Dienstag, 4. März 2014

Patrice im Interview

„Ich bin für alles, was gut ist für den Menschen.“

Fotocredit: Christian Gaul;
Fotocredit: Christian Gaul;

 

Patrice ist in der Kölner Hip Hop Szene groß geworden und unternahm dort seiner ersten musikalischen Gehversuche. Nach und nach gewann allerdings Reggae die Oberhand und bestimmt seine späteren Lieder. Inzwischen fühlt sich Patrice auch auf Jamaika zu Hause und sing teilweise jamaikanisches Patois. Dabei fließen auch Elemente aus Jazz, Soul und der Kultur Sierra Leones, wo Patrice‘ Wurzeln liegen, in seine Songs mit ein. Sein neuestes Album ‚The Rising Of The Son‘ ist Mitte letzten Jahres erschienen und knüpft thematisch an Patrices erste Albumveröffentlichung an. Eine Entscheidung, die er durchaus bewusst getroffen hat.

 

Dein erste Album ‚Ancient Spirit‘ erschien im Jahr 2000. Dein neustes Album ‚Rising Of The Son‘ ist letztes Jahr erschienen. In beiden Alben setzt du dich mit dem Thema Wiedergeburt auseinander. Was hat dich dazu gebracht dieses Thema wieder aufzugreifen?

Als Künstler gehe ich mit dem Geist der Zeit in dem Sinne, dass ich fühle wo die Reise hingehen soll und dabei setze ich mich mit Themen auseinander, die bei mir aktuell sind und die mich beschäftigen. Es hat sich angefühlt als sei nun die Zeit einer ‚Neugeburt‘, also der Beginn von etwas Neuem gekommen. Bei mir ging eine Lebensphase zu Ende und es war die Zeit der Wiederauferstehung. All das habe ich in meinen Liedern verarbeitet, Ich wollte mich neu erfinden und die damit verbundene Leichtigkeit nach außen tragen. Ich bin an dem Tag geboren an dem mein Großvater gestorben ist. Daher auch mein zweiter Name Babatunde. Dadurch ist Wiedergeburt ein Thema, dass sich von Anfang an durch mein Leben zieht.  Letztendlich finden wir dieses Muster überall in der Natur wieder. Lebewesen oder Dinge zersetzen sich und kehren in anderer Gestalt zurück. Nichts verschwindet sondern formiert sich stetig neu. ‚The Rising Of The Son‘ steht für diesen Prozess.

 

Wiedergeburt bedeutet auch etwas zu wiederholen was schon mal da gewesen ist. Spürst du auf Grund deiner Lebensgeschichte eine besondere Verantwortung, etwas aus der Vergangenheit weiterzutragen?

Ich finde es ist bei allen und besonders in der Kunst wichtig eine Referenz zu Früher zu haben. Bestimmte zeitlose Elemente und Aspekte, die in der Kultur verwurzelt sind, sollte man erhalten, sie aber gleichzeitig in die Neuzeit tragen und auf moderne Art interpretieren. Ich versuche diese zeitlosen Elemente zu finden und in meiner Musik zu verarbeiten.

 

Wie hat sich dein Schaffen über die Jahre verändert?

Ich produziere jetzt wesentlich mehr als früher und habe umfangreiche Erfahrung darin gesammelt, mit anderen Künstlern zu arbeiten. Das hat mir auch viel für meine eigene Arbeit gebracht. Ich konnte mich dadurch von außen betrachten und anderes über meine Musik reflektieren. Ich liebe die alte Aufnahmetechnik. Ich habe ein analoges Studio und nehme mit Bändern auf, das unterscheidet mich von den meisten und macht meine Musik besonders. Mit meinen eigenen Stücken habe ich versucht musikalisch einen neuen Stil zu definieren. Ich habe ihn ‚Sweggea‘ genannt weil ich es irgendwann Leid war ständig beschreiben zu müssen was genau ich machen. Ich dachte ein neuer Begriff würde mir da raus helfen, doch nun muss ich dauern diesen Begriff erklären… Sweggae ist einfach Reggae mit ‚Swag‘. (lacht)

 

Wie bist du dazu gekommen mehr zu produzieren?

Ich bin über meine eigene musikalische Arbeit dazu gekommen. Schon während der Entstehung des ersten Albums habe ich Beats gebaut. Matthias Arfmann, mein erster Produzent und Mentor, hat mich darin bestärkt. Mittlerweile habe ich genug gelernt, dass ich mich im Stande fühle auch andere zu produzieren. Zum Beispiel habe ich mit Rox aus England zusammen gearbeitet, die auch schon relativ bekannt ist. Die Single, die ich für sie produziert habe heißt ‚Kyptonite‘.

