Donnerstag, 30. Mai 2013

Unnützes Ritual

Die Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2013 – der Blick auf Europa fehlt vollends

Fehlt der Blick für Europa: Mechthild Dyckmans

Die jährliche Vorstellung des Drogen-und Suchtberichts durch die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans brachte auch 2013 wenig neue Erkenntnisse. Die meisten Probleme sowie Todesfälle werden durch legale Drogen verursacht, Alkohol ist dabei mit Abstand das größte gesellschaftliche Problem und der Konsum der illegalisierten Drogen stagniert auf hohem Niveau. Zur Verifizierung der absoluten Konsumentenzahlen greift die Bundesregierung wiederum nicht auf das international anerkannte Werkzeug der Abwassermessung zurück und besonders bei Cannabis fällt auf, dass dort seit über 10 Jahren nur noch Zahlen zu konsumierenden Jugendliche erhoben werden. Auffällig ist auch, dass repressive Maßnahmen gegen kleine Selbstversorger zunehmen: So stieg die Fallzahl bei Hanfanbau-Delikten im Jahr 2012 um 25 Prozent an, während insgesamt aber viel weniger Pflanzen beschlagnahmt wurden als noch 2011. Alternative Lösungsansätze in der Drogenpolitik werden im DSB 2013 gar nicht erst erwähnt.

Ganz anders präsentiert sich der„European Drug Report“ der EU, genau gesagt der „Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht“ (EBDD). Hier findet man Zahlen, die auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen (Stichwort Abwassermessung) sowie ein ganze Kapitel, das alternative Modelle zur regulierten Cannabisabgabe vorstellt. Nicht nur beim Themenkomplex „Legal Highs“ beruft sich Frau Dyckmans in ihrem Bericht gerne auf die EBDD, erwähnt jedoch die dort als erfolgreich berwerteten, Konsum akzeptierenden Modellversuche mit keinem Wort.
Der „European Drug Report“ basiert auf jahrelanger Forschungsarbeit des Lissabonner EU-Instituts, während sein Pendant, der Drogen-und Suchtbericht 2013, lediglich dazu dienen soll, den drogenpolitischen Status Quo zu bewahren und neue, Konsum akzeptierende Strategien zu verhindern. Frau Dyckmans sagte bei der Vorstellung des Berichts, Deutschland müsse den Austausch mit anderen Staaten in den verschiedenen drogenrelevanten Bereichen deutlich verstärken. Dann sollte sie mal flugs damit anfangen, sich mit der Arbeit, den Zahlen und den Empfehlungen der EBDD auseinander zu setzen, in der ja immerhin 27 EU-Staaten evidenzbasiert forschen lassen.

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