Freitag, 11. April 2014

Interview mit Richie Spice

Die Karriere des in St. Andrew, Jamaika, geborenen Richell Bonner begann Ende der 1990er Jahre. Songs wie ‚Earth A Run Red‘, ‚Youth Dem Cold‘ oder ‚The Plane Land‘ machten ihn international bekannt und bescherten ihm Fans auf der ganzen Welt. Richie Spice wurde nicht über Nacht zum Star, sondern musste sich seinen Erfolg hart erarbeiten. Er beugte sich nicht dem Hype und folgte nicht den oberflächlichen Trends des Dancehall, sondern setzte auf Inhalte und authentische Reggae Riddims. Dabei blieb er stets positiv und beschritt, durch seinen Glauben gestärkt, unbeirrbar seinen Weg. Dieser führt ihm bis heute auf die Bühnen der größten Reggae Shows der Welt und beweist wieder mal, dass nur eine gute Substanz auf Dauer Bestand hat.

Richie Spice

Foto: Janika/Hanf Journal

 

Du kommst aus einer musikalischen Familie. Deine Brüder, darunter dein Bruder Everton aka Pliers, der zusammen mit Chacka Demus berühmt wurde, sind ebenfalls Artists. Wie war es für dich, in solch einer Familie aufzuwachsen bzw. dich durchzusetzen?

Nichts kommt einem einfach so zugeflogen. Pliers war vor mir im Geschäft, genau wie mein Bruder Spanner Banner. Um mich in dieser Situation durchzusetzen, musste ich wirklich mit etwas besonderem auf mich aufmerksam machen. 1998/99 kam meine erste Single ‚Killing A Sound‘ heraus, die von Dennis ‚Star‘ Hayes produziert wurde. Danach habe ich angefangen mit dem Produzenten Clive Hunt zusammen zu arbeiten und Songs für mein späteres Album aufgenommen. Einige Songs von meinem Album ‚Universal‘ erhielten ziemlich viel Aufmerksamkeit. So hat meine Karriere begonnen.

Wer ist Richie Spice und für das steht das ‚Spice‘ in deinem Namen?

Spice steht für die Vielfalt des Lebens. Richie Spice ist ein schwarzer Youth mit afrikanischen Wurzeln, der in Jamaika aufgewachsen ist und für Truth and Rights einsteht. Der für die Entwicklung und den Aufstieg der Youths und für eine bessere Welt kämpft. Es geht mir um Gerechtigkeit und um Einheit, denn nur so können wir einer besseren Zukunft entgegen blicken.

2004 hat 5th Element das Management für dich übernommen. Was hat sich dadurch für dich geändert?

Meine Karriere wurde durch 5ht Element enorm vorangetrieben. Sie haben mein Management und die Promotion für meine Musik übernommen und dafür gesorgt, dass meine Songs, besonders der Song ‚Earth A Run Red‘, überall im Radio liefen. Außerdem habe ich die Möglichkeit erhalten Musikvideos zu drehen. Als Artist kann ich zwar auftreten, um meine Musik den Leuten näher zu bringen, aber ich kann nun mal nicht alles allein machen und brauche jemanden, der mich unterstützt. Durch 5th Element habe ich es geschafft mir auch international einen Namen zu machen. Es war ein gutes Gefühl jemanden zu haben, der mich als Künstler unterstützt und mir dabei hilft bekannt zu werden.

Du hast mehre nationale und internationale Touren hinter dir und bist viel rumgekommen. Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen der Reggae Szene auf Jamaika und Europa?

Nun, die Europäer akzeptieren Reggae Musik auf die gleiche Weise wie die Menschen auf Jamaika. Überall auf der Welt gibt es Reggae Fans, welche die Musik lieben. Jamaika ist quasi eine Reggae-Fabrik. Dort hat alles angefangen und dort werden immer noch Standards gesetzt, aber es gibt inzwischen auch bekannte Reggae Musiker in anderen Ländern. Dies ist eine tolle Entwicklung, da es letztendlich immer um die Liebe zur Musik geht, denn dadurch werden Länder und Kulturen verbunden.

Ich bin dankbar dafür, die Gelegenheit zu haben die Welt zu bereisen und dankbar dafür, dass es Leute auf der ganzen Welt gibt, die Reggae Musik unterstützen und vorantreiben und große Festivals wie das Rototom ermöglichen. Als ich das letzte Mal auf dem Rototom aufgetreten bin, fand das Festival noch in Italien statt. Inzwischen wird das Festival in Spanien veranstaltet und ist seitdem um einiges größer geworden. Es ist schön Events wachsen zu sehen und Teil des Ganzen sein zu dürfen.