Ansonsten wird man in Zukunft auch sicherlich einiges von Nora hören, die mich auf meiner letzten Tour begleitet hat. Ich arbeite zudem noch mit Künstlern wie Y’akoto. Es wird viel passieren. In nächster Zeit wird man einiges von diesen neuen Talenten hören.

 

Im Zuge des Albums ist ein Kurzfilm entstanden, wovon handelt dieser?

Es war am Anfang eigentlich nur eine fixe Idee. Ich hatte Lust einen Film zu machen. Wir haben im Zuge dessen mit verschiedenen jungen Menschen aus Sierra Leone zusammen gearbeitet, die Mode entwerfen. Sie designen Schuhe und Kleidung und haben Kooperationen mit verschiedenen Kaufhäusern in Paris. Dadurch finanzieren sie sich ihre Ausbildung oder andere Sachen. Diese Menschen haben faszinierende Charaktere und fesselnde Geschichten. Daher wollte ich mit ihnen einen Film drehen. Die Geschichte ist Fiktion. Es geht um Angst, um Liebe und Wiederauferstehung. Auf einer anderen Ebene behandelt der Film also ähnliche Themen wie das Album. Der Film trägt auch den Titel ‚The Rising Of The Son‘ und soll zu den Festivals dieses Jahr erscheinen.

 

2008 hast du in Berlin ein Konzert gespielt, vor Obamas Rede am Brandenburger Tor. Hatte diese Show für dich eine besondere Bedeutung?

Zu der Zeit war Obama der Hoffnungsträger überhaupt und die ganze Welt hat auf seine Rede geschaut. Auch ich fand es toll, dass dort jemand ist, der mir ähnlich sieht und Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte. In der Hinsicht war es eine gute Erfahrung. Abgesehen davon waren 200.000 Leute da. Vor so vielen Leuten zu spielen und danach Obama zu treffen, war ein unvergessliches Ereignis. Ich bin allerdings nicht politisch, ich bin nicht für oder gegen Obama, ich bin einfach nur Musiker. Der einzige Politiker für den ich nochmal akzeptiert habe zu spielen war Nelson Mandela zu seinem 95. Geburtstag, doch dazu kam es leider nie. Ich hatte mich sehr gefreut, weil es eine große Ehre gewesen wäre.

 

Die Legalisierung von Marihuana ist während Obamas Amtszeit um einiges voran geschritten. Denkst du, dass Marihuana unter Vorgabe strenger Jugendschutzrichtlinien legalisiert werden sollte?

Ich bin für alles was gut ist für den Menschen. Ich sehe kein Problem darin Marihuana zu legalisieren. Es ist immerhin auch mal legal gewesen. Früher war es normal Marihuana zu konsumieren und aus der Pflanze eine Vielzahl von Produkten herzustellen. Die Pflanze hat ein unglaubliches Potenzial und ich denke, dass es jedem selbst überlassen sein sollte wie er dieses Nutzt und wofür er die Pflanze gebraucht. Marihuana ist nicht gefährlicher als andere Sachen. Manchen bekommt es und anderen eben nicht. Diejenigen sollten es dann eben lassen, aber ein generelles Verbot macht keinen Sinn.

 

Wie wird es in nächster Zeit für dich weiter gehen?

Ich werde weiter auf Tour gehen. Nach Deutschland 2013 kommen jetzt Frankreich, Australien und viele weitere Länder. Ich werde auch weiterhin andere Künstler produzieren, um neue Talente zu fördern. Ich suche nach neuen Herausforderungen, um mich kreativ auszuleben. Produzieren wird auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil meines Schaffens bleiben. Vor einer Weile habe Cee-Lo Green und auch Selah Sue, die in Belgien und Frankreich dreifach Platin erhalten hat, produziert. Danach kamen unheimlich viele Anfragen von weiteren Künstlern. Produzieren kann ich von so ziemlich überall. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann mal auf einer Farm im Grünen sitze und von dort aus arbeite. Es macht mir extrem Spaß Potenzial in Menschen zu entdecken und es zu fördern. Ich habe einen Kulturauftrag. Heute haben alle tausende Songs auf ihrem MP3-Player, das wirkt sich negativ auf den Wert von Musik aus. Alles ist schnelllebig und es rentiert sich nicht mehr teuer zu produzieren. Daher ist es wichtig hin und wieder ‚wertige‘ Musik in das ganze zu geben, um den Gesamtwert wieder zu steigern. Darin sehe ich meine Aufgabe und damit werde ich auch in Zukunft weiter machen.

Vielen Dank für das Interview.

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