Sonntag, 1. Juni 2014

König Fußball und der Drogenkrieg

Brasiliens Quittung für die verfehlte Drogenpolitik kommt rechtzeitig zur WM

 

Foto: Su
Foto: Su

 

 

Als Brasilien im vergangenen Jahr unter Einsatz von Spezialeinheiten der Polizei und dem Militär den Drogenkrieg in den Favelas zum Eskalieren brachte und unzählige Elendsviertel „säuberte“, haben kritische Stimmen bereits vor den Konsequenzen gewarnt. Die folgten dann postwendend in Form der ersten Unruhen im ganzen Land, auf die die brasilianische Regierung 2013 zunehmend ungehaltener reagierte, je länger diese andauerten. Das Volk wurde dann fürs Erste mit leeren Versprechungen befriedet, bis wieder ein unschuldiges Opfer des Drogenkriegs zu beklagen war. Als der Tänzer Favela Douglas Pereira im April von der Polizei erschossen wurde, rechtfertigten die Beamten die Tat mit angeblichen Verstrickungen des prominenten Opfers in den Drogenhandel. Der haltlosen Anschuldigungen überdrüssig fing das Volk, auch an anderen sozialen Brennpunkten, wieder an aufzubegehren und so erlebte Rio im April die zweite Protestwelle als direkte Folge einer kompromisslos-repressiven Drogenpolitik. Die Medien in der westlichen Welt nehmen diesen direkten Zusammenhang nur selten wahr, die korrupte Polizei wird in Medienberichten oft als notwendiges Übel eines Schwellenlandes verkauft. Kein Wort darüber, dass auch bestechliche oder gewalttätige Beamte eine Folge des „War On Drugs“ sind.

 

Selbstverständlich geht es bei den Unruhen in Brasilien nicht primär um eine bessere Drogenpolitik, jedoch oft um die Rolle der Polizei in de Favelas, die wiederum eine Folge drogenpolitischer Maßnahmen ist. Die Einwohner Rios scheinen sich dieser Zusammenhänge sehr wohl bewusst zu sein, wie sonst wäre es zu erklären, dass am 3. Mai zum Global Marijuana March unter dem Zuckerhut über 100.000 Menschen erschienen sind, um friedlich für eine Neuorientierung der Drogenpolitik zu demonstrieren? Diese Großdemonstration im Zeichen des Hanfblatts ist hierzulande auch kaum eine Meldung wert, passt es doch so gar nicht zum Outlaw-Image Hanf-Konsumierender und schon gar nicht ins direkte Vorfeld zur Fußball-WM. Uns erreichen hier nur Bilder von brennenden Barrikaden. In den Kommentaren dazu fehlen selten die Begriffe „Drogenhändler“ und „Drogengang“. Hintergrundberichte, die sich um die neue, heile Favela-Welt drehen, gibt es höchstens aus so genannten „befriedeten“ Vierteln, in die sich mittlerweile auch Tennissocken tragende Touristen und Europäische Journalisten trauen können. Doch die mit massiver Polizeipräsenz ruhig gestellten Kommunen stellen eine kleine Minderheit dar, in den meisten Favelas wird noch immer scharf geschossen, und das nicht nur wegen Koks und Co, sondern auch aufgrund von Cannabis. Bedenkt man dann noch, dass die UPP-Einheiten kurz nach der WM aus vielen Vierteln abgezogen werden sollen, weil man sich diese Art der Befriedung und die ganze WM eigentlich gar nicht leisten kann, wird eines klar: Die Besetzung der Favelas im vergangenen Jahr war von Anfang an eine kosmetische Maßnahme, die nie dazu dienen sollte, das eigentliche Übel an der Wurzel zu bekämpfen. Vielmehr wollte Brasilien der Welt mit Gewalt ein Bild einer sauberen, intakten Millionenmetropole vermitteln. Das ist bis auf Weiteres schief gegangen, ob die Regierung die bereits angekündigten Proteste zur WM zulässt oder die Demokratie zugunsten von König Fußball ein paar Wochen pausieren muss, können wir dann im Fernsehen sehen. Oder eben auch nicht.

