Donnerstag, 14. November 2013

Jede Woche Ernte

Bountys Permanentkultur

Autor: Kimo

Bounty´s kleine Indoor-Anlage
Bounty´s kleine Indoor-Anlage

Bereits vor zwei Jahren haben wir Euch Bounty und Dr. Green Thumb vorgestellt, die seit vielen Jahren Outdoor in einer deutschen Großstadt growen (siehe auch Hanf Journal 12/2010: Harzan und Jane im Großstadtdschungel) Bounty kümmert sich dabei vornehmlich um die Stecklinge und so hat es sich ergeben, dass unser Pflanzenfreund auch Indoor eine kleine Anlage betreibt. Schließlich wirft eine gute Mutterpflanze ja viel mehr Stecklinge ab, als man für eine Outdoorsaison braucht.

Also habe ich mich wieder auf den Weg zu Bounty gemacht, diesmal jedoch um seine gärtnerischen Fähigkeiten unter Kunstlicht zu bewundern. Doch bevor es Richtung Küchenschrank geht, in dem Mutter- und Blühkammer gut getarnt untergebracht sind, empfängt mich mein Gastgeber im Wohnzimmer und baut eine fette Tüte Ice-Hasch mit Weed, damit’s besser brennt. Das gute Grandflora von der Outdoor-Ernte 2011 :-). Nach drei, vier tiefen Zügen sind wir auch schon in die Materie vertieft, soll heißen Bounty fängt langsam an, aufzutauen, indem er mir die Basics seines Indoorgrows beschreibt.

„Zurzeit benutze ich In-sowie Outdoor die gleiche Sorte: Skyflight von SwissSeeds. Die wird schön früh fertig, hat gute Erträge und schmeckt echt lecker. Dazu aber dann später. Zuerst möchte ich Dir mein Set-Up zeigen“.

Mit einer kurzen Handbewegung bittet er mich in Richtung Küche, wo er vor einer Art integriertem Besenschrank stehen bleibt. Ich höre lediglich ein ganz leises Summen, das auch vom Kühlschrank oder der Dunstabzugshaube stammen könnte und suche vergeblich nach einem Anzeichen, welches in diesem Raum auf einen Grow hindeutet. Als Bounty dann eine versteckte Hintertür in der Besenkammer öffnet, taucht ein kleiner, hell erleuchteter Raum von 2 x 1,5 x 3 Metern auf.

Und der hat er im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Der obere Meter steht auf der gesamten Fläche als vegetative Kammer zur Verfügung, während die unteren beiden Meter als Blühfläche dienen. Das Set-Up sieht im Einzelnen so aus wie hier beschrieben:

Die Mutterkammer:
Höhe 1 m / Gesamtfläche: 1,5 m²

Beleuchtung:
3 x 75 Watt
CFL-Leuchtmittel(T5-Neon/6500Kelvin)

Abluft:
240 m³ Rohrlüfter/ Aktivkohlefilter

Medium:
Kokos/Perlite Gemisch (Mütter), Steinwollwürfel (Stecklinge)

Dünger:
Hesi Coco, Wurzelstimulator

Sorten:
Zur Zeit 2 x Skyflight + 2 x Grandflora Mütter + Stecklinge in verschiedenen Vorwuchsstadien/ Topfgrößen + ein paar vereinzelte, feminisierte „Black Domanina“ Automatics von Kannabia-Seeds aus Spanien

Sonstiges:
Oszillierender Ventilator, Thermometer, Gießen per Hand

Die Blühkammer:
Höhe 2 m / Gesamtfläche: 1,5 m²

Beleuchtung:
1 x 600 Watt + 1 x 250 Watt Natriumdampf-Leuchtmittel mit hochwertigen Reflektoren (Adjust-a-Wings / Diamond)

Abluft:
400m³ Rohrlüfter / Aktivkohlefilter

Medium:
Kokos/Perlite Gemisch

Dünger:
Hesi Coco, Blühstimulator, PK13/14, Wurzelstimulator

Sorte:
Zur Zeit immer ungefähr 95 – 100 Skyflight in den verschiedensten Blütestadien

Sonstiges:
Zwei oszillierende Ventilatoren, Thermo-Hygrometer, Ebbe Fluttisch mit Ablaufhahn für Drainagewasser, Gießen per Hand

Ich schaue mir die Kammer eine Weile an und habe sofort einen Haufen Fragen an Bounty, vor allen Dingen möchte ich wissen, wieso die Pflanzen in der Blütekammer so unterschiedlich weit entwickelt sind: einige stehen kurz vor der Ernte, während andere gerade einmal anfangen, erste Blüten zu bilden.

