Montag, 1. Juli 2013

Psychonautik

Über den Einsatz von Psychoaktiva zur Erforschung des menschlichen Bewusstseins
Autor: Kevin Johann

Brian´s Brain?

Das Phänomen erweiterter Bewusstseinszustände spielt in der modernen wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung, wenn überhaupt, nur noch eine untergeordnete Rolle. Weder die medizinischen, noch die kognitionswissenschaftlichen, psychologischen, neurowissenschaftlichen oder philosophischen Ansätze von Bewusstseinsforschung scheinen sich für den Konsum entheogener Substanzen oder für andere bewusstseinserweiternde Techniken, wie beispielsweise Meditation oder holotropes Atmen, ernsthaft zu interessieren. Dabei liefert insbesondere die psychonautische Forschung tiefgehende Einsichten und Aufschlüsse über die unterbewussten Strukturen und Vorgänge der menschlichen Psyche. Vor allem in einer transdisziplinären Fokussierung birgt die Psychonautik sogar das Potenzial, der sogenannte „Königspfad“ wissenschaftlicher Bewusstseinsforschung zu werden. Wären da nicht die repressiven Gesetzesbestimmungen und Vorurteile, welche derartige wissenschaftliche Forschungsprojekte enorm erschweren, sogar verhindern zu versuchen und folglich in den Untergrund verdrängen.

Neben einer Einführung in die Welt der Psychonautik werden in diesem Artikel Persönlichkeiten bzw. herausragende Psychonauten vorgestellt, die durch ihre psychedelischen Forschungsarbeiten verschiedenster Art, wichtige Meilensteine in der wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung gesetzt haben.

Definition und Begriffsherkunft
Der auf Ernst Jünger zurückzuführende Begriff Psychonautik (Jünger, 2008, S. 362) kann definiert werden als die Erforschung der eigenen Psyche oder anders ausgedrückt, als das Bereisen innerer Landschaften, zum Zwecke der Erkenntnisgewinnung. Dies geschieht zum einen durch den Konsum entheogener Substanzen, wie beispielsweise LSD, Psilocybin, Meskalin, Ayahuasca oder aber auch durch das praktizieren bestimmter Techniken, wie beispielweise Yoga, Meditation oder holotropes Atmen.

Menschen, die sich aus wissenschaftlichem Antrieb heraus beziehungsweise zur persönlichen Erkenntnisgewinnung mit der Erforschung des eigenen Bewusstseins beschäftigen, sei es durch den Einsatz spezieller Drogen oder durch die Praxis etwaiger Techniken, werden als sogenannte Psychonauten bezeichnet. Meist im Selbstversuch werden die inneren Landschaften bereist und dabei ganz verschiedene Aspekte des erweiterten Bewusstseins untersucht und erforscht, während im Anschluss die Erfahrung sowie mögliche Erkenntnisgewinnung im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit, eines subjektiven Erfahrungsberichtes („Reisebericht“) oder einer künstlerischen Darstellung (Visionäre Kunst) publiziert wird.

Die etymologische Herkunft des Begriffs findet sich im alten Griechenland. So handelt es sich bei der Psychonautik um eine Formation der beiden griechischen Wörter Psyche (dt. Atem, Hauch, Seele) und Nautike (dt. Schifffahrtskunde). Metaphorisch betrachtet handelt es sich aber weniger um eine Schifffahrt, sondern vielmehr um einen astronautischen Flug durch den inneren Kosmos bzw. das innere Universum, mit einer anschließenden Kartographierung und gegebenenfalls wissenschaftlicher Analyse der entdeckten „Landschaften“ oder „Seelenräume“.

Synonym zur Psychonautik finden sich in einschlägiger Literatur auch sehr häufig die Begriffe Psychedelonautik oder Bewusstseinsreisen, welche in der Regel selbige Bedeutung haben.

Herausragende psychonautische Wissenschaftler
Obwohl schon seit sehr langen Zeiten die Erforschung des eigenen Bewusstseins sowie der Konsum psychoaktiver Pflanzen in nahezu allen Kulturen allgegenwärtig ist, ist die wissenschaftliche bzw. universitäre Erforschung des menschlichen Bewusstseins mittels diverser bewusstseinserweiternder Substanzen, historisch betrachtet noch sehr jung.

