Montag, 10. Februar 2014

Fit bis ins hohe Alter

Der Monkey ist nicht tot zu kriegen

25 Unbekannte unter 600 Watt
25 Unbekannte unter 600 Watt

Schon vor der Erfindung des ersten Indoor-Zeltes, der Homebox von Eastside-Impex, gab es einen Growschrank „Made in Germany“, der genau auf die Bedürfnisse für einen kleinen Grow in den eigenen vier Wänden konzipiert war: Der „Monkey“ von Growtec ist ein unauffälliger Schrank, der Anfang des Millenniums für die unauffällige Zucht von Hanfblüten@home entwickelt wurde. Damals war der Monkey die ultimative Anschaffung, denn niemals zuvor gab es ein Plug&Play SetUp, mit dem man ohne großartige handwerkliche Vorarbeiten einfach anfangen konnte zu growen. Die meisten Monkeys haben ihren Platz mittlerweile gegen neuere und/oder günstigere Systeme eingetauscht, aber einige dieser Schränke aus Pionierzeiten haben bis heute überlebt und versorgen ihre Besitzer auch 2014 noch mit leckersten Blüten.

 

Eine dieser ein Jahrzehnt alten Boxen steht seit ein paar Monaten wieder in Jochens Schlafzimmer, nachdem sie einen vierjährigen Winterschlaf im Keller verbracht hatte. Jochen hatte sich auf andere Grow-Projekte verlegt und so war das gute Stück eine Zeit lang überflüssig, doch seine Zeit sollte kurz vor Weihnachten 2013 wiederkommen.

Der Monkey wurde Angang des Jahrtausends ab Werk gegen Aufpreis auf individuelle Kundenwünsche abgestimmt und als damals schon erfahrener Grower hatte sich Jochen eine „HighEnd-Version“ zusammengestellt. Die 600 Watt Lampe steckt in einem Cooltube mit Adjust-a-Wings Reflektor und sowohl Schrank als auch die gesamte Elektronik sind mit Styroporplatten zur Schalldämmung verkleidet. Der Monkey verfügt über drei in einer schallgedämmten Box eingebauten RVK-Lüfter, einen für die Abluft, einen für die Zuluft und einen Extra-Kühlkreislauf für den Cooltube. So etwas würde heute keiner mehr bauen, weil es einfach zu aufwendig und zu teuer wäre, die meisten Boxen dieser Größe haben lediglich einen Luftkreislauf, an den Filter und Cooltube angeschlossen werde, während die Zuluft passiv zugeführt wird. Doch gerade deshalb ist der Monkey in Sachen Temperatur und Raumklima bis heute unerreicht. Der Schaltkasten des Monkey verfügt über einen Fi-Schütz/Time cut out/Takter für die Pumpe des NFT (NährFilmTechnik)-Tisches, auf dem die Pflanzen stehen. Unter dem Growmaxx-Tisch steht ein 90-Liter Nährstofftank, in dem ein Permanent-Messgerät zur Kontrolle von Ec-, pH-Wert und der Temperatur der Nährlösung steht.

Leise trotz dreier Lüfter
Leise trotz dreier Lüfter

Als ich Jochen Schlafzimmer betrete, bemerke ich, dass der alte Affe bemerkenswert leise arbeitet, trotz der drei Lüfter brummt er nicht lauter als eine Homebox gleicher Größe mit Flüsterlüfter. Jochen klappt die Tür auf und vor meinen Augen geht die Sonne auf, denn dort stehen ungefähr 25 prächtige Ladys in voller Blüte. Bei meiner Frage nach der Sorte zuckt Jochen mit den Schultern, denn sein Kollege, von dem die Stecklinge stammen, hätte beim Etikettieren Mist gebaut, drauf gestanden habe White Widdow. Ich muss Jochen zustimmen, wie White Widdow sehen die fast ein wenig zu groß gewachsenen Damen nicht gerade aus, dafür sind die Blätter zu lang und zu dünn. Egal, die Hanfdamen sehen auf jeden Fall prima aus und verströmen ein sehr starkes, Indica lastiges Aroma.

