Dienstag, 25. Juni 2013

Cannabis sicherer als Alkohol

Mit den Mitteln der Techniker Krankenkasse

Selbst plumpeste Propaganda beruft sich auf richtige Statistiken

Wir können das auch: Reißerische Headlines formulieren, die nicht unbedingt unwahr, dafür aber tendenziös sind, ohne das wahre Problem zu benennen. In dieser Meldung der Techniker Krankenkasse ging es wieder einmal um den unsäglichen Vergleich zwischen Cannabis und Alkohol. Die TK meldet, das „jeder neunte Jugendliche illegale Drogen konsumiere“ und manifestiert das an den Krankenhausaufenthalten aufgrund von Cannabiskonsum. So weit, so gut.
Doch leider unterläuft der TK der gleiche Fauxpas wie gut ein Jahr zuvor, denn in der von der TK angeführten Zahlen des Statistischen Bundesamts sind auch alle Diagnosen aufgrund des Konsums so genannter „Räuchermischungen“ sowie der Opfer von gestrecktem Cannabis aufgeführt. Besonders peinlich an der Meldung ist, dass eine Sprecherin der Kasse im Rahmen der Pressemittelung von 2011 diesen Fehler eingeräumt hatte. Doch auch in der aktuellen Meldung werden Cannabis-Konsumierende und diejenigen, die Probleme mit synthetischen Cannabinoiden haben, in einen Topf geworfen.

Zudem vergleicht die Krankenkasse in ihrer Meldung Äpfel mit Birnen: Während beim Alkohol nur die Zahlen betrunkener Jugendlicher bis 21 herangezogen werden (2.823 Fälle), kommen die insgesamt 687 Cannabinoid-Konsumierenden aus allen Altersgruppen. Stellt man diesen 687, bei denen es sich unseren Recherchen nach zufolge eigentlich nur um 630 Personen handelt, dann die Gesamtsumme derer entgegen, die wegen Alkoholproblemen ins Krankenhaus mussten, wird klar, dass die TK hier wild mit Zahlen herumspielt, um eine neue „Gefahr durch Cannabis“ heraufzubeschwören und gleichzeitig den aktuellen Alkoholkonsum Erwachsener herunterzuspielen.

In Niedersachsen wurden vorletztes Jahr 11 598 Personen wegen Alkohol in einer Klinik behandelt, also fast 17 mal so viele als aufgrund von Cannabinoiden.
Würden wir wie die TK rechnen, wären Cannabinoide, inklusive der neuen Räuchermischungen, 16 mal sicherer als Alkohol, bei Jugendlichen mit 209 Einlieferungen immerhin 12 mal sicherer als Alkohol, durch den im gleichen Zeitraum mehr als 1300 Menschen in Niedersachsen ums Leben kamen.
Aber wir vergleichen Äpfel nicht mit Birnen, weil es gefährlich ist.

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