So kann der Psychiater und Universitätsprofessor Kurt Beringer (1893-1949), bekannt aus der „Heidelberger Drogenschule“, aufgrund seiner wissenschaftlichen Untersuchungen sowie Selbstversuche mit Meskalin, welche er in den 1920er Jahren an der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg durchführte, zu Recht als der einer der ersten Psychonauten oder wie es Werner Pieper formuliert hat, als der „Pionier der Psychonautik“ (Pieper, 1999) bezeichnet werden. Beringer beschreibt in seinem umfangreichen Werk Der Meskalinrausch (1927) neben der Herkunft und der ethnobotanischen Bedeutung des Meskalins auch eine wissenschaftliche Studie mit über einhundert Versuchspersonen, denen er 400-500 mg des Wirkstoffes intravenös verabreichte. Fast alle dieser Personen beschrieben die psychischen Wirkungen als sehr unangenehmen und erörterten Bewusstseinszustände, die man heute als einen „Bad Trip“ bezeichnen würde. Nach den heutigen Erkenntnissen der Drogenforschung und dem Wissen über die Bedeutsamkeit von Set und Setting ist davon auszugehen, dass die unheimliche Krankenhausatmosphäre der damaligen Psychiatrischen Universitätsklinik, wahrhaft ungeeignet für ein solches Experiment war, was wiederum die unangenehmen Erfahrungen der Forschungsteilnehmer begründet. Der Psychiater Beringer, der natürlich seine Forschungen durch die Psychiatrie-Brille durchführte, erkannte in den ständig wechselnden und sich verändernden Sinneseindrücken und Seinswahrnehmungen der Teilnehmer, eine gewisse Analogie zu einer Psychose.

Ein weiterer bedeutender Vertreter aus der Kategorie Psychonauten ist der allseits bekannte Schweizer Chemiker und Bewusstseinsforscher Albert Hofmann (1906-2008). Durch seine Entdeckung von LSD (Lysergsäurediethylamid) im Jahre 1943, legte Hofmann einen wichtigen Meilenstein in der psychedelischen Forschung, denn viele Psychonauten nutzen eben solche entheogen wirkende Substanz, als Werkzeug ihrer forscherischen Praxis. Albert Hofmann, der sein LSD nicht nur in zahlreichen Selbstversuchen erforschte, verfasste zudem einige sehr gute Publikationen zu seiner Forschungsarbeit sowie seinen daraus hergeleiteten Erkenntnissen und Einsichten. In seinem Werk LSD- mein Sorgenkind (1993) schreibt Hofmann beispielsweise folgendes: „Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus den LSD-Versuchen gewann, sind Einsichten in das Wesen der Wirklichkeit. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass es nur ein einziges wahres Bild der Welt, das, was man als die Wirklichkeit bezeichnet, gäbe. Die Erfahrungen im LSD-Rausch, in dem fremde Welten als ebenso wirklich erlebt werden wie die Alltagswirklichkeit, zeigten, dass die Wirklichkeit keineswegs etwas Absolutes, Feststehendes ist, sondern dass ihr Bild und Erleben durch einen veränderten Bewusstseinszustand des Betrachters verändert werden.“ (Hofmann, 1993, S. 196)

Wie bereits erwähnt wurde ist LSD ein geeignetes Werkzeug für die Erforschung menschlichen Bewusstseins. Doch neben Albert Hofmann gibt es noch eine Reihe an weiteren Wissenschaftlern, denen es mittels des damals noch legalen Lysersäurederivats gelang, tiefgreifende Einsichten bezogen auf das menschliche Bewusstsein zu gewinnen. Hierzu zählt beispielsweise der in der Presse als „LSD Guru“ titulierte Timothy Leary (1920-1996), der in den Jahren 1959-1963 als Professor an der legendären Harvard Universität umfangreiche LSD-Studien durchführte, in denen er nicht selten gemeinsam mit seinen Studenten gemeinsam LSD konsumierte und dessen Wirkung analysierte. Aufgrund einiger Vorfälle und dem Vorwurf unwissenschaftlich zu arbeiten wurde Leary 1963 aus Harvard entlassen. Unbekümmert dieser Tatsache, kommentierte er seine Suspendierung mit den Worten: „LSD is more important than Harvard.“

