Mittwoch, 14. August 2013

Freiheit für Parksünder

Coffeeshops als sichere Alternative zum Stadtpark

Echt dufte… Die sogenannte „Harnröhre“ im Görlitzer Park – Foto: Uli Herrmann via Flickr | (CC BY-SA 2.0)

Nicht nur im Görlitzer Park oder der Neuköllner Hasenheide in Berlin kann man seit einer gefühlten Ewigkeit Gras fraglicher Qualität zu überhöhten Preisen kaufen. Eigentlich kann fast jede deutschsprachige Großstadt eine Grünfläche ihr Eigen nennen, auf der fleißig mit THC-haltigen Produkten gehandelt wird. Repressive Maßnahmen gegen Käufer und Verkäufer vermögen den Straßenhandel nicht in den Griff zu bekommen. Sie haben keinerlei Auswirkungen auf das Konsumverhalten der Bevölkerung oder gar einzelner und sind trotzdem momentan die einzige Antwort, die der Gesetzgeber als sinnvoll erachtet.

Im Görlitzer Park ist die Situation mittlerweile so angespannt, dass besorgte Anwohner Geleitschutz für Parkbesuchende fordern. Die Hanfverkäufer sehen sich feindlichen und oft rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, die nicht immer zimperlichen Polizeieinsätze häufen sich, ohne dass sich die Lage ändert. Einige Anwohner stört der offene Schwarzmarkt im Park, andere wiederum fühlen sich mittlerweile durch die massive Polizeipräsenz in der Nachbarschaft gestört.
Jugendschutz oder Qualitätssicherung sind ein Fremdwort für die Verkäufer, kennen sie doch meist selbst den Ursprung ihrer Ware nicht. Genervte Verkäufer, die sich mit Ausnahme von „Bloß nicht erwischt werden“ an keine Regeln halten müssen, treffen auf genervte Kunden, die oft mit Qualität und Preis unzufrieden sind.
Last but not least sind die Strafverfolger ebenso schlecht drauf, weil sie meist nicht mehr als einen Platzverweis aussprechen können, denn die andere Seite trägt meist wenig oder gar kein Gras in der Tasche, Stichwort Bunkerplatz.

Zudem ist das Elend der Konsumierenden, welches die Hanfhatz moralisch rechtfertigen und die Beamten motivieren könnte, auch für viele Polizisten nicht mehr nachvollziehbar, denn meist handelt es sich bei den Kunden um Gelegenheitskonsumenten, die keine private „Connection“ haben. Kurzum: Die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation ist für „Parksünder“ und deren Verfolger problematisch, eine Lösung hingegen nicht in Sicht.

Eigentlich unterscheidet sicher der „Görli“ diesbezüglich nicht groß von einigen anderen Parks oder öffentlichen Orten in Berlin, Hamburg, Bremen oder Frankfurt, doch in Kreuzberg kiffen Alt und Jung ganz offen, der Feierabendjoint ist dort schon längst kein Privileg der Jugend mehr. Der Widerstand gegen ein Coffeeshopmodell unter strengsten Jugendschutzauflagen, so wie es Max Plenert vom Deutschen Hanfverband für den „Görli“ vorgeschlagen hat, wäre hier wohl nicht allzu groß.

Das hat die Grüne Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann im Zuge der aktuellen Diskussion wohl mitbekommen und den Vorschlag des DHV ein paar Tage später aufgegriffen: Das Betäubungsmittelgesetz sehe Ausnahmen vor, wenn diese von Öffentlichem Interesse seien, so wie die Verbesserung der Situation im Görlitzer Park. Ein Park sollte der Erholung der Bewohnerinnen und Bewohner dienen, der illegalisierte Verkauf von Hanf in öffentlichen Grünanlagen ist eine direkte, gesundheits- und jugendgefährdende Folge der Prohibition und gehört hinter, für Jugendliche verschlossene, Türen. Frau Herrmann hat sogar einen Tipp für den medial omnipräsenten SPD-Bezirksbürgermeister Buschkowski, der mit der Hasenheide im Nachbarbezirk Neukölln stolz auf Berlins größten und ältesten Umschlagplatz für Cannabisprodukte verweisen kann. Zwischen Hermannplatz und Flughafenstraße gibt es trotz regelmäßiger, massiver Polizeieinsätze und zahlreichen, politischen Willenserklärungen, den „Sumpf auszutrocknen“, seit fast 40 Jahren Gras und Hasch für die Hauptstadt.
„Wenn es nur diesen einen Coffeeshop gibt, wird er viele Leute anziehen. Deshalb wäre es sinnvoll, wenn Neukölln mitmacht und in der Hasenheide einen weiteren Shop einrichtet,“ äußerte die Grünen-Politikerin Ende Juli gegenüber dem Berliner Tagesspiegel.

Zwar wird das Bundesgesundheitsministerium, das für ein solches Modell Grünes Licht geben müsste, aufgrund der starren Haltung von CDU und FDP dem Modell nicht zustimmen und der Coffeeshop am „Görli“ wird so bis auf Weiteres Zukunftsmusik bleiben. Doch endlich hat eine Politikerin mal den Mut gehabt, statt sich dem üblichen, realitätsfernen Gefasel von Prävention und Suchtvorbeugung hinzugeben, auch öffentlich eine Lösung zu favorisieren, die mündige Konsumierende vor Strafverfolgung sowie den Nachwuchs vor falschen Freunden und dem zu frühen Einstieg schützt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.