine Geschwindigkeit sowie eine ggf. stattfindende Kontaktaufnahme keinerlei Einfluss nehmen konnte. Einige der Wesen bzw. Seelen, die sich außer mir in diesem Raum befanden, konnte ich sehen, etwa in Form von Gesichtern oder vollständiger Körper, die meisten hingegen aber nur (telepathisch) erahnen. Und genauso plötzlich wie ich mich in dem beschriebenen Raum befand, war mein Bewusstsein wieder zurück im Körper. Und es fühlte sich gut an, wieder zurück zu sein und meine Freundin zu sehen, wie sie neben mir sitzt, ihre Hand auf meinem Bauch liegen hat und in sämtlichen Farbspektren ausstrahlt. Ich ließ mich wieder fallen und genoss noch einmal die letzten visuellen Effekte sowie das angenehme High, bevor ich mich nach rund dreißig Minuten wieder im Normalbewusstsein befand.

 

 

Fazit und Safer Use

Bei DMT handelt es sich um eine verdammt mächtige Substanz, die gleichermaßen auf unvorstellbare Art und Weise fasziniert, genau wie sie erschrecken kann. Wird eine DMT-Erfahrung, gleich der Art, wie sie im Einzelnen erfahren wird, ausgiebig reflektiert und in das Alltagsbewusstsein integriert, so trägt die Substanz, ein enorm großes Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung und darüber hinaus auch zur Heilung. Dass dem so ist, wussten ja schon die Schamanen der alten Kulturen, die seit Jahrtausenden erfolgreich mit dieser Substanz arbeiten. Allerdings haben diese auch gelernt mit derart starken Substanzen respektvoll und ehrfürchtig umzugehen sowie mit der spirituellen Geisterwelt adäquat zu interagieren, was man in hiesigen Breitengraden jedoch zur Gänze verlernt hat. Deshalb sollte man zur Abwendung größerer Risiken auf jeden Fall folgende Safer Use Regeln beachten, um aus einer solchen Erfahrung auch das Maximale an Positivem für sich herausziehen zu können.

 

  • Konsumiere DMT nur dann, wenn Du Dich in einer guten Gemütsverfassung befindest.
  • Wenn Du Angst hast, an Herzrhythmusstörungen oder zu hohem Blutdruck leidest, solltest Du auf jeden Fall auf den Konsum verzichten.
  • DMT ist keine Partydroge. Bewegungsstörungen sowie Kontrollverlust über den Körper sind normale Symptome.
  • Unerfahrene Psychonauten sollten auf den Konsum von DMT verzichten oder zumindest extrem vorsichtig sein. Es bietet sich an, zunächst einmal die weniger intensiven Psychedelika kennen zu lernen, bevor mit DMT experimentiert wird.
  • Ziehe für Deine DMT-Reise einen Tripsitter hinzu, der nüchtern bleibt und Deinen Rausch überwacht.
  • Konsumiere DMT nur in einer Umgebung, in der Du Dich geschützt und sicher fühlst.
  • Nimm erst einmal eine niedrige Dosis zu Dir, um ein Gefühl für die Substanz zu bekommen. Auch erstmal keinen Mischkonsum betreiben.
  • Verdampfe DMT in sitzender oder liegender Körperhaltung, nicht im Stehen.
  • Nimm Dir nach einer DMT-Erfahrung immer ausreichend Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und zu integrieren.
  • Bedenke immer, dass DMT in Deutschland dem BtMG unterliegt und jedweder Besitz sowie die Weitergabe illegal sind!
  • Wenn alles passt… gute Reise.

 

 

* Changa = Moderne, erstmalig um die Jahrtausendwende in Australien aufgetauchte Rauchmischung, die im Szenejargon auch als die „rauchbare Evolution des Ayahuasca“ bezeichnet wird. Meist handelt es sich bei Changa um eine Mischung aus DMT Kristallen und MAO-hemmenden Kräutern bzw. um Kräuter mit MAO-hemmender Wirkung, die in gelöstem DMT getränkt wurden. Trotz gewisser Ähnlich- und Vergleichbarkeiten, kann die „durchbrechende“ Wirkung von Changa weder mit gerauchter DMT-Freebase, noch mit dem traditionellen Dschungeldekokt Ayahuasca verglichen werden.

 

Literatur: RÄTSCH, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, 10. Auflage, Aarau: AT Verlag 2012 (erste Auflage 1998); TRACHSEL, Daniel: Psychedelische Chemie, 4. Auflage, Solothurn: Nachtschatten Verlag 2011 (erste Auflage 2000); TURNER, D. M.: Der psychedelische Reiseführer, 3. Auflage, Solothurn: Nachtschatten Verlag (erste Auflage 1997).

 

 

2 Antworten auf „Psychonautik & Substanzkunde

  1. ottma

    Danke für die tollen Informationen die du hier zur Verfügung stellst!
    Aber bei der Rechtslage bin ich mir nicht so sicher.
    Ich habe von einem Urteil des LG Frankenthal gehört das eine Grenze für eine nicht geringe Menge festgelegt hat.
    Demnach sind Pflanzen wie z.B. Mimosa Hostilis nicht erlaubt.
    Stimmt das mit deinen Informationen überein oder habe ich was übersehen??
    Ich würde mich über eine schnelle Antwort freuen

    Beste Grüße
    ottma

  2. Yasin

    seit dem ich weiß, dass es DMT gibt möchte ich es gerne selber herstellen und probieren. Gibt es irgendwie eine Möglichkeit dafür ein Rezept zu bekommen wie man es aus diesem rohrglanzgras extrahieren kann? Danke für jede Hilfe wenn es klappt.

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