Mittwoch, 13. November 2013

Geschichte wird gemacht, es geht voran

Die USA und der lange Weg zur Legalisierung

Legalisierung braucht mehr als einige Demonstrationen, Aktivisten, Politiker und Zeitungen die sich mit der Thematik beschäftigen und sich nicht davor scheuen die Öffentlichkeit darauf anzusprechen. In den USA war der Weg zu den Volksentscheiden in Colorado und Washington ein langer, die Kette die damit in Gang gesetzt wurde, lässt sich vermutlich aber nun nicht mehr aufhalten. Die Newstimes veröffentlichte 32 Momente der Hanfkultur und Rebellion gegen das prohibitionistische Establishment, die zu großen Teilen für ein Umdenken und ein Befassen mit der Hanfpolitik in der Bevölkerung sorgten, da sie zum einen von glaubwürdigen, bereits populären Menschen initiiert wurden und zum anderen kulturell Fuß fassten wie Anklang fanden. Die nachvollziehbarsten und schönsten Momente der fallenden Prohibition in den USA haben wir hier für euch hier zusammengetragen. Auf geht’s!

Coffeeshops & legal growen
Im August 2013 bestätigt das U.S. Department of Justice (vgl. Bundesgerichtshof), dass man die Wahl der Bürger in Colorado und Washington akzeptiere und man sich nicht aufbäumen werde, das Bundesgesetz vor das Landesgesetz zu stellen. Legalen Verkaufsstellen für Cannabisprodukte, ab Januar 2014, steht damit, zumindest auf dem Papier, nichts mehr im Wege.
Initiative 502 in Washington und Amendment 64 in Colorado waren 2012 die Gewinner der Wahlen, die ein landesweites Befassen mit der Thematik unumgänglich machten und den Ball des wohl kommenden Zusammenbruchs der Prohibition mit anstießen.

Dafür
Ein wichtiger Schritt zu den aktuellen Ereignissen in den USA war der Moment des Umschwungs der Öffentlichen Meinung 2011.
Zum ersten Mal in vierzig Jahren waren über die Hälfte der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten der Ansicht Marihuana besser legalisieren zu lassen. Nur noch 46% Prozent stimmten gegen die Idee, den Krieg gegen Drogen und ihre Konsument zu beenden.

Inhaliert oder nicht?
Ein unvergessener Gag, wie wichtiger Moment war Bill Clintons Aussage in einem Fernsehinterview 1992 zum Marihuana Konsum, in welchem er gestand am Joint gezogen, den Rauch aber nicht inhaliert zu haben. Hier zeigte ein wichtiger Staatsmann dennoch öffentlich einen anderen Umgang mit dem stets verpönten Kraut. 2006 ging Barack Obama noch einen Schritt weiter als er Clintons Statement aufgriff und gestand inhaliert zu haben. Darum sei es ihm schließlich beim Kiffen gegangen.

