Dienstag, 5. März 2013

Berlin tut weh!

An keinem anderen Ort Deutschlands wird mehr Gras und Haschisch verbrannt als in der Bundeshauptstadt. Und nicht nur das: Im Sündenbabel an der Spree gibt es kein Gebot, das nicht gebrochen, kein Laster, das nicht gelebt, keine Sehnsucht, die nicht gestillt wird…

Autor: Sadhu van Hemp

Berlin eben…

…auf Deibel komm raus. Wer mal eben ungestraft Scheiße bauen oder sein Leben gänzlich in den märkischen Sand setzen will, dem bietet Berlin eine Zufriedenheitsgarantie.

Vor gerade mal 776 Jahren war’s, als aus dem Rheinland stammende Koofmichs auf die närrische Idee kamen, die kleine Spree-Insel unweit der Havelmündung unter dem Namen „Cölln“ urkundlich zu erwähnen. Fortan läuteten die Glocken von Sankt Petri ins weite Nichts von „Germania Slavica“, die Missionierung der scheuen Wenden konnte beginnen. Doch wo die Christenlehre Einzug hält, da ist die Sünde nicht weit – und das sprach sich in Spandau, Köpenick und den anderen Dörfern herum. Wie von selbst dockten die slawischen Ureinwohner rund um das katholische Inselchen an, der festen Überzeugung, dass vor der Buße immer erst das schöne sündige Leben kommt. Das kannte man, das wollte man, schließlich war das Umland rund um die heutige Museumsinsel schon immer ein Sumpfgebiet, das heidnische Götzen direkt aus der Hölle gebar und regelmäßig die Vertreter Gottes samt Ablasskasse auf Nimmerwiedersehen verschlang.

Cölln hielt stand, und 1244 bekam das rheinische Sodom an der Spree das dazugehörige Gomorrha, das sich kurzerhand Berlin nannte – abgeleitet aus dem slawischen Wort für Sumpf. Die Symbiose der Doppelstadt hielt bis 1709, dann war Schluss mit der rheinisch-katholischen Herrlichkeit: Ein Köln wie am Rhein hatte die Weltgeschichte an der Spree nicht vorgesehen. Die Reformation machte aus den Brandenburgern Lutheraner, und das Verhältnis der Hohenzollernfürsten zum Papst im fernen Rom beschränkte sich darauf, den Inquisitoren das ausgemusterte Humankapital abzuluchsen. Ganze Trecks von Flüchtlingen zogen über Rhein und Elbe nach Berlin und brachten dem von Krieg und Seuchen ausgehungerten Land neues, vor allem aber buntes Leben. Um 1700 war jeder vierte Bürger französischer Abstammung, die gemeinsam mit Welschschweizern, Oraniern und Pfälzern den märkischen Genpool auffrischten.
Anno 1740 verordnete Friedrich II, König von Preußen, jene Berlinische Lebensphilosophie, die die UN-Charta für Menschenrechte vorwegnahm: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“ Ein Motto, das im faulen Morast zwischen Spree und Havel jede andere Religion bis zum heutigen Tage erstickt und den „Abschaum der Menschheit“ anzieht wie Hundepup die Fliegen. Wer in Berlin aufschlägt, muss Dreck am Stecken haben, und das nicht zu knapp. Früher waren es die Hugenotten, gestern Fahnenflüchtige der Bundeswehr, heute sind es schwäbische Schmocks mit ritalinsüchtigen Einzelkindern, die sich in den multikulturellen Großstadtdschungel der ostasiatischen Steppe flüchten, und sich an der guten alten „Schrippe“ versündigen. Berlin ist die Kloake Deutschlands, in der das Böse wächst und gedeiht, ohne dass mal eine höhere Instanz den Kammerjäger ruft oder einer mit dem eisernen Besen durchfegt. Der Berliner will es so – sind doch von den 3,6 Millionen Einwohnern über sechzig Prozent konfessionslos und somit von Hause aus Barbaren. Wer kennt sie nicht, unsere Pappenheimer, die Ballonseide tragen und ihre kackfrechen Gören zum Betteln in die Suppenküche schicken, weil die Stütze bereits für den Deckel des Vormonats draufgegangen ist? Doch Spott beiseite: Das sind sie, die echten Berliner, die mit Herz und Schnauze, die für den Leierkastenmann noch einen Sechser übrig haben und den Kindern egal welcher Herkunft ein Onkel Pelle sind.

