Donnerstag, 27. August 2009

Doktor-Hanfs Patienten Ecke -4- Die Geschichte von Tom Ache

Lars Scheimann, leidet seit frühester Jugend unter ADHS und Tourette. Er ist einer der ersten Patienten in Deutschland, denen natürliches Cannabis, importiert aus den Niederlanden, genehmigt wurde. Lars lebt, seit er Gras aus der Apotheke erhält, fast beschwerdefrei.
In dieser Ausgabe könnt ihr die Geschichte eines Patienten lesen, der mit Hilfe von Lars Scheimann, alias Doktor-Hanf, ein Dronabinol Rezept erhalten hat.

Mein Name ist Tom Ache, ich bin 32 Jahre alt, komme aus Berlin und möchte euch in folgenden Zeilen meine Geschichte erzählen. Bis zum heutigen Zeitpunkt stand ich zum größten Teil auf der Sonnenseite des Lebens. Meine musikalische Früherziehung begann, bedingt durch meine behinderte Schwester, zuallererst in spielerischer und anschließender didaktischer Form, mit dem Ergebnis, dass ich bereits sehr früh durch diese Umstände bis zu 12 verschiedene Musikinstrumente, zum größten Teil, Blasinstrumente spielen konnte. 1994 folgte die erste Studio-Gründung, Furniture Records in Berlin Lichterfelde. Plattenaufnahmen mit Musikern der BBKing Formation, freie Theaterprojekte in der Berliner Staatsoper in Aufnahme sowie Mikrofonierungsbereich.

Selbst auf eine freie Anstellung in der Abbey Road (London) oder freie Tätigkeiten für Firmen wie Brit’Row (London), Clair Brothers (USA), Audiorent (Schweiz) Procon (Hamburg), Blackboxmusic (Berlin) kann ich zurückschauen. Ich habe mit großartigen Künstlern wie Pink, Sido, Kylie Minogue, Culcha Candela, Judy Winter und vielen weiteren zusammenarbeiten dürfen. Bis zum heutigen Tag bin ich ein Teil vom Mastering Team Masterlab Berlin/Würzburg/Hamburg geblieben und dort als Junior Mastering-Ingenieur tätig. Ich habe die Welt und viele ihrer wunderbaren Menschen kennenlernen dürfen und ich möchte keine Sekunde davon missen.

2006 befand ich mich geradewegs in der Produktion des Malik Albums im Berliner Masterlab. Ich bemerkte während dieser Zeit plötzlich Veränderungen an meinem Körper, die von nun an mein ganzes Leben verändern sollten. Ich bekam Schmerzen an meinem linken Bein. Beim näheren Hinsehen bemerkte ich eine leichte Verfärbung der Oberhaut. Bis dahin eigentlich noch unbesorgt begab ich mich zu meinem Arzt. Das Martyrium begann. Die von ihm gestellte Diagnose: Hautkrebs. Es folgte die operative Entfernung sämtlicher befallener Partien, zunächst erst oberflächlich bis jedoch die weitere Diagnose klarstellte, dass dieser Krebs bereits gestreut hatte. Lymphknoten in der Achselhöhle und Becken waren bereits befallen. Die 1. Chemotherapie wurde angesetzt. Dennoch hat diese Therapie eine Metastasierung in die Bauchspeicheldrüse nicht aufhalten können. Die einzige Wirkung der Chemotherapie machte sich bemerkbar, indem ich zunehmend an Gewicht verlor und ständig erbrechen musste. Sämtliche Mittel gegen das ständige Erbrechen und den fehlenden Appetit wurden mir verabreicht. Dennoch hat nichts geholfen. Die Tatsache, das ich von Berufswegen her ständig viel unterwegs war und meine finanzielle Lage durch meinen Erfolg nicht die schlechteste ist, bescherte mir das Vertrauen in viele Ärzte, die wirklich all ihr Bestes gaben und durch ihr Wissen und ihre Kompetenz in diesem alles versucht hatten, um mir zu helfen.

