Montag, 1. Juli 2013

Arbeit, die Spaß macht

Autor: Sadhu van Hemp

Schmuggler haben nicht immer Schwein

Es gibt einen Beruf, den jeder ausüben kann – ob als Amateur oder Profi. Voraussetzung sind gute Nerven und das Talent, eben diesen Job mit größter Präzision zu planen, zu organisieren und durchzuführen. Denn anders als bei Ärzten und Polizisten wird Pfusch bei der Arbeit bestraft – schließlich ist die Dienstleistung des Schmugglers per se ein Verbrechen.
Wer wagt, will auch gewinnen. Doch nicht immer verlässt sich der gemeine Zocker auf das pure Glück, um als Sieger zu triumphieren. Gezinkte Karten und Würfel sind so alt wie die Menschheit und bis heute weltweit in Gebrauch. Sportler dopen, Doktorarbeiten werden abgeschrieben und Fleischabfälle als fangfrischer Kabeljau umdeklariert. Unendlich ist der Einfallsreichtum des Homo sapiens, sich als Einzelner über alle zu stellen und diese an der Nase herumzuführen. Nicht immer ist dieser allgemeine Hang zur Asozialität zum Wohle der Gemeinschaft – doch es gibt auch Ausnahmen.
Der Versager von Belgrad, Uli Hoeneß, ist so ein Sonderfall, an dem sich die Geister scheiden. Während die Moralapostel unter uns den ersten Stein werfen, zögern die übrigen 99% der Bevölkerung, denn sie wissen, dass in jedem von uns ein kleiner Hoeneß steckt. Gibt es doch in diesem Land kaum einen Bürger, der nicht zu Höchstform aufläuft, wenn es darum geht, die Steuerklärung kreativ zu gestalten. Dann wird schon mal aus einem Saufabend mit den Kegelbrüdern ein Geschäftsessen, weil man sich ja an der Pissrinne auch über Steuersparmodelle austauscht.
Steuerbetrug ist Deutschlands Volkssport Nr. 1, und dazu zählt auch die Königklasse allen Nervenkitzels: die illegale Verbringung von Waren über Landesgrenzen, mit der Absicht, Zölle, Steuern und andere Einfuhrbestimmungen der nationalstaatlichen Wegelagerei zu umgehen. So ist jeder fünfte in Schland konsumierte Glimmstängel nicht versteuert, was laut Deutschem Zigarettenverband einen Steuerverlust von etwa 12 Millionen Euro pro Tag verursacht. Unangefochtene Spitzenreiter des breit angelegten Tabaksteuerbetrugs sind die Berliner Nikotinjunkies, die nur mit jedem zweiten Sargnagel ihren Obolus zur Finanzierung maroder Banken, fauler Staatsdiener und fluguntauglicher Kriegsdrohnen erbringen.

Letztlich findet all das seinen unverzollten Weg nach Deutschland, was Spaß macht: Alkoholika und Tabak, Haschisch und Opiate, Nashornpulver und Polenböller. Es gibt nichts, was nicht geschmuggelt wird, selbst wenn die Ware ein Mensch ist. Der Schmuggel kennt keine Grenzen, weder moralische, noch geographische, und die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn eine systemrelevante Stütze der Gesellschaft eine Orgie feiern will und seinesgleichen zu Kokain und exotischen Zwangsprostituierten einlädt, dann machen das erst Schmuggler möglich. Ohne die hohe Kunst des Schleichhandels geht nichts in dieser bigotten Gesellschaft, die christliche Werte predigt, aber in Sünde lebt. Undenkbar ist ein Weihnachtsabend, an dem das verwöhnte Eheweib des Geldproleten auf kostbare Pelzgeschenke und Krokohandtaschen verzichten müsste! Und dass eine ordentlich verzollte Kaviarstulle dem Sparfuchs nur halb so gut schmeckt, dürfte auch kein Geheimnis sein. Wozu Vater Staat und seinen Suppenküchenkindern etwas gönnen, wenn man selbst den Hals nicht voll kriegt?

Keine Frage, der Beruf des Schmugglers ist ein Garant unserer letzten Freiheiten – im guten wie im schlechten, sehr schlechten Sinne. Ein nettes Beispiel dafür ist unsere Bundesregierung, die über dunkle Kanäle einen Express-Lieferservice für Mord- und Folterwerkzeuge aller Art in Schurkenstaaten organisiert und damit ungeniert gegen das Kriegswaffenkontrollrecht verstößt. Ebensolche Gangster sind unsere habgierigen Immobilienhaie. Über Tag frisst sich der Schwarm nimmersatter Schmarotzer im Sozialstaat Deutschland mit Wuchermieten, Förder- und Wohngeldern dick und rund, um dann bei Nacht und Nebel am Schweizer Ufer des Bodensees zu laichen.
Nicht gerade gentlemanlike ist auch der Schmuggel von süßen kleinen Negerbabys, damit sich kinderlose, aber gutsituierte Alt-Yuppies mit einem Lebend-Spielzeug den Lebensabend versüßen können.