Alle Schuld an diesem ewig währenden sittlichen Notstand trägt zweifelsohne Friedrich der Große, der seine Untertanen nicht mit der Knute, dafür aber mit perfektem Französisch und schrägem Flötenspiel folterte. Die preußische Residenzstadt mittels Kultur zur Brutstätte der Blasphemie zu machen, war ein nicht wieder gutzumachender Fehler des Alten Fritzen. Wer vor der Heiligen Inquisition geflüchteten Hexen Asyl gewährt, sich französische Künstler als Höflinge hält und die vergnügungssüchtigen Partybrüder dann an Schule und Universität denken und lehren lässt, der darf sich nicht wundern, wenn das einfache Volk erst klüger, dann dreister und schließlich frech wird. In diesem Sinne gilt der olle Fritz als geistiger Vater des „Berliner Originals“, dessen anmaßende Respektlosigkeit sich darin äußert, das urbane Chaos zunächst einmal aus der Perspektive des Eckenstehers zu bekieken – eben jene typisch Berliner Unart, erst dann alles besser zu wissen und dieses kundzutun, wenn es zu spät ist. Der Spreeathener ist ein Meister aller Klassen, der nur dann nach Taten dürstet, wenn die Eckkneipe öffnet. Das Leben ist ein Zustand des Abwartens nach der einen sich bietenden Gelegenheit, wie ganz Berlin ein beständiger „Zustand“ ist, der unendliche Geduld und Ignoranz erfordert, um nicht den Verstand zu verlieren. Dieses Phlegma wird irrtümlich als Toleranz und Weltoffenheit interpretiert, ist aber in Wirklichkeit nur heiße Berliner Luft, die eher Ernüchterung denn Rausch auslöst. Vor allem Neuberliner aus dem süddeutschen Raum hyperventilieren und drohen zu kollabieren, wenn sie halb ohnmächtig zuschauen müssen, wie Nachbars Vierbeiner den Gehweg mit Tretminen zupflastert, ohne dass sich jemand stört. Warum auch? Die Berliner Stadtreinigung wirbt schließlich mit dem Slogan „Befreie Dich von allem Überflüssigen!“ Und damit das auch der letzte Schwabe versteht: „We kehr for you!“
Kein Märchen, in Berlin steppt tatsächlich das Wappentier, und das mit dem Seligwerden nach eigener Façon ist kein billiger Mythos, sondern bittere Realität, die zu ertragen wirklich nur den ganz Harten vorbehalten bleibt. Die Bevölkerungsfluktuation ist hoch, auch weil Berlin einem Durchlauferhitzer gleicht, der überproportional viel Energie benötigt, um den Bürger auf Betriebstemperatur zu halten. Was den jungen erhitzten Gemütern ein Pfund ist, mit dem sie wuchern können, ist dem alten ausgebrannten Stadtneurotiker ein kostbares Gut, das in der Hektik Berlins zu vergeuden, nur denen in den Sinn kommt, die ohne den Kitzel der Selbstkasteiung mittels ewiger Sünde wie eine Primel eingehen würden. Berlin hat nämlich vierundzwanzig Stunden geöffnet, und wer unstet leben will, findet ohne langes Suchen, die zu ihm passende Lasterhöhle. Egal, wonach die verdorbene Seele, das verfaulte Fleisch giert, egal, welche Sucht und Notdurft das Sünderlein treibt, in der Berliner Unterwelt gibt es nichts, was es nicht gibt – und das sofort und diskret.

Wen erstaunt es da, dass Berlin derzeit das Mekka der Jugend ist, die mit Partys, Drogenexzessen und Orgien bespaßt werden will? Der Hinterhof Deutschlands ist begehrter denn je. Ob Klassenreise, Betriebsausflug oder Kegelclubmeisterschaft, alle schreien: „Wir fahren nach Berlin!“ Und das völlig zu Recht, denn die olle Stinkestadt ist laut eigener Werbeaussage „Arm, aber sexy“, und das verspricht jedem Touristen für billig Geld viel Sex, noch mehr Drugs und eine kostengünstige Übernachtung mit Frühstück in der Ausnüchterungszelle. Aber nicht nur von der Kette gelassene Wohlstandskinder der deutschen Provinzen knallen sich in der Berliner Szene die Rübe weg, sondern gleich die ganze Jugend der Welt.
Für Neuköllns Bezirksbürgermeister Buschkowsky ist der Berlin-Hyp nicht mehr feierlich: Die fleischgewordene Glaskugel sagt eine neue Bedrohung für unser Sozialsystem voraus, und die ist erzkatholisch und kommt aus Südeuropa. Längst werden Stimmen der türkischen Gastronomie laut, die sich bitter darüber beklagen, dass das vom JobCenter vermittelte Fachpersonal nur noch Spanisch und Italienisch, aber kein Wort Deutsch spricht. Wo soll das hinführen? Kackt Berlin jetzt endgültig ab? Das fragt sich wieder einmal mehr der Ur-Berliner, der schon die halbe Welt kommen und gehen sah. Dann kratzt er sich am Sack, ault noch einmal aufs Trottoir und nimmt sich fest vor, mal im Internetz nachzugucken, was es „mit dem ollen Fritzen sein Spruch“ eigentlich auf sich hat.

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