 

Jeder Favela ihren Coffeeshop

 

Hätte sich die Regierung Brasiliens 2013 doch lieber mal für die Einrichtung von Cannabis Social Clubs mit Touristen-Abteilung oder gar Coffeeshops in den Favelas eingesetzt. Das wäre zwar sicher nicht die Lösung aller Probleme, gäbe aber den zahlreichen Hanfkonsumenten dort endlich die Möglichkeit, von den Sondereinheiten nicht mit den wirklich bösen Buben in einen Topf geworfen zu werden. Außerdem wäre es eine prima Einnahmequelle, von der nicht nur die FIFA oder große Sponsoren profitierten. Schließlich sind bekiffte Fußballfans viel friedlicher als betrunkene. Das hat die EM 2004 in Portugal bewiesen, wo vor den Spielen ein 24-stündiges Alkoholverbot herrschte. Damals wurde die Polizei angewiesen, beim Cannabiskonsum im und um das Stadion nicht einzuschreiten. So ging EM 2004 als die friedlichste der letzten Jahre in die Fußball-Historie ein.

6 Antworten auf „König Fußball und der Drogenkrieg

  1. Jack

    Es ist einfach für uns unverständlich warum Brasilien an der Idee mit der WM festhält. Klar auf der einen Seite stehen die Einnahmen durch Touristik und man versucht in der Zeit Werbung für das Land zu machen aber zu welchem Preis geschieht das? Ich mache mir da schon eher Sorgen darum, das es im Rahmen der WM zu Anschlägen oder sonstigen aggressiven Gegenmaßnahmen kommt bei denen es zu vielen unschuldigen Opfern innerhalb der Bevölkerung oder den zugereisten Fußballfans kommt.

  2. papa

    Sind wir doch mal ehrlich., die Aktionen der Polizei kostet doch die die an dem Handel mit Cannabis verantwortlich sind doch keinen Pfennig, denn wenn deren Polizisen für imaginäre Ruhegesorgt haben und vor der Welt als durchgreifendes Organ dastehen können die Funktionäre der Drogenprohibition wieder mit Ihrer Ware gutes Geld verdienen.
    Wem schadets schon ist ja nur der kleine Kiffer.
    Mal ehrlich solange kein Kiffer hin steht und mal ein echtes Zeichen sendet wird sich nichts tun.

  3. papa

    Hab was vergessen, wieviel beschweren sich wegen dem Verbot von Cannabis und wieviel haben bei der letzten Petition unterzeichnet. Ich hab gezeichnet mit Namen und Adresse. Machtveuch mal nen Kopf was Ihr wollt. Alle denen ich gesagt habe sie sollen unterzeichnen sagten „Ich hab Schiss vor der Polizei.“
    Also habt weiterhin schiss Ihr Schisser

  4. Ralf

    Du hast 100% recht, die meisten Cannabiskonsumenten sind erbärmliche Hasenfüße und man kann sich nur für diese feige Bande schämen.Und je mehr sie in diesem kranken spießigen Gesellschaftssysten integriert sind desto schlimmer ist es. Irgendwie haben sie es garnicht anders verdient, als das sie von verschiedensten Pseudolegalisierern und Parteien permanent verarscht werden, und für ihr Cannabis sollten diese Heuchler Preise zahlen daß ihnen der Arsch blutet.

  5. Sniebelow

    Brillante Idee mit dem Alkoholverbot. Trotzdem schlimm, dass es so weit kommen muss.

  6. Ralf

    Die zu gereisten Bonzenzuschauer die dieses traurige Spiel mit ihrer Kohle unterstützen und dafür sorgen dass einfache Brasilianer wegen überhöhter Preise gar nicht mehr in die Stadien kommen, haben es nicht anders verdient. Mir täte kein einziger dieser Pisser leid. Sie sind die Ursache der Probleme der ärmsten in diesem Lande (Deutschland hat gerade seine Waffenverkäufe in die Welt um 25% steigern können und ihr könnt mir glauben, diese dreckigen Geschäftemacher mit ihren Beteiligungen an Hedgefonds bilden einen Großteil der zahlenden Zuschauer), haben ihnen ihre korrupten Mörderbullen in die Favelas geschickt und merken dann wenigstens einmal in ihrem Leben wie es ist permanent von Gewalt und Vertreibung bedroht zu sein. Es ist also nur so dass ihre eigenen Machensc haften ein einziges mal auf sie selbst zurückfallen.

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