Montag, 4. März 2013

Gras und Schule

Prävention in der Schule aus der Sicht eines Schülers

Autor: Lennart Armbrust

An den Schulen wird oft ein falsches Bild der einzelnen Substanzen vermittelt

Cannabisprävention sieht in meiner Schule so aus: Eine Lehrerin wird damit beauftragt, sich um Suchtprävention zu kümmern. Diese Lehrerin erzählt dann den Schülerinnen und Schülern, warum Drogen schlecht sind. Es gibt auch eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die sich in Zusammenarbeit mit der Präventionslehrerin mit dem Thema Suchtprävention beschäftigt. In dieser Konstellation wird viel über Nikotinmissbrauch und über mehr oder weniger wirksame Programme zu seiner Vermeidung gesprochen.

Alkohol ist im Prinzip die einzige Droge, mit der ein Konsum akzeptierender Ansatz umgesetzt wird. Cannabis wird größtenteils mit den anderen synthetischen wie natürlichen, illegalen Drogen in einen Topf geworfen, als Ziel wird eine totale Abstinenz definiert.

Die Beratungslehrerin hat in der Schülerschaft in meinen Augen ein Authentizitätsproblem, da sie vorgibt noch nie in ihrem Leben geraucht, geschweige denn gekifft zu haben. Mit Cannabiskultur, zum Beispiel mit anderen in Frage kommenden Applikationsformen außer dem Joint, kennt sie sich schlicht nicht aus. Die fehlende Erfahrung sowie das mangelnde Wissen dieser Lehrerin werden natürlich insbesondere von gelegentlich kiffenden Schülerinnen und Schülern bemerkt. Gerade solche, die rauchen, kiffen oder wenigstens einzelne Konsumerlebnisse hatten, werden die Lehrerin deswegen nicht mehr ernst nehmen.

In meinen Augen besteht hierin, neben der Illegalität, das gravierendste Problem, das effektiver und wirksamer Präventionsarbeit im Wege steht. Dies ist gerade dann der Fall, wenn Präventionslehrerinnen und -lehrer Dinge über Drogen erzählen, die aus Sicht der Schülerinnen und Schüler mit Konsumerfahrungen nicht realistisch sind und ihrer Wahrnehmung der Droge absolut nicht entsprechen. Auch Schülerinnen und Schüler, die vielleicht bis dato keine Erfahrungen mit Konsum haben, sehr wohl aber von ihren kiffenden Mitschülerinnen und Mitschülern regelmäßig andere Dinge zu hören bekommen als von betreffenden Lehrerinnen und Lehrern, fragen sich, wem sie mehr Glauben schenken sollen. Es ist meines Erachtens also überhaupt nicht zielführend, über drogeninduzierte Psychosen, physische und psychische Abhängigkeit, Abnahme der Leistungsfähigkeit und Intelligenz, Beeinträchtigung des Kurzgedächtnis etc. zu referieren, wenn die Schülerinnen und Schüler zu Recht der Meinung sind, Suchtpräventionslehrerinnen und -lehrer hätten keinen blassen Schimmer, worüber sie sprechen.

Meiner Meinung nach wäre viel gewonnen, wenn sie tatsächlich im Umgang mit Substanzen erfahren wären. Wenigstens aber sollten sie diese Erfahrung zumindest dadurch vermitteln, den Schülerinnen und Schülern nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gegenüberzutreten, sondern aufgeklärte, ehrliche und vor allem konsumakzeptierte Suchtprävention zu betreiben. Dann wären auch die erreicht, die schon Konsumerfahrungen haben. Denn wenn die Gruppe der Schülerinnen und Schüler mit Konsumerfahrungen plötzlich das Gefühl bekommen, sie hätten einen Erfahrungs- und Wissensvorsprung vor den Präventionslehrerinnen und -lehrern, wird es kritisch. Diese Schülerinnen und Schüler glauben der betreffenden Lehrerin oder dem betreffenden Lehrer gar nichts mehr. Kommen sie zudem aus einem Elternhaus, in dem dieses Thema nicht vernünftig behandelt wird, haben sie keine Chance mehr, dass ihnen ein sinnvoller wie vernünftiger, selbstbewusster Umgang mit Cannabis oder illegalisierten Drogen an sich vermittelt wird.

Der Autor dieses Artikels ist Schüler der 12. Klasse eines Gymnasiums und beschreibt hier seine persönlichen Erfahrungen mit Drogenprävention an seiner Schule.

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