Glücklich Bekiffte
Da die USA ein Land der großen Leinwandkünste sind, haben Auftritte in Filmen und Aussagen von Schauspielern bezüglich Marihuana entsprechend große Auswirkungen. Als frühes wie wichtiges Symbol der Kifferkultur kann „Easy Rider“ aus dem Jahr 1969 dienen, in welchen Dennis Hopper und Peter Fonda dem, zu stark saufenden Jack Nicholson, etwas zu kiffen anbieten und dieser trotz Zweifel konsumiert. Großartig wie funny ist Bill Murray´s Verkörperung des Gras anpflanzenden Golfplatzgärtners im 1980 Jahre Klamauk „Caddyshack“, in welchem er Chevy Chase selbst gezogenes Marihuana kiffen lässt und dazu starken, schwarzgebrannten Schnaps serviert.
In „American Beauty“ von 1999 ist der Charakter, der von Kevin Spacey verkörpert wird, depressiv und unglücklich bis er mit dem Kiffen anfängt. Er wird davon unabhängiger in seinen Gedanken und insgesamt etwas glücklicher. Auch wenn ihn am Ende des Films ein Kopfschuss tötet, hat dies nichts mit dem Cannabis-Konsum zu tun. In Steven Spielberg´s „Poltergeist“, Anfang der achtziger Jahre, ist es schon kein Widerspruch mehr, wenn ein aufstrebender Familienvater, zusätzlich zur Reagan Biografie einen Joint als Abendlektüre genießt. Oliver Stone´s „Platoon“ von 1986, zeigt die positiven Effekte von Marihuana auf Soldaten, im Vergleich zu den Negativen, die der Vietnam Krieg auf sie ausübt.
Beat Poet Allen Ginsberg war ein Verfechter des grünen Krauts und engagierte sich schon zu Mitte der sechziger Jahre für eine Legalisierung. Öfters startete er öffentliche Kundgebungen was manchen Bürger überraschte und auch alarmierte. Ein Plakat des Künstlers besagt übersetzt: „Die aktuelle Erfahrung der gerauchten Kräuter sind bewölkt aus Nebel eines fehlenden Respekts der gedankenlosen, unwissenden Wenigen, die noch nicht selber geraucht haben und dennoch darauf bestehen, sich in die Mitte der Propaganda, über die besagten Erfahrung zu stellen.“

Pioniergeister
Einen überraschenden Sieg vor Gericht erzielte Robert Randall, der von manchen „die Rosa Parks der medizinischen Marihuana Versorgung“ genannt wird. 1976 verklagte er erfolgreich die U.S. Regierung und erhielt Zugang zu Cannabis zur Behandlung eines Glaukoms.
Ein weiterer magischer Marihuana Moment war das Passieren der Proposition 215 in Kalifornien.
Der große Schritt nach vorne wurde 1996 gemacht, als Wähler das politische und medizinische Establishment erschütterten und mit der Proposition Doktoren erlaubten Marihuana nach eigenem Ermessen Patienten zu verschreiben und nicht nur bei ganz speziellen Krankheitsbildern anwenden zu dürfen.

Irren ist menschlich
Viele Gesichter in der konservativen Politik haben ihre Meinung in der letzten Dekade überdacht. Zum Beispiel auch der Fernsehsprecher Glenn Beck der 2011 schon fragte, wie lange die Gefängnisse noch ohne Nutzen gefüllt werden sollen, anstatt das Kraut zu legalisieren.
U.S. Senator Rand Paul hat kürzlich erst das Gedankenmodel aufgestellt, wo sich die beiden letzten amerikanischen Präsidenten wiedergefunden haben könnten, wenn sie nicht pures Glück gehabt hätten. Die Antwort war einfach, wie eindeutig: im Gefängnis, wo ihre Karrierechancen begraben worden wären.

Gefunden & entschlüsselt
Raphael Mechoulam und sein Kollege Yechiel Gaoni sind zu nennen, da sie in den sechziger Jahren am Weizmann Institute für Wissenschaft den psychoaktiven Hauptbestandteil der Cannabispflanze, Tetrahydrocannabinol, isolierten, analysierten und synthetisierten. Später entschlüsselte Professor Mechoulam die Cannabinoide, die in der Gehirnregion heimisch sind.

Patent #6,630,507
Obwohl die Bundesregierung der Vereinigten Staaten offiziell noch immer nicht der Meinung Glauben schenkt, dass Marihuana eine heilende Wirkung habe und es daher weiter illegal bleiben sollte, besitzt ein anderer Arm der Regierung im Bundesgesundheitsministerium ein Patent, das sich „Cannabinoide als Antioxidant und Neuroprotektor“ Titelt und der Behörde bereits im Jahre 2003 zugesprochen wurde.

Es ist bloß eine Frage der Zeit, bis die Welle aus Kalifornien, Colorado und Washington über Europa und letztendlich auch Deutschland hereinbrechen wird. Aufhalten lässt sich das positive „Movement“ wohl kaum noch. Echt Positiv.

www.newstimes.com: „Surprising marijuana moments in (mostly) American culture.“

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