Mittwoch, 6. April 2005

Vom Hanfanbau und urbanen Grow Legenden

Deutsche Hecke kannste vergessen

Die gute alte deutsche Hecke kannste echt vergessen, weil sie so, wie
sie ihren Begriff geprägt hat – gedankt sei euch allen – fast nicht
mehr existiert. Jeder hat den Begriff „deutsche Hecke“ wohl schon
einmal gehört. Wahrscheinlich sollte ich anstatt Begriff lieber
Schimpfwort schreiben, schließlich kennen die meisten von uns quasi nur
unpotente, verlaubte und oft
ziemlich feuchte Hanf-Pflanzenteile unter dem Schlagwort „deutsche Hecke“.
Dass auch in unseren Breiten Hanf im Freiland erfolgreich angepflanzt
werden kann, haben nicht erst die Niederländer gezeigt. Hanf wird als
landwirtschaftliche Kulturpflanze seid Tausenden von Jahren auch in
Nordeuropa angebaut. Die „deutsche Hecke“ entstand aus Unwissenheit.
Irgendwann trauten sich einige Schwerverbrecher, gegen das deutsche
Betäubungsmittelgesetz zu verstoßen und die Samen, welche sie
wahrscheinlich aus illegal erworbenen Hanf- Blütenspitzenmaterial
entnommen haben, unerlaubt im Freiland anzupflanzen.
Dass es sich damals bei der Rauchware unter anderem auch um
verbotenerweise aus Äquatornähe importiertes Outdoor-Weed gehandelt
haben könnte, ist nicht wirklich von der Hand zu weisen. Samen aus
solchem Gras brachten Ansprüche und Eigenschaften mit, wie sie im
nördlichen Mitteleuropa kaum ungünstiger sein könnten. Außerdem wurden
wohl mehr Seeds gebraucht, als im gekauften Gras enthalten waren. Das
führte dazu, dass oft ein kleines Feld angelegt wurde, auf dem
männliche und weibliche
Pflanzen gemeinsam bis in den Herbst stehen gelassen wurden, um an
möglichst viele Seeds zu kommen. Diese Zufallsbestäubungen brachten
viele völlig verschiedene Eigenschaften und Ansprüche hervor, die es
nicht einfacher machten, ordentliches Gras im hiesigen Freiland zu
kultivieren.
Hinzu kommt, dass illegale deutsche Outdoor-Farmer auf Bereichen
anpflanzten, die oft ziemlich ungünstig waren, dafür aber sehr gut
getarnt lagen. Wenig Licht, viele Nadelhölzer und dichter, feuchter
Boden ergaben, gepaart mit Samen und deren Ansprüchen an die Boden-,
Klima- und Lichtverhältnisse sowie der abweichenden Blütedauer, denkbar
unangenehme
Ergebnisse – die so genannte „deutsche Hecke“. Heute bedienen sich
Outdoor-Grower meist aus dem Angebot bester Genetik der
Cannabis-Breeder, welches z. B. bei Händlern unter anderem in Spanien,
der Schweiz oder Österreich angeboten wird. Viele Sorten haben viele
Eigenschaften. Wichtig bei der Wahl einer Outdoor-Sorte ist für viele
Freiland-Gärtner eine frühe, möglichst kurze Blüte und ein gedrungener
Wuchs. Die Sämlinge werden heute meist indoor unter Kunstlicht
aufgezogen. Eine geschützte Vorzucht unter Kunstlicht, im Gewächshaus
oder auch auf der Fensterbank bis zu einer stabilen Größe um die 20
Zentimeter ist überlebenswichtig. Kleinere, schwächere Pflanzen fallen
Fraßfeinden wie Schnecken oder Karnickeln zu leicht zum Opfer. Häufig
werden die Pflanzen indoor auch auf 30 Zentimeter und mehr vorgezogen
und dann z. B. in einem großen Topf in den Garten gestellt, wo sie bis
in den Herbst gepflegt und ausgeblüht werden. Wenn dem Gärtner das
Geschlecht der Pflanzen nicht bekannt ist, weil er nicht aus Klonen
angepflanzt hat, sieht er ab Mitte August nach, ob männliche Pflanzen
mit herausgepflanzt
wurden und eliminiert diese, bevor sie die weiblichen Hanfpflanzen
bestäubt haben. Einige Gärtner stellen die Outdoor-Pflanzen am Ende der
