Mittwoch, 14. August 2013

Zu Besuch bei Dinafem-Seeds

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen

Heilige Hallen Fotos: Schmiddie/Hanf

Exzessiv das Magazin war unterwegs in Nordspanien, genau gesagt im schönen Baskenland. Vergangenen Monat konntet Ihr lesen, wie offen der Mund unseren Redakteuren dort im Growraum von Ganjazz, dem ersten Cannabis Social Club des Baskenlandes stand, als sie die staatlich tolerierten Pflanzen in voller Blüte sehen konnten.
Doch damit nicht genug, einen Tag später ging es weiter zu Dr.Kush, dem Senior-Breeder von Dinafem-Seeds. Dr. Kush züchtet seit fast 20 Jahren Cannabis, seit 10 Jahren produziert er das Saatgut für Spaniens Nummer eins in Sachen Hanfsamen.

Dinafem-Seeds hat einen guten Teil zur Entwicklung und ganz wichtig, zur Stabilisierung vieler feminisierter Strains beigetragen, viele neue Sorten entwickelt, als erstes systematisch kalifornische Genetik mit europäischer gekreuzt und last but not least Meilensteine auf dem Gebiet der Automatics gesetzt.

Wir durften zusammen mit Dr.Kush mehrere Brutstätten einiger bereits legendärer Cannabis-Selektionen besuchen. Natürlich wollten wir eine ganze Menge von Dr.Kush wissen, schließlich haben unsere illegalisierten Grower in Deutschland selten bis nie die Möglichkeit, zu sehen, wie viel Arbeit, Aufwand und nicht zuletzt Liebe in so einer zweifelsohne nicht ganz billigen Hanfnuss (Hanfsamen sind botanisch betrachtet tatsächlich Nüsse) steckt. Wir haben uns während unseres Besuchs bei Dinafem-Seeds und deren Produktionsstätten stundenlang über Anbautechniken, Aromen, Blütemerkmale oder Stabilisierung von Strains unterhalten, das gesamte Grower-Einmaleins auf und ab zitiert und konnten so, statt Weed und Samen, wenigstens viele neue Erkenntnisse mit nach Hause nehmen. Damit wir das mit Euch teilen können, drucken wir diesen Monat Auszüge aus unseren Gesprächen mit Dr.Kush, sozusagen die Highlights unseres zwei Tage langen Treffens mit Dr.Kush.

High Doc

Hallo Hanf Journal.

Dinafem ist in Spanien für seine Pionierrolle beim Breeden von feminisierten Samen bekannt. Wie hat das alles angefangen?

Vor neuneinhalb Jahren habe ich nach 18 Monaten Forschung die ersten weiblichen Samen ernten können. Mit diesem Saatgut bin ich dann auch gleich auf den Markt gegangen, seitdem gibt es Dinafem-Seeds. Wir waren in Spanien der erste und in den Niederlanden der zweite Anbieter feminisierter Eigenkreuzugen. Am Anfang hatten die Holländer die Nase noch ein wenig vorn, würde ich sagen, aber sie sind dann nicht am Ball geblieben. Anders als in Spanien haben die Käufer in Nordeuropa viel länger auf reguläres Saatgut gesetzt als spanische Grower. In Spanien wollte man auf einmal nur noch feminisierte Samen, also habe ich meine Anstrengungen in Forschung und Entwicklung intensiviert. Wir haben hier mittlerweile auch viel bessere Möglichkeiten was die Zucht betrifft. Wir können aufgrund des Klimas auch Outdoor growen und mittlerweile ist Spanien in Sachen Hanf liberaler als die Niederlande. Das war vor zehn Jahren noch anders herum. Naja, nachdem wir in Spanien ziemlich bekannt waren und auch immer mehr Franzosen über die Grenze kamen, um Dinafem-Seeds zu kaufen, haben wir uns entschlossen, auch Kunden in anderen Ländern zu gewinnen. Das war vor fünf Jahren, seitdem versuchen wir überall dort präsent zu sein, wo Gras angebaut wird, also im Prinzip auf der ganzen Welt.

Uns ist aufgefallen, dass Ihr mittlerweile über einen schönen Pool an Automatic-Strains verfügt.

Genau, das raucht Ihr auch gerade. Eine Automatic White Widdow mit hohem CBD Anteil, bei der es mir gelungen ist, ein super Verhältnis zwischen THC und CBD zu schaffen. Die Sorte hat ungefähr 7 Prozent THC, was für eine „Auto“ ganz gut ist, die ersten Automatics hatten oft nur fünf Prozent oder weniger. Der CBD-Anteil ist mit 0,2 Prozent ziemlich hoch und ich finde die Wirkung sehr angenehm. Macht nur ein wenig high und entspannt dafür.
Mit den Automatics haben wir auch vor fünf Jahren angefangen. Automatics sind mittlerweile sehr gefragt und wir haben in den vergangen Jahren auch Riesenfortschritte bei der Entwicklung verzeichnen können. Unsere Strains werden durchschnittlich über einen Meter hoch und haben deshalb auch viel bessere Erträge als die Automatics aus Pionierzeiten.

