Dienstag, 1. Oktober 2013

Erntedank

Was tun mit frischem Pot?

Das Trocknen, immer auch eine Hängepartie - Fotos: Archiv
Das Trocknen, immer auch eine Hängepartie – Fotos: Archiv

Der Indoor-Anbau von Marihuana ist schon eine Aufwendige und mit etwas Zeit und Zuneigung verbundene Freizeitbeschäftigung samt zugehörigen Adrenalinfaktoren. Ähnlich des Basejumpings.
Der größte Moment der Spannung wird dort auch kurz vor Erreichen des Bodens der Tatsachen wie ein Bogen gezogen. Beim Anpflanzen ist dieses der Moment der Ernte gefolgt vom punktgenauen Landen mit einer perfekten Abschlussbewertung. Das Kappen der Pflanzen ist mit dem Ziehen der Reißleine vergleichbar, sowie mit der folgenden fachgerechten Landung auf standfesten Beinen ohne gebrochene Knie, die alle zukünftigen Unternehmungen auf gesundem Rasen verhindern.
Die Ernte reifen lassen nennt man das im Garten. Fehler in technischer Handhabung während und nach Absprung vom Stängel, können fatale Folgen mit sich bringen und wochenlangen Vorbereitungen leicht einen Strich durch die Rechnung machen. Daher jetzt aufgepasst und aufmerksam weiterlesen.

Den richtigen Zeitpunkt der Ernte bestimmen die Vorlieben des Züchters. Mag man es mehr high als stoned, schadet es nicht einige Tage nachdem sich die Hälfte der Blütenhärchen braun gefärbt haben und die Trichome auf den Blüten anfangen milchiger zu werden den Mädels bye bye zu sagen. Couchsurfer warten dagegen noch ein bis zwei Wochen länger und checken die Verfärbungen an Härchen und Trichomen täglich. Eine großflächige Bernsteinfärbung der Harztropfen verrät deren Reife. Nun könnten die Blüten, bei fachgerechter Weiterverarbeitung zur stärksten Potenz gelangen. Daher kappt man spätestens jetzt die Blütenstände von ihren Ästen. Es schadet nicht etwas mehr Ast am abgetrennten Bereich stehen zu lassen. Dieser bietet sich später als Hängehalterung an und treibt während der Trocknungszeit noch den letzten Saft in die Knospen.
Alle großen Blätter werden dagegen mit einer Nagel- oder besser, kleinen, feinen Pflanzenschere möglichst nah am Stängel entfernt. Übrig sollte eine gut riechende Knospenzigarre mit mittigem Hauptstiel bleiben, die aber noch viele abstehende, kleinere Blätter und deren Stängel vorweist.

Da sich an diesen zwar auch abertausende THC-Trichome gebildet haben, Blätter und Stängel in Räuchermischungen aber den Genuss etwas einschränken, sollte man auch jene entfernen, aber das abfallende Material zwecks weiterer Nutzung aufsammeln und bewahren. Am besten legt man sich eine sauber Folie oder eine große Plastiktüte unter die Arbeitsfläche, auf der die fallenden Reste angesammelt und aufgefangen werden.
Während man die Knospe am Stängel hält, um klebrige Finger an einem selbst und Thc-Abrieb am kommenden Rauchwerk zu vermeiden, schneidet man sorgfältig und nah am Mittelstängel die kleineren Verästelungen aus den Blüten. Sind die Biester so dicht gewachsen, dass man nur mit Gewalt an den Stängel gelangt, frisiert man die Früchte seiner Arbeit einfach nach Wuchsform. Heißt man versucht, wie bei einem Bonsai, alles unförmig überstehende Blattwerk zu trimmen. Profis haben dazu Maschinen, sogenannte Trimmer, die einem, dank Elektromotor- oder Handkurbelbetrieb, die Arbeit bei Kiloproduktionen erheblich erleichtern und den Zeitaufwand dazu noch stark verringern können. Kleingärtner laden sich meist vertrauenswürdige Bestfriends ein, die für die Beihilfe zu zukünftigen Marihuanakonsum mit ein paar kleinen Knöspchen entlohnt werden sollten. Diese sollten sie, genau wie der Anbauer, nun fachgerecht Trocknen. Hier liegt oft, verbunden mit Ungeduld, der häufigste Fauxpas im Marihuana-Anbau.

Natürlich kann man sich zu Testzwecken eine „Geringe Menge“ vorsichtig im Ofen trocknen, jedoch schadet man der Bildung eines exquisiten Geschmacksaromas sowie der ungetrübten Vollendung ihrer wirklichen Stärke. Will man aber dennoch etwas verschwenderisch probieren, sollte man den Ofen nicht über 80° Grad Celsius erwärmen. Auch das trocknen in der warmen Abluft einer Cooltube-Leitung oder ein lauwarm eingestellter Vaporisator eignen sich zum Trocknen einer frisch geschnittenen und daher ziemlich feuchten Marihauanablüte.