Auch zur Gruppe herausragender LSD-Wissenschaftler gehört der aus Prag stammende Psychiater, Therapeut sowie Philosoph Stanislav Grof (*1931). LSD mit seinen tiefenpsychologischen Wirkeigenschaften sowie dessen therapeutischen Nutzungsmöglichkeiten, waren unter anderem Grofs anfänglichen wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte, bis das Verbot von LSD (in den USA 1966 und Deutschland 1971) die wissenschaftliche Bewusstseinsforschung mit dieser Substanz bedauerlicherweise zum Erliegen gebracht hat. Von da an beschäftigte sich Grof mit der Erforschung holotroper Bewusstseinszustände, die durch eine von ihm entwickelte bestimmte Atemtechnik (holotropes Atmen) ausgelöst werden können. Die von Grof eingeführte Begrifflichkeit „holotrop“ meint in diesem Kontext außergewöhnliche Bewusstseinszustände, welche dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein nicht zugänglich und mit einem solchen meist auch nicht zu erfassen bzw. zu begreifen sind. Darüber hinaus ist Grof ein wesentlicher Mitbegründer der sogenannten transpersonalen Psychologie, zu deren wichtigsten Methoden beispielsweise das holotrope Atmen sowie diverse andere, aus dem Schamanismus bekannte Techniken, gehören. Oberflächlich definiert, handelt es sich bei der transpersonalen Psychologie um eine wissenschaftliche Disziplin, die den Ansatz der klassischen Psychologie durch eine religiöse, spirituelle und philosophische Betrachtungsweise, maßgeblich erweitert und ergänzt. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten gelangte Grof zu bedeutsamen Erkenntnissen, welche er unter anderem in seinem herausragenden Werk Kosmos und Psyche (2007) beschreibt, wo es heißt: „Der materialistischen Weltanschauung zufolge ist das Universum ein mechanisches System, dass sich im Grunde selbst erschaffen hat, und ist das Bewusstsein eine Begleiterscheinung, materieller Prozesse. Die Ergebnisse der transpersonalen Psychologie und der Bewusstseinsforschung sprechen sehr dafür, dass das Universum das Werk höherer Intelligenzen und das Bewusstsein ein wesentlicher Aspekt des Seins sein könnte. Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Priorität der Materie über das Bewusstsein und die Nichtexistenz einer schöpferischen Intelligenz in der universellen Ordnung der Dinge demonstrieren würden. Wenn wir den Befunden der materialistischen Wissenschaft die Einsichten aus der Bewusstseinsforschung hinzufügen, erhalten wir ein vollständigeres Verständnis vieler wichtiger Aspekte des Kosmos […]. Dazu gehören solche fundamentalen Fragen wie die Erschaffung des Universums, der Ursprung des Lebens auf unserem Planeten, die Evolution der Arten und die Natur und Funktion des Bewusstsein.“ (Grof, 2007,S. 359)

Der amerikanische Neurophysiologe John C. Lilly (1915-2001) hat sich aufgrund seines psychonautischen Enthusiasmus ebenfalls als bedeutsamer Bewusstseinsforscher verdient gemacht. Lilly, der an der Universität von Pennsylvania promovierte, fand sein wissenschaftliches Interesse zunächst in der Erforschung von Delphinen und deren Art zu kommunizieren. Da seine Forschungsdaten perverser Weise von der amerikanischen Armee zu Kriegszwecken missbraucht wurden (sie kamen auf die Idee, Delphine als Kriegswaffen einzusetzen bzw. sie als solche zu dressieren), gab Lilly die Delphinforschung auf. Von diesem Zeitpunkt an untersuchte er in zahlreichen Selbstversuchen mit Hilfe von Ketamin (in seinen Werken sehr häufig Vitamin-K), seltener LSD sowie der von ihm entwickelten Methode des sogenannten Floatings, nur noch die tiefliegenden Schichten, Regionen bzw. Erfahrungsbereiche seines eigenen (Unter-)Bewusstseins, wobei er das Modell des „menschlichen Biocomputers“ zur Erklärung seiner Erkenntnisse eingeführt hat. Der menschliche Biocomputer, der in der Wissenschaft häufig auch als neuronaler Schaltkreis bekannt ist, wird in seinem Werk Programmierung und Metaprogrammierung des menschlichen Biocomputers (2010) ausführlich beschrieben.