Indoor-Vorzucht auch zwölf Stunden unter Kunst- oder Tageslicht und
zwölf Stunden in absolute Dunkelheit, um die Blüte einzuleiten und das
Geschlecht sicher festzustellen, sowie die nachfolgende Blütedauer
draußen zu verkürzen. Abgesehen davon, so einige mehr oder weniger
schwere Zwitter zu riskieren und damit recht unbrauchbare Seeds im
Endprodukt zu haben, ergeben sich dadurch keine größeren Probleme.
Soll der, in Deutschland durch das Betäubungsmittelgesetz verbotene und
damit illegale, Outdoor-Anbau von Hanf-Pflanzen möglichst unentdeckt
bleiben, beschneiden einige Gärtner ihre Outdoorpflanzen bereits
während der geschützten Aufzuchtphase. Die Regel ist im Freiland nicht
mehr zu
beschneiden, weil die Schnittwunde so noch im geschützten Bereich der
Aufzucht verheilen kann und die Pflanze nicht unnötig geschwächt wird.
Beschnitten wird einmalig der Haupttrieb, wenn der sechste Knotenpunkt
erreicht ist, oberhalb des vierten Knotens im Haupttrieb. Zugleich
schneiden die Gärtner der Pflanze das unterste Triebpaar vom
Haupttrieb, sodass nun nur noch das zweite, dritte und vierte Triebpaar
stehen. Dies hat zur Folge, dass die Pflanzen sich kräftig verzweigen.
Die untersten Triebe würden draußen kaum Ertrag liefern, dafür aber
eventuell runterhängen und für Schädlinge „eine Brücke auf die Pflanze“
sein. Außerdem wird so der
kräftige Austrieb der beiden verbliebenen nun obersten Triebe gewährleistet.
Der Schnitt einer Outdoor-Pflanze bietet dem Gärtner den wesentlichen
Vorteil, dass die Pflanzen kleiner bleiben, als wären sie nicht
beschnitten worden. Selbiges gilt für das „Vorblühen unter Kunstlicht“.
Beides bietet Vorteile beim Einflechten der Pflanzen in das umgebende
Erscheinungsbild
des Pflanzortes/der Landschaft/des Gartens. Eine 70 Zentimeter hohe
Pflanze wird von weitem nicht so deutlich wahrgenommen wie eine 150
Zentimeter hohe. Kleine Pflanzen lassen sich durch umliegende, etwas
größere Pflanzen fast „unsichtbar“ machen. Im Idealfall verschwinden
sie hinter der
Vorbepflanzung und verschwimmen mit der Hintergrundbepflanzung.
Der andere nicht abzuweisende Vorteil einerbeschnittenen
Freiland-Hanf-Pflanze sind die luftiger wachsenden und weniger dichten
wie kompakten, großenBuds. Liegen die Blütenbüschel sehr eng
beieinander, steigt die Gefahr, dass sich in den kühlen September- und
Oktobernächten Kondenswasser/Tau in den Buds niederschlägt, wodurch
Schimmel an den Blüten verursacht wird. Erfahrene Freiland-Bauern
setzen lieber auf kleine, qualitativ gute, als auf große, matschige
Buds!
Was die – in Deutschland kriminellen – Gärtner sonst noch so alles
dafür tun, dass es ihren Pflanzen im Freiland möglichst gut geht, ob
sie Töpfe in den Wald stellen oder Löcher graben, sackweise Erde
ankarren und Wasserfässer in Bäume hängen, Langzeitdünger ausbringen
oder auf biologische Prozesse setzen, erfahrt ihr in der Growing
Sonderausgabe des Hanf Journals, die eigentlich auch schon in eurem
Briefkasten liegen sollte
(weil ihr ja alle das Hanf Journal lesen möchtet und es daher –
spendabel wie ihr alle seid – aus rein ideologischen Gründen, im
absolut geheimdiensttauglich diskreten Umschlag, abonniert habt …;).
Kein kommerzieller Grower kann so auf die qualitätsbestimmenden
Faktoren eingehen wie ein gut informierter Eigenbedarfs-Gärtner in einem Land, in dem der Heimanbau von Hanf legal ist.

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