2007 beschlossen die Mediziner eine 2. Reihe von Chemotherapien, die in Veränderung von Zusammensetzung zur Folge hatten das es mir unsagbar schlecht ging. Ich verlor kein einziges Haar, aber ich litt unter einer aggressiven Gewichtsabnahme, konnte weiterhin nicht essen, hatte keinen Appetit und wurde immer schwächer. Die gängigen Präparate der Schulmedizin halfen mir nicht. Ich begann selbstständig mit der Zufuhr von THC, in Joint-(Rauch-)Form. Mein Ziel war es durch die Zunahme von Körpergewicht Kräfte zu mobilisieren, die mir helfen würden, die Chemotherapie überhaupt zu überleben. 2008 erneute Metastasenbildung in Niere, Knochen, und erneuter Hautkrebs am Arm mit der Folge einer noch aggressiveren Chemotherapie (breitbandig und sehr stark) und der Information der Mediziner an mich, dass die bisher eingesetzten Chemotherapien leider erfolglos waren. Meine Körperreaktionen veränderten sich zunehmend, ich begann aus Nase, Ohren und Mund zu bluten.
Meine Schleimhäute waren dermaßen in Leidenschaft gezogen, dass sie diese Symptome zeigten. Die Blutwerte zu diesem Zeitpunkt wurden immer schlechter.

Ich nahm Kontakt zu Doktor Hanf auf, ich kannte Lars von verschiedenen Touren, die ich bis dato mit Aggro Berlin gemacht habe, in dieser Zeit entwickelte sich eine Freundschaft, der ich bis hierhin vielleicht sogar zu verdanken habe, dass ich noch lebe, oder zu mindestens mit einer Qualität, die für ein normales Leben unerlässlich erscheint. Immer wieder riet er mir dazu, mir Dronabinol von meinen Ärzten rezeptieren zu lassen. Er klärte mich auf über Anwendungsgebiete und die bisher auch bestätigten Erfolge, die es bei Patienten gab, die ebenso wie ich unter den starken Nebenwirkungen der Chemotherapie litten. Dass es überhaupt ein Medikament auf der Basis von THC gibt und dieses auch noch verschreibungsfähig ist, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Obwohl einige der behandelnden Ärzte darüber informiert waren, dass ich Cannabis rauchen würde und es mir dadurch viel besser ging. Von selbst hat mich keiner der Ärzte darüber aufgeklärt, dass ich es mir auch in Form von Tropfen legal verschreiben lassen kann.

Auch die letzte Chemotherapie 2009, die trotz veränderter Zusammensetzung und Dosis keinerlei Erfolg versprach, hätte ich wahrscheinlich unter der mittlerweile angesetzten Dronabinoltherapie physisch sowie psychisch nicht mehr verkraften können.
Ich möchte, dass mein Handeln und Tun als individuelle Entscheidung anzusehen bleibt, aber ich entschied mich Anfang 2009 dazu die Chemotherapie abzubrechen und mein weiteres Leben in Gottes Hand zu legen. Diese Entscheidung ist keine Empfehlung und soll auch niemanden zum Gleichtun bewegen.
Jedoch meine Entscheidung stand fest. Da die bisher eingesetzten Therapieformen keinerlei Besserung versprachen, wurde mir bewusst, dass alles weitere seinen Weg gehen müsse ohne die ohnehin schon erfolglose Aussicht auf Heilung, aber mit einer wesentlich verbesserten Lebensqualität.
Die derzeitige Situation sieht so aus, dass ich lediglich seit Anfang 2009 regelmäßig Dronabinol zu mir nehme. Das Ergebnis meiner Entscheidung zeigte sich durch eine sofortige Verbesserung meines Allgemeinzustandes, einem guten Blutbild und durch die Zunahme von 9 kg Körpergewicht in 3 Monaten. Meine gesamte Schleimhaut hat sich regeneriert. Einzelne Stellen des Hautkrebses am Kopf wurden mit Haschisch Öl bestrichen und sind bis heute „nichtsignifikant“ von bösartig in gutartig gekehrt. Mittlerweile gelingt es mir unter der THC Therapie wieder effizient zu arbeiten. Das lenkt mich ab und ich kann nach vorne schauen. Wohin auch immer das Ziel geht, ich habe meine Entscheidung bis hierher nicht bereut. Zurzeit genieße ich das Leben und kann im vollen Umfang daran teilhaben. Ich habe keine Schmerzen, ich kann wieder essen und mein derzeitiges Blutbild ist vollkommen normal. Auch mir liegt sehr viel daran, dass die heutige Medizin THC und seine positiven Eigenschaften als Medikament nicht unberücksichtigt bleibt. Auch ich möchte einen kleinen Teil dazu beigetragen haben, wenn es irgendwann einmal so sein wird, dass die Verschreibung an sich, und die Nutzung in vereinfachter Regelung für Patienten möglich sein wird. Das ist der Grund, weshalb ich meine Geschichte heute bei Doktor Hanf erzähle. THC wird mich weiterhin auf meinem Weg begleiten, egal wohin er geht und egal wann und wo er zu Ende ist.
Tom

Mehr zum Thema: www.doktor-hanf.de

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