Und doch, trotz aller Auswüchse, es gibt sie noch, die Schmuggler der guten alten Schule. Also jene Brüder und Schwestern, die selbstlos Kopf und Kragen riskieren und reinen Herzens dafür sorgen, dass u.a. die Genusskiffer und Cannabis-Patienten ihre im Grundgesetz verbriefte Freiheit auch wirklich leben können. Ohne den Heldenmut jener wackeren Frauen und Männer, deren unbestechliches Wesen auf Ehre und Gewissen gestellt ist, wäre der gute Ruf der klassischen Schmugglerzunft längst perdu. Denn eines sei hier mal klargestellt: Schmuggler mit Haschischharz im Gepäck mögen zwar Verbrecher vor dem antiquierten Opiumgesetz sein, aber in unseren Herzen sind diese wagemutigen Menschen Wohltäter. Ihr Handeln ist unsere Notwehr! Jedes noch so kleine eingeschmuggelte Rauchpiece führt das perfide System rechtswidriger Verbote in Gänze ad absurdum. Wer Cannabis schmuggelt und den rund vier Millionen kriminalisierten Bundesbürgern trotz allen staatlich zugefügten Leids ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert, der kann kein schlechter Mensch sein. (Selbst wenn der Haschischschmuggler nur aus rein pekuniären Motiven handelt und sein gescheffeltes Vermögen wie jeder andere Geldsack in Steueroasen parkt – der darf das!)

Genaue Zahlen über den internationalen Cannabisschmuggel lassen sich nur ungenau ermitteln. Die Drug Enforcement Administration (DEA) schätzt aber den Umsatz aller illegal gehandelten Drogen auf mehrere hundert Milliarden Dollar jährlich, was in etwa den Umsätzen des legalen Erdölgeschäfts entspricht. Mutmaßlich wird im Drogenhandel mehr als die Hälfte aller weltweiten Umsätze der organisierten Kriminalität getätigt. Gäbe es eine Ganoven-UNO, Mr. Howard „Nice“ Marks wäre mehrheitlich gewählter Generalsekretär.
Doch was wäre das Schmuggelgeschäft ohne jenes fleißige Fußvolk, das im Ameisenverkehr tagein tagaus seine Furchen zieht und ein Heer von plattfüßigen Zöllnern auf Trab hält? Alle Register werden gezogen, von beiden Seiten, um als Sieger aus dem Katz-und-Maus-Spiel davonzuschleichen. Die Fangquote der Zollbeamten ist jedoch ohne jede Relevanz. Da helfen auch keine peinlichen Pressemitteilungen über geschnappte Amateurschmuggler, die der Öffentlichkeit präsentiert werden, als hätte man Schwerbrechern das Handwerk gelegt.
Wie neulich zu Pfingsten in Bad Bentheim, als die Bundespolizeiinspektion stolz wie Oskar die Sensationsmeldung streute, einen 38-jährigen Haschbruder mit 70 Bodypacks Haschisch aus dem Zug gefischt zu haben. Ursache für den Bust war aber nicht der Spürsinn der Zöllner, sondern die schlechte Planung und Durchführung der Bodypacking-Aktion. Denn wer die geschluckten Hascheier bereits vor der Grenzkontrolle ausscheidet, der muss sich nicht wundern, wenn der Schmuggelversuch buchstäblich in die Hose geht. Doch als wäre das nicht Strafe genug, witterten die Hilfs-Urologen vom Zoll weiteres Schmuggelgut in den Gedärmen des Delinquenten. Doch alle manuelle Stimulanz der Prostata und Zwangsernährung mit Sauerkraut, sowie die anschließende Untersuchung des Dünnpfiffs förderten keine weiteren Drogen ans Tageslicht.
Diese und ähnliche Erfolgsmeldungen zeigen allzu deutlich den Nonsens des Hanfverbots. Je enger der Zoll die Maschen zieht, desto kleiner werden die Fische. Was sich im Kokainschmuggel bewährt hat, hält nun auch Einzug bei der illegalen Haschischeinfuhr. Vorbei die Zeiten, als sich der Hippie ein mit Edel-Hasch präpariertes Korsett um den Bauch band – nun dient die Plauze selbst als Versteck. Inwieweit diese Methode Schule macht, bleibt abzuwarten. Bei einer Gewinnspanne von rund tausend Prozent wäre es aber durchaus lukrativ, sich einmal wöchentlich unter Neckermänner zu mischen und nach Marokko zu jetten.

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