Das ist unser großer Vorteil hier im Baskenland, wir können tun, was viele nicht tun können: An der Pflanze forschen, probieren und sie so weiterentwickeln. Es ist weniger aufwendig, einfach jahrelang die gleichen Sorten zu produzieren oder andere schlicht zu kopieren, so verdient man auch gutes Geld. Aber die Entwicklung neuer Sorten, die Stabilisierung von Eigenschaften, die wissenschaftliche Analyse von THC-CBD Verhältnis sind sehr kostenaufwendig. Wir haben eine Methode gefunden, den THC und den CBD Gehalt schon bei zwei Wochen alten Sämlingen zu bestimmen und können seitdem viel effektiver selektieren. Ohne standardisierte Forschung und Entwicklung gäbe es auch immer weniger Sorten auf dem Markt. Wir gehen einen anderen Weg, indem wir über den großen Teich schielen und mit kalifornischen Growern zusammenarbeiten. In den USA, speziell in Kalifornien und anderen Hanf freundlichen Orten existiert eine ganz andere „Breeding-Kultur“. Es gibt viele ambitionierte Hobbygrower, die selbst mit regulärem Saatgut breeden und so immer wieder Sorten verbessern. Da wird getauscht und bestäubt bis nix mehr geht. Zum Breeden ist reguläres Saatgut immer noch sehr wichtig, ohne Männer keine Samen. In den USA ist keiner mit dem, was sie/er hat, zufrieden. Alle wollen das beste Gras züchten. Mit solchen Menschen haben wir eine Kooperation gestartet, die das Ziel verfolgt, die leckersten Sorten aus Übersee hier verfügbar zu haben und sie gegebenenfalls weiterzuentwickeln. In den USA gibt keinen großen legalen Samenmarkt wie in Europa, dafür aber viele kleine, legale Grows. Deshalb wird dort eine ganz andere, viel privatere Art des Breedens praktiziert. Bei uns ist es anders: Hast du als Grower Deine Sorte gefunden, machst Du Dir eine Mutti und das war‘s. Da ich mich in den vergangen Jahren der Zucht von Automatics gewidmet habe, die ich für immer wichtiger halte, haben wir auch die Übersee-Genetik als Automatics auf den Markt gebracht.

Nenn‘ uns doch mal ein paar Sorten, bitte!

Da wäre unsere Nummer eins, O.G. Kush, außerdem ChemDog, Bubba Kush, Sour Diesel, Train Wreck, Blue Dream. Zurzeit arbeiten wir an Purple Diesel, Lemon Diesel und Afghan Diesel, Chem Kush, Purle Blackberry und Lemon Nepalese. Nehmen wir zum Beispiel mal die O.G. Kush. Die war ursprünglich schon sehr lecker, hatte aber einen schlechten Ertrag. Mittlerweile gibt es so viele Varianten der O.G. Kush, viele davon mit gutem Ertrag und dem einzigartigen Aroma. Dort können eben viele Leute legal im Kleinen breeden. In Europa ist es noch sehr restriktiv, weshalb wir hier insgesamt einfach weniger Sortenvielfalt haben. Der Genpool ist viel kleiner, die EU ist eben nicht die USA.

Stell Dir vor, Bulgaren, Spanier und Schweden würden zusammen Grassorten züchten. Da käme sicher was Tolles raus, so ungefähr kannst Du Dir das in den USA auch vorstellen.
In Europa werden auch kaum Übersee Sorten eingekreuzt, deshalb haben wir das jetzt als Samenbank übernommen. Vieles, was wir hier an europäischer Genetik haben ist es nicht wert, weitergezüchtet zu werden. Bitte frag mich jetzt nicht nach Beispielen (lacht).

Wie lange dauert die Entwicklung eines neuen Strains bei Euch?

Je nach Eigenschaften bis zu zwei Jahren. Wir versuchen die Sorten so stabil wie möglich hinzukriegen. Das dauert mindestens vier Generationen, manchmal auch länger. Nur so viel: Von über 800 Sämlingen, die wir zur späteren Gewinnung von Samen in die Erde bringen, werden am Ende nicht mal 20 Männlein und Weiblein zur Samenproduktion übrig bleiben. Der Rest muss wie das Gras, das bei der Samenproduktion abfällt, auf den Kompost. Nur so kann man die Spreu vom Weizen trennen.

Schade um das schöne Gras, aber wenigstens kann man überhaupt bei Euch breeden. Respekt für Deine Arbeit und vielen Dank für das Gespräch, Dr.Kush.

Ich glaube fest daran, dass auch Ihr in absehbarer Zeit wieder ein wenig freier anbauen dürft, bis dahin erhalten wir Euch die besten Strains. Ich danke für das Gespräch, bis zum nächsten Mal.

Dieses kurze Gespräch ist längst nicht alles, was uns Dr.Kush zur Zucht von Cannabissamen in Spanien erzählt hat. Den Rest gibt es in der aktuellen Exzessiv-Folge unteryoutube.com/exzessivdasmagazin . Zieht‘s Euch rein!

 

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