Ins Netz gegangen

Verräterischer Geruch ist in beiden Fällen aber unvermeidlich, weshalb ein guter Durchzug in den Räumlichkeiten und Nachbarn ohne Nasen von Vorteil sind. Richtig trocknet man sein Gras aber auf folgende und bestmögliche Weise:
Die sorgfältig beschnittenen Knospen werden für circa drei Tage kopfüber an ihren Stängeln in einem trockenen und dunklen Raum aufgehängt. Verwenden kann man dafür einen Wäsche-/Kleiderständer oder man spannt sich eine Leine im Zickzack an zwei, der vier Wände.
Ein großer Karton aus Pappe, den man ebenso mit Leinen im obersten Innenbereich ausstattet, dient Bewohnern kleinerer Habitate zum Antrocknen der Ex-Zöglinge.

Wichtig ist, dass während des gesamten Trocknungs- und Reifevorgangs kein Licht an die Blütenstände gelangt, da THC durch helle Beleuchtung zerfällt während sich das grüne Chlorophyll der Pflanzen nicht abbaut. Beides führt zu Genusseinbußen in Wirkung und Geschmack, die vom stolzen Grower natürlich vermieden werden wollen.
Sind die Buds nach drei Tagen äußerlich schon etwas angetrocknet, halten sie in ihren Zellen noch viel Flüssigkeit. Es bietet sich daher an, die einzelnen Buds vom Hauptstängel zu schneiden und auf einem großflächigen Sieb auszulegen. Auch wenn große Knospen optisch einiges her machen, empfiehlt es sich, Knospen nicht größer als gewöhnliche Eier missbrauchter Legehennen zu produzieren. Ausgebreitet auf einem gespannten Sieb, die es zu diesem Zweck auch im Gartenfachhandel zu erwerben gibt, bewahrt man das Grünzeug in einem gut zu lüftenden und bestenfalls mit Aktivkohlefilter ausgestatteten Raum auf. Neben Frischluft und Dunkelheit ist noch die Feuchtigkeit und Temperatur zu beachten. Es sollte versucht werden das Innenklima zwischen 18 und 22 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 20 und 40 Prozent circa eine Woche lang zu halten, damit Schimmelbildung sowie ein unangenehmes Muff-Aroma im frischen Weed vermieden werden können.

Nach der langen Woche werden die Naturprodukte vom Sieb genommen und in vakuumverschließbaren Behältern wie Tupperware oder Zipper-Bags verstaut.
Ohne die Buds an zu quetschen, kann man aus beiden Materialien den überschüssigen Luftanteil verdrängen und so der Garnierung der Knospen mit bester Qualität einen Schubs geben.
Idealerweise werden die Behältnisse samt Inhalt weiterhin für 12 Stunden im Dunkeln aufbewahrt, um im Rhythmus des Nachtwechsels auf den Tag wieder auf das Trockensieb befördert zu werden.
Die augenscheinlich trockenen Buds haben in ihrem Innern genügend Restfeuchtigkeit, die sich im Vakuum wieder in die Außenbereiche verteilt. Mittels der Wechseltrocknung, nachts im Behältnis, tagsüber auf dem im Düsteren gehaltenen Sieb, werden die Knospen einheitlich und schonend getrocknet und erhalten ein natürliches, ihrer Sorte entsprechendes Grasaroma.

Falls man sich den täglichen Umschicht Aufwand ersparen möchte oder die Ausrüstung wie der Platz fehlen, ist eine regelmäßige Lüftung bei ausschließlicher Tupper/Tüten-Aufbewahrung essentiell. Wenn möglich werden die drei Tage lang abgehangenen und entfernten Blüten, in der ersten Reifungswoche alle paar Stunden in ihren Behältnissen mit frischer Luft versorgt und zu diesem Zweck für wenige Minuten gelüftet. Da ohne Siebtrocknung am Tage insgesamt aber weniger Feuchtigkeit aus der gesamten Frucht verströmen kann, misst diese Methode bis zu acht Wochen Anwendungsdauer, während sich der aktive Lüftungsprozess im Laufe der Zeit auf eine Anwendung täglich reduziert.
Wann es soweit ist, wirklich zuzugreifen und sich an den Früchten seiner Arbeit zu erfreuen, ist jedoch wie immer mit den persönlichen Vorlieben und eigenen Erfahrungen verbunden.

Merken kann man sich als Bauernregel:
Fasert der Stiel, ist´s der Feuchte zu viel.
Bricht dann der Stängel, rauchts ruhig ihr Bengel.

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