Ein weiterer ebenfalls hoch angesehener Psychonaut und Bewusstseinsforscher war Terence McKenna (1946-2000), der vor allem durch seine umfangreichen wissenschaftlichen Forschungsprojekte zum Schamanismus sowie zur Ethnobotanik der Magic Mushrooms (Psilocybe cubensis), international bekannt geworden ist. Terence McKenna sieht in dem Konsum von psilocybinhaltigen Pilzen sowie in anderen Entheogenen eine zentrale Verbindung zur menschlichen Evolution. So stellt er unter anderem die Theorie auf, das der evolutionäre Sprung vom Homo Erectus zum Homo Sapiens, auf den Konsum von Magic Mushrooms zurückzuführen ist. Auch vertritt McKenna die These, dass Ursprung und Beginn von Religion ebenfalls mit dem Konsum respektive dem rituellen Gebrauch dieser speziellen Pilzart, in starker Verknüpfung zueinander stehen. Sein umfangreiches Werk Die Speisen der Götter (1992) sei jedem empfohlen, der sich mit McKennas Forschungsarbeit sowie der evolutionären und sozio-kulturellen Bedeutung von Magic Mushrooms und anderen Psychoaktiva, intensiver beschäftigen möchte.

Wie bereits ersichtlich geworden ist birgt der Begriff Psychonautik eine große Diversität, nicht nur bezogen auf die optische Erscheinung der jeweiligen Persönlichkeiten, sondern auch die gewünschte wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung betreffend. Während es dem Wissenschaftler X primär um eine Erkenntnisgewinnung zu therapeutischen Zwecken geht, interessiert sich Wissenschaftler Y beispielsweise vielmehr für die, auf die Menschheitsgeschichte bezogene, sozio-kulturelle Relevanz von bestimmten Psychoaktiva. Ein solcher ist beispielsweise der allseits hochgeschätzte Ethnopharmakologe Christian Rätsch (*1957), der seinen forscherischen Schwerpunkt vor allem auf die kulturelle, insbesondere die schamanistische Nutzung von psychoaktiven Pflanzen gelegt hat. Darüber hinaus gibt es wohl keinen anderen Wissenschaftler der über einen so großen Erfahrungsschatz verfügt, wenn es um die unterschiedlichen Wirkungsweisen der verschiedensten Psychoaktiva geht. Sicherlich gibt es nicht besonders viele, der Wissenschaft bekannte psychoaktiv wirkende Substanzen, die Rätsch nicht schon einmal im Selbstversuch erforscht hat. Diese Tatsache verleiht seinen zahlreichen Werken eine unvergleichliche Authentizität, weshalb sie auch durch die Bank weg, alle zu empfehlen sind. Als unverzichtbares Standardwerk für alle Psychonauten sowie diejenigen, die es einmal werden wollen, hat sich seine Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen (1998) jedoch eine ganz besondere Empfehlung verdient.

Auch der amerikanische Chemiker Alexander Shulgin (*1925), der nicht nur für seine Neusynthetisierung von MDMA (Methylendioxymethylamphetamin), sondern auch für seine Entdeckungen von DOM (2,5-Dimethoxy-4-methylamphetamin) sowie 2C-B (2,5-Dimethoxy-4-Brom-Phenylethylamin) bekannt geworden ist, darf in dieser Auflistung nicht fehlen. Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeiten hat Shulgin insgesamt mehrere hundert psychoaktiv wirksame Verbindungen synthetisiert, welche er im Anschluss zusammen mit seiner Ehefrau Ann, allesamt im Selbstversuch getestet hat. Seine bedeutsamsten Werke sind Pihkal (1991) sowie THIKAL (1997), welche bislang jedoch noch nicht in die deutsche Sprache übersetzt wurden und daher nur auf Englisch erhältlich sind.

Weitere herausragende sowie die Bewusstseins- und Drogenforschung maßgeblich bereichernde Psychonauten, deren ausführlichere Vorstellung jedoch den Rahmen dieses Artikels um ein weites sprengen würde, sind beispielsweise die beiden Pilz- und Halluzinogenforscher Gordon R. Wasson (1889-1986) und Richard Evans Schultes (1915-2001), die Schriftsteller Aldous Huxley (1894-1963), William S. Burroughs (1914-1997), Allan Ginsberg (1926-1997) sowie Jack Kerouac (1922-1969), der Magier Aleister Crowley (1875-1947), die Tranceforscherin Felicitas Goodman (1914-2005), der Philosoph und Buddhismusforscher Allan Watts (1915-1973), der Drogenforscher und Orientexperte Rudolf Gelpke (1928-1972), der Psychologe und Leary-Kollege Ram Dass alias Richard Alpert (*1931), der Anarchist, Philosoph und Autor Robert Anton Wilson (1932-2007), der Psychologe, Philosoph und Autor Ralph Metzner (*1936), der Psychologe Charles Tart (*1937), der Ethnobotaniker und Schamanismusexperte Wolf-Dieter Storl (*1942), der Mathematiker, Drogenexperte sowie Musikwissenschaftler Hans Cousto (*1948), der Psychiater und Bewusstseinsforscher Rick Strassman (*1952), der Psychoaktivaforscher Bert Marco Schuldes (1955-2012), die visionären Künstler Alex Grey (*1953) und Nana Nauwald (*1947) sowie der Drogenforscher, Ethnobotaniker und Kakteenexperte Markus Berger (*1974).

