Mittwoch, 3. April 2013

Überall Gras

Re-Legalisierung als Thema im Kanzleramt, im Bundestag und im TV

Grafik: Schmiddie

Es geht weiter stetig vorwärts, und auch im Bundestag ist Cannabis weiterhin Thema. Im März waren einige eingeladene Experten aus Medizin, Betäubungsmittelregulierung und Prävention zum Meinungsaustausch ins Kanzleramt geladen, darunter Dr. Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der ACM und Geschäftsführer der IACM. Grundlage für das Gespräch war der Zukunftsdialog von 2012, in dessen Rahmen die Bundeskanzlerin dem Deutschen Hanfverband eine ergebnisoffene Expertenanhörung versprochen hatte.

Das Versprechen hat sie zumindest eingehalten, weil „ […] Die Gesprächsstruktur und die großzügig bemessene Dauer eine differenzierte Beleuchtung der Themen und einen intensiven, informativen und sachlich geführten Dialog erlaubten.[…]“, wie die „Arbeitsgemeinschaft-Cannabis-Medizin“ in einer Pressemitteilung verlauten ließ.
Heißt zu deutsch, dass im Zentrum der Macht wirklich einmal unvoreingenommen und ausschließlich evidenzbasiert über Hanf geredet wurde.

Wer jetzt denkt, dass Merkels Referenten die Kanzlerin aufgrund des netten Gesprächs jetzt bedrängen werden, Gras endlich zu re-legalisieren oder auch nur Patienten unkomplizierten Zugang zu pflanzlichen Cannabis zu verschaffen, hat nicht verstanden, wie Politik hinter verschlossenen Türen funktioniert. Kurz vor der Wahl wird die Regierung alles vermeiden, was das Thema auch nur ansatzweise interessant machen könnte, selbst wenn es zumindest für eine Gesetzesänderung für Cannabis als Medizin eine Mehrheit gäbe, ist Hanf immer noch kein Thema, mit dem eine konservative „Volkspartei“ in Deutschland auf Stimmenfang gehen kann. Wichtig ist lediglich, dass genau dort, wo Entscheidungen getroffen werden, über das Thema Cannabis ohne Scheuklappen diskutiert werden kann.

Wohl auch deshalb hat die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen den Vorsitzenden der Drug Policy Alliance gebeten, diesen Monat als Sachverständiger vor dem Gesundheitsausschuss über Hanf referieren. Nadelmann hat sich USA-weit einen Namen gemacht und steht mit seiner Allianz für eine Drogenpolitik, die ausschließlich auf wissenschaftlichen Erkenntnisse beruht und die Gesundheit der Konsumenten, die Achtung der Menschenrechte sowie Mitgefühl für Betroffene in den Mittelpunkt des politischen Handels stellen möchte. Auch hier muss niemand erwarten, dass der Gesundheitsausschuss auf Änderungen drängen wird, selbst wenn die Anhörung am 17. April wieder einmal nur einen logischen Rückschluss zulassen wird: Re-Legaliserung von Hanf unter Einhaltung strenger Jugendschutzrichtlinien. Aber da sind wir wieder im Kapitel „Wie Politik funktioniert….“.

Eine kleine Enttäuschung hingegen war die „Absolute Mehrheit“ bei Stefan Raab, auch wenn Kiffer Sido einen Haufen Kohle gewonnen hat. Er twittert vorab „So ein Hanfverein will mich treffen, um mir zu sagen, was ich sagen soll bei „Absolute Mehrheit“ am Sonntag. Mach ich doch glatt nicht“

Hätte er mal besser, denn der Rapper aus Berlins Nordwesten ist trotz seines Sieges vor der Kamera der schlechteste Vertreter, den sich ein halbwegs vernunftbegabter Kiffer oder Grower nur vorstellen kann. Dazu noch ein SPD-Populist à la Buschkowsky, CSU-Hardliner Spahn und zwei Hinterbänkler der Bündnis-Grünen sowie der Linken- fertig ist das Klischee-TV. Das Pro-Hanf Trio war zu unfähig, die Diskussion weg von kiffenden Kindern, hin zu verantwortungsvollen Konsumenten und Konsummustern zu lenken. Zum Glück waren die Argumente von Buschkowsky und Spahn so fernab jedweder Realität, dass den Zuschauern die Entscheidung trotz des unsäglichen Niveaus der Runde nicht schwer fiel.

Sido selbst bietet eigentlich das beste Beispiel für einen Hanf-Konsumenten, der aufgrund mangelender Prävention und falscher Drogengesetzgebung in einem Alter mit dem Kiffen angefangen hat, in dem er sich besser anderen Dingen gewidmet hätte.
Mittlerweile weiß er wohl selbst, dass eine Frühstücksbong nicht unbedingt die Kreativität fördert und warnt seine jugendlichen Fans vor den negativen Auswirkungen eines zu frühen Einstieg ins Kifferleben. Chapeau Sido, hat ‚ne Weile gedauert.

Bleibt abzuwarten, ob das super intelligente Drogenopfer das Geld denen zu Gute kommen lässt, die ihm die PR-Show beim Outenjäger durch ihr Onilne-Votum ermöglicht haben: Die mehrheitlich jungen Re-Legalisierungsbefürworter im World Wide Web.

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