Jochen erzählt, sie stünden jetzt schon gute sechs Wochen in der Blüte, aber die drei Wochen Wachstumszeit in der vegetativen Phase waren definitiv zu viel. „An den Pflanzen sollte ja schon ein wenig dran hängen, deshalb habe ich gewartet, bis sie gute 40 Zentimeter groß waren, bevor ich den Lichtrhythmus auf 12/12 umgestellt habe. Ich habe jetzt auch ein Problem mit der Standfestigkeit, da die Damen auf 7×7 Steinwollwürfeln stehen und ich keinerlei Stützen anbringen kann. Weil der Schrank aber aufgrund des explosionsartigen Wachstums ziemlich voll ist, stützen sie sich ganz gut gegenseitig. Die „Super Lemon Haze“, die ich zuvor hatte, hat nur zwei Wochen bei 18 Stunden Licht benötigt, um so groß zu werden. Aber die Pseudo-„White Widdow“ ist nach der Umstellung extrem in die Höhe geschossen, so dass ich trotz Cooltube jetzt Probleme mit der Höhe bekommen habe. Leider kann ich in dem alten Schrank kein Netz zum Biegen der Köpfe anbringen, weil die das Styropor der Innenverkleidung das nicht aushalten würde. Ich habe einige Pflanzen ganz vorsichtig knicken müssen, um ein Verbrennen der Topbuds zu vermeiden. Beim nächsten Mal nehme ich auf jeden Fall eine andere Sorte, zur Not besorge ich mir Samen. Aber das Knicken ist ihnen ganz gut bekommen, ich habe es in der vierten Woche vorsichtig und peu a peu nach der FIM (Fuck i missed) Methode gemacht. Die Stiele haben an der Stelle eine dicke Stelle ausgebildet und den Buds scheint es nicht geschadet zu haben. Aber die Sorte bräuchte auch viel mehr Platz, ich halte sie einfach nicht Monkey-geeignet. Früher hatte ich immer „Chronic“ stehen, mit denen hatte ich nie Höhenprobleme, die gibt es jetzt aber leider in meinen Kreisen nicht mehr.“

Nachdem ich mich vom guten Zustand der oberen Etage des Schranks überzeugt habe, schließt Jochen die Tür und öffnet die untere, hinter der sich die Nährstoffversorgung für den NFT-Tisch darüber befindet. Ich entdecke das komplette Hous&Garden Düngerprogramm und sehe, dass pH- und Ec-Wert heute auch ohne Jochens Zutun gut eingependelt sind. Angefangen habe er mit purem Leitungswasser mit ein wenig Wurzelstimulator, das leider in seiner Gegend etwas zu hart sei. Für den nächsten Durchgang spielt unser Hobbygärtner mit dem Gedanken, sich eine Osmoseanlage anzuschaffen und so die Bedingungen für den Hydro-Grow zu optimieren. Die Bewässerung läuft während der Lichtphase durchgehend, während der Dunkelphase läuft sie 15 Minuten pro Stunde. Jochen ist sehr sauber und sehr genau bei der Pflege seiner Liebsten und hatte sich deshalb umso mehr geärgert, dass er beim Erhalt seiner „Steckis“ ein paar Spinnmilben entdeckt hat. Deshalb platzierte er in der vegetativen Phase noch einen Luftbefeuchter in die Box und erhöhte die Luftfeuchtigkeit ein paar Tage, um ein Spinnmilben feindliches Klima zu schaffen. Spinnmilben mögen trockene Luft, feuchte behagt ihnen nicht so sehr. Aber auch das reicht nicht immer, am besten ist Sauberkeit und Ordnung, dann passiert so etwas nicht. Jochen hat die Viecher so restlos wegbekommen, bei meinem Besuch konnte ich nicht ein einziges Krabbeltierchen oder gar Fraßspuren entdecken.“

Der Ertrag ist dem illegalisierten Hanfbauern eigentlich egal, Hauptsache es reicht bis zur nächsten Ernte. Er kiffe ja auch nicht so viel und selbst wenn es nur 100 Gramm würden, sei das okay. Aber wie es aussieht, werden das unter dem 600 Watt Brenner schon ein paar Gramm mehr. Verkaufen will er nicht ein einziges Gramm, selbst wenn es zu viel wird, hat sich Jochen vorgenommen, nicht nur aus den Resten, sondern auch aus den kleineren Blüten Hasch zu machen. Viele Lesende sagen jetzt vielleicht, das sei Verschwendung, aber Jochen will aus Prinzip nie (wieder) verkaufen oder weggeben. Einige seiner Freunde oder die Eltern sollen auch gar nicht wissen, dass er anbaut, aber den Feierabendjoint will er deshalb auch nicht heimlich genießen. Familie und den meisten Bekannten erzählt er, kaufe es teuer beim Dealer. Damit keiner blöd fragt: ‚Ey, kann ich die Box mal sehen?‘

Geerntet wird immer per Hand, ich habe Jochen vor Jahren einmal bei der Arbeit gesehen, Edward mit den Scherenhänden ist im Vergleich zu Jochen ein blutiger Anfänger.

Getrocknet wird dann ein paar Tage im Monkey. Die beschnittenen Pflanzen werden bei ausgeschaltetem Licht und angeschalteter Lüftung kopfüber aufgehangen, nach ein paar Tagen plant er, sofort wieder neue Pflanzen nachstellen. Die Ernte trocknet dann in einer halb geöffneten Tupperbox weiter, bis das Weed so ist, wie das was wir gerade zum Abschied meines Besuchs genießen. Undefinierbar, Sativa lastig und sehr lecker, aber nicht zu stark.

Ich bedanke mich bei Jochen für den kurzen aber durchaus tiefen Einblick in sein Schlafzimmer und lasse ihn in Ruhe arbeiten. Schließlich wollte er heute das Wasser im Nährstofftank wechseln, denn bald ist Erntezeit…

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