Psychonautik Heute 
Das Interesse am menschlichen Bewusstsein mit all seinen Aspekten ist auch noch heute, im Zeitalter digitaler Medien, von ganz besonderer Präsenz, weshalb es nicht verwundert das derartige wissenschaftliche Forschungen, in denen (auch) bestimmte Drogen als wissenschaftliches Instrument genutzt werden, immer noch durchgeführt werden. Aufgrund der Illegalität vieler Substanzen finden solche Forschungen nahezu ausschließlich nur noch im Untergrund statt und nicht wie es noch vor ein paar wenigen Jahrzenten der Fall war, durch eine offizielle universitäre Begleitung und Förderung. Dies ist wirklich sehr bedauernswert, denn wie eingangs erwähnt, birgt die Psychonautik mit all ihren Facetten sowie der sich einander ergänzenden Diversität, das unermessliche Potenzial, der „Königspfad“ menschlicher Bewusstseinsforschung werden zu können. Wie dem aufmerksamen Leser dieses Artikels hoffentlich aufgefallen ist, handelt es sich bei der Psychonautik als Bewusstseinskultur nicht wie fälschlicherweise oft angenommen, um einen Aspekt der Partykultur oder des Hedonismus. Vielmehr untersucht die Psychonautik den Konsum psychoaktiver bzw. psychotroper Substanzen vorrangig im Kontext religiöser bzw. spiritueller Riten sowie im Rahmen des Gesundheitswesens mit der Zielsetzung einer Erkenntnisgewinnung, bezüglich Erhaltung und ggf. Wiederherstellung von physischer wie psychischer Gesundheit. Aus dieser Perspektive erscheint es mehr als angemessen, die psychonautische Forschung aus der rechtlichen Grauzone zu befreien und psychonautische Rituale, in welcher Form auch immer, für den UNESCO-Preis „Immaterielles Weltkulturerbe“ zu nominieren. Darüber hinaus würde sich der modernen Wissenschaft im Zuge einer Re-legalisierung der verbotenen Substanzen ein sehr großes Tätigkeitsfeld eröffnen, wodurch letztlich, durchaus optimistisch gesehen, unser ganzer Planet mit all seiner lebendigen Vielfalt profitieren würde.

Literatur:
Beringer, Kurt: Der Meskalinrausch. Seine Geschichte und Erscheinungsweise. Neudruck der Ausgabe Berlin 1927. Springer Verlag. 1969.
Hofmann, Albert: LSD-mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer Wunderdroge. 1.Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag. 1993.
Grof, Stanislav: Kosmos und Psyche. An den Grenzen menschlichen Bewusstseins. 5. Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.2007
Jünger, Ernst: Annäherungen. Drogen und Rausch. 1. Auflage dieser Ausgabe. Ursprüngliche Version von 1970. Stuttgart: Klett-Cotta. 2008.
Lilly, John C.: Programmierung und Metaprogrammierung des menschlichen Biocomputers. 1. deutsche Auflage. Phänomen Verlag. 2010.
McKenna, Terence: Die Speisen der Götter. Die Suche nach dem Baum der Erkenntnis. Edition Rauschkunde. Werner Piepers Medienexperimente. 1992.
Pieper, Werner: Kurt Beringer. Und die Heidelberger Drogenforschung der 20er Jahre. Edition Rauschkunde. Werner Piepers Medienexperimente. 1999.
Rätsch, Christian: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen. AT-Verlag. 1998.
Shulgin, Alexander/ Shulgin, Ann: Phikal. A chemical Lovestory. Transform Press: Berkeley. 1991.
Shulgin, Alexander/ Shulgin, Ann: THIKAL. The Continuation. Transform Press: Berkely. 1997.

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