Dienstag, 1. Oktober 2013

Irun zeigt sich weltoffen

Cannabis? Normal… Die Expogrow im Baskenland

Expogrow Irun 2013 – Bild: Expo Grow

Herbstzeit ist Erntezeit, und auch die Saison für Hanf-Fachmessen geht wieder so richtig los, wenn sich der Sommer dem Ende neigt. Den Anfang hat wie schon die Jahre zuvor die „Expogrow“ im Baskenland gemacht. Hier, genau gesagt in Irun und damit nur einen Steinwurf von der französischen Grenze entfernt, ist man noch ein wenig Hanf freundlicher als im ohnehin schon liberalen Spanien gesinnt. Diese beiden Tatsachen machen die Industriemetropole im Norden Spaniens zum idealen Veranstaltungsort einer der größten Hanf-Fachmessen des Kontinents. In insgesamt drei Hallen präsentierten 200 Aussteller an über 100 Ständen neben den allgegenwärtigen Hanfsamen zum großen Teil Gärtnereibedarf für Indoorbegeisterte, wobei in Spanien auch die Outdoorfreunde nicht zu kurz kommen. Daneben gab es Hanf in Form von Kleidung, Kosmetik, Baustoffen, Nahrung in Form von Hanföl, Hanfnudeln, Kleidung, Dämmstoffe und noch vieles, der schier unendlichen Produktpalette, die sich aus der Nutzpflanze Cannabis herstellen lässt.

Einen Blick auf die aktuelle Situation in Spanien konnte man sich im Social Forum verschaffen, in dem auch unsere Freunde vom Ganjazz-Club als Teil der Baskischen Cannabis Social Club Bewegung EUSFAC vertreten waren.
Das exzessiv-Team war zur Unterstützung unserer französischen Schwesterzeitschrift [RBH]²³ angereist, um den fleißigen Redakteuren und Aktivisten bei der Standbetreuung sowie beim Verteilen der einzigen Hanf-Fachzeitschrift Frankreichs, der [RBH]²³, zu helfen. Nebenbei gab es natürlich noch einen kleinen Abstecher zu den Räumlichkeiten des Ganjazz Cannabis Social Club in San Sebastian, der ebenso wie unser Team mitten in den Messevorbereitungen steckte, was jedoch nicht an einer kurzen, intensiven Verkostung hindern sollte (baskisches OG Kush ist sehr lecker).


Die Messegänge – Foto: Expo Grow via Facebook

Bereits am ersten Tag fanden sich auf der Messe zahlreiche Besucher ein, um sich mit neuesten Anbautechniken, Sorten und Düngemitteln vertraut zu machen, einfach nur eine der zahlreichen Gratis-Proben mit nach Hause zu nehmen oder das beste Schnäppchen der Messe zu ergattern. Besonders am letzten Tag sind viel Händler froh, ihre Ausstellungsstücke zu Discount-Preisen abzugeben – weg ist weg und muss nicht mitgeschleppt werden. Gute Angebote gab ob der mittlerweile massiven Konkurrenz auf dem spanischen Markt eine Menge zu entdecken, wirklich Neues hingegen nicht.

Mit kleinen Ausnahmen bei Filter- und Lüftungstechnik stagniert der Growmarkt technisch seit Jahren, die viel gepriesenen LED-Leuchtmittel warten immer noch auf ihren Durchbruch, der erst kommen wird, wenn sie ansatzweise so effizient wie Hochdruckdampflampen sind. Lediglich auf dem Vaporizer-Segment sind schnelle Weiterentwicklungen an der Tagesordnung. Die Geräte werden immer kleiner, multi-funktioneller und präziser. Leider konnte unser Team keinen Stand entdecken, an dem die Herstellung von dem in Spanien mittlerweile allgegenwärtigen Wax* erklärt wurde. Noch wird diese reine Cannabis-Essenz wohl mit selbst gebauten Vorrichtungen produziert.

Ein kleiner Wermutstropfen ist das Verschwinden von regulären zugunsten feminisierter und selbstblühender Samen. Fast alle Samenbanken, mit Ausnahme von Sensi Seeds, Mr.Nice und einiger weniger kleiner Breeder bieten nur noch feminisiertes oder selbstblühendes Saatgut an. Besonders bei den selbstblühenden Sorten werden dem Grower die Einrichtung einer Mutterkammer und das Selektieren einer ertragreichen Mutterpflanze schwer bis unmöglich gemacht. Zudem schadet es der Sortenvielfalt, weil beim Feminisieren keine neuen Sorten entstehen können.

Das Klima auf der Messe war trotz anhaltenden Regens besonders im Outdoorbereich prima, hat sich doch niemand der Anwesenden an dicken Dübeln oder dampfenden Ballons gestört. Zum Ausklang des zweiten Messetages fand dann das Highlight der dreitägigen Hanffachmesse statt. Zuerst wurden die Gewinner des in sieben(!) Kategorien ausgetragenen CannabisCups gekürt (die Gewinner gibt es auf www.expogrow.net).


Lee „Scratch“ Perry – Foto: Expo Grow via Facebook

Danach gab es dann für alle noch kräftig auf die Ohren. Zur Einstimmung spielten ein paar „Local Heros“, um die Bühne dann für den Main Act vorzubereiten. Lee Perry, Reggae-Legende aus Jamaika mit Wohnsitz in der Schweiz, verzückte die Menge trotz heftiger Regengüssen kurz vor Mitternacht mit seinem einzigartigen Dub-Sound und einer echt abgedrehten Bühnenshow. Big Up.
Das Hanf Journal dankt dem gesamten Expogrow-Team und dem Ganjazz Art Club für eine gelungene Messe mit einem Highlight der Extraklasse und vielen netten Erlebnissen am Rande. Wir sehen uns 2014 in Irun.

* Wax wird mithilfe von reinem Butan gewonnen und danach diverse Male erwärmt und vakuumisiert. So extrahiert man ein fast reines THC-CBD-Cannabinoid Gemisch, das äußerlich an Bienenwachs erinnert. Die Terpene (Aromastoffe) bleiben bei dem Vorgang erhalten. In Spanien sind so genannte Öl-Vaporisatoren mittlerweile weit verbreitet.

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