Was hat dich dazu bewogen Songs wie ‚Marihuana‘ oder ‚High Grade‘ zu schreiben?

Ich bin ein Mann, der an die Entwicklung der Umwelt glaubt und ich glaube an die Natur. Für den Menschen ist es wichtig, Pflanzen anzubauen und ihre Früchte zu ernten. The herbs are the healing of the nation. Pflanzen können den Menschen heilen und viel Gutes tun. Daher kam meine Inspiration.

Was sind deine Erfahrungen als jemand, der sich für den legalen Gebrauch von Marihuana einsetzt?

Es ist sicherlich kein einfacher Weg, sich für die Akzeptanz von Marihuana einzusetzen, da uns noch immer viele Steine im Weg liegen, doch ich denke, die Dinge wenden sich langsam zum Guten. Ich bin schon an vielen Orten gewesen, an denen die Leute begriffen haben, dass Hanf nicht nur zum Rauchen da ist, sondern, dass man mit der Pflanze eine Vielzahl von Dingen machen kann, die unseren Alltag erleichtern können. Im Endeffekt handelt es sich doch nur um eine einfache Pflanze, die auf natürliche Weise auf unserem Planeten wächst.

Es gibt eine Vielzahl von jungen Künstlern, die neu ins Musikgeschäft einsteigen und deren Musik von Negativität geprägt ist. Woran liegt das?

Das Leben ist voller Versuchungen. Auch wenn man versucht ein guter Mensch zu sein, kann es dennoch passieren, dass man auf die schiefe Bahn gerät. Einige können diesen Versuchungen widerstehen, andere hingegen haben dazu nicht die Kraft. Deshalb sage ich immer, dass es wichtig ist auf Gott zu vertrauen und dir von ihm den richtigen Weg zeigen zu lassen. Deshalb machen ich Reggae, um ein guter Mensch zu sein und um meine positive Botschaft zu verbreiten.

 

Der Titel deines Albums „Book Of Job“ ist an die Bibel angelehnt. Warum hast du diesen Titel gewählt?

In der Überlieferung wurde Job in seinem Leben auf eine harte Probe gestellt und ist trotzdem nicht vom rechten Weg abgekommen. Ich habe diesen Titel auf Grund der Hindernisse und Widrigkeiten, die mir in meinem Leben widerfahren sind gewählt. Wie jeder Sänger und Musiker, der in der Szene noch unbekannt ist, hatte ich am Anfang sehr zu kämpfen. Ich bin auf kleineren Shows aufgetreten und habe versucht meine Songs bekannt zu machen. Ich musste mir meinen Erfolg hart erarbeiten. Mein Song ‚Earth A Run Red‘ ist heute ein Hit und überall bekannt, doch es hat ganze sieben Jahre gedauert, bis ein größeres Publikum auf den Track aufmerksam wurde. Doch am Ende hat sich meine Beharrlichkeit ausgezahlt und wurde mit Erfolg belohnt.

Überall hört man momentan von einem Reggae Revival, das Jamaika und die internationale Szene erfasst hat. Wie empfindest du diese Entwicklung?

Reggae Musik war immer da. Auf Jamaika hatte sie nie wirklich an Bedeutung verloren. Auf Jamaika kennt jedes Kind die Pioniere und die großen Namen des Reggaes. So gut wie alle Artists, die heutzutage erfolgreich im Geschäft sind, haben ihre Prägung und ihre Inspiration von diesen Größen erhalten. Momentan gibt es einige viel versprechende junge Künstler, die gute Musik machen. Dadurch wird die Musik wieder für eine breitere Masse interessant. Wir sollten dankbar sein, dass sich die junge Generation so für Reggae interessiert. Viele Youths schaffen es durch die Musik ihr Leben zu verbessern und finden durch Reggae ihren Platz im Leben und ihre Bestimmung.

Momentan bist du auf Tour, um unter anderem dein neustes Album zu promoten. Was kannst du uns über die Scheibe erzählen?

Das Album heißt ‚Soothing Sounds‘ und ist ein reines Akustikalbum mit 15 Tracks. Ich habe das Album selbst produziert und es wird von Tad’s International vertrieben. Nach all den Jahren habe ich mich dazu entschieden ein reines Akustikalbum aufzunehmen, um meine Lieder den Zuhörern auf eine andere Weise näher zu bringen. Die Lyrics sind in den Akustiksongs besser zu verstehen und ich kann mehr von meiner Persönlichkeit in die Lieder einfließen lassen. Dies war mir wichtig, denn viele der Songs liegen mir sehr am Herzen.

Vielen Dank für das Interview.

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