Samstag, 7. September 2013

HIGH

Das positive Potential von Marihuana – Promotion

Sehen- und lesenswert. Foto: Klett-Cotta

Die meisten Hanfkonsumenten, darunter viele berühmte Persönlichkeiten, angefangen bei George Washington über Charles Baudelaire bis hin zu Bob Dylan oder Lady Gaga sind davon überzeugt, gelegentlicher Cannabiskonsum steigere kreatives Denken und helfe beim Entwickeln neuer Ideen. Kurzum es mache Platz für bislang nie gedachte Gedanken, weil sie diese Eigenschaft am eigenen Leib erfahren haben.

Aber weshalb dient das Grüne Kraut so vielen unter uns als „Hefe des Denkens“? Sebastian Marincolo, Philosoph und Fotograf, erklärt in seinem neuem Buch „HIGH- Das positive Potential von Marihuana“ anschaulich, wie der Konsum von Cannabis die Wahrnehmung verändert und dabei gewisse Sinne nicht wie Alkohol trübt, sondern schärft. Die Wissenschaft berichtet über gesteigerte Empathie, besseren Geruchssinn, besseres Wahrnehmen von Mustern und vieles mehr, wobei der Autor dem Leser anhand interdisziplinärer Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung diese sehr komplexe Materie anschaulich vermittelt.
Auch nicht Konsumierende, die regelmäßig nach dem plumpen Vergleich mit Alkohol fragen, können dank der Evidenz basierten Erklärungen des Autors wenigstens ansatzweise nachvollziehen, wie es sich anfühlt „breit“ zu sein.

Marincolo vermag als Philosoph sowohl die Ergebnisse aus Neurowissenschaft und Sozialforschung sowie neueste Studien zu medizinischen Anwendungen miteinander zu verknüpfen und so die Wirkungsweise von Hanfblüten für Lesende mit Cannabis-Erfahrung wie auch für Laien und Unbeteiligte nachvollziehbar zu präsentieren. Insbesondere die Passage über die Tetralin haltige Kalingiwurzel sollte auch den letzten Hanf feindlich gesinnten Zeitgenossen zum Nachdenken bringen. Marincolo berichtet von einem afrikanischen Stamm, der sich kollektiv an einer Wurzel berauscht und dabei massive und langfristige physische wie psychische Nebenwirkungen in Kauf nimmt.
Einmal im Jahr träfe man sich dort sogar zu einem riesigen Drogenfestival, auf dem sich die Leute bis zur Besinnungslosigkeit mit Tetralin abfüllen. Die Wurzel führe zu Gewaltexzessen, Lähmungserscheinungen, Gedächtnisausfall, Hirnschwund und macht stark abhängig. Trotzdem labe sich der Stamm weiterhin fleißig an der in ihrem Land legalen Droge. Am Ende des Kapitels verweist der Autor darauf, dass Volk, Wurzel und Wirkstoff frei erfunden seien, Tetralin jedoch genau wirke wie Alkohol und das beschriebene Szenario dem Münchner Oktoberfest entspräche. Das Vorwort von Marincolos Mentor, Professor für Psychatrie an der Havard Medical School, bezeichnet die Prohibition als einen außergewöhnlichen Irrtum der Menschheitsgeschichte und stellt die Auswirkungen des Cannabis-Verbots in eine Reihe mit denen des Tulpenfiebers um 1650 oder den Folgen des mittelalterlichen Hexenwahns.

Natürlich berichtet Marincolo auch ausgiebig über die lange Geschichte der uralten Nutz- und Medizinalpflanze, beleuchtet die Hintergründe des Verbots und analysiert die momentane Situation messerscharf. Wir können es uns eigentlich gar nicht mehr leisten, aus politischen Gründen auf die nützlichen Eigenschaften von Cannabis zu verzichten und die Freunde der verbotenen Pflanze zu verfolgen.
Perfekte, hochauflösende Macro-Aufnahmen der unterschiedlichsten Juwelen aus dem riesigen Sorten-Universum, die hohe Druckqualität sowie das ungewöhnliche Querformat des Buchs veredeln das im Klett-Cotta erschienene Werk und machen „HIGH – Das positive Potential von Marihuana“ das zum echten Kleinod. Ein „Must have“ nicht nur für Hanfbegeisterte.

HIGH
Das positive Potential von Marihuana

Gebundene Ausgabe: 158 Seiten
Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (24. Juli 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608503234
ISBN-13: 978-3608503234
Preis: 19;95 €

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