„Ich growe so, dass ich ständig ein wenig Weed habe, also jede Woche ein paar Pflanzen ernten kann. Dafür muss ich aber auch jede Woche eine entsprechende Anzahl an Stecklingen nachschieben. Anfangs ist das eher unabsichtlich passiert, weil sich durch unterschiedliche Sorten in der Kammer verschiedene Erntezeitpunkte ergaben und ich so ein wenig aus dem Rhythmus gekommen war. Ich habe freigewordene Plätze umgehend wieder mit neuen Stecklingen besetzt, um kein Licht zu verschwenden.

Nach einer Weile hatte ich dann viele unterschiedliche Größen und Blütestadien auf meinen 1,5 Quadratmetern und dadurch ein ziemliches Chaos. Aber das Angenehme daran war, dass ich ständig frisches Weed hatte, zwar nie Unmengen, aber immer ausreichend. Ich hatte auf einmal keine Probleme mehr, mir meine Ernte einzuteilen, bis die nächste fertig war. Also habe ich mir überlegt, wie ich in dieses Chaos ein wenig System hinein bekomme. Deshalb habe ich mir unterschiedliche Ebenen für die Pflanzen eingebaut, so dass in jeder Entwicklungsphase ein optimaler Abstand zur Lampe besteht, ohne dass ich diese höher-oder tiefer hänge.

Das kannst Du jetzt nicht sehen, weil alles zugewachsen ist, muss man sich aber wie im Kino vorstellen: Die Kleinen sitzen weiter oben, dafür ein wenig weiter weg. Die Großen sitzen ganz unten und haben so am meisten Platz, ohne den Kleinen das Licht zu klauen. So habe ich für jede Blühwoche sozusagen eine Ebene. Anfangs hatte ich die gesamte Fläche mit einer 600 Watt Laterne beleuchtet, aber 1,5 m² sind schon viel.

Weil die kleineren Pflanzen trotz meines „Kinosaal-Stellsystems“ nicht so mitgekommen sind, wie bei einem Grow mit gleichmäßig entwickelten Pflanzen, habe ich noch eine 250 Watt-Leuchte dazu gehangen. Die 600er habe ich deshalb ein paar Zentimeter nach links verschoben. Jetzt stehen die Pflanzen bis zur vierten Woche weiter rechts im Raum unter der 250er, danach wandern sie weiter nach links unter die stärkere Lampe. In der Natur bekommen sie ja auch im Sommer mehr und stärkeres Licht und ich habe den Eindruck, dass sie sich so sehr wohlfühlen.“

Aber auch die vegetative Kammer kann sich sehen lassen. Ein Meer an Stecklingen wartet auf die Outdoorsaison, die Dr. Green Thumb und Bounty auch dieses Jahr wieder akribisch genau vorbereiten. Dabei bleiben natürlich auch für heute genügend Stecklinge übrig, die gleich die fast überreifen Skyflights aus der linken Kammerecke ersetzen werden. Bounty meint, er möchte bald die Sorte wechseln, denn die Skyflight brauche einfach zu lange für die vegetative Phase. Fast vier Wochen Wachstum für knappe 25 Zentimeter ist einfach zu lange, obwohl die Sorte ansonsten super sei. Momentan habe er klassische Sorten wie Jack Flash oder Buddha favorisiert, mal sehen was die nächste Schweiz-Reise so hergibt.

Sein anderer Strain, Grandflora ebenfalls von SwissSeeds, sei für Indooranbau nicht geeignet, dafür draußen ein Knaller. Außerdem stehen noch ein paar vereinzelte, vor vier Wochen gekeimte „Automatics“ dabei, die Bounty dieses Jahr das erste Mal im Freien ausprobieren möchte. Laut Breeder sollen die schon im Juli fertig sein. Allerdings hatten die Selbstblüher auch nach 30 Tagen noch keine Lust, in der Mutterkammer auch nur den geringsten Blütenansatz zu bilden. Sehr strange, wir bleiben dran…

Die Mutterpflanzen sind allesamt nicht besonders alt, was ich an den relativ dünnen Stämmen sehen kann. Ich frage Bounty, was er mit älteren Mutterpflanzen macht:
„Wenn es zeitlich passt, lasse ich sie draußen ausblühen. Oder ich werfe sie schweren Herzens weg, weil sie einfach zu groß werden. Ich züchte „Mütter auf Zeit“, allein schon weil ich in der vegetativen Kammer sehr wenig Luft nach oben habe. Sobald sie dann nach zwei bis drei Monaten eine gewisse Größe erreicht haben, nehme ich eine Kopie, die schon bereit steht, als Mutterpflanze und entsorge die ältere. Und so weiter, so habe ich meine Strains schon ein paar Jahre erhalten.

Die sind dann etwas kleiner als gewöhnliche Mutterpflanzen und nicht so stark verzweigt, werfen aber auch genügend Stecklinge ab. In der Breite habe ich ja ausreichend Platz und so mache ich mir einfach immer zwei oder drei kleinere Muttis. Wenn ich sie in der eigenen Blühkammer ausblühen würde, käme ich total durcheinander, weil das so viel Platz kostet. Ich würde die, die ich nicht ausblühen kann, sogar verschenken, aber leider growt in meinem Freundeskreis nur einer, das ist Doc Grenn Thumb.“

‚Schade, aber das ist eine weitere Nebenwirkung der Prohibition‘, denke ich im Stillen, während Bounty anfängt, Töpfe durch die Kammer zu schieben:

„Ich ernte jetzt die reifen Ladies, damit ich Platz für neue habe. Alle Pflanzen rücken jetzt ein Stückchen nach links und somit ein paar Zentimeter tiefer auf meiner Unterkonstruktion. Dann habe ich ganz außen, unter der kleineren 250 Watt-Lampe, wieder Platz für die neue Generation, die obendrüber bereits seit vier Wochen vor sich hin wächst. Die waren zehn Tage zum Bewurzeln im Gewächshaus und sind jetzt ungefähr 20 Zentimeter groß. Normalerweise sind sie nach vier Wochen schon größer, aber der Strain ist echt sehr langsam in der vegetativen Phase.

Nach der Wurzelbildung im Gewächshaus topfe ich sie in 7x7x8 cm große Töpfe um, danach kommen 2,5 Liter Töpfe dran. Entweder bleiben sie für die Blüte in denen oder ich topfe sie noch einmal in 4-Liter Töpfe um, bevor ich sie in die Blüte schicke. Je nachdem, wie sie entwickelt sind und wie viel Platz gerade ist. Heute werde ich zum Beispiel fünf Stück ernten und fünf Stück in den kleineren Töpfen nachsetzen.“

Dann verschwindet mein Gastgeber erst einmal in den Tiefen seines Growraums und kommt mit fünf frisch geernteten Skyflights wieder raus. Wir nutzen die Gelegenheit, eine kleine Pause einzulegen, und die angefangene Tüte weiter zu rauchen, während Bounty fleißig die gerade abgeschnittenen Skyflights mit der Schere bearbeitet. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie das mit dem Düngen funktioniert? Immerhin stehen dort Pflanzen in allen nur erdenklichen Blühphasen, die ja eigentlich alle unterschiedlich gedüngt werden müssen. Mischt der Gute für jede Blühwoche eine Extra-Kanne an?

„Nein, ich gehe beim Düngen Kompromisse ein. Da auch die jüngsten Pflanzen in der Blühkammer schon bestens entwickelt sind, vertragen sie schon eine gute Portion Dünger. Ich gebe ungefähr einen EC-Wert von 1,6 mS. Mein Ec-Meter ist schon lange kaputt, aber die Menge, die ich pro Kanne hinzugebe, ändert sich ja nicht. Als Zusatz nehme ich in der Blütekammer lediglich einen Blühstimulator, TopBloom von Ecolizer und ein wenig PK13/14. Ich habe weder Unter- noch Überdüngungsprobleme, mit meiner Mischung sind alle Damen zufrieden. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass die ganzen Zauberwässerchen nur bedingt was bringen. Das Wichtigste ist viel Licht und viel frische Luft, der Rest ergibt sich.

Mein größtes Problem sind eher Schädlinge, genauer gesagt Thripse. Die kommen immer wieder, egal was ich mache. Ich habe mich schon fast an die Viecher gewöhnt, halte sie aber durch eiserne Disziplin im Rahmen des Erträglichen. Zugegeben auch manchmal unter Einsatz von Chemie, aber nie in der Blütekammer.“

Jetzt bekomme ich die Tüte schon wieder gereicht, weil Bounty damit beschäftigt ist, die eben geernteten Pflanzen für’s Trocknen vorzubereiten, indem er sie nach dem Beschneiden wie einen Blumenstrauß zusammenzubindet und kopfüber aufhängt. Ich will jetzt von ihm wissen, wie viel er aus seiner „Permanentkultur“ eigentlich so rausholt?

„Ich ernte so ungefähr 70 Gramm die Woche“, fährt Bounty nach dem letzten tiefen Zug fort, „mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Wenn ich also wie die meisten Grower rechnete, so hätte ich einen Ertrag von ungefähr 650 Gramm pro Ernte. Ich weiß, das ist nicht die so genannte Schallgrenze von 1 Gramm/Watt. Aber bedenke dabei auch, dass ich den Aufwand echt sehr, sehr gering halte: ich habe hier echt sehr kalkhaltiges Wasser und möchte auch keine Osmoseanlage benutzen.

Alle Pflanzen bekommen die gleiche Mischung und ich gieße einfach jedes Mal die gleiche Menge in den Grow-Tisch. Dann warte ich eine Stunde und lasse das überflüssige Wasser einfach mit Hilfe eines Hahns ab, den ich mir unter den Ebbe-Flut-Tisch geschraubt habe. Gegossen wird wenn es notwendig ist, meist zweimal pro Woche, im Sommer auch dreimal. PH- und EC-Wert messe ich gar nicht, ich bin halt eigentlich ein Outdoor-Freak. Beim Düngen schaue ich auch nicht so penibel hin und ich denke, dafür kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Aber ehrlich gesagt werde ich beim Lesen vom Hanf Journal auch manchmal neidisch.

Ich überlege mir gerade ernsthaft, mich mit der richtigen Nährstoffversorgung genauer zu beschäftigen, indem ich mir ein EC- und ein pH-Meter zulege und ein wenig genauer auf die Gießmenge achte… Das Wichtigste ist und bleibt aber eine gute Vorplanung und viel Disziplin bei der Versorgung. Das heißt, ich muss auch immer ausreichend Stecklinge haben, um jede Woche zehn kräftige nachzustellen. Beim Ernten darf ich auch nix verschieben, sondern muss „just in Time“ arbeiten. Lasse ich da was schleifen, habe ich Ruck Zuck ein „Loch“ in der Kammer, weil ich eine Woche faul war. Das dann wider zuzustellen brächte alles durcheinander, deshalb sehe ich zu, dass ich jede Woche ein paar Stunden in Ernten und Stecklings-Cutten investiere.

Wer überlegt, auch eine Indoor-Permanent-Kultur anzulegen, kann ganz einfach ausrechnen, wie viele Pflanzen er braucht, damit es läuft: Zahl der Pflanzen insgesamt = Zahl der Pflanzen, die pro Woche geerntet /nachgestellt werden. Auf meine Kammer bezogen sind das ein wenig über 90 Pflanzen, so dass ich pro Woche 9-10 Pflanzen ernten und nachsetzen muss, damit es optimal läuft.“ Das nenne ich mal einen gut funktionierenden Kreislauf.

Die einzige Frage, auf die mir Bounty eine nicht ganz befriedigende Antwort geben konnte, war die Frage nach dem Spülen mit klarem Wasser: „In der Natur stellt der Boden ja auch noch ausreichend Nährstoffe zur Verfügung, wenn es Herbst wird. Die Pflanzen schmecken trotzdem lecker und reifen gut aus. Ich spüle nicht und schmecke auch keinen Unterschied zu Gras, das ein oder zwei Wochen vor der Ernte gespült wird.“

Bevor ich mich verabschiede, diskutieren wir noch ein wenig über die Vorzüge, die das Ausspülen von Nährstoffen meines Erachtens nach hat: Der Boden in der Natur bezieht seine Nährstoffe aus verrottenden Pflanzen. Davon gibt es im April viele, im Spätsommer immer weniger. Also lässt die Nährstoffkonzentration im Boden auch draußen gegen Ende des Blütezyklus nach, Regenwasser enthält sowieso keine Nährstoffe. Deshalb „spült“ die Natur auch auf ihre Weise, und außerdem schmecke ich persönlich schon einen Unterschied, ob noch Düngerreste im Weed sind oder nicht.

Obwohl ich zugeben muss, dass Bounty’s Skyflight super lecker war und auch beim Abbrennen nicht geknistert hat, wie es überdüngtes Gras oft tut. Allerdings wäre eine Extra-Kanne klares Wasser für die Pflanzen, die kurz vor der Ernte stehen, nicht viel Aufwand. Versuch’s mal nächste Woche, Kollege Bounty :-).

Nach der allerletzten Skyflight Tüte interessiert das Thema „Spülen- Pro und Contra“ keinen mehr und ich verabschiede mich mit dem Versprechen, mir die feminisierten Automatics in ein paar Wochen noch einmal anzusehen. Bis bald, Bounty und danke für die tiefen Einblicke in die Besenkammer.

Der Anbau von Skyflight ist in der Bundesrepublik verboten. Wer diesen Artikel als Anleitung missversteht, riskiert Knast oder wenigstens eine Bewährungsstrafe. Deshalb: Nur schauen, nicht anfassen, als Anleitung missverstehen oder gar nachmachen: „Ich bau‘ nicht an, ich red‘